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Mittwoch, 11. April 2012

Die Tribute von Panem und Battle Royale - Ein Vergleich

Die Tribute von Panem von Suzanne Collins
In letzter Zeit wird immer häufiger darüber diskutiert, ob Suzanne Collins bei Ihrem Bestseller "Die Tribute von Panem" von Koushuns Takamis "Battle Royale" abgeschrieben hat oder nicht. In diesem Artikel soll es nun darum gehen, ob dieses Gerücht stimmen kann oder nicht, außerdem sollen die verschiedenen Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Romane erörtert werden.

Die Tribute von Panem 1 - Tödliche Spiele

Im Reich Panem, das dort liegt, wo einst Nordamerika war, regiert das Kapitol mit eiserner Hand. Die meisten Menschen in den unterdrückten zwölf Distrikten kämpfen jeden Tag um ihr Überleben. Der Hungertod ist aber nicht die größte Bedrohung für die Menschen. Jedes Jahr werden ein Mädchen und ein Junge aus jedem Distrikt  im Alter von zwölf bis 18 Jahren für die so genannten "Hungerspiele" ausgewählt. Als das Los auf die 12-jährige Prim fällt, meldet sich ihre große Schwester Katniss freiwillig, um sie davor zu bewahren, mitspielen zu müssen, wohlwissend, dass sie damit ihr eigenes Todesurteil unterschreibt. Denn von den 24 Tributen kann nur einer überleben...

Battle Royale von Koushun Takami
 Battle Royale von Koushun Takami
Japan und China haben das Großreich Ostasien gegründet, einen totalitären Staat, der die Menschen unterdrückt. Eines der Unterdrückungsinstrumente ist die so genannte "Battle Royale". Dabei handelt es sich um ein grausames Spiel, bei dem jedes Jahr Schulklassen auf eine einsame Insel verschleppt werden. Die Schülerinnen und Schüler sollen sich dort so lange bekämpfen, bis nur noch eine oder einer von ihnen am Leben ist....

Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Battle Royale und Die Tribute von Panem

Die auffälligste Gemeinsamkeit der beiden Bücher ist natürlich, dass sowohl bei "Battle Royale" als auch bei "Die Tribute von Panem" von einem totalitären Regime moderne Gladiatorenspiele dazu benutzt werden, um die Bevölkerung in Angst und Schrecken zu versetzen. Die Spiele selbst unterscheiden sich im Detail aber gewaltig. Während die "Hungerspiele" in Panem medienwirksam aufgezogen und die Versprechen den Tributen gegenüber (Leben in Luxus wenn man gewinnt, etc...)eingehalten werden, ist das in "Battle Royale" nicht so (einer der Charaktere ist ein ehemaliger Gewinner, der die Protagonisten darüber informiert, dass es der Regierung schlicht scheißegal ist, wer gewinnt). Außerdem werden in "Battle Royale" jährlich mehrere Schulklassen ausgewählt, die gleichzeitig auf verschiedenen Inseln spielen, was das Szenario noch unrealistischer macht. Warum? Ganz einfach, weil man in "Die Tribute von Panem" das Gefühl hat, dass hier die verschiedenen Distrikte relativ geschickt voneinander isoliert und zum Teil gegeneinander ausgespielt werden. Außerdem können die Leute sich hier durch die ständige Medienpräsenz und Liveübertragung der Spiele an den modernen Gladiatorenspielen ergötzen. In "Battle Royale" wurden, wenn man von der angegebenen SchülerInnenzahl von 40 Kindern pro Klasse ausgeht, bereits fast 2000 (!) Kinder gekillt. Und das ist das absolute Minimum, eine Zahl, die - wenn man den Angaben im Buch folgt - schon beinahe jährlich (!) erreicht wird. Das Problem hierbei ist, dass man sich - anders als in Panem - im Reich Ostasien wohl kaum einreden kann, dass es die eigenen Kinder schon nicht erwischen wird. Umso unverständlicher ist, dass es offensichtlich keinen nennenswerten bewaffneten Widerstand gibt. Ich habe mich beim Lesen die ganze Zeit gefragt, wie lange es in der Realtiät wohl dauern würde, bis die herschende Klasse hier einen waschechten Bürgerkrieg am Hals hätte, der wohl auf so ziemlich jede Form von internationaler Unterstützung bauen könnte.

Die Charaktere von Battle Royale und Die Tribute von Panem

Beide Bücher leben (oder wollen das zumindest) von ihren starken Charakteren. Nur: In "Die Tribute von Panem" wirken diese wesentlich lebendiger als in "Battle Royale". Das liegt daran, dass Koushun Takami einen fatalen Fehler macht. Er zeichnet die Antagonisten als das absolut Böse und zwar nicht nur die Schergen des Systems, sondern auch die Mitschüler, welche von den "Helden" getötet werden müssen. Ganz ehrlich, wie ernst soll ich ein Buch nehmen, in dem japanische Teenager (mit Ausnahme unserer Protagonisten) allesamt als gewalttätige Drogenhändler und Zuhälter geschildert werden und man bei manchen eher das Gefühl hat, einen Gegenspieler von James Bond vor sich zu haben und keinen Schüler. Umso lächerlicher wirkt diese Angelegenheit, wenn man dann noch ganz auf "kontroverser und aufrüttelnder Thriller" machen möchte. Das funktioniert dann nämlich nicht mehr wirklich, wenn man alle drei Seiten entweder mit den Augen rollen oder laut loslachen will. Ein gutes Beispiel hierfür ist "Fuchsgesicht", eine Schülerin, die in "Battle Royale" als Anführerin einer Mädchengang, die ihre Mitschülerinnen als Nutten an ältere Kunden vermietet, beschrieben wird (das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen). Diese ist noch dazu ein Missbrauchsopfer und das alles wird so übertrieben geschildert.....dass es einem beim Lesen schlicht scheißegal ist. Des Weiteren wirken diese Schilderungen immer so, als würde Takami versuchen, seinen Protagonisten eine moralische Rechtfertigung für ihre Morde geben zu wollen.
Suzanne Collins hat in "Die Tribute von Panem" ebenfalls ein Mädchen mit diesem Namen eingebaut, allerdings ist diese charakterlich völlig anders. Bei ihr handelt es sich um eine junge Frau, die ganz einfach versucht, offenen Konfrontationen aus dem Weg zu gehen und die vor allem durch ihre Cleverness überleben will. Dass ihr am Ende gerade das zum Verhängnis wird und sie sich genau genommen selber damit austrickst, ist wohl eine Ironie des Schicksals. Jedenfalls hat Koushun Takami das Problem, dass er mit völlig überzeichneten Charakteren in einem ohnehin schon unrealistischen Setting eine in seinen Augen realistische Geschichte erzählen. Dass das nicht funktionieren kann, hätte ihm eigentlich klar sein müssen. (Übrigens werden die ganzen Übertreibungen in der Verfilmung von "Battle Royale" sogar noch heruntergefahren und schon der Film neigt dazu, ständig mit Höchstgeschwindigkeit unterwegs sein zu wollen.)
Ganz anders ist das bei "Die Tribute von Panem". Klar gibt es hier mit Cato und seiner Clique eine Gruppe von Leuten, die darauf aus ist, die Spiele zu gewinnen und alle anderen eliminieren will, allerdings hat man selbst bei denen das Gefühl, dass es sich hier immer noch um "normal böse" Menschen handelt. Von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, bei denen man das Gefühl hat, dass sie genauso gut Freunde sein könnten, wenn sie nicht in diesem perversen Spiel auf verschiedenen Seiten stehen würden, ganz zu schweigen.
Ich habe vor einiger Zeit auf einen anderen Vergleich verlinkt, dessen Autor zu dem Schluss kommt, dass auch einige der anderen Charaktere und der Schluss beider Bücher einander sehr ähnlich sind. Unter anderem wird hier auf Rue und die Giftmischerin aus Battle Royale eingegangen. Diese beiden zu vergleichen ist doch ein wenig abenteuerlich, da die Giftmischerin aus Battle Royale ihr Gift per Zufal als Waffe erhalten hat und sie den Helden der Geschichte aufgrund einer falschen Annahme damit umbringen will (aber versehentlich ihre Freundinnen damit umbringt), während Rue ihre Kräuterkenntnisse dazu einsetzt, Katniss' Verletzungen mithilfe der sie umgebenden Pflanzen zu behandeln. Wo bitte sind hier die Parallelen? Es braucht nun wirklich keine große Vorbildung in diesem Bereich, um ein Fläschchen, auf dem eigentlich nur noch ein großer schwarzer Totenkopf fehlt, als Giftbehälter identifizieren zu können und dann jemandem das Zeug ins Essen zu schütten. Und wenn ich hier tatsächlich eine Gemeinsamkeit konstatieren will, dann kann ich auch gleich sagen, dass alle ApothekerInnen der Welt Gemeinsamkeiten mit unserer Giftmischerin haben und sie so als potentielle MörderInnen bezeichnen.
Dass das - wie auf inaimathi.de behauptet - Ende dem von "Battle Royale" ähnlich ist, möchte ich ebenfalls in Abrede stellen. In "Battle Royale" ergreift unser Pärchen mit der Hilfe eines anderen Teilnehmers die Flucht. Natürlich muss ihr Helfer erst noch supermelodramatisch den Heldentod sterben (*augenroll* Der Typ hält eine Volksrede als letzte Worte, die so theatralisch ist, dass ich ihm beim Lesen mittendrin nicht nur gedanklich "Jetzt kratz' schon ab!" zugerufen habe) und unsere Helden sind nun auf der Flucht vor dem Regime. In "Die Tribute von Panem" wird mitten im Spiel eine Regeländerung verkündet, dass es - wenn beide aus demselben Distrikt kommen - diesmal auch zwei SpielerInnen überleben können. Da Katniss und Peeta dem Publikum die ganze Zeit ein Liebespaar "vorgespielt" haben (dass er in sie wirklich verknallt ist, weiß sie erst nicht), wird nun von ihnen selbstverständlich erwartet, dass sie zusammenbleiben (und natürlich haben sie so auch weitaus größere Chancen zu überleben). Natürlich schaffen die beiden es und werden zu den Siegern der Spiele erklärt. Das ist ein gewaltiger Unterschied zu Battle Royale.

Fazit zu Battle Royale und Die Tribute von Panem

Eigentlich wollte ich zum Schluss sowas wie "Hier ist die Kopie besser als das Original" schreiben, aber mir ist beim Lesen immer mehr klar geworden, dass es sich hier um keine Kopie handelt. Suzanne Collins hat sich maximal bei der Grundidee und bei einem der Charaktere von "Battle Royale" inspirieren lassen und außerdem das weitaus bessere Buch geschrieben.

Zu Teil 2 von Die Tribute von Panem geht es hier: Die Tribute von Panem - Gefährliche Liebe

Mittwoch, 28. März 2012

Die Tribute von Panem vs Battle Royale

Auf inaimathi.de hat man sich die Mühe gemacht, die doch sehr auffälligen Parallelen zwischen Koushun Takamis "Battle Royale" und "Die Tribute von Panem" von Suzanne Collins aufzuzeigen: Der Royale Battle von Panem

Man kann manche dieser Parallelen für unabsichtlich halten, aber wenn die Charaktere schon die gleichen Namen haben (und bei Namen wie "Fuchsgesicht" ist das bestimmt kein Zufall) und dieselben Waffen benutzen, dann ist wohl schnell klar, wer hier von wem abgeschrieben hat.

Siehe auch: Die Tribute von Panem und Battle Royale - Ein Vergleich (und ja, ich musste meine Meinung großteils revidieren)