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Montag, 18. Januar 2016

Gastbeitrag von Claudia Junger

Swans Song - Nach dem Ende der Welt von Robert McCammon
Etwas verspätet lade ich hier einen weiteren Gastbeitrag zum Geburtstag meines Blogs im Jahr 2015 hoch. Claudia Junger ist die Chefin von "Krimi & Co". Ich habe sie darum gebeten, für die Alltagshirngespinste einen Buchtipp zu schreiben und sie war sofort von der Idee begeistert. Viel Spaß beim Lesen!

Lieber Bloggerkollege Udo,
ich gratuliere dir hiermit sehr herzlich zum vierten Bloggeburtstag. Ich freue mich über die Möglichkeit, bei dir einen Gastbeitrag veröffentlichen zu dürfen. Du fragtest mich nach einem besonderen Buchtipp und den gebe ich dir sehr gerne:

Während das englischsprachige Original "Swan Song" vom Autor Robert R. McCammon 1996 in einem einzigen Band erschien, entschied sich der FESTA Verlag im Juni 2015, daraus zwei Bände zu machen und zwar "Swans Song 1 - Nach dem Ende der Welt" und "Swans Song 2 - Das scharlachrote Auge". Wer auf außergewöhnliche, packende und spannende Endzeitstorys steht, der kommt an "Swans Song" nicht vorbei. Beide Bücher waren „Krimi & Co. Highlights“.


Klappentext:
Swans Song – Buch 1: Nach dem Ende der Welt
Der legendäre Endzeit-Thriller. Düster, brutal und mit epischer Wucht erzählt.
In diesem Endzeit-Thriller beschreibt der Bestsellerautor die Welt nach der atomaren Apokalypse. Die menschliche Zivilisation bricht zusammen und die wenigen Überlebenden werden in eine vorindustrielle Welt katapultiert, in der sie zu hungrigen Bestien mutieren.
Der nukleare Winter senkt sich wie ein Leichentuch über die verkohlte Erde.
Durch dieses verstrahlte Land wandert Swan – das neunjährige Mädchen spürt, dass etwas Übernatürliches am Werk ist: das personifizierte Böse, das die Menschheit endgültig vernichten will. Swan erlebt die ultimative Entscheidungsschlacht zwischen Gut und Böse.
Meine Meinung:
Sehr selten bin ich restlos von einem Buch begeistert (das völlig misslungene Cover bewerte ich allerdings nicht mit) und bei “Swans Song 1” ist es so. Hier stimmt einfach alles: Der Plot, der Stil, die Figuren. Zugegeben, die ersten Seiten fand ich zunächst nicht so prickelnd, aber klar, irgendwie musste es ja zum Atomschlag kommen. Als Swan dann ins Spiel kam, war es direkt um mich geschehen. Mich hat das Buch sehr mitgenommen und ich kann es direkt in einem Atemzug mit “Das letzte Gefecht” von Stephen King nennen. Wenn ich ganz ehrlich bin, hat es mir sogar noch ein wenig besser gefallen.Fazit: Spannend, hart, berührend. Ein großartiges Buch. Unbedingt lesenswert!

Broschiert: 450 Seiten
Verlag: Festa Verlag; Auflage: 1 (14. Juni 2015)
Sprache: Deutsch
Klappentext:
Swans Song - Das scharlachrote Auge von Robert McCammon
Swans Song – Buch 2: Das scharlachrote Auge
Eine erkaltete, hoffnungslose Welt. Heimgesucht von einer uralten bösen Macht.
Er ist der Mann mit dem scharlachroten Auge, der Mann der vielen Masken. Er vereint die Kraft der menschlichen Gier und des Wahnsinns. Er durchstreift das nuklear verstrahlte Land auf der Suche nach einem Kind, dem Mädchen mit dem Namen Swan.
Das Kind muss vernichtet werden, denn es besitzt die Gabe. Swan kann dem toten Boden wieder Leben geben und den Menschen somit Rettung bringen …
Das Ende der Welt ist nur der Start für den letzten Kampf der Menschheit.

Meine Meinung:
Auch hier muss ich es erwähnen: Das Cover finde ich furchtbar und es passt absolut nicht zur Story. Aber das war es auch schon an negativer Kritik.
Es geht weiter mit Swan, ihren Freunden und Widersachern. Und wie. Der Autor Robert McCammon gönnt dem Leser keine Pause. Hochspannend, teilweise sehr brutal, aber immer glaubwürdig und stimmig, wird mit Teil 2 die Story zum Abschluß gebracht. Es ist einfach unmöglich, dieses Buch aus der Hand zu legen. Swans Song 1 und Swans Song 2 gehören zu den besten Büchern, die ich je gelesen habe. Absolute Kaufempfehlung!
Fazit: Furioses Finale rund um Swan. Packend und hochspannend. Ein Muss!
Broschiert: 450 Seiten
Verlag: Festa Verlag; Auflage: 1 (14. Juni 2015)
Sprache: Deutsch


Dienstag, 20. Oktober 2015

Gastbeitrag: Martin Hentschel über sein Buch "Video Rebellen"

Video Rebellen (2015) von Martin Hentschel
Die besten Amateur- und Independentfilme im deutschsprachigen Raum: Das ist das Thema des Buches "Video Rebellen" von Martin Hentschel. In einem Gastbeitrag (für den ich mich auf diesem Weg sehr herzliche bedanke) zum 4. Geburtstag meines Blogs erzählt Hentschel, wie er auf die Idee zu seinem neuesten Werk kam und wieso er es vorzieht, seine Bücher in Eigenregie zu veröffentlichen:


Mein lieber Kollege Udo,

du gehst mit deinem Blog nun bereits ins 4. Jahr, wozu ich dir erst einmal recht herzlich gratuliere! Aus diesem Grunde gibt es für dich und deine Leser nun einige bescheidene Gedanken zu der Entstehung meines aktuellen Buches „VIDEO REBELLEN“. Ich bedanke und entschuldige mich zugleich vorweg für die schamlose Werbung auf den nun folgenden Zeilen.

Die Idee, ein Buch über die deutsche Amateur- und Independentszene zu verfassen, schwirrte schon länger in meinem Kopf herum und da es bisher noch keine umfassende Literatur zu diesem Thema gab (außer diverser Werke aus den 90er Jahren wie „Die Angst sitzt neben dir“ oder „Hölle auf Erden“, in denen auch vereinzelt Undergroundfilme aufgeführt sind), machte ich mich schließlich an die Arbeit. Zunächst beschaffte ich mir unzählige Filme, die man im weitesten Sinne zu den deutschen Independentfilmen zählen kann. Dieser Prozess sollte 5 Jahre und fast 400 Filme umfassen. Ich glaube so ein Buch kann nur jemand machen, der komplett schmerzbefreit ist, denn was ich da teilweise zu Gesicht bekam, war abstoßend, krank und widerwärtig. Anderes war wiederrum langweilig, infantil und belanglos. Doch dann gab es dazwischen immer jene Filme, die mich mit ihrem Charme zum Lachen oder Staunen brachten und mich zeitweise vergessen ließen, dass ich momentan „nur“ eine unabhängige und preisgünstige Produktion konsumiere. Diese „Perlen“ fanden dann schließlich auch den Weg ins Buch. Die Filmauswahl ist also komplett subjektiv und es kommt ja auch ohnehin ein zweiter Teil. Über die deutsche Amateurszene oder deren Auswüchse mag ich nicht viel Worte verlieren, weil das den Rahmen sprengen würde, verweise aber an dieser Stelle auf das exzellente Vorwort des Szenekenners und guten Freundes meinerseits: Markus Hagen. Dieser Eingangstext in „VIDEO REBELLEN“ spricht mir einfach aus der Seele und sollte unbedingt Beachtung finden. Ich verstehe aber auch, dass er manchen „Stars“ in der deutschen Garagen- und Kellerszene sauer aufstoßen wird. Wie bei der Filmauswahl vertrete ich aber auch hier den Standpunkt, dass es schließlich mein Buch ist und ich selbst entscheide, was darin steht. Ich muss mich niemandem anbiedern und man sollte sich selbst treu bleiben. „VIDEO REBELLEN“ ist also genauso unabhängig, wie die Filme darin. Und da heutzutage schärfste Rationalisierungsmaßnahmen erforderlich sind, habe ich Produktion und Verlag, wie bereits bei meinen letzten Büchern, in einer Hand vereinigt. Ich hoffe, das Buch erfüllt seinen Hauptzweck und liefert ein unterhaltsames Standardwerk über ein verteufeltes und in der Masse weitgehend unbekanntes Filmgenre.

Martin Hentschel


Autor Martin Hentschel (Foto: Martin Hentschel)

Das Buch "Video Rebellen" kann bei Amazon bestellt werden.

Donnerstag, 16. Juli 2015

Flesh Gothic von Edward Lee

Edward Lee - Flesh Gothic (Festa Verlag 2012)
Im Luxusanwesen von Reginald Hildreth haben sich zu dessen Lebzeiten die schlimmsten sexuellen Orgien abgespielt. Als Hildreth eines Tages den Dämon Belarius beschwören möchte, bleiben von den 26 Gästen nur noch Fleischfetzen übrig. Reginald selbst ist spurlos verschwunden, die ermittelnden Behörden gehen davon aus, dass er die Anwesenden umgebracht und anschließend Selbstmord begangen hat. Seine Frau kann das nicht glauben und heuert eine Gruppe der besten übersinnlich begabten Menschen an, die erstens nicht nur so tun, als ob sie übersinnlich wären und zweitens herausfinden sollen, was wirklich in dem Haus passiert ist. Diese stellen schnell fest, dass das Haus "geladen" ist, also von Geistern und anderen Wesenheiten heimgesucht wird, die praktisch sofort damit beginnen, die "Ermittler" - auch auf sexuelle Art und Weise - heimzusuchen. Das ist nicht ihr einziges Problem, da sie schon bald bemerken, dass sie nicht nur aufgrund ihrer Fähigkeiten ausgesucht wurden und die Anzeichen, dass Hildreths größter Coup noch bevorsteht, verdichten sich ebenfalls...

Flesh Gothic von Edward Lee
Dass ausgerechnet Richard Laymon Edward Lee als "literarische Körperverletzung" anpreist, hätte mich fast davon abgehalten, mir dieses Buch zu kaufen. Schließlich hatte ich mit Laymon schon mehr als eine Begegnung, und keine einzige davon hat mir so etwas wie Freude gebracht. Andererseits: Um gute Bücher zu erkennen, muss man sie nicht unbedingt schreiben können (auch wenn der Begriff "literarische Körperverletzung" schon ein sehr eigenwilliges Lob ist).

Viel Flesh, wenig Gothic
Eines hat "Flesh Gothic" mit Laymons Büchern gemeinsam: Es gibt in dem Buch einige Szenen, vor allem sexuellen Inhaltes, die allein wegen ihrer Schockwirkung enthalten sind. Für zartbesaitete Menschen ist "Flesh Gothic" nicht gedacht. Wenn es seitenlange Beschreibungen darüber gibt, wie der Dämon Belarius in seinem Tempel aus menschlichem Fleisch ihm untergebene Dämoninnen zu Tode vergewaltigt, muss man das erst einmal verdauen. Das gilt auch für den expliziten sexuellen Missbrauch, den beinahe alle weiblichen Protagonisten in diesem Buch erleiden müssen, Hinzu kommt, dass Lee den Lesern diese Szenen ab dem zweiten Abschnitt mit extrem hoher Schlagzahl um die Ohren haut. Insofern hat Laymon mit dem Begriff "literarische Körperverletzung" gar nicht so unrecht.
Wenn man damit keine Probleme hat, erwartet einen mit "Flesh Gothic" eine durchaus spannende Geschichte. Lee versteht es, die Spannung langsam zu steigern und dann zur Explosion zu bringen. Wer denkt, dass die Leser rasant ins Geschehen geworfen werden, liegt dennoch falsch. Erst werden ausführlich die einzelnen Charaktere vorgestellt, die zwar alle so wirken, als ob man sie einem in anderen Büchern oder Filmen schon einmal begegnet wären, dabei aber dennoch interessant genug bleiben, um die Neugier des Publikums zu wecken und über einen längeren Zeitraum zu halten. Mit diesen Charakteren rät und leidet man gerne mit, wenn sie vor einem Rätsel stehen, oder Hindernisse überwinden müssen (die Auflösung der Frage, was mit Hildreth passiert ist, ist nämlich nicht von schlechten Eltern).

Fazit zu Flesh Gothic
Edward Lee gelingt es, aus bereits bekannten Zutaten eine spannende Geschichte zu machen. Auch wenn Lee mit dem Buch das Rad nicht neu erfindet, legt man das Buch bis zur letzten Seite nicht mehr aus der Hand. Von mir gibt es daher eine Empfehlung.

Dienstag, 10. Februar 2015

Sparrow Rock - Der schleichende Tod von Nate Kenyon

Sparrow Rock - Der schleichende Tod von Nate Kenyon, erschienen
im FESTA-Verlag 2014
Pete möchte mit seinen Freunden eine Party feiern. Dafür ist der Bunker von Sues paranoidem Großvater wie geschaffen. Als Pete mit seinen Freunden gerade erst unten angekommen ist, geschieht das Unglaubliche: Es kommt zu mehreren atomaren Explosionen, Amerika wird angegriffen. Die Clique verriegelt den einzigen Ausgang und versucht damit zurecht zu kommen, dass alle Menschen, die sie in ihrem Leben gekannt haben, höchstwahrscheinlich tot sind und sie mindestens ein Jahr im Bunker bleiben müssen, bevor sie die Luke gefahrlos öffnen können. Vorräte und Platz sind reichlich vorhanden. Während die Teenager mit der Zeit immer mehr an Lagerkoller leiden, stellen sich ihnen mehrere Fragen: Sind ihre Verwandten und Freunde wirklich alle tot? Ist es wirklich bloßer Zufall, dass sie an genau diesem Tag in den Bunker gegangen sind? Wie sollen sie die Zeit danach überleben? Während die Anspannung in der Gruppe immer mehr steigt, stellen Pete, Sue und Co. fest, dass die radioaktive Strahlung nicht die einzige Gefahr ist. Die wahre Katastrophe hat schon viel früher begonnen...

Sparrow Rock - Der schleichende Tod von Nate Kenyon
Es gibt Bücher, die möchte man beim Lesen gar nicht mehr aus der Hand legen. Um es gleich vorweg zu nehmen: "Sparrow Rock" ist so ein Buch. Kenyon ist ein Werk gelungen, das den Leser von der ersten bis zur letzten Seite fesselt.
Besonders gut gelungen sind Kenyon die Charaktere. Was beginnt wie ein typischer Schwung von austauschbaren Leuten in einem Slasherfilm, entwickelt sich schon bald zu einer Gruppe von absolut dreidimensionalen Protagonisten, bei denen man gar nicht anders kann, als mit ihnen mitzufiebern. Wenn dann mit der Zeit immer klarer wird, Pete und seine Freunde gegen ein ihnen unbekannte Bedrohung um ihr nacktes Überleben kämpfen, kann man gar nicht mehr aufhören zu lesen.
(Ab hier gibt es einige Spoiler, also seid gewarnt.) Was dem Buch dann den letzten Schliff verleiht, ist der Übergang von der klaustrophobischen Szenerie im Bunker hin zu der völlig zerstörten Welt, welche die Clique betritt, als sie den Bunker verlassen muss. Dabei braucht Kenyon keine globalen Zerstörungsorgien, um ein postapokalyptisches Bild zu entwerfen, die Schilderungen der Dinge, welche die Gruppe auf ihrem Weg entdeckt, reicht völlig. Die Hoffnungslosigkeit, die Pete und seine Freunde empfinden, beschleicht so auch den Leser.
Etwas zum Lachen gibt es übrigens für österreichische Horrorfans: "Sparrow Rock" dürfte das erste Buch seiner Art sein, in dem in einem Nebensatz erwähnt wird, dass die FPÖ für das, was passiert ist, zumindest eine Mitverantwortung trägt. Auch nicht schlecht, den Lacher war die Erwähnung von Strache und Co auf jeden Fall wert.

Fazit zu Sparrow Rock
"Sparrow Rock" ist ein beklemmender Thriller, der den Leser förmlich dazu zu zwingt, immert weiter zu lesen. Von mir gibt es dafür eine absolute Empfehlung für alle Menschen, die gerne spannende Bücher lesen!

Dienstag, 30. Dezember 2014

Rotbartsaga - Die Abenteuer eines legendären Schiffskaters von Wolfgang Schwerdt

Rotbartsaga - Die Abenteuer eines legendären
Schiffskaters Teil 1: Das Vermächtnis des
Kapitäns Carl Carlszoon von Wolfgang Schwerdt
Der Kater Rotbart ist kein gewöhnlicher Stubentiger. Er ist Schiffskater und mit seinem Freund, dem Kapitän Carl Carlszoon, ständig als Schiffskater auf den Meeren dieser Welt unterwegs. Als Schiffskater kann Rotbart aber nicht nur auf der faulen Haut liegen. Er hat eine Reihe von Aufgaben, so muss er zum Beispiel dafür sorgen, dass die Ratten an Bord des Schiffes nicht zu viele werden. Im ersten Teil der Rotbartsaga, die insgesamt fünf Bücher umfassen soll, beginnt damit, wie der Autor Wolfgang Schwerdt zu den Dokumenten von Carl Carlszoon kam. Die Handlung springt hier zwischen dem 17. Jahrhundert und der Gegenwart hin und her, um danach in der Vergangenheit zu bleiben. Das bedeutet, dass der Kater Rotbart am Beginn des Buches beinahe zur Nebenfigur gemacht wird. Das ist aber kein Nachteil: Dieser Teil des Buches ist so spannend geschrieben, dass der Leser es kaum erwarten kann, wenn die Abenteuer des Katers endlich losgehen. Und diese Abenteuer haben es in sich! Japanische Geisterkatzen, Geisterschiffe, Haie - Rotbart muss sein gesamtes Können aufbieten, um diese Geschichten heil zu überstehen.

Geschichten und Geschichte
Schwerdt geht es aber nicht nur darum, spannende Geschichten zu erzählen. Vielmehr möchte er seinen Lesern auch maritime Geschichte vermitteln. Deshalb streut er in den fiktiven Abenteuern immer wieder historische Fakten ein. Diese Fakten drehen sich natürlich vor allem um die Schifffahrt und das Leben der Tiere auf den Schiffen. Schwerdt ist es gelungen, diese Fakten so geschickt in die Geschehnisse zu integrieren, dass sie zu keinem Zeitpunkt als Infoblock rüberkommen, vielmehr bereichern sie selbige ungemein. Das Buch ist mit einem Glossar versehen, sodass auch Anfänger keine Probleme haben dürften, wenn sie beim Lesen über diverse Fachbegriffe stolpern. Dadurch hat der Leser nicht nur die spannenden Geschichten rund um Rotbart und seine Freunde, er lernt nebenbei noch etwas über die Vergangenheit.
Mit Lesen alleine ist es bei diesem Buch nicht getan. Eine Vielzahl von Illustrationen, Karten, ja sogar QR-Codes mit weiterführenden Informationen zum Inhalt gilt es zu entdecken.
"Das Vermächtnis des Kapitäns Carl Carlszoon" ist, wie bereits erwähnt, der erste von fünf geplanten Teilen. Das bedeutet, dass hier selbstverständlich einige Fragen offen bleiben und vieles nur angeschnitten wird, was in den noch folgenden Büchern ausführlicher behandelt werden wird.

Fazit zu Teil 1 der Rotbartsaga
"Rotbartsaga - Die Abenteuer eines legendären Schiffskaters Teil 1: Das Vermächtnis des Kapitäns Carl Carlszoon" ist nicht nur für Katzenfreunde und Geschichtsinteressierte empfehlenswert. Von mir gibt es daher eine klare Kaufempfehlung! 2015 geht der zweite Teil der Rotbartsaga an den Start. Er wird den Titel "Schiffbruch vor Sumatra" tragen. Wolfgang Schwerdt hat zum ersten Teil der Saga im Februar 2014 ein YouTube-Video gemacht:


Hier geht es zum Gastkommentar von Wolfgang Schwerdt: Der Schiffskater vom Reiterhof

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Gastkommentar von Wolfgang Schwerdt - Rotbart: Der Schiffskater vom Reiterhof

Heute gibt es mal wieder einen Gastkommentar, über den ich mich sehr freue. Der Journalist und Historiker Wolfgang Schwerdt erzählt darin, wie sein Buch "Rotbartsaga: Die Abenteuer des legendären Schiffskaters. Teil 1: Das Vermächtnis des Kapitäns Carl Carlszoon" entstand.

Als der legendäre rote Kater unter anderem auf den Schiffen der Vereinigten Ostindischen Kompagnien im 17. Jahrhundert über die Weltmeere segelte und neue, unbekannte Küsten und Länder entdeckte, da gab es natürlich noch keine Reiterhöfe. Jedenfalls nicht solche, wie der, auf dem ich für mehrere Jahre für die alltäglichen Hofarbeiten und das kreative Unterhaltungsprogramm für die Ferienkinder verantwortlich zeichnete. Natürlich gab es auf dem Hof auch Katzen. Die alte Glückskatze Garfield beispielsweise, die schon immer auf dem Hof war. Oder die drei aus dem Tierheim, die die feline grande dame bei der Nagerjagd unterstützen sollten.

Keines der Katzentiere war auch nur ansatzweise rot oder hatte etwas, das an einen stattlichen Bart erinnerte. Auch die Fellnasen, die versuchten, in das Revier der vier Höflinge einzudringen und damit regelmäßig lautstarke und langanhaltende Brumm- und Singsessions auslösten, hätten niemals einem Rotbart Modell stehen können. Und doch war es ausgerechnet hier, wo ich die ersten Kurzgeschichten über Rotbart verfasst und den Ferienkindern in gemütlicher Runde vorgelesen hatte. Dass nach jahrelanger Spezialisierung auf kulturgeschichtliche Drachenforschung und Drachenfantasy nun plötzlich auch Katzen in den Fokus meines literarischen Schaffens gelangten, ist natürlich dem engen Zusammenleben mit dieser wirklich faszinierenden und vor allem anpassungsfähigen Spezies zu verdanken. Zwar hätten auf einem Reiterhof Pferdegeschichten möglicherweise ein wenig näher gelegen. Eine Verbindung zwischen Pferden und Seefahrt herzustellen – einem Thema mit dem ich mich seit meiner Kindheit leidenschaftlich befasse -, erschien mir jedoch wesentlich problematischer, als über Schiffskatzen zu schreiben. Die ersten Katzengeschichten – eher Fabeln – handelten jedoch tatsächlich von stinknormalen Hofkatzen und sind als Büchlein „Mit Katzenaugen. Träumkatzen und der wilde Kater“ http://www.amazon.de/Mit-Katzenaugen-Träumkatzen-Wilde-Kater/dp/1479108138/ veröffentlicht.

Jahrelange Vorarbeiten
In der allerersten Kurzgeschichte (ca. 2003) über den Schiffskater war Rotbart ein ziemlich demoliertes Wesen, ein Vorderbein war amputiert, ein Auge fehlte ihm und er war von zahlreichen Narben übersät. Und dann verpasste ihm ein junger, ehrgeiziger Spund im Kreise seiner gestandenen KollegInnen auch noch einen Hieb, indem er den bereits damals legendären Schiffskater als „altes Wrack“ bezeichnete, den niemand mehr an Bord haben wolle. Mit Hilfe seiner jungen Kollegin Graulocke erholte sich der mächtige Kater wieder von dieser tiefen seelischen Verletzung und er setzte nicht nur seine Schiffskaterkarriere mit neuen legendären Abenteuern fort, sondern auch zahlreiche Nachkommen in die maritime Welt. Mit dieser Geschichte war mir mein fiktiver Kater so ans Herz gewachsen, dass ich etwa 2011 beschloss, Rotbart zum Protagonisten eines mehrbändigen Buchprojektes zu machen. Hintergrund waren die Recherchen zu Schiffskatzen der vergangenen Jahrhunderte, die ich im Rahmen meiner Bücher „Forscher Katzen und Kanonen. Über Leben und Arbeit von Forschungsreisenden im 18. und 19. Jahrhundert “ und „Die Schwarzbärflotte: Wahre Geschichten über seefahrende Katzen“ angestellt hatte. Natürlich war Rotbart auch einmal jung, ansehnlich und verspielt. Und so beginnt mein Protagonist seine literarische Karriere im 17. Jahrhundert als etwa eineinhalbjähriger Jungspund, der diverse Lektionen zu lernen hat, bevor er als gestandener aber eben gezeichneter Schiffskater zur lebenden Legende geworden ist.

Erlebnisreise in die Vergangenheit und die Welt der Katzen
Auch bei den maritimen Katzenromanen lege ich als Journalist und Historiker größten Wert auf die genaue Hintergrundrecherche, nicht nur, wenn es um geschichtliche Ereignisse und Zusammenhänge geht. Und während ich an den kleinen und großen Abenteuern meiner felinen Hauptfiguren feile, lenken mich so profane Fragen wie „seit wann gab es eigentlich die bekannten holländischen Tonpfeifen“ oft tagelang vom eigentlichen Schreiben ab. Das Ergebnis: Die fiktiven Katzentiere entwickeln während meiner Recherchen, die so wichtig für die historisch korrekten Szenerien sind, ein gewisses Eigenleben. Und wenn ich von meinen Ausflügen in die historischen Archive, beladen mit bedeutenden Informationen, zu meinen literarischen Schützlingen zurückkehre, haben die gelegentlich auf anderen Schiffen angeheuert, neue Bekanntschaften gemacht oder sind in fast ausweglose Situationen geraten, aus denen herauszukommen weniger historische Kenntnisse, sondern eher ein gesunder Katzenverstand vonnöten sind. Natürlich müssen die historischen Bilder und Technologien stimmen, aber wenigstens genauso wichtig, ist das Beobachten von Katzen. Das hat mir auch – unter anderem am Beispiel der Ataxiekatzen - gezeigt, dass der Begriff Handicap ein sehr menschlicher ist. Dass Rotbart auch nach dem Verlust eines Beines ein vollwertiger Schiffskater bleibt, entspringt nicht meiner pädagogisch wertvollen Phantasie, sondern der kätzischen Realität im Umgang mit dem, was wir als Behinderung bezeichnen. Für mich ist das Rotbartsaga-Projekt eine vielschichtige und aufregende Forschungsreise in die Geschichte, zu fremden Kulturen und in die Tierwelt, die mir mit Hilfe meines professionellen Autoreninstrumentariums ständig neue Einsichten und Erkenntnisse bringt. Meine Intention ist es, ein wenig davon an den Leser weiterzugeben.

Das Abenteuer des Buchmachens
Jeder Autor sucht einen Verlag für sein Buch, zumindest ist das die gängige Meinung. Ich hingegen habe mich dazu entschlossen, statt meine Energie und Mittel für die Suche eines (geeigneten!) Verlages zu verschwenden, mich von vornherein an meine Leser zu wenden. Natürlich bin ich lange genug im Geschäft, um zu wissen, worauf ich mich damit einlasse. Publikationen wie „Die Drachenwächterin“ oder meine Bücher in der Reihe „Kleine Kulturgeschichten“ im Vergangenheitsverlag haben mir den Einblick in die Verlagsarbeit vermittelt und gleichzeitig die wirtschaftlichen, gestalterischen und literarischen Grenzen aufgezeigt, die für den Autoren damit verbunden sind. Durch meine Publikationen als Selfpublisher habe ich auch diese Seite des Literaturmarktes kennengelernt. Fazit: Jedes Buchprojekt braucht seinen passenden Rahmen. Das kann im Einzelfall ein Verlag aber eben auch –entsprechende Kooperationspartner und Kompetenzen vorausgesetzt – die Eigenveröffentlichung sein. Im Falle der Rotbartsaga ist derzeit zweifellos das Selfpublishing der bessere Rahmen. Denn es war mein Ziel, nicht nur ein Manuskript abzuliefern und seine Verwertung gegen eine marginale Erfolgsbeteiligung in fremde Hände zu geben, sondern den gesamten Publikationsprozess, angefangen vom Lektorat, über das Layout, die Gestaltung und Illustration, bis hin zum Marketing in meinem Sinne umzusetzen und zu kontrollieren.

Auch als Schriftsteller einfach mal andersherum denken
Nach jahrzehntelanger Publikationserfahrung als Journalist und Buchautor war es für mich – auch angesichts der neuen technologischen Möglichkeiten, die sich beileibe nicht in den immer angeführten E-Books erschöpfen - generell an der Zeit, ein paar Dinge neu oder wenigstens anders zu denken. Es ist heute auch im Verlagsgeschäft üblich (und für ein Unternehmen sicherlich betriebswirtschaftlich nicht unklug) Literatur vom Markt her zu denken. Was verkauft sich, was ist gerade in? Wie muss das Produkt, wie müssen Autorenverträge gestaltet sein, um möglichst viel Umsatz und Gewinn zu generieren? Wie lässt sich der Vertrieb automatisieren, strukturieren und standardisieren? Und so weiter und so fort. Diese Denke haben sich inzwischen auch viele Autoren zu Eigen gemacht und sehen ihre Aufgabe darin, möglichst das zu schreiben, was Verlage aus Marketinggesichtspunkten vorgeben, den sogenannten Mainstream. Davor habe ich großen Respekt, denn die Produktion erfolgreicher Mainstreamliteratur erfordert ein hohes Maß an speziellen handwerklichen Fähigkeiten und sicherlich auch persönlichen Dispositionen, die mir vollkommen abgehen.
Ich denke meine Autorenarbeit tatsächlich vom Buch, vom Inhalt aus. So zum Beispiel: Was und worüber möchte ich schreiben? Welche literarische Form, welcher Stil liegt mir besonders? Wie muss ein Buch gestaltet, ausgestattet sein, um den Inhalt optimal zu transportieren. Erst im zweiten Schritt kommt der Markt ins Spiel: Wer könnten meine Leser sein? Ist meine Zielgruppe ausreichend groß um auch einen wirtschaftlichen Erfolg möglich zu machen? Welche Zugeständnisse muss, kann ich an die Ökonomie und an den Publikumsgeschmack machen, ohne meine Intentionen in Frage zu stellen? Gibt es zum traditionellen Vertrieb Alternativen um speziell meine Leserschaft zu erreichen?
Das Ergebnis ist ohne Zweifel ein sehr persönliches Produkt, das aber, wie die Rotbartsaga zeigt, auch dann wirtschaftlich erfolgreich sein kann, wenn die Gewinnmaximierung und Bedienen eines Massenmarktes nicht an erster Stelle steht. Ein betriebswirtschaftlicher Hintergrund des Autors ist dabei allerdings nicht zwingend ein Nachteil.



Weitere Infos gibt es auf  Rotbartsaga.com. Die Rezension zum ersten Teil der Buchreihe gibt es hier genau morgen in einer Woche, also seid gespannt!

Edit: Etwas verspätet, ist das Review nun endlich da: Das Vermächtnis des Kapitäns Carl Carlszoon. Viel Spaß beim Lesen!

Montag, 1. September 2014

Lass jucken! Die Kumpel-Filme der 1970er von Martin Hentschel

Lass jucken! Die Kumpelfilme der 1970er von Martin Hentschel
Die Filme der Reihe "Lass jucken Kumpel" zählen zu den beliebtesten Erotikfilmen des bundesdeutschen Kinos. Basierend auf der Vorlage von Hans Hennning Claer, wurde die von 1972 bis 1975 erschienene fünfteilige Serie zu einem der erfolgreichsten und ertragreichsten deutschsprachigen Franchises. In dem Buch geht es um die Geschichte, wie aus einem umstrittenen Bestseller ein ziemlich deftiger Milieufilm wurde, dem für seine überragenden Besucherzahlen sogar die "Goldene Leinwand" verliehen wurde. Dieses Buch bietet, neben umfangreichen Analysen der Filme und Porträts der Beteiligten, viele Informationen, die interessierten Fans in dieser Form vorher nicht zugänglich waren. Daneben werden auch artverwandte Filme wie die "Liebesgrüße aus der Lederhose"-Reihe und das Spin Off "Lass laufen, Kumpel" vorgestellt.

Lass jucken! von Martin Hentschel
Ich muss gestehen: Ich liebe Filmbücher. Selbst in Zeiten des Internets, in denen man nur auf IMDB.com gehen und einen entsprechenden Filmtitel eingeben muss, blättere ich zum Beispiel lieber in meiner Ausgabe von Jürgen Müllers (Hrsg) "100 Filmklassiker", Glenn Kays "Zombie Movies. The ultimate Guide", oder (mit Abstrichen) in Frank Koenigs "Dawn of the Dead. Anatomie einer Apokalypse". Dank Martin Hentschel hat sich zur Liste meiner Nachschlagewerke nun ein weiteres dazu gesellt."Lass jucken! Die Kumpelfilme der 1970er" ist einfach großartig. Das liegt nicht nur an den sehr ausführlichen Analysen der Filme, sondern vor allem an den von Hentschel zusammengetragenen Informationen. Neben "üblichen" Infos, wie den damaligen Kritiken in den Medien, findet sich hier auch Kurioses, zum Beispiel, dass Teil 1 im österreichischen Vorarlberg  „wegen seiner Eignung, eine entsittlichende Wirkung auf die Zuschauer auszuüben“ verboten wurde. Lachen musste ich auch bei einem Dokument der FSK, laut dem die Aufführung von "Liebesgrüße aus der Lederhosn 4" am "Karfreitag, Tag der deutschen Einheit, Allerheiligen oder Allerseelen, Volkstrauertag, Buß- und Bettag sowie Totensonntag" verboten wurde. Eine wahre Augenweide ist auch das von Hentschel gesammelte Bildmaterial. Damalige Pressefotos und selteneres Bildmaterial vermitteln von den besprochenen Filmen einen hervorragenden Eindruck.
Ein sehr ausführliches Kapitel befasst sich mit ähnlichen Filmen und Reihen und zwar unter dem Titel "Falsche Kumpel. Filmische Spätfolgen der Reihe". Dieser Teil des Buches stammt von Christian Witte. Die einzelnen Analysen sind sehr ausführlich und besprechen auch Filme, die heutzutage nicht mehr so bekannt sind. Das Kapitel steht dem Rest des Buches in Sachen Detailverliebtheit in nichts nach, auch hier gilt, dass das gezeigte Bildmaterial einen großartigen Einblick gewährt.

Eine Filmreihe als Produkt ihrer Zeit
Hentschel versteht es, die Filmreihe gekonnt in ihren zeitgeschichtlichen Kontext einzubetten. Ausgehend vom Fanny Hill Urteil lässt sich die Entwicklung in der BRD sehr gut an Filmreihen wie dieser nachvollziehen. Bemerkenswert sind auch die sehr ausführlichen Porträts der Protagonisten. Die mit vielen Bildern ausgestatteten Texte beleuchten das Leben der Betroffenen bis ins letzte Detail, vor allem die Nachrufe auf Hans Henning Claer, Franz Marischka und Ulrike Butz sind sehr gut gelungen.

Fazit zu "Lass jucken! Die Kumpel-Filme der 1970er" von Martin Hentschel
Martin Hentschel ist mit diesem Buch eine interessante Reise in die Zeit der 70er gelungen. Und verdammt, irgendwie hat er mir gerade verdammt viel Lust darauf gemacht, mir die Filme mal wieder anzusehen (ist sicher schon gute 15 Jahre her bei mir)! Deshalb gibt es hier eine klare Kaufempfehlung für alle Filmfans!

Donnerstag, 24. April 2014

Der Ruf des Kuckucks von J. K. Rowling

Der Ruf des Kuckucks von J. K. Rowling alias Robert Galbraith
Das berühmte Model Lula Landry stürzt vom schneebedeckten Balkon ihrer Luxuswohnung im Londoner Stadtteil Mayfair in den Tod. Für die ermittelnden Polizisten steht schnell fest, dass es sich hierbei um einen Selbstmord handelt. Einzig Lulas Bruder hegt starke Zweifel an der offiziellen Version, er geht davon aus, dass seine Schwester ermordet wurde. Deshalb heuert er den Privatdetektiv Cormoran Strike an. Strike hat nicht nur in Afghanistan körperliche und seelische Wunden davongetragen. Er schläft nach dem Ende einer langjährigen Beziehung derzeit auf einer Campingliege in seinem Büro und er ist auch finanziell völlig am Ende. Da kommt ihm Landrys Bruder als reicher Auftraggeber gerade recht. Strike hat nicht die geringste Ahnung davon, was die Ermittlungen ihm und seiner neuen Sekretärin Robin abverlangen werden. Während beide immer weiter in die Welt der Reichen und Schönen eindringen, fördern sie Erschreckendes zutage...

Der Ruf des Kuckucks von J. K. Rowling alias Robert Galbraith
Rowlings zweites Buch nach der Potter-Reihe, "Der Ruf des Kuckucks", ist ein Stück klassischer Detektivliteratur. Dabei geht die Handlung nicht gerade schnell voran. Ruhig und bedächtig baut Rowling den Plot auf und lässt sich mit dem Mordfall (dass es einer ist, ist wohl kein großer Spoiler, oder?) Zeit. Genau hier habe ich aber ein Problem mit diesem Buch. Sich mit der Handlung ein wenig Zeit zu lassen ist ja gut und schön, aber wenn ich das Gefühl habe, mit wenigen Ausnahmen, alles zwischen den ersten 150 und den letzten 150 Seiten herausreißen zu können, ohne dass dabei allzu viele wertvolle Informationen verloren gehen würden, dann stimmt etwas nicht und die ellenlangen Befragungen von gefühlt jedem einzelnen Menschen auf diesem Planeten, helfen einem hier auch nicht weiter.
Dass das Buch dennoch spannend bleibt, liegt daran, dass Rowling mit dem Ermittlergespann Cormoran und Robin zwei sehr interessante Persönlichkeiten geschaffen hat. Cormoran, der Sohn eines Rockstars und eines Groupies, wollte dem unsteten Leben seiner Mutter entfliehen, indem er sich bei der Armee meldet und dort zum Sonderermittler ausbilden lässt. Nach dem Verlust seines Beines bei einem Bombenattentat in Afghanistan schlägt er sich nun als Privatdetektiv mehr schlecht als recht durch. Mit seiner schroff wirkenden Art erinnert Cormoran an die Detektive früherer Zeiten, Helden wie Mickey Spillanes Mike Hammer standen eindeutig Pate. Strikes neue Sekretärin Robin wurde ihm von einer Zeitarbeitsfirma zugeteilt und soll ihm eigentlich nur helfen, alles für den anscheinend unabwendbaren Konkurs vorzubereiten. Als dann überraschend der neue Auftrag bei der Tür hereinflattert, entwickelt sie ungeahnte investigative Fähigkeiten, von denen Cormoran mehr als einmal profitiert. Den beiden beim Ermitteln zu folgen macht einfach Spaß.
Die Auflösung des Falles werde ich hier sicher nicht preisgeben. So viel sei aber verraten: Sie ist genauso überraschend, wie sie logisch aus der Geschichte hervorgeht und wenn man genauer darüber nachdenkt, kommt man dahinter, dass Rowling es geschafft hat, immer wieder versteckte Hinweise einzubauen, ohne dass die Lösung jemals offensichtlich wird. Das macht den etwas langatmigen Mittelteil mehr als wett.

Fazit zu "Der Ruf des Kuckucks"
Mit Cormoran Strike und seiner Assistentin Robin (muss hier noch jemand gerade an Batman denken?) hat Rowling ein Ermittlerduo geschaffen, das hoffentlich noch viele spannende Fälle lösen muss. Das Buch selbst sollte dann aber ein wenig besser konstruiert sein. Zum Abschluss gibt es hier noch einen Bericht über die Enthüllung des Pseudonyms:


Donnerstag, 4. Juli 2013

Maus von Art Spiegelman

Maus von Art Spiegelman
Wladek Spiegelman ist nach dem 2. Weltkrieg mit seiner Familie nach New York gezogen und hat sich dort niedergelassen. Irgendwann Ende der 60er - Anfang der 70er Jahre entschließt sich sein Sohn Art, dass er gerne ein Buch über seinen Vater zeichnen möchte. In den gemeinsamen Gesprächen erzählt Wladek von den Stationen seines Lebens. Er spricht über die Nazis, über Auschwitz und wie er gemeinsam mit Arts Mutter den Krieg überlebt hatte. Und er erzählt auch vom Fluch des Überlebens...

Maus von Art Spiegelman
An dieses Buch bin ich, als mir klar wurde, dass ich es hier rezensieren möchte, mit sehr viel Respekt herangegangen. Schließlich hat "Maus" den Ruf, den Comicbereich im Alleingang revolutioniert zu haben und zwar vor allem deshalb, weil durch dieses Werk der Comic als Kunstform endlich auch im Mainstream verankert worden ist. Im Jahr 1980, als der erste Teil erschien, dominierten bei den Comics noch Helden in bunten Strumpfhosen die Panels und die Geschichte der Schoah wurde ebenfalls noch nicht so thematisiert, wie das heute der Fall ist. "Maus" schlug so in mehr als einer Hinsicht ein wie eine Bombe.
Hier ein Interview mit Art Spiegelman:


Bei solchen von allen hochgelobten Klassikern habe ich meistens ein Problem: Wenn mir jeder erzählt, wie toll ein Buch, ein Film oder ein Hörspiel nicht wäre, schrauben sich meine Erwartungen meist in so lichte Höhen, dass sie später nur enttäuscht werden können. Bei "Maus" waren diese schon so astronomisch hoch, dass ich mich vor dem Lesen gedanklich bei dem Buch entschuldigt habe, weil ich der Meinung war, dass "Maus" mich eigentlich nur enttäuschen konnte.
Und was soll ich sagen?

"Maus" hat mich nicht enttäuscht. Im Gegenteil hat "Maus" meine Erwartungen in mehr als einer Hinsicht weit übertroffen.

Themen in Maus
"Maus" behandelt nicht nur die Schoah. Eines der zentralen Themen ist die Art und Weise, wie Menschen sich an manche Dinge in ihrem Leben erinnern. Bei "Maus" ist die Erinnerung an die Vergangenheit nur durch Wladek präsent, weil dieser die Tagebücher seiner Frau nach deren Selbstmord vernichtet hat. Außerdem fällt auf, dass Art Spiegelman diese Gespräche über die Vergangenheit dazu nutzt, um das Verhalten seines Vaters in der Gegenwart besser zu verstehen.
Das Thema Rassismus wird auf eine sehr raffinierte angegangen. Dadurch, dass Spiegelman aus der Geschichte eine Tierfabel macht, in der die Nazis Katzen, die Juden Mäuse, die Polen Schweine (was in meinen Augen nicht beleidigend gemeint ist) und die Amerikaner Hunde sind, parodiert Spiegelman den Rassenwahn der Nazis. Spiegelman thematisiert auch, dass es Rassismus selbst bei Überlebenden der Schoah gibt, wenn er eine Episode erzählt, bei der sein Vater ein Riesentheater macht, weil Arts Frau Francoise einen afro-amerikanischen Anhalter mitnimmt. Als er dann darauf angesprochen wird, erklärt Wladek, dass man die Juden und die "Schwartsen" wohl kaum miteinander vergleichen könne.
Dominiert wird die Handlung von den Polen und den Juden, die zwar durch die Zeichnungen alle ähnlich aussehen, charakterlich teilweise aber unterschiedlicher nicht sein könnten. Bei den Nazis gibt es dafür wenig bis gar keine charakterlichen oder äußerlichen Unterscheidungsmerkmale, die sind einfach eine bedrohlich-einheitliche Masse. Das liegt in meinen Augen daran, dass die Deutschen, welche Wladek damals "kennenlernen durfte" ausschließlich solche waren, die direkt zur Wehrmacht und/oder der SS gehörten. Wahrgenommen werden sie im Comic daher nur als Kommandos brüllende Sadisten, die Spaß daran haben, andere zu quälen und zu töten. Deshalb kann man wohl auch äußerlich fast keine Unterscheidungsmerkmale feststellen: In Wladeks Erinnerung (und damit auch in Art Spiegelmans Darstellung) waren die Nazis allesamt vom gleichen Schlag und in ihren Denk- und Handlungsweisen so ähnlich, dass für die Opfer letztendlich kein
kein Unterschied auszumachen war.
Das für mich interessantestes Thema in "Maus" ist aber der "Fluch des Überlebens", der bis heute nur in sehr wenigen Geschichten über dieses Thema vorkommt. Dass auch die Überlebenden zum Teil in dieser Hölle gestorben sind. "Er hat zwar überlebt, irgendwie aber auch wieder nicht" heißt es sinngemäß an einer Stelle des Buches.
Die Menschen in Maus werden - von den Nazis abgesehen - allesamt mit ihren Stärken und Schwächen gezeigt. Wladek wird nicht idealisiert, man erfährt nicht nur, dass er ebenfalls rassistische Vorurteile hat, er behandelt seine zweite Frau manchmal wirklich schlecht. Dennoch leidet man mit ihm und freut sich, wenn am Ende Arts Mutter Anja und er sich in die Arme schließen. Dabei ist diese Freude bittersüß, man weiß ja bereits, dass Anja sich Jahre später das Leben nehmen wird.
Die emotionalste Szene ist für mich aber die von Wladeks Tod. An der Stelle, in der Wladek Art versehentlich mit dem Namen von dessen toten Bruder (der Kleine hat den Krieg nicht überlebt) anspricht. Hier zeigt sich das ganze Problem, das Art mit seiner eigenen Situation hat: Ein toter Bruder, dessen Vorbild er selbst nie gerecht werden kann und ein Vater, zu dem er schon lange kein einfaches Verhältnis mehr hat, lasten ihm auf der Seele.

Fazit zu Maus
Maus war bislang das einzige Buch, das ich - auf der letzten Seite angekommen - nach dem Ende gleich noch einmal gelesen habe. Dieser Klassiker wird seinem hervorragenden Ruf nicht nur gerecht, er übertrifft ihn problemlos.

P. S.: Die deutschen Behörden haben bei diesem Comic mal wieder bewiesen, dass sie die Bücher und Filme, gegen die sie vorgehen, nicht lesen bzw. ansehen müssen, bevor sie Schritte einleiten. Maus wurde nämlich von ihnen beschlagnahmt. Warum? Weil der Comic angeblich Nazipropaganda verbreiten würde. Da fragt man sich doch echt, was die Verantwortlichen tagsüber alles geraucht haben. Dass ihre Methoden selbst ein wenig an die Stasi erinnern, ist ihnen dabei wohl nicht einmal aufgefallen.

Montag, 1. Juli 2013

Creepers von David Morrell

Creepers von David Morrell
In einer kalten Oktobernacht dringt eine Gruppe von fünf Abenteurern in ein verlassenes Hotel ein. Das Paragon Hotel ist vor hundert Jahren von einem exzentrischen Millionär in Form einer Pyramide erbaut worden. Nun steht es seit mehr als 30 Jahren leer. Die fünf Eindringlinge sind so genannte Urban Explorer. Doch es kommt alles ganz anders, als die fünf es sich vorgestellt haben. In dem halb verfallenen Gebäude ist die Vergangenheit nämlich noch sehr lebendig. Die Nacht verwandelt sich in einem Albtraum des Schreckens...

Creepers von David Morrell
(Spoilerwarnung für alle weiteren Absätze voraus) Eines gleich vorweg: Wenn man den Klappentext dieses Buches liest, könnte man dem Trugschluss erliegen, es handle sich hierbei um einen Geisterroman. Dem ist nicht so. Zwar ist es grundsätzlich nicht falsch, dass in dem alten Hotel die Vergangenheit noch sehr lebendig ist, allerdings ist sie dies ganz anders als zunächst vermutet (und wenn ich mir so manch andere Rezension durchlese, dann bin ich offenbar nicht der einzige, der sich in die Irre führen ließ). Dennoch steht dieses Werk von David Morrell in den Buchhandlungen völlig zurecht in der Horror-Ecke. Dem Autor gelingt es hier sehr lange, den Leser im Unklaren darüber zu lassen, in welche Richtung sich die Geschichte entwickeln wird. Der zweite Faktor, mit dem Morrell die Spannung hoch hält, ist der wahre Grund, warum die fünf ausgerechnet das Paragon Hotel zum Objekt ihrer Begierde gemacht haben. Und dann kommt schließlich noch etwas hinzu, das schon ein zentraler Punkt in Morrells bekanntestem Buch, First Blood, war: Die traumatische Kriegsvergangenheit eines Protagonisten. War es bei John Rambo der Vietnamkrieg, der aus ihm ein psychisches Wrack gemacht hat, so hinterließ bei Frank Balenger der zweite Irakkrieg seine Spuren. Und bei beiden ist es ab einem gewissen Zeitpunkt so, dass sie die Realität und Einbildung nicht mehr voneinander unterscheiden können. Ansonsten sind die beiden Figuren aber unterschiedlich genug, sodass man beim Lesen zumindest nicht dauernd glaubt, dass Morrell hier einfach bei sich selber abgeschrieben hat.
Ein kurzes Wort zum Cover: Eine Straße spielt im ganzen Buch keine große Rolle. Wieso hat man nicht versucht, eine Illustration des Paragon Hotels zu Papier zu bringen? Das hätte sicher interessanter ausgesehen.

Großartige Atmosphäre
(Nochmal eine Spoilerwarnung - Dass mir nachher keiner behauptet, ich hätte es euch nicht gesagt!) Eine solche Geschichte steht und fällt natürlich mit dem Schauplatz. Morrell gelingt es, dem Paragon Hotel einen eigenen Charakter zu geben, sodass den Leser das Gefühl beschleicht, bei dem alten Gemäuer handele es sich beinahe um eine eigene Persönlichkeit. Durch seine bildhafte Sprache sieht man die Rezeption, das Penthouse im obersten Stock und die einzelnen Zimmer vor dem eigenen geistigen Auge, es kommt einem so vor, als würde man diese Räumlichkeiten selbst betreten. Positiv fällt auch auf, dass die handelnden Personen  eigentlich in jeder Situation halbwegs vernünftig reagieren und nicht andauernd in Panik verfallen (und der beliebte Plotpoint "Wir flüchten nach oben und rennen nicht einfach unten zur Tür raus" diesmal sogar eine vernünftige Begründung hat). Erfreulich ist auch, dass von Morrell auf ein 100 prozentiges Happy End, das in diesem Fall unrealistisch gewesen wäre, verzichtet hat. Trotzdem, oder wahrscheinlich gerade deshalb, ist der Schluss sehr zufriedenstellend (auch wenn es etwas vorhersehbar ist).
Es passt aber nicht nur die Atmosphäre, auch an der Spannungsschraube dreht Morrell nach dem ersten Drittel von "Creepers" ziemlich eifrig. Dass die Geschehnisse dann ein paar eher unerwartete Wendungen nehmen und die Gruppe nicht nur (was ja noch irgendwie zu erwarten war) auf eine zweite Truppe mit eigenen Absichten stößt, sondern beide Cliquen dann in einem begehbaren Safe neben den erwarteten Millionen auch eine angekettete Frau finden, steigert das Lesevergnügen noch mehr.

Fazit zu Creepers von David Morrell
"Creepers" ist eine unterhaltsame Horrorgeschichte, die vielleicht einen anderen Verlauf nimmt, als es die meisten Leser erwarten werden. Eine wirklich empfehlenswerte Lektüre!

Mittwoch, 26. Juni 2013

Die Tribute von Panem - Flammender Zorn von Suzanne Collins

Die Tribute von Panem - Flammender Zorn von Suzanne Collins
Nachdem Katniss Everdeen nach ihrer Befreiung aus der Arena der 75. Hungerspiele in den zerstört geglaubten Distrikt 13 gebracht wurde, bricht in Panem endgültig eine offene Revolution aus. Ihr eigener Heimatdistrikt wurde vom Kapitol und Präsident Snow vollkommen zerstört. Katniss soll, wenn es nach Präsidentin Coin, der Anführerin von Distrikt 13, geht, die Galionsfigur der Freiheitskämpfer werden. Deshalb zieht man sie immer wieder beispielsweise zum Drehen von Werbespots und ähnlichem heran. Katniss möchte aber nicht nur fingierte Propagandavideos drehen, sondern in die Kämpfe integriert werden. Als sie das schafft, sieht Katniss aber Dinge, die sie stark daran zweifeln lassen, dass Coin wirklich eine Verbesserung im Vergleich zu Snow darstellt...

Die Tribute von Panem - Flammender Zorn
Mit "Flammender Zorn" legt Suzanne Collins den Abschluss ihrer "Panem"-Trilogie vor. Nachdem in Teil 1 und Teil 2 die Hungerspiele im Vordergrund standen, ist es hier die Revolution gegen das Kapitol, die den zentralen Angelpunkt der Geschichte darstellt. Suzanne Collins vollzieht damit auch einen Wechsel der Erzählperspektive. Waren in den ersten beiden Büchern Katniss und ihre Freunde die unumstrittenen Hauptfiguren, treten diese hier überraschenderweise sehr in den Hintergrund. Das liegt daran, dass Collins hier von einem größeren Krieg erzählt, auf den auch Katniss nur noch sehr bedingt Einfluss nehmen kann. Gerade dadurch wird der dritte Teil in meinen Augen aber zum besten Buch der Reihe, da sich so selbst die in den ersten beiden Teilen angedeutete Dreiecksgeschichte zumindest phasenweise nur im Hintergrund abspielt.
Diese Vorgehensweise bringt aber auch einen Nachteil mit sich, denn natürlich ist es schwierig, die bereits wohlbekannten Pfade zu verlassen und relatives Neuland zu betreten.Wer sich eine kitschige Liebesgeschichte erwartet hat, wird am Ende ebenfalls ein wenig enttäuscht sein.

Kein Schwarz-Weiß mehr
(schwere Spoilerwarnung voraus) In "Flammender Zorn" lässt Collins auch endlich ihr Schwarz-Weiß Denken hinter sich und entzieht ihre Protagonistin nicht länger der Tatsache, dass im Krieg nun einmal auch Unschuldige ihr Leben lassen (und ja, Katniss tötet auch jemanden, der nichts mit den Spielen zu tun hatte und hat später auch entsprechend mit ihrer Tat zu kämpfen). Außerdem sind weder die Menschen im Kapitol das pure Böse, noch verhalten sich die Menschen in Distrikt 13 alle wie die guten, weißen Ritter. Dass in einer solchen Situation manchmal auch alle gebrachten Opfer umsonst sind, wird dem Leser spätestens beim Tod von Katniss' Schwester vor Augen geführt.
Gut gelungen ist auch der Epilog. Die Kinder von Katniss und Peeta (für den sie sich entscheidet) spielen im wieder aufgebauten Distrikt 12 auf einer Wiese. Diese war früher eigentlich ein Massengrab, in dem die Opfer des Angriffes des Kapitols beerdigt wurden. Hier wird einem ein, wie ich finde sehr schönes Bild von Tod und Wiedergeburt, Ende und neuem Anfang vermittelt. Es ist auch ein passender Schluss, der positiv ist, aber nichts mit den sonst so oft gebotenen rosarot-kitschigen Hollywoodenden zu tun hat. So schafft es Collins, den gespannten Erzählbogen zufriedenstellend zu einem Abschluss zu führen.

Fazit zur Panem-Trilogie
Mit "Die Tribute von Panem" ist Suzanne Collins eine Trilogie gelungen, die es weit mehr verdient hat, dass man sich an sie auch später noch erinnert, als dies zum Beispiel bei den Twilight-Büchern und Filmen der Fall ist. Die Bücher sind wirklich empfehlenswert, über die Filme wird hier noch zu reden sein...

Dienstag, 25. Juni 2013

Das Hotel von Jack Kilborn

Das Hotel von Jack Kilborn
Im Rushmore Inn wird Service noch groß geschrieben. Hier kümmert man sich um seine Gäste und zwar 24 Stunden am Tag. Mit Haut und Haaren...

Das Hotel von Jack Kilborn
Wenn man Bücher wie "Das Hotel" von Jack Kilborn (der Name ist übrigens ein Pseudonym) oder "Verkommen" von Bryan Smith liest, beschleicht einem der Gedanke, dass die Autoren allesamt sehr von den Slasherfilmen der 80er und Filmen wie "Hostel" oder "Haus der 1000 Leichen" beeinflusst wurden. So ist das Setting demjenigen der genannten Filme zum Verwechseln ähnlich: Ein paar Fremde verschlägt es aus dem einen oder anderen Grund an einen Ort, der von der Außenwelt abgeschnitten ist. Dort werden sie von Zombies/Vampiren/Whatever angegriffen und müssen um ihr Leben kämpfen. Allzu originell ist das nicht und "Das Hotel" tut nicht sehr viel, um diese Ausgangslage zu variieren. Die Handlung läuft ganz genauso ab, wie man es von anderen, ähnlichen Büchern und Filmen bereits kennt.

Unterhaltsames Buch für Zwischendurch
Das bedeutet aber nicht, dass "Das Hotel" langweilig wäre. Jack Kilborn hält den Leser bei Laune, indem er immer geschickt die Spannung hoch hält und genau dann den Schauplatz wechselt, wenn man unbedingt wissen will, wie es gerade weitergeht. So kommt es öfters vor, dass Kilborn einen ziemlich fies in der Luft hängen lässt, nur um genau dann mit der entsprechenden Szene weiter zu machen, wenn man gerade überhaupt nicht damit rechnet. Ein weiterer Vorteil des Buches ist, dass sich die Protagonisten - anders als in vielen anderen Büchern und Filmen dieses Genres - durchwegs intelligent verhalten und mit den hysterisch kreischenden und geistig beschränkten Teenagern, die man hier sonst geboten bekommt, ziemlich wenig gemeinsam haben. (ganz abgesehen davon, dass die Figuren - bis auf eine - eher Mitte 30 und älter sind). Mir gefällt es zum Beispiel sehr gut, wenn die Opfer sich so zur Wehr setzen, dass ihr Angreifer hinterher in mindestens drei Ecken liegt und die ihn nicht nur wegschubsen und dann schreiend in den finsteren Wald rennen. Wenn hier die Figuren zur Gegenwehr ansetzen, kann man sich sicher sein, dass sie ebenso gnadenlos vorgehen wie die inzuchtgeschädigten Hinterwäldler, die ihnen nachstellen.

Suspension of Disbelief
(Spoilerwarnung) Auch wenn "Das Hotel" spannendes Lesefutter ist - ein Logikloch fällt einem doch schon bei der ersten Lektüre auf. Laut Handlung verschwinden bereits seit Jahrzehnten immer wieder Menschen dort. Nicht nur das, alle haben gemeinsam, dass sie aufgrund eines bestimmten, alljährlich statt findenden Sportereignisses in eben diese Gegend reisen. Dennoch ist noch niemandem aufgefallen, dass der kleine Ort, in dem "Das Hotel" spielt eine ungefähr 10000mal höhere Vermisstenrate als üblich hat? Müsste da nicht normalerweise schon längst eine Sonderkommission aller irgendwie für solche Fälle zuständigen Behörden in der Sache ermitteln? Hier ermitteln gerade einmal zwei Privatleute, die sich Sorgen um eine Frau machen. Das ist dann doch ein wenig unglaubwürdig, um es einmal vornehm zu formulieren.

Fazit zu "Das Hotel" von Jack Kilborn
"Das Hotel" ist keinesfalls hochstehende Literatur. Trotzdem ist das Werk ein unterhaltsamer Horror-Reißer, der (mit einer Ausnahme) erstaunlich wenige Schwachstellen hat.

Dienstag, 18. Juni 2013

Night Show von Richard Laymon

Night Show von Richard Laymon
Tony hält es für eine ziemlich coole Idee, seine Schulkameradin eine Nacht lang in einer alten Villa, in der es angeblich spuken soll, einzuschließen. Welche Todesängste die hübsche Cheerleaderin in den folgenden Stunden aussteht, weiß der selbst ernannte "Meister des Schreckens" nur zu gut, er genießt das sogar sehr.
Nach dem Abschluss der High School möchte Tony in Hollywood bei Dani Larson, die für ihre Spezialeffekte in Horrorfilmen berühmt ist, anheuern. Die Methoden, die er wählt, um ihr nahe zu kommen - Stalking und vor ihren Augen eine Kinobesucherin mit gefälschten Vampirzähnen beißen zum Beispiel - sind allerdings denkbar ungeeignet, um Danis Vertrauen zu gewinnen. Da die  Liebe, die er für Dani empfindet eher einseitig ist und er ihr immer krankhafter nachstellt, bekommen die Spezialeffektekünstlerin und ihr Freund Jack es mit der Angst zu tun. Was sie aber alle nicht ahnen, ist, dass Tonys alte Schulfreundin die für sie schreckliche Nacht in der alten Villa nicht vergessen. Sie rächt sich grausam an allen, die für ihr Leid verantwortlich sind. Nun ist nur noch eines ihrer Ziele übrig: Tony. Entschlossen, ihre Vendetta zu vervollständigen, macht Linda sich auf den Weg zu Tonys neuer Adresse...

Night Show von Richard Laymon
Night Show ist das erste Buch von Richard Laymon, das ich gelesen habe. Gehört habe ich den Namen des Autors schon einige Male, nun wollte ich mir endlich selbst ein Bild machen. Was wäre für einen Horrorfan wie mich da besser geeignet, als eine Horrorgeschichte, die in der Horrorfilmbranche spielt? Eben.
Das Buch fängt auch sehr gut an. Der Prolog, in dem geschildert wird, wie Linda gewaltsam entführt und in die alte Villa geschleift wird,macht die Angst des Mädchens fast körperlich greifbar. Dann aber bemerkt man beim Lesen recht schnell, dass "Night Show" drei mehr oder weniger größere Probleme hat.

Tausendmal gesehen und gelesen
Problem Nummer 1 ist die extreme Vorhersehbarkeit der Handlung, welche die Blaupause für jeden zweiten Thriller ist. Tony ist von Anfang an eindeutig als gefährlicher Irrer identifizierbar. Er verfolgt die Frau seiner Träume in einem von ihm gekauften Leichenwagen, erzählt ständig davon, dass er anderen Menschen gerne Angst macht, rennt mit einem auf die Stirn gemalten dritten Auge herum und das erste richtige Gespräch zwsichen ihm und Dani ist ein Telefonat, indem er ihr erklärt, dass der als abgetrennter Kopf getarnte Schaufensterschädel in ihrem Garten seine Art ist, sich bei ihr als Assistent zu bewerben. Außerdem hat er kein Problem damit, in Danis Wohnung einzubrechen und in ihren Sachen herum zu schnüffeln.
Dani weiß das alles. Sie zeigt ihm aber trotzdem einige Techniken und geht einmal sogar mit ihm ins Kino.Das ist sogar noch dämlicher, wenn man bedenkt, dass Dani in einem anderen Fall, wo sie von jemandem bedrängt wurde, keine Probleme damit hat, denjenigen sofort zu feuern. Aber den verrückten Stalker, bei dem selbst Stevie Wonder mit verbundenen Augen erkennen würde, dass er nicht mehr zwischen der Realität und Filmen wie "Texas Chainsaw Massacre" unterscheiden kann, von dem sie weiß, dass er sie beim Sex mit ihrem Freund beobachtet (und sich dabei wahrscheinlich einen runtergeholt) hat und das auch noch zugibt, den lässt sie bereitwillig in ihr Leben und geht mit ihm sogar ins Kino. Wenn ich Jack wäre, wäre ich bei ihrer Ankündigung, diesen Psychopathen weiter zu treffen, einfach grußlos aufgestanden und gegangen (wobei sie das mit dem Voyeurismus erst später herausgefunden hat. Dass er in ihrer Wohnung war, wusste sie da allerdings schon). So wird dieser Handlungsstrang sehr schnell zu einem "Kap der Angst" für Arme.

Zwei Handlungsstränge - NULL Berührungspunkte
Dann gibt es da noch die Parallelhandung rund um Linda. Und da fangen die Probleme erst so richtig an. Der erste Mord, den sie begeht, ist gleich einmal ein ordentlicher Griff ins Klo und zwar aus zwei Gründen. Erstens wird dieser im Prolog nie erwähnt, die Leser sollen einfach so glauben, dass dieser Typ namens Joel bei der Entführung eben auch dabei war. Dann kann er aber weder der Mastermind (das war Tony) oder der ebenfalls anwesende Sadist (das war Arnold und am Ende wieder Tony) sein. Was soll Joel also zu der Sache beigetragen haben? Wenn er sowas wie der Fahrer war, wird das im Buch nicht erwähnt. Ganz abgesehen davon, dass Joel die ganze Zeit über sehr glaubhaft beteuert, dass ihm seine Beteiligung an der Sache leid tun würde und er das alles bereue. Lindas Reaktion darauf? Sie erschlägt ihn beim Ficken mit einem Stein. Überreaktion anyone?
Das weit größere Problem habe ich aber damit, dass die beiden Handlungsstränge im ganzen Buch so konstruiert sind, dass man das Gefühl habe, sie würden aufeinander zusteuern. Sie tun bis zum Ende aber genau das nicht. Linda trifft die anderen Protagonisten kein einziges Mal, der Moment, in dem sie auf Tony trifft, ist zufälligerweise der einzige im Showdown, in dem weder Dani noch Jack in Danis Haus sind. Linda bringt dann den gefesselten Tony um und das wars dann. So hat "Night Show" dann keinen richtigen Höhepunkt und statt eines befriedigenden Endes erlebt der Leser, wie beide Handlungsstränge einfach ausrinnen.
Ein kleineres Problem habe ich auch mit einem Aspekt, der im Buch gar nicht erwähnt wird. Linda gibt vor, sich nach einem Autounfall, den sie hatte, nachdem sie aus der Villa entkommen war, an nichts in dieser Nacht erinnern zu können. Heimlich plant sie über Monate hinweg ihre Rache und denkt sehr oft an nichts anderes mehr. Bemerken tut das......keiner. Weder ihrem Elternhaus noch dem Personal im Krankenhaus (beide werden ohnehin nur indirekt erwähnt) bemerken, dass mit der jungen Frau etwas nicht mehr stimmt. Und natürlich sieht auch niemand, wie sie mit Joel von dem Ort, in dem sie leben, am hellichten Tag in den Wald fährt, aber hey: In einem Telefongespräch, das sie heimlich belauschen kann, erfährt sie, dass Joels Mutter zwar vor Sorgen um ihren seit Tagen verschwundenen Sohn fast umkommt, es aber für ganz doll clever hält, die Polizei nicht zu rufen und mit den Händen im Schoß daheim sitzend auf ihren Lendenspross zu warten. Wenn es jemals ein Gerät gibt, mit dem man Romanfiguren zum Leben erwecken kann, wende ich das auf Joels Mama an und erwürge sie gleich im Anschluss.

Fazit zu Night Show von Richard Laymon
Night Show von Richard Laymon, das in Amerika schon im Jahr 1984 fängt sehr gut an und fesselt den Leser. Nach den ersten 50 Seiten stellt sich aber sehr schnell das ungute Gefühl ein, dass das Buch vor allem Blendwerk ist. Die Figuren entwickeln sich nicht und bewegen sich durch eine schablonenhafte, überraschungsfreie Handlung, deren "Höhepunkt" der absolut langweilige Schluss ist. Von mir gibt es daher keine Empfehlung.

Montag, 26. Dezember 2011

Die Talisman-Kriege 01 - Flucht nach Faerie von Jason N. Beil

Titel: Die Talisman-Kriege 01 - Flucht nach Faerie

Autor: Jason N. Beil

Übersetzer: Michael Krug

Otherworld Verlag, Januar 2010, 448 Seiten, 14,95€.

Flucht nach Faerie von Jason N. Beil

Der junge Bäckerlehrling Alek Maurer lebt in einem kleinen Bauerndorf in der Nähe der Stadt Tyridan ein gemütliches und ruhiges Leben. Damit ist es jedoch vorbei, als er rein zufällig ein uraltes Artefakt entdeckt, welches Begehrlichkeiten bei einem dunklen Hexer namens Salin Urdrokk weckt. Nachdem Alek sich dagegen entschied, das Artefakt an den ihm unheimlichen Mann zu verkaufen, tötet dieser Aleks Pflegeeltern. Alek kann gemeinsam mit zwei von seinen Freunden, einem wortkargen Einsiedler und einem abgetakelten Krieger entkommen. Zusammen müssen sie die raue Wildnis des Königreichs Tyridan durchqueren um nach Faerie zu gelangen, dem einizigen Ort, an dem Alek, seine Freunde und das Artefakt noch sicher sind. Doch Salin Urdrokk ist ihnen dicht auf den Fersen und auch er ist nicht allein...

Die Talisman-Kriege 01 - Flucht nach Faerie: High Fantasy mit einigen Abzügen in der B-Note

Das Grundgerüst von "Die Talisman-Kriege 01 - Flucht nach Faerie" folgt im Prinzip dem der klassischen High Fantasy, ganz so wie Tolkiens "Der Herr der Ringe". Eine Gruppe rund um den Protagonisten, der sich erst zum Helden entwickeln muss, begibt sich auf eine gefährliche Reise, die alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer für immer verändern wird.  Die Charaktere sind eins zu eins aus Tolkiens "Der Herr der Ringe" übernommen worden. Gandalf, Streicher, Samweiß.....es wirkt teilweise so, als hätten sie alle nur ihre Namen geändert. Selbst von den Figuren, welche nicht in Tolkiens Werk ihren Ursprung haben, hat man schon des Öfteren in anderen Fantasyromanen gelesen. Dennoch ist das Buch im Großen und Ganzen sehr unterhaltsam zu lesen. So hat man bereits beim ersten Mal das Gefühl, man würde einem alten Bekannten nach langen Jahren wieder begegnen. Neues darf man sich hier zwar nicht erwarten, manche könnten es Jason Beil sogar zum Vorwurf machen, dass er das Konzept der klassischen High Fantasy für sakrosankt hält und nicht einmal die kleinste Kleinigkeit variiert. Trotzdem muss anerkannt werden, dass Beil zumindest innerhalb dieser (engen) Grenzen nur sehr wenige Fehler macht.

Der Teufel versteckt sich in den Details

Das Problem an der Sache ist nur, dass sich in die ausgearbeiteten Details dann doch einige Holprigkeiten eingeschlichen haben. Vor allem was die Sprache der Protagonisten betrifft, fallen einige Dinge negativ auf. Natürlich hat jeder Autor das Recht, zu bestimmen, dass seine Charaktere - vor allem in einem Fantasyroman - eine etwas gehobenere Sprache benutzen (selbst wenn sie aus einem Bauerndorf stammen). Hier wirkt das aber teilweise nur noch grotesk.
Um das zu verdeutlichen, möchte ich hier einmal ein kleines Beispiel anführen, das mich beim Lesen extrem gestört hat. Man stelle sich vor, dass ein 15-jähriges Mädchen Hals über Kopf mit ihren Freunden und ohne zu wissen, ob die eigene Mutter noch lebt (als letztes sieht sie ihr brennendes Zuhause) fliehen muss, um ihr eigenes nacktes Leben zu retten. Man stelle sich des Weiteren vor, dass dieses Mädchen sehr schnell erkennt, dass es nichts bringt, sich ständig zu beklagen, weil dies an der Situation wohl ohnehin nichts ändern würde. Wenn dann der Protagonist (und damit eigentlich derjenige, welcher besagte junge Frau erst in dieses Schlamassel gebracht hat) zu ihr gehen und sich wirklich (zumindest am Anfang) ständig darüber beschweren würde, dass er doch in sein warmes Bettchen zurück will, wie würde die Antwort des Mädchens dann wohl realistischerweise aussehen? Wäre es so etwas wie "Du blöde Sau, reiß dich gefälligst mal am Riemen und hör mal mit der Heulerei auf!!" oder "Ja Alek, auch ich vermisse derlei Dinge." Jason N. Beil (bzw. sein Übersetzer Michael Krug) hat sich jedenfalls für die zweite Option entschieden, was zur Folge hat, dass die junge Dame ein wenig wie ein an Realitätsverlust leidendes durchgeknalltes Burgfräulein klingt, dem man gerade den goldenen Löffel aus dem Mund stiebitzt hat. Solche Stilblüten ziehen sich durchs ganze Buch, sodass man teilweise regelrecht aus der Geschichte gerissen wird.

Geweckte Erinnerungen

"Flucht nach Faerie" hat mich beim Lesen an zwei Dinge erinnert. Erstens zeigte mir das Lesen dieses Buches, was ich früher an Fantasyromanen wie diesem hier so sehr geliebt habe.  Dabei stellte sich beim ersten Lesen ein seltsam nostalgisches Gefühl ein, was schon ein wenig paradox ist. Zweitens hat mich "Flucht nach Faerie" aber auch daran erinnert, wieso ich mich in den letzten Jahr(zehnt)en vermehrt anderen Büchern zugewendet habe. Hier passiert wirklich nichts Überraschendes, man erkennt - wenn man sich ein wenig mit dem Metier auskennt - jede Plotentwicklung bereits im voraus. Wenn einem das nicht stört gibt es aber weit schlechter gschriebenere Bücher als "Flucht nach Faerie". Ob ich dem 2. Teil der Talisman-Kriege, der gerade hinter mir im Regal steht, eine Chance geben werde, weiß ich noch nicht. Vielleicht überrascht mich Jason Beil ja doch noch...

Donnerstag, 15. September 2011

The Dwarves of Death von Jonathan Coe

Titel: The Dwarves of Death

Autor: Jonathan Coe

Verlag: Penguin New Edition 2008

224 Seiten

Inhalt: In Williams Leben passiert derzeit eine Menge. Da wäre einerseits seine Liebe zu Madeleine, deren Vorstellung von einem perfekten Tag in einer ausgeprägten Shoppingtour und einem abschließenden Kuss auf die Wange für William besteht, was William, der ganz gerne mal bei Madeleine frühstücken würde, ganz und gar nicht prickelnd findet. Dann gibt es noch die Band in der er spielt, The Alaska Factory. Die Jungs sind dermaßen untalentiert, dass wirklich jeder von William (der anscheinend echtes Talent besitzt) geschriebene Song genauso scheiße klingt wie der andere. Deshalb denkt William darüber nach, die Band zu verlassen und stattdessen bei einer Gruppe namens "The Unfortunates" anzuheuern. Als er den Bandleader der Unfortunates zum ersten Mal trifft, erhalten Williams Probleme gleich eine ganz neue Dimension. Dieser wird nämlich vor Williams Augen brutal von zwei maskierten Liliputanern erschlagen und da er (außer ihm selbst) auf die Schnelle keine weitere Verdächtigen bei der Hand hat, hegt William ernsthafte Zweifel daran, dass die Polizei ihm diese Geschichte auch glauben wird...

Kommentar: "The Dwarves of Death" von Jonathan Coe erschien ursprünglich im Jahr 1990 und ist dessen dritter Roman. Dieses Buch ist nach wie vor eines von Coes besten. Coes Stärken - sein Wortwitz, seine Lockerheit, das flotte Erzähltempo und seine Fähigkeit, die Spannung ohne große Mühe hochzuhalten - kommen hier voll zum Tragen. Coes Beschreibungen des alltäglichen Lebens in London sind ein absoluter Lesegenuss, wenn er z.B. die anderen Mieter in Williams Wohnhaus oder die Busfahrten in der englischen Hauptstadt beschreibt.
Coe schafft es, seine Figuren mit all ihren Stärken und Defiziten so zum Leben zu erwecken, dass man als Leser das ständige Gefühl hat, jemand wie William könnten einem heute oder morgen an der nächsten Straßenecke begegnen und man würde am liebsten sofort mit ihm ins nächste Pub gehen,  um dort bei ein paar Bier über Gott und die Welt zu reden. "The Dwarves of Death" ist so voll mit Lebensfreude, dass es regelrecht überquillt. Die Handlung selbst tritt dabei zwar manchmal kurz in den Hintergrund, ist aber dennoch immer präsent und das Ende (von dem ich hier natürlich nichts verraten werde) kam zumindest für mich einigermaßen überraschend (und außerdem möchte ich den Abgang des Bandleaders von "The Unfortunates" für den Preis "Absurdestes Ableben in der Kriminalliteratur" vorschlagen. Von zwei Menschen mit maximal Kindergröße erschlagen zu werden hat schon was).

Fazit: "The Dwarves of Death" von Jonathan Coe ist einfach großartig. Hier passt einfach alles: Humor, Spannung, Lockerheit, Zynismus - Einfach toll!
Abschließend gibt es hier noch den Trailer zur Verfilmung, welche (für mich unverständlicherweise) den Titel "Five Seconds to spare" trägt (der Film wird hier demnächst auch noch besprochen werden):