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Montag, 31. März 2014

Helden - Wenn dein Land dich braucht von Hansjörg Thurn

Helden - Wenn dein Land dich braucht von Hansjörg Thurn
Ein Nachrichtensatellit stürzt in den Berliner Reichstag. Die Regierung geht noch von einem Terroranschlag aus, als plötzlich überall die Flugzeuge vom Himmel fallen. Von einer Sekunde auf die andere bricht die gesamte Kommunikation zusammen. Der Wissenschaftlerin Sophie Ritter (Christiane Paul) ist sofort klar, dass im Forschungszentrum von Genf etwas schief gelaufen sein muss. Tatsächlich haben die Wissenschaftler dort mithilfe der so genannten "Gottesmaschine" den Urknall simuliert. Dabei haben sie versehentlich ein schwarzes Loch erschaffen, das nun die Erdgravitation verändert. Der Bundeskanzler (Heiner Lauterbach) bittet sie, sich auf den Weg nach Genf zu machen und das Experiment zu stoppen. Zusammen mit ihrem Ex-Freund Marc Weber (Hannes Jaenicke), der seine sich dort befindende Freundin und seine Tochter retten will, macht sie sich auf in die Schweiz. Dabei suchen sie verzweifelt nach dem jungen Hacker Tobias, auf dessen Laptop die Abschaltcodes für den Teilchenbeschleuniger gelandet sind...

Ein Teil davon wurde auch in Österreich gedreht:




Hier findet ihr den Trailer.

So viel, wie vor und nach der Premiere über diesen Film geschrieben wurde, war mir klar, dass ich ihn mir irgendwann ansehen werde. Schließlich, so dachte ich mir, bestehen hier gute Chancen, dass "Helden - Wenn dein Land dich braucht" ein Trashfilm allererster Güte sein könnte.
Die Handlung des Filmes gewinnt auf jeden Fall keinen Originalitätspreis. Die Handlungsmuster, durch die die Schicksale unserer Helden miteinander verbunden sind, sind aus allen anderen Katastrophenfilmen bekannt. Da gibt es den verzweifelten Vater, der seine rebellische Tochter retten will. Die alten Menschen, die auf das Abstellgleis geschoben wurden und nun noch einmal beweisen können, was in ihnen steckt. Übertrieben hat man das bei der Figur des Marc Weber, der von Hannes Jaenicke gespielt wird. Der ist nämlich gleich dreifach persönlich involviert: Erstens besichtigt seine Tochter gerade den Teilchenbeschleuniger, zweitens ist seine derzeitige Freundin (Yvonne Catterfeld) ebenfalls dort und drittens ist die von Christiane Paul gespielte Wissenschaftlerin, mit der er nun in Richtung Schweiz aufbricht, seine Ex-Freundin. Noch mehr Overkill ging wohl nicht mehr.

Reaktionäre Ideologie
Im Lauf der Zeit schleicht sich beim Ansehen immer mehr das Gefühl ein, dass die Macher nicht gerade Fans des wissenschaftlichen Fortschrittes sind. Mehrfach wird gesagt, dass das alles nur deshalb passiert ist, weil wir "wie Gott sein" oder "Gott spielen wollten". Das Alte triumphiert über das unbekannte Neue. Ein Paradebeispiel hierfür sind die Senioren, die mit ihrem Funkgerät aus dem Jahre Schnee abhören können, dass eine Atombombe auf den Teilchenbeschleuniger geworfen werden soll (von abhörsicheren Funkgeräten haben Hansjörg Thurn und Co wohl noch nie gehört). Im Verlauf des Filmes gibt es mehrere Storylines, die darauf hinauslaufen, dass das Alte über das Neue siegt. Da wäre zum Beispiel der pubertäre Sohn, der lernen muss, dass die Arbeit in dem altmodischen Laden seines Vaters nicht so schlecht ist, wie er geglaubt hat. Dann gibt es noch die beiden Brüder, die zusammen einen Bauernhof betreiben. In einem wahren Lehrbeispiel für das, was Schiller in seiner Rede über die Bühne als moralische Anstalt angesprochen hat, stirbt der verantwortungslose (weil auf die Tradition vergessende) Bruder, während der andere seinen Teil zur Rettung der Welt beitragen darf.

Unfreiwillig komischer Pathos
Bei einem Titel wie "Helden - Wenn dein Land dich braucht" darauf zu hoffen, dass die Patriotismusfahne nicht zu sehr geschwenkt wird, wäre wohl ein wenig naiv. Dennoch wirkt die Art und Weise, wie dieser Patriotismus und das Zusammengehörigkeitsgefühl der "Volksgemeinschaft" präsentiert wird, oft wie eine Parodie auf die "Du bist Deutschland!"-Spots, mit denen wir eine Zeit lang im Fernsehen belästigt wurden. Meine Lieblingsszene ist die, in der Willi (Armin Rohde), seines Zeichens der Welt größter Schalke-Fan, mit den leicht pathetischen Worten "DAS ist jetzt unser Verein!" die deutsche Nationalflagge an sein Auto heftet und ins Krankenhaus fährt, weil er dort seiner Frau helfen will, indem er im Wirtshaus ein Feldlazarett einrichtet. Zu solche Szenen kommen dann auch noch die Reden von Bundeskanzler Heiner Lauterbach dazu, die ohne Ausnahme allesamt so klingen, als hätte man sie aus einem "Patriotische Reden für Dummies"-Buch kopiert. Hätte man diese Szenen ersatzlos gestrichen, wären sie kein großer Verlust gewesen (gut, für Trashfans vielleicht, denn zum Lachen sind die ganzen "Deutschland ist toll"-Bekundungen schon). Die sparsam eingetzten Zerstörungseffekte wären dann auch besser zur Geltung gekommen.
Generell wirkt dieser Film so, als ob RTL versucht hätte, einen Roland Emmerich-Film auf TV-Niveau zu drehen, denn wenn man davon absieht, dass der Film in Deutschland und nicht in den USA spielt, sind die Unterschiede fast gar nicht mehr vorhanden. Hier wie dort scheint der Weltuntergang ein eher nationales Problem zu sein, nur dass diesmal nicht die USA, sondern Deutschland die Welt retten darf (ein besonderes Schmankerl ist die Szene, in der die Schweiz nach maximal fünf Minuten Gerede dem Vorschlag zustimmt, eine Atombombe auf den Teilchenbeschleuniger zu schmeißen. Die mögen sich wohl selbst nicht besonders, diese Schweizer. ;-)).

Fazit zu "Helden - Wenn dein Land dich braucht"
"Helden" ist nicht viel blöder als andere Eventfilme von RTL. Ein paar Szenen sind aufgrund ihrer phänomenalen Blödheit ganz witzig, wenn man den FIlm sausen lässt, hat man aber auch nicht viel verpasst.

Sonntag, 1. Juli 2012

Filme von A bis Z: A wie Abwärts

So, ich machs jetzt einfach genauso wie Wolfgang beim Wortschlaghammer drüben und mache eine Liste von A bis Z. Allerdings mit Filmen und nicht mit Songs und außerdem werde ich, um die Sache ein wenig spannender zu machen, einfach blind in meinen DVD-Schrank greifen und dann den Film besprechen, den ich gezogen habe (und da dort auch die DVDs meiner Lebensgefährtin stehen, hält das Schicksal bestimmt die eine oder andere romantische Komödie für mich parat).


Der Buchstabe A bringt jedenfalls folgenden Film:

Abwärts mit Götz George und Hannes Jaenicke

Ein Bürohochhaus am Freitagabend. Die Gänge sind menschenleer und alle Angestellten auf dem Weg ins Wochenende. Das gilt leider auch für den Aufzugsreparateur, der seine Arbeit erst am Montag beenden will. Dumm ist das allerdings für die vier Leute, die den Lift noch benutzen wollen, denn die bleiben prompt im Lift stecken. Das vor Montag keine Hilfe zu erwarten wäre und sie bis dahin allesamt verdurstet und erstickt wären, muss das Quartett versuchen, selber einen Ausweg zu finden. Dabei eskalieren die Konflikte, welche die die vier miteinander haben, allerdings endgültig...



Klaustrophobischer Thriller

Abwärts ist ein Film, der bei mir beim ersten Ansehen ein echtes Gefühl von Unwohlsein ausgelöst hat. Das liegt vor allem daran, dass ich hin und wieder unter Platzangst leide. Nicht so sehr, dass ich in engen Räumen sofort ausflippe, aber doch genug, um den Charakteren die aufkommende Panik nur zu gut nachfühlen zu können.
Damit ein Film, der fast die ganze Zeit an einem einzigen Schauplatz spielt (der noch dazu so beengt ist, wie eine Aufzugskabine) funktioniert, braucht man zwei Dinge: Ein gutes Drehbuch und gute Schauspieler. Abwärts hat beides. Götz George als abgehalfterter Yuppie-Macho und Hannes Jaenicke als Möchtegernrebell tragen den Film locker auf ihren Schultern und dominieren jede Szene, in der ihre Figuren den Ton angeben (und das sind fast alle). Renée Soutendijk und Wolfgang Kieling (die für den Film von Hannelore Elsner synchronisiert wurde) sind als Marion, die den Konflikt zwischen den beiden von George und Jaenicke gespielten Figuren erst so richtig ins Rollen bringt und als Gössman, der bieder wirkende Buchhalter, der seinen Koffer mit gutem Grund nie aus den Augen lässt, auch nicht zu verachten.
Das Drehbuch gibt den Schauspielern auch richtig gutes Material, mit dem sie arbeiten können. Ja, am Anfang geht ein wenig viel schief mit dem Aufzug. Allerdings hat man beim Zuschauen nie das Gefühl, dass das Gezeigte zu unrealistisch wäre. Worin der Film wirklich geschickt ist, ist das Enthüllen von menschlichen Reaktionen in Extremsituationen. So etwas wie einen strahlenden Helden sucht man hier eigentich vergeblich, irgendwann lässt sich jeder etwas zu Schulden kommen.

Abwärts ist zeitlos

Der Film von Carl Schenkel (Knight Moves) ist außerdem absolut zeitlos. Aufgrund seines Settings könnte der Film mit ganz wenigen Änderungen problemlos auch im jahr 2012 spielen, die wenigen Dinge, welche den Film in den 80ern verorten (also eigentlich nur Jaenickes Pocket Game und der Walkman) können problemlos ersetzt werden und da man im Aufzug eh oft genug keinen Handyempfang hat, spielen Mobiltelefone hier eh keine Rolle. Abwärts aus dem Jahr 1984 ist einfach ein feiner Thriller mit guten Schauspielern.