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Dienstag, 6. September 2016

The Next Deathwish von Marc Vorlander

The Next Deathwish (USA 2013) von Marc Vorlander
Inhalt laut DVD-Cover (und nur laut dem, denn der Film hat damit nicht sehr viel zu tun): Mysteriöse Morde führen zwei FBI-Agenten von L. A. nach New York. Doch sie sind nicht die einzigen, die nach dem Täter suchen: Ein geheimnisvoller Sensei und Chel, die Tochter des berühmten New-York-Rächers, durchstreifen ebenfalls die Straßen von Manhattan auf der Suche nach wichtigen Hinweisen. Chel wird immer tiefer in ein fragwürdiges Milieu hineingezogen. Sie taucht ab in eine Welt aus Sex und Drogen, bevor sich endlich der Kreis schließt und die Schuldigen in der Hölle brennen...

The Next Deathwish von Marc Vorlander
Bevor ich mit der eigentlichen Rezension des vorliegenden Films beginne, möchte ich mich bei einem Menschen entschuldigen, dem ich offensichtlich schweres Unrecht getan habe. Ich hoffe, Marcel Walz liest diese Zeilen:

"Lieber Marcel!

In meinem letzten Review zu einem deiner Filme habe ich einige sehr unschöne Dinge gesagt. So habe ich z. B. behauptet, dass man dir Zucker in den Allerwertesten bläst, wenn man dich einen talentierten deutschen Regisseur nennt. Dafür möchte ich mich in aller Form entschuldigen. Egal, welche Unzulänglichkeiten deine Filme auch immer haben mögen: Sie haben immer einen Anfang, einen Mittelteil und einen Schluss. Du kennst die klassische Dreiaktstruktur, weißt, wie man die Kamera hält und manche Dinge in Szene setzt. Du setzt dieses Wissen zwar nicht immer richtig um, aber hey, es ist zumindest vorhanden. Leider wusste ich das früher nie zu schätzen. Marc Vorlander und seine Vollkatastrophe von einem "Film" waren diesbezüglich ein brutaler Lehrmeister. Warum dem so ist und was man in 60 Minuten Film alles falsch machen kann, kannst du - gemeinsam mit allen anderen - hier nachlesen.

Reuevoll,
Dein Udo"

Und jetzt kommen wir zu Vorlanders Deathwish. Auf der DVD-Schachtel steht etwas von einer Lauflänge von etwa 60 Minuten (laut Vorlander übrigens die optimale Länge für einen Film). Das ist glatter Betrug. Der "Film" (und ich verwende dieses Wort nur unter Protest) beginnt nämlich mit einem Monolog von Allan A. Goldstein über den von ihm inszenierten Death Wish V aus dem Jahr 1994. Stolz präsentiert Goldstein die Originalwaffe aus dem Film, die er immer noch besitzt und spätestens ab diesem Moment bemerkt man Vorlanders fehlendes Gespür für Bildkomposition. Nicht nur, dass man aufgrund der seltsamen Perspektive das Gefühl hat, vor Goldsteins Schreibtisch zu knien, hält dieser die Waffe ständig so, dass sie maximal halb im Bild zu sehen ist. Jeder andere Regisseur hätte hier schon unterbrochen und Goldstein gesagt, dass er das Ding bitte etwas höher halten soll, aber nichts da, wir dürfen die Waffe wohl nicht sehen. Dieser Vortrag nimmt schon ganze sechs Minuten Film in Anspruch.
Danach folgt ein sechsminütiger Vorspann, bei dem man Ken Kensei beim Ausführen der immer gleichen Schwertkampftechniken bewundern darf. Stoppt ihr noch mit? Damit bleiben noch maximal 48 Minuten "Film" So geht es munter weiter, Vorlander verwendet immer wieder Füllmaterial, um die Laufzeit zu strecken. Der Höhepunkt dieser Vorgehensweise kommt nach etwa 10 Minuten, als Vorlander mal eben mehrere Minuten von seinem Vorgänger-Machwerk "Showgirls Exposed" zeigt, die gleichzeitig einen aktuellen Mord in Next Deathwish UND Werbung für seinen Showgirls-Film darstellen sollen. Krönender Abschluss dieser Farce ist die Einblendung einer Texttafel: "Showgirls Exposed. A Photoplay by Marc Vorlander". Ja, ihr habt richtig gelesen. Vorlander macht Werbung für sich selbst via Texttafel, indem er in "The Next Deathwish" einfach eine Werbeeinschaltung für "Showgirls Exposed" tätigt. Dem ist echt nichts zu peinlich. Das gilt auch für die Tatsache, dass Marc Vorlander und Oliver Krekel (dessen DigiDreams Studio die DVD herausgebracht hat) dieses Machwerk tatsächlich als Film vermarkten, obwohl genau 26 Minuten originales Material für diesen Streifen entstanden sind. Der Rest besteht aus Füllszenen aus anderen Filmen (wie eben "Showgirls Exposed"), Stock Footage der Stadt New York und anderen sinnlos aneinander gereihten Szenen. Nein, das ist keine Kunst, das ist offen zur Schau gestelltes Unvermögen.
Dass Vorlander sein Handwerk nicht beherrscht, zeigt sich nicht nur in der hilflosen  Art und Weise, mit der er sein Archivmaterial mit den für den Film entstandenen Szenen kombiniert. Der Herr Regisseur hat keinerlei Auge für wichtige Details. Beispiel gefällig? Der Film spielt (wofür es genau genommen keinen vernünftigen Grund gibt) in den 90ern. Schön und gut, dann wäre es aber besser, wenn im Hintergrund nicht ständig Leute mit ihren Smartphones durch die Gegend laufen (einer bleibt sogar stehen und macht ein Foto mit seinem Handy). Das ist doch "etwas" anachronistisch und die Kleidung der Protagonisten sieht auch verdächtig modern aus.


Inszenierung? Abwechslung? Brauchen wir nicht!
"Ich stelle eine Kamera hin und betätige den Aufnahmeknopf." - Würde Vorlander seinen Stil ehrlich beschreiben, er käme über diesen Satz nicht hinaus. Vorlander kennt bei Dialogszenen aus Prinzip nur eine Einstellung: Die Halbtotale, bei der die Kamera offenbar noch in den Boden eingemauert wurde. Da tut sich absolut gar nichts und besonders schmerzhaft ist das in jenen Szenen, in denen die Dialoge nicht gehört werden können und nur diese repetitive Elektromucke von Fernando Abrantes läuft. Da kommt dann zur unbeweglichen Kamera noch unerträgliche Musik dazu. Generell ist Vorlanders bevorzugtes Stilmittel, Dialoge einfach stumm zu schalten und mit Musik zu unterlegen, mit der Zeit einfach nur nervtötend.
Selbst wenn man die SchauspielerInnen beim Reden gehört hätte, bezweifele ich allerdings, dass das Ergebnis weniger enervierend gewesen wäre. Das liegt nur zum Teil an den absolut talentlosen Knallchargen (darunter ein gewisser Tom Rumpf, der in allen Diskussionen im Netz einen treuen Robin zu Vorlanders Batman spielt), sondern auch an der fehlenden Anleitung, die man jeder Szene ansieht. Das ist alles einfach nur hingeschludert worden, ohne jedes Verständnis für das filmische Handwerk. Den bemerkenswertesten Werdegang von Vorlanders Cast hat die weibliche Hauptrolle, Francesca DiPaola, hingelegt. Die hat mit Vorlander noch "Candy's Room" und ein Jahr nach "Deathwish" noch "Bongo: Killer Clown" mit Vorlander-Intimus Geraldine Winters gedreht. Ihr nächster Credit ist dann "The Sisterhood: Becoming Nuns", eine Reality-TV Show, in der es darum geht, dass eine Gruppe junger Frauen Nonnen werden möchte. Sie ist eine von ihnen. Ich kann sie gut verstehen.
Zum schlechten Film kommt dann auch noch eine fehlerhafte DVD-Produktion. Das verzerrte Bild tut schon sehr in den Augen weh, hier wurde eindeutig das falsche Bildformat auf die Scheibe gepresst. Oder haben die tatsächlich allesamt diese Eierköpfe? Ich hoffe doch nicht. Vom stumpfen Ton des Audiokommentars und der miserablen Tonqualität des Filmes (die aber auch auf Vorlanders Kappe gehen könnte), fange ich am besten gar nicht erst an.

Selbstbeweihräucherung und Größenwahn
Ich habe ja weiter oben schon angemerkt, dass Oliver Krekel mit DigiDreams diesen Film hierzulande auf DVD vertreibt. Ich kann nur sagen: Da haben sich die zwei Richtigen gefunden. Wenn ich mein Interview mit Krekel hier mit Torsten Dewis Vorlander-Interview vergleiche, erkenne ich durchaus Ähnlichkeiten in der Persönlichkeitsstruktur. Selbstbeweihräucherung und die Herabwürdigung von Kritikern steht bei beiden an der Tagesordnung, andere zu erniedrigen ist für beide die einzige Möglichkeit, sich selbst größer zu fühlen. Nirgendwo sieht und hört man das besser als beim Audiokommentar von Marc Vorlander zu "The Next Deathwish". Die erste halbe Stunde verbringt Vorlander gleich einmal damit, allen zu erzählen, was für ein visionärer Künstler er nicht ist. dass sein Spleen, mit künstlichen Alterungseffekten zu arbeiten, eine "totale Negation des Pixelwahns" sei (Vorlander mag kein HD), dass er in seinen Filmen immer nur echte Schusswaffen einsetzt (ich freu mich jetzt schon darauf, wenn er mal einen zweiten Brandon Lee produziert) und wie berühmt er jetzt bereits für seine Kameraarbeit ist. Dann entblödet er sich nicht, zu behaupten, dass er und Krekel die einzigen international bekannten Independentfilmer aus dem deutschsprachigen Raum sind und man in Los Angeles nur Petersen, Emmerich, Krekel und ihn selbst kennen würde. Der hält sich echt für berühmter als zum Beispiel Tom Tykwer oder Stefan Ruzowitzky. Dabei schafft er es nicht einmal, Uwe Boll das Wasser zu reichen. Zu guter Letzt schwurbelt Vorlander noch davon, dass Amerika über Deutschland lachen würde, weil in Deutschland das Waffenrecht viel zu streng sei und dass die EU viel zu viel Geld in sinnlose Projekte wie den Euro stecke (fragt nicht).
In der zweiten Hälfte des Filmes wird der Kommentar dann richtig widerlich. Ich habe oben bereits das Interview von Torsten Dewi verlinkt, das dieser mit Marc Vorlander geführt hat. Wenn man sich die Kommentare durchliest, kann man gut beobachten, wie Vorlanders fragliche Behauptungen in sich zusammenbrechen, er (Vorlander) nicht damit klar kommt und immer mehr mit Beleidigungen und Verleumdungen um sich wirft. Genau damit macht er hier weiter und es ist ihm anscheinend nicht zu niveaulos, seinen damaligen Interviewer Torsten Dewi erst als geifernden Hater hinzustellen (was selbstverständlich nicht die Wahrheit ist) und hinterher quasi aus zweiter Hand als Arschloch zu bezeichnen, indem er sinngemäß "Geraldine Winters hat gesagt, er ist ein Arschloch" sagt. (Dass das natürlich auch nicht stimmt, muss ich hoffentlich nicht extra dazu sagen, oder?) Vorlander bestätigt durch sein letztklassiges Verhalten nur das Bild, das ohnehin schon jeder von ihm hat, der seinen Namen googelt und danach die ersten paar Ergebnisse liest: Ein niveauloser Mensch, der nur noch in seiner eigenen Welt lebt.
Apropos Geraldine Winters: Diese Frau spielt bei der "Karriere" von Marc Vorlander eine interessante Rolle. Vorlander gibt ja immer wieder mit den Preisen an, die er mit seinen Werken beim "Jersey Gore Festival" gewonnen hat (unter anderem blendet er sie groß vor dem Beginn des Filmes ein) und erzählt jedem, der es hören will (oder auch nicht), wie toll und wichtig dieses Festival sei. Nun, dann wollen wir uns doch einmal die Fakten ansehen: Die Webseite des Festivals? Nicht mehr erreichbar. Festivals nach dem Jahr 2013? Fehlanzeige. Das Jersey Gore Festival fand genau zweimal statt und danach nie wieder. Viel interessanter ist aber, dass Geraldine Winters, die Drehbuchautorin für Vorlanders Film "Candy's Room", die Gründerin dieses Festivals war. Ein Schelm, wer nun denkt, dass sie ihrem Amigo die Preise zugeschanzt hat.

Kein Film, keine Kunst
Zurück zum Film selbst: Vorlanders Machwerk als solchen zu bezeichnen, fällt mir sehr schwer. Das liegt nicht daran, dass Vorlander sich mit Absicht den Konventionen des Mediums verweigern würde, wie er das gerne behauptet. Es liegt daran, dass er diese Konventionen schlichtweg nicht versteht und sie daher auch nicht umsetzen kann. Ich glaube ihm auch nicht, dass er Arthouse-Filme machen will. Vielmehr bin ich der Überzeugung, dass Vorlander sehr gerne ein großer Mainstream-Regisseur wäre. Er schafft es aber nicht, einen kohärenten Film zu drehen und ist verzweifelt, da er immer noch von Hollywood und der großen Karriere träumt. Jetzt redet er sich eben selbst ein, er mache bahnbrechende Kunstfilme für ein kleines Publikum. Deshalb wehrt er sich auch so stark gegen jegliche Kritik von außen, die dieses Luftschloss zum Einsturz bringen könnte. Wenn er nicht ständig Menschen persönlich angreifen würde, täte er mir leid. So ist The Next Deathwish lediglich ein Zeugnis dessen, was Vorlander alles nicht kann: Er kann keine Schauspieler anleiten, er hat keine Ahnung von Kameraführung oder davon, wie man verschiedene Filmquellen (also hier zum Beispiel Stock Footage, Material aus anderen Filmen und neu gedrehtes) sinnvoll verbindet und Drehbücher kann er auch keine schreiben.

Fazit zu The Next Deathwish
Schade um das verschwendete Filmmaterial. Aus psychologischer Sicht ist Film dennoch interessant, aber nur mit eingeschaltetem Audiokommentar. Hier kann man regelrecht dabei zuhören, wie jemand immer mehr in seine eigene Welt abdriftet.


Und zum Drüberstreuen gibt es hier noch ein Video von Kampfsportwunder und Vorlander-Kumpel Jörg Bergmann (falls ihr es nicht wisst: Vorlander ist außerdem noch weltbester Waffenhändler und hat mit Bergmann die Kampfsportart "Anti-Terror-Response" entwickelt). Rubrik: Sachen zum Lachen:



Ich habe zwar nur von 2000 bis 2004 JuJitsu gemacht, aber sogar ich kann sehen, dass die Kicks grundfalsch ausgeführt werden.

Und hier noch ein Song von Fernando Abrantes, den er gemeinsam mit Vorlander produziert hat:


Und diese Ohrenfolter stellt euch mal ausgedehnt auf 60 Minuten vor....

UPDATE: Hier gibt es die Rezension zum Bonusfilm auf der DVD: Candy's Room.

Dienstag, 29. Oktober 2013

Video über Trashfilme

Ein Freund von mir hat ein Video über Trashfilme gemacht, das ich euch nicht vorenthalten möchte. Viel Spaß damit!


Montag, 3. September 2012

Gastbeitrag von Markus Risser: Warum zur Hölle guckst du freiwillig schlechte Filme?

Weiter geht es mit den Gastbeiträgen (die noch einige Wochen weitergehen werden) zum 2. Geburtstag dieses Blogs. Nummer 2 stammt von Markus Risser, seines Zeichens der Chef der besten Website für Trashfilme im deutschsprachigen Raum: Badmovies.de. Ladies and Gentlemen, dieser Herr ist mit seinen witzigen und kurzweiligen Reviews zu einem großen Teil dafür verantwortlich, dass sich meine Wenigkeit nun (so wie er selbst) so gerne schlechte Filme ansieht und sich dabei scheckig lacht. Im Badmovies-Forum ist er übrigens als Dr. Acula unterwegs. Wenn ihr ihm das Postfach zuspammen wollt, wisst ihr jetzt, an wen ihr die Nachrichten schicken müsst.
Und jetzt wünsche ich viel Spaß mit seinem Beitrag:

"Warum zur Hölle kuckst du freiwillige schlechte Filme?"

Das ist eine der Fragen, die mir am Häufigsten gestellt wird (nach "Wie schaffst du es, so unverschämt GUT auszusehen?" und "Wann krieg ich die 50 Euro, die ich dir letztes Jahr geliehen habe, wieder zurück?") und ja, sie ist knifflig zu beantworten.

Zum Einen hängt die Antwort stark vom Fragesteller ab, denn wer als "guten Film" "Transformers 2" oder "Twilight" nennen würde, ist sicherlich nicht derjenige, der als objektiver Maßstab für "gut" oder "schlecht" qualifiziert ist. Ebenso natürlich muss man sich zuvor auf eine gangbare Definition für "schlechter Film" einigen, und das ist noch schwieriger - denn auf den Zuschauer, der Ed Woods "Glen or Glenda" für ein zusammenhangloses, unverständliches Machwerk hält, kommt derjenige, der den gleichen Film als ein leidenschaftliches Stück Kunst mit einem Großen K gegen jeden Kritiker verteidigt.

Damit hätten wir bislang erfolgreich festgestellt: "guter" und "schlechter" Film ist eine höchst subjektive Angelegenheit und im Endeffekt kann ich den oben herangezogenen "Transformers"-Kucker mit der gleichen Berechtigung fragen, wieso er seine Zeit an solchen Dreck verschwendet. Am Ende steht vermutlich doch ein "weil ich Spaß dran habe" - sowohl bei ihm als auch bei mir, nur dass er wohl noch nicht realisiert hat, wieviel Spaß man wirklich mit den tiefsten Tiefen der Hollywood-Suppenküche haben kann.

An dieser Stelle ist wahrscheinlich eine biographische Abschweifung nötig, denn der heutige Filmfan, der sich jeden Blockbuster per Torrent vor'm Kinostart aus dem Netz zieht, erinnert sich höchstens noch aus erschröcklichen Gute-Nacht-Geschichten an "Videotheken". Unsereins, sozialisiert in den 80ern, machte dagegen viele seiner Filmerfahrungen in diesen mal weniger, mal mehr muffigen Buden, betrieben von mal mehr, mal weniger vertrauenserweckend wirkenden Inhabern - in der guten alten Zeit musste man, um alle Neuerscheinungen mitzukriegen und eine reelle Chance zu haben, den neuen Schwarzenegger innert vernünftiger Frist im heimischen Rekorder laufen lassen (und kopieren) zu können, bei mindestens drei Videotheken Mitglied sein. Und selbst das garantierte noch lange nicht, dass man eine der zehn "Total Recall"-Kopien abbekam (oder, wenn man Pech hatte, nur die gekürzte FSK-16-Fassung. Da ist gar kein Film glatt besser). Wenn man nun nicht das liebe lange Wochenende lang die Wand anstarren wollte, musste man notgedrungen Ersatzprogramm mitnehmen - irgendwas aus den hinteren Reihen, kurz bevor's in die Porno-Abteilung geht, wo die Tapes standen, von denen nur eine Kopie im Laden war (und die meistens auch DA war), mit bunten, gezeichneten Covern, reißerischen Titeln und meistens dem roten FSK-18-Aufkleber. Die Tapes von "New Vision", "Pacific", "Carrera Topline", "Eagle Pictures", "Onyx Video" und wie die ganzen Klitschen auch hießen... irgendwie zogen sie mich mehr an als die Zombie- und Kannibalenfilme, die ganz unten im Regal standen.

Zwei Videos, die ich mir damals aus diesem Ghetto der B-Movies mit Has-Beens und Will-Never-Be's in den Hauptrollen auslieh, scheinen für meine Filmprägung hauptsächlich verantwortlich zu sein - "Gefangene im Weltraum" hieß der eine, "Jäger der verschollenen Galaxie" der andere (man merkt's, ich war damals hauptsächlich SciFi-Nerd); der eine die Ultra-Low-Budget-SF-Variante eines Frauenknastfilms von Fred Olen Ray, das andere ein SF-Sampling von "Graf Zaroff - Genie des Bösen", produziert von Charles Band. Damals (TM) wusste ich noch nicht, dass mich diese beiden Herrschaften durch mein weiteres Leben begleiten würden (oder dass ich mit Charlie Band mal telefonieren würde), aber sie eröffneten mir mit diesen Filmen den Blick in eine neue Welt. Es waren keine neuen Geschichten, die sie erzählten, aber sie setzten die bekannten Motive in neue Genres, in denen sie eigentlich nicht funktionieren sollten und für die, vor allem, die Macher nicht das nötige Kleingeld hatten, was jene aber nicht davon abhielt, es zu versuchen. Kurz gesagt - es waren Filme mit SEELE. Filme, die gekennzeichnet davon waren, dass die, die sie drehten, eine Leidenschaft am Filmemachen an sich mitbrachten (öh, naja, und dass in beiden Filmen diversen hübsche Frauen in leicht oder unbekleidetem Zustand mitwirkten... war zumindest kein Nachteil).

Natürlich ist nicht jeder B-Film ein Beispiel für's Filmemachen mit Herzblut - in den überwiegenden Fällen sind es lieblose Kommerzprodukte, die noch stärker als ihre großbudgetierten Vorbilder des schnellen Dollars wegen gedreht wurden, und genauso wenig begann ich schon damals mit der gezielten Suche nach derlei obskuren Krams (und manchmal kuckte ich nicht zu Ende, wonach ich später jahrelang suchen sollte... "Frauenlager der Ninja" z.B.), aber über die Jahre freute ich mich immer, wenn ich über einen Film stolperte, der die Beschränkungen seiner Herkunft in die ein oder andere Richtung transzendierte - Namen und Gesichter, die in diesem Bereich öfter vorkommen zu schienen, prägten sich mir langsam ein. Als ich begann, für den Hausgebrauch Laserdiscs direkt aus den Staaten zu importieren, war ich praktisch Abonnent der Full-Moon-Veröffentlichungen, lernte Ed Wood kennen und lieben, und als dann das Internet *richtig* abhob und ich bemerkte, dass die Faszination für obskure Filme, die besser/unterhaltsamer waren, als sie von Fug und Rechts wegen hätten sein dürfen, oder sich so verhoben, dass sie auf amüsante Art scheiterten, nicht nur mein privates Vergnügen war, sondern sich jenseits des großen Wassers eine ganze Subkultur mit etlichen Websites, die nichts anderes taten, als kruden Kram zu besprechen, gebildet hatte... und ein kleines bisschen reizte mich, zugegeben, die Aufgabe, zur Entstehung einer solchen Subkultur auch hier beizutragen (vielleicht ist mir das auch ansatzweise gelungen...).

Nun muss man eins im Auge behalten - bei der Freude am Trash geht es nicht um das Abfeiern von Unfähigkeit. Auch wenn man ein Faible für charmant verunglückte Filme und amüsante Selbstüberschätzung hat, ist der fünfte Taubert-, Schnaas- oder Rose-Film immer noch so schmerzhaft wie der erste. Was einen "guten", sprich unterhaltsamen schlechten Film ausmacht, ist schwer zu definieren und läuft letzten Endes sicher zu einem Gutteil auf "ich erkenn' einen, wenn ich ihn seh'" hinaus - auch ein handwerkliches Schlachtefest wie "Turkish Star Wars" kann Lachkrämpfe verursachen. Der eigentliche "Spaß" ist es, wie bei den meisten Hobbys, die auf den Jäger- und Sammlertrieb des Menschen aufsetzen, eine neue Entdeckung zu machen, ein neues Erlebnis zu, eh, erleben und zu teilen - wer "Robot Monster" gesehen hat, möchte, dass seine Freunde diese Erfahrung ebenfalls machen (wer "Pudelmützenrambos" gesehen hat, hat keine Freunde mehr)(Hey! Die Spitze gegen mich habe ich durchaus bemerkt! LG, der Hausherr hier und Badmovies.de-"Pudelmützenrambos"-Gastrezensent) und die Freude, wieder einen solchen Treffer zu landen, lässt den geneigten Trash-Gourmand durch die Sümpfe des Mittelmaßes, der Langeweile und der unterhaltungsarmen Talentfreiheit waten. Es ist oft ein Geduldsspiel und sicherlich gibt's Tage, an denen man sich fragt, während man einen Film wie "The Tenement" sieht, warum man nicht Briefmarkensammler geworden ist, aber wenn man dann wieder ein "Söldnerkommando" entdeckt, ist das so ähnlich wie die Blaue Mauritius - nur nicht ganz so gewinnträchtig.

Einen Aspekt möchte ich noch einmal herausstellen - der Trash-Freund ist, was man von Videojunkies gemeinhin nicht erwartet, ein geselliger Typ. Und, wie ich schon sagte, als Trash-Freund will man seine Erfolgserlebnisse nicht für sich behalten. Wer in einer Runde von sechs-sieben angeheiterten Filmmasochisten einen der oben genannten Filme genießt, wird dieses Erlebnis nicht mehr missen wollen. Aber jemand muss halt die Vorauswahl treffen...

(Zu allen genannten Filmen finden sich Reviews auf badmovies.de...)


Und damit ihr euch ein Bild von dem Wahnsinn machen könnt, den der liebe Markus hier beschreibt, gibts hier ein paar Ausschnitte und Trailer von den meisten der hier genannten Trashfilmen:

Glen or Glenda (mit Regisseur Ed Wood in der Hauptrolle):
 

Gefangene im Weltraum (Ausschnitt):

 
 
Jäger der verschollenen Galaxie:
 

Turkish Star Wars:
 
Robot Monster:
 

 
Pudelmützenrambos:
 

 
The Tenement:
 

 
Söldnerkommando (Ausschnitt):