Posts mit dem Label Gastkommentare werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gastkommentare werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 18. Januar 2016

Gastbeitrag von Claudia Junger

Swans Song - Nach dem Ende der Welt von Robert McCammon
Etwas verspätet lade ich hier einen weiteren Gastbeitrag zum Geburtstag meines Blogs im Jahr 2015 hoch. Claudia Junger ist die Chefin von "Krimi & Co". Ich habe sie darum gebeten, für die Alltagshirngespinste einen Buchtipp zu schreiben und sie war sofort von der Idee begeistert. Viel Spaß beim Lesen!

Lieber Bloggerkollege Udo,
ich gratuliere dir hiermit sehr herzlich zum vierten Bloggeburtstag. Ich freue mich über die Möglichkeit, bei dir einen Gastbeitrag veröffentlichen zu dürfen. Du fragtest mich nach einem besonderen Buchtipp und den gebe ich dir sehr gerne:

Während das englischsprachige Original "Swan Song" vom Autor Robert R. McCammon 1996 in einem einzigen Band erschien, entschied sich der FESTA Verlag im Juni 2015, daraus zwei Bände zu machen und zwar "Swans Song 1 - Nach dem Ende der Welt" und "Swans Song 2 - Das scharlachrote Auge". Wer auf außergewöhnliche, packende und spannende Endzeitstorys steht, der kommt an "Swans Song" nicht vorbei. Beide Bücher waren „Krimi & Co. Highlights“.


Klappentext:
Swans Song – Buch 1: Nach dem Ende der Welt
Der legendäre Endzeit-Thriller. Düster, brutal und mit epischer Wucht erzählt.
In diesem Endzeit-Thriller beschreibt der Bestsellerautor die Welt nach der atomaren Apokalypse. Die menschliche Zivilisation bricht zusammen und die wenigen Überlebenden werden in eine vorindustrielle Welt katapultiert, in der sie zu hungrigen Bestien mutieren.
Der nukleare Winter senkt sich wie ein Leichentuch über die verkohlte Erde.
Durch dieses verstrahlte Land wandert Swan – das neunjährige Mädchen spürt, dass etwas Übernatürliches am Werk ist: das personifizierte Böse, das die Menschheit endgültig vernichten will. Swan erlebt die ultimative Entscheidungsschlacht zwischen Gut und Böse.
Meine Meinung:
Sehr selten bin ich restlos von einem Buch begeistert (das völlig misslungene Cover bewerte ich allerdings nicht mit) und bei “Swans Song 1” ist es so. Hier stimmt einfach alles: Der Plot, der Stil, die Figuren. Zugegeben, die ersten Seiten fand ich zunächst nicht so prickelnd, aber klar, irgendwie musste es ja zum Atomschlag kommen. Als Swan dann ins Spiel kam, war es direkt um mich geschehen. Mich hat das Buch sehr mitgenommen und ich kann es direkt in einem Atemzug mit “Das letzte Gefecht” von Stephen King nennen. Wenn ich ganz ehrlich bin, hat es mir sogar noch ein wenig besser gefallen.Fazit: Spannend, hart, berührend. Ein großartiges Buch. Unbedingt lesenswert!

Broschiert: 450 Seiten
Verlag: Festa Verlag; Auflage: 1 (14. Juni 2015)
Sprache: Deutsch
Klappentext:
Swans Song - Das scharlachrote Auge von Robert McCammon
Swans Song – Buch 2: Das scharlachrote Auge
Eine erkaltete, hoffnungslose Welt. Heimgesucht von einer uralten bösen Macht.
Er ist der Mann mit dem scharlachroten Auge, der Mann der vielen Masken. Er vereint die Kraft der menschlichen Gier und des Wahnsinns. Er durchstreift das nuklear verstrahlte Land auf der Suche nach einem Kind, dem Mädchen mit dem Namen Swan.
Das Kind muss vernichtet werden, denn es besitzt die Gabe. Swan kann dem toten Boden wieder Leben geben und den Menschen somit Rettung bringen …
Das Ende der Welt ist nur der Start für den letzten Kampf der Menschheit.

Meine Meinung:
Auch hier muss ich es erwähnen: Das Cover finde ich furchtbar und es passt absolut nicht zur Story. Aber das war es auch schon an negativer Kritik.
Es geht weiter mit Swan, ihren Freunden und Widersachern. Und wie. Der Autor Robert McCammon gönnt dem Leser keine Pause. Hochspannend, teilweise sehr brutal, aber immer glaubwürdig und stimmig, wird mit Teil 2 die Story zum Abschluß gebracht. Es ist einfach unmöglich, dieses Buch aus der Hand zu legen. Swans Song 1 und Swans Song 2 gehören zu den besten Büchern, die ich je gelesen habe. Absolute Kaufempfehlung!
Fazit: Furioses Finale rund um Swan. Packend und hochspannend. Ein Muss!
Broschiert: 450 Seiten
Verlag: Festa Verlag; Auflage: 1 (14. Juni 2015)
Sprache: Deutsch


Donnerstag, 11. Dezember 2014

Gastkommentar von Wolfgang Schwerdt - Rotbart: Der Schiffskater vom Reiterhof

Heute gibt es mal wieder einen Gastkommentar, über den ich mich sehr freue. Der Journalist und Historiker Wolfgang Schwerdt erzählt darin, wie sein Buch "Rotbartsaga: Die Abenteuer des legendären Schiffskaters. Teil 1: Das Vermächtnis des Kapitäns Carl Carlszoon" entstand.

Als der legendäre rote Kater unter anderem auf den Schiffen der Vereinigten Ostindischen Kompagnien im 17. Jahrhundert über die Weltmeere segelte und neue, unbekannte Küsten und Länder entdeckte, da gab es natürlich noch keine Reiterhöfe. Jedenfalls nicht solche, wie der, auf dem ich für mehrere Jahre für die alltäglichen Hofarbeiten und das kreative Unterhaltungsprogramm für die Ferienkinder verantwortlich zeichnete. Natürlich gab es auf dem Hof auch Katzen. Die alte Glückskatze Garfield beispielsweise, die schon immer auf dem Hof war. Oder die drei aus dem Tierheim, die die feline grande dame bei der Nagerjagd unterstützen sollten.

Keines der Katzentiere war auch nur ansatzweise rot oder hatte etwas, das an einen stattlichen Bart erinnerte. Auch die Fellnasen, die versuchten, in das Revier der vier Höflinge einzudringen und damit regelmäßig lautstarke und langanhaltende Brumm- und Singsessions auslösten, hätten niemals einem Rotbart Modell stehen können. Und doch war es ausgerechnet hier, wo ich die ersten Kurzgeschichten über Rotbart verfasst und den Ferienkindern in gemütlicher Runde vorgelesen hatte. Dass nach jahrelanger Spezialisierung auf kulturgeschichtliche Drachenforschung und Drachenfantasy nun plötzlich auch Katzen in den Fokus meines literarischen Schaffens gelangten, ist natürlich dem engen Zusammenleben mit dieser wirklich faszinierenden und vor allem anpassungsfähigen Spezies zu verdanken. Zwar hätten auf einem Reiterhof Pferdegeschichten möglicherweise ein wenig näher gelegen. Eine Verbindung zwischen Pferden und Seefahrt herzustellen – einem Thema mit dem ich mich seit meiner Kindheit leidenschaftlich befasse -, erschien mir jedoch wesentlich problematischer, als über Schiffskatzen zu schreiben. Die ersten Katzengeschichten – eher Fabeln – handelten jedoch tatsächlich von stinknormalen Hofkatzen und sind als Büchlein „Mit Katzenaugen. Träumkatzen und der wilde Kater“ http://www.amazon.de/Mit-Katzenaugen-Träumkatzen-Wilde-Kater/dp/1479108138/ veröffentlicht.

Jahrelange Vorarbeiten
In der allerersten Kurzgeschichte (ca. 2003) über den Schiffskater war Rotbart ein ziemlich demoliertes Wesen, ein Vorderbein war amputiert, ein Auge fehlte ihm und er war von zahlreichen Narben übersät. Und dann verpasste ihm ein junger, ehrgeiziger Spund im Kreise seiner gestandenen KollegInnen auch noch einen Hieb, indem er den bereits damals legendären Schiffskater als „altes Wrack“ bezeichnete, den niemand mehr an Bord haben wolle. Mit Hilfe seiner jungen Kollegin Graulocke erholte sich der mächtige Kater wieder von dieser tiefen seelischen Verletzung und er setzte nicht nur seine Schiffskaterkarriere mit neuen legendären Abenteuern fort, sondern auch zahlreiche Nachkommen in die maritime Welt. Mit dieser Geschichte war mir mein fiktiver Kater so ans Herz gewachsen, dass ich etwa 2011 beschloss, Rotbart zum Protagonisten eines mehrbändigen Buchprojektes zu machen. Hintergrund waren die Recherchen zu Schiffskatzen der vergangenen Jahrhunderte, die ich im Rahmen meiner Bücher „Forscher Katzen und Kanonen. Über Leben und Arbeit von Forschungsreisenden im 18. und 19. Jahrhundert “ und „Die Schwarzbärflotte: Wahre Geschichten über seefahrende Katzen“ angestellt hatte. Natürlich war Rotbart auch einmal jung, ansehnlich und verspielt. Und so beginnt mein Protagonist seine literarische Karriere im 17. Jahrhundert als etwa eineinhalbjähriger Jungspund, der diverse Lektionen zu lernen hat, bevor er als gestandener aber eben gezeichneter Schiffskater zur lebenden Legende geworden ist.

Erlebnisreise in die Vergangenheit und die Welt der Katzen
Auch bei den maritimen Katzenromanen lege ich als Journalist und Historiker größten Wert auf die genaue Hintergrundrecherche, nicht nur, wenn es um geschichtliche Ereignisse und Zusammenhänge geht. Und während ich an den kleinen und großen Abenteuern meiner felinen Hauptfiguren feile, lenken mich so profane Fragen wie „seit wann gab es eigentlich die bekannten holländischen Tonpfeifen“ oft tagelang vom eigentlichen Schreiben ab. Das Ergebnis: Die fiktiven Katzentiere entwickeln während meiner Recherchen, die so wichtig für die historisch korrekten Szenerien sind, ein gewisses Eigenleben. Und wenn ich von meinen Ausflügen in die historischen Archive, beladen mit bedeutenden Informationen, zu meinen literarischen Schützlingen zurückkehre, haben die gelegentlich auf anderen Schiffen angeheuert, neue Bekanntschaften gemacht oder sind in fast ausweglose Situationen geraten, aus denen herauszukommen weniger historische Kenntnisse, sondern eher ein gesunder Katzenverstand vonnöten sind. Natürlich müssen die historischen Bilder und Technologien stimmen, aber wenigstens genauso wichtig, ist das Beobachten von Katzen. Das hat mir auch – unter anderem am Beispiel der Ataxiekatzen - gezeigt, dass der Begriff Handicap ein sehr menschlicher ist. Dass Rotbart auch nach dem Verlust eines Beines ein vollwertiger Schiffskater bleibt, entspringt nicht meiner pädagogisch wertvollen Phantasie, sondern der kätzischen Realität im Umgang mit dem, was wir als Behinderung bezeichnen. Für mich ist das Rotbartsaga-Projekt eine vielschichtige und aufregende Forschungsreise in die Geschichte, zu fremden Kulturen und in die Tierwelt, die mir mit Hilfe meines professionellen Autoreninstrumentariums ständig neue Einsichten und Erkenntnisse bringt. Meine Intention ist es, ein wenig davon an den Leser weiterzugeben.

Das Abenteuer des Buchmachens
Jeder Autor sucht einen Verlag für sein Buch, zumindest ist das die gängige Meinung. Ich hingegen habe mich dazu entschlossen, statt meine Energie und Mittel für die Suche eines (geeigneten!) Verlages zu verschwenden, mich von vornherein an meine Leser zu wenden. Natürlich bin ich lange genug im Geschäft, um zu wissen, worauf ich mich damit einlasse. Publikationen wie „Die Drachenwächterin“ oder meine Bücher in der Reihe „Kleine Kulturgeschichten“ im Vergangenheitsverlag haben mir den Einblick in die Verlagsarbeit vermittelt und gleichzeitig die wirtschaftlichen, gestalterischen und literarischen Grenzen aufgezeigt, die für den Autoren damit verbunden sind. Durch meine Publikationen als Selfpublisher habe ich auch diese Seite des Literaturmarktes kennengelernt. Fazit: Jedes Buchprojekt braucht seinen passenden Rahmen. Das kann im Einzelfall ein Verlag aber eben auch –entsprechende Kooperationspartner und Kompetenzen vorausgesetzt – die Eigenveröffentlichung sein. Im Falle der Rotbartsaga ist derzeit zweifellos das Selfpublishing der bessere Rahmen. Denn es war mein Ziel, nicht nur ein Manuskript abzuliefern und seine Verwertung gegen eine marginale Erfolgsbeteiligung in fremde Hände zu geben, sondern den gesamten Publikationsprozess, angefangen vom Lektorat, über das Layout, die Gestaltung und Illustration, bis hin zum Marketing in meinem Sinne umzusetzen und zu kontrollieren.

Auch als Schriftsteller einfach mal andersherum denken
Nach jahrzehntelanger Publikationserfahrung als Journalist und Buchautor war es für mich – auch angesichts der neuen technologischen Möglichkeiten, die sich beileibe nicht in den immer angeführten E-Books erschöpfen - generell an der Zeit, ein paar Dinge neu oder wenigstens anders zu denken. Es ist heute auch im Verlagsgeschäft üblich (und für ein Unternehmen sicherlich betriebswirtschaftlich nicht unklug) Literatur vom Markt her zu denken. Was verkauft sich, was ist gerade in? Wie muss das Produkt, wie müssen Autorenverträge gestaltet sein, um möglichst viel Umsatz und Gewinn zu generieren? Wie lässt sich der Vertrieb automatisieren, strukturieren und standardisieren? Und so weiter und so fort. Diese Denke haben sich inzwischen auch viele Autoren zu Eigen gemacht und sehen ihre Aufgabe darin, möglichst das zu schreiben, was Verlage aus Marketinggesichtspunkten vorgeben, den sogenannten Mainstream. Davor habe ich großen Respekt, denn die Produktion erfolgreicher Mainstreamliteratur erfordert ein hohes Maß an speziellen handwerklichen Fähigkeiten und sicherlich auch persönlichen Dispositionen, die mir vollkommen abgehen.
Ich denke meine Autorenarbeit tatsächlich vom Buch, vom Inhalt aus. So zum Beispiel: Was und worüber möchte ich schreiben? Welche literarische Form, welcher Stil liegt mir besonders? Wie muss ein Buch gestaltet, ausgestattet sein, um den Inhalt optimal zu transportieren. Erst im zweiten Schritt kommt der Markt ins Spiel: Wer könnten meine Leser sein? Ist meine Zielgruppe ausreichend groß um auch einen wirtschaftlichen Erfolg möglich zu machen? Welche Zugeständnisse muss, kann ich an die Ökonomie und an den Publikumsgeschmack machen, ohne meine Intentionen in Frage zu stellen? Gibt es zum traditionellen Vertrieb Alternativen um speziell meine Leserschaft zu erreichen?
Das Ergebnis ist ohne Zweifel ein sehr persönliches Produkt, das aber, wie die Rotbartsaga zeigt, auch dann wirtschaftlich erfolgreich sein kann, wenn die Gewinnmaximierung und Bedienen eines Massenmarktes nicht an erster Stelle steht. Ein betriebswirtschaftlicher Hintergrund des Autors ist dabei allerdings nicht zwingend ein Nachteil.



Weitere Infos gibt es auf  Rotbartsaga.com. Die Rezension zum ersten Teil der Buchreihe gibt es hier genau morgen in einer Woche, also seid gespannt!

Edit: Etwas verspätet, ist das Review nun endlich da: Das Vermächtnis des Kapitäns Carl Carlszoon. Viel Spaß beim Lesen!

Montag, 27. August 2012

Gastbeitrag von Elsa Rieger: Wie schreibe ich mich durch einen Roman von A-Z?

Da mein Blog im August sein zweijähriges Jubiläum feiert, habe ich mal ein wenig herumgefragt, wer denn bereit dazu wäre, einen Gastbeitrag für die Alltagshirngespinste zu schreiben. Elsa Rieger hat gleich als erste aufgezeigt. Sie ist Autorin mit eigener Homepage und eigenem YouTube-Kanal. Und jetzt viel Spaß mit "Wie schreibe ich mich durch einen Roman von A-Z?"!
 
 
Zuerst muss mal eine Idee da sein, inspiriert von einer Landschaft, einer beeindruckenden Begegnung, vielleicht einem einzigen Satz, gar einem Duft? Alles kann einem ganz plötzlich als eine Idee ins Gehirn schießen. Und nun ist sie da. Was tun damit?

Man umkreist sie vorsichtig, um sie nicht zu verscheuchen, betrachtet sie von allen Seiten, fliegt sie nicht davon, dann schreibe man sie in einem Satz auf. So, jetzt ist es besiegelt, das Samenkorn im Erdreich versenkt.

 

Aus dieser Idee schmiedet man die Prämisse. Was will ich also beweisen in meinem Roman? Dass Unrecht nicht gut gedeiht? Dass Liebe allen Schmerz besiegt? Dass ein hartes Schicksal reif macht, belohnt wird? Dass der Teufel, Dämon, Hexenmeister kein Land gewinnt, wenn man nur sich selbst treu bleibt? Nun habe ich eine Prämisse, die ich beweisen werde im Laufe der Geschichte. Was nun? Idee steht festgeschrieben die Prämisse ist formuliert. Wer nun beweist, was ich als Autorin behaupte? Richtig! Das Personal! Wie könnte der Charakter denn geformt sein, der in der Lage ist, diese Heldenreise zu bewältigen, den Hindernissen zu trotzen, zu einem guten Ende zu kommen? oder soll es vielleicht übel ausgehen? Das hängt nun von der Figurenentwicklung ab. Und von den Figuren hängt der genaue Inhalt ab. Ich entwickle meine Protagonisten, Antagonisten, hilfreiche oder feindliche Nebenfiguren (manche fliegen später wieder raus), aber zuerst brauch ich die Darsteller. Ich bastle mir Steckbriefe, in denen die Stärken, Schwächen, das Aussehen, die Neigungen usw. beschrieben sind. Ha, mein Personal ist da!

 

Und was sollen die jetzt bitte machen? Na die Geschichte vorantreiben, natürlich! Dazu brauche ich aber erst einen Inhalt, den Plot. Aufgrund der Kenntnisse meiner Figuren, der Idee, der Prämisse, baue ich mir ein Exposee, in dem ich die Geschichte auf wenigen Seiten ausarbeite.

Aus diesem Entwurf machen wir eine Story-Outline, was heißt, ich umreiße den Fortgang der Geschichte, indem ich jedem Kapitel 1 Satz schenke, dann weiß ich später, was ich dort ausformulieren muss, um den roten Faden nicht zu verlieren, andernfalls kann ein Autor durchaus umkommen in seinem Roman, der sich als undurchdringlicher Dschungel erweist.

Nach der Outline lege ich los und schreibe Kapitel für Kapitel aus. Wenn mein Personal ausschweift, plötzlich eigene Wege gehen möchte, dann darf es das durchaus für eine Weile tun, schließlich soll ja keine 10 Seiten Erzählung entstehen, sondern ein satter Roman! Aber nach einer Weile sollte man seine Leute wieder sanft zum Ursprung zurückholen und sich an seine eigenen Vorgaben halten. Um jetzt einen ordentlichen Text zuwege zu bringen, ist es ganz gut, sich an das 3-Akte-Prinzip zu halten, das so geht:

 

1. Akt

Einführung der Hauptfigur und deren ganz normalen Wahnsinn, sprich, wie er im Leben dasteht. Sehr schnell kommt der „Call“, der Ruf, der sein Leben auf den Kopf stellen soll, denn ohne Änderung im Leben, kein Roman, keine Figur, keine Prämisse, keine Idee. Plopp, Seifenblase zerplatzt. Kein halbwegs vernünftiger Mensch hat es gern, wenn plötzlich etwas zerrt an ihm, eben der „Call“, und ihn zwingt, etwas anders als bisher zu machen. Daher wird die Figur zunächst versuchen, diesem Ruf auszuweichen, so tun, als höre er gar nicht, dass da was „hallohooo“ schreit, sich panzern dagegen. Damit kämpft der Protagonist während des 1. Aktes, an dessen Ende der 1. Wendpunkt (Plotpoint) steht, er ergibt sich dem Ruf und macht sich auf den Weg.

 

2. Akt

Der 2. Akt sollte zirka doppelt so lang wie der 1. Akt sein, da packt man auch Nebenschauplätze rein, Subplots, die sich mit dem Hauptplot vermengen (natürlich alles mit Sinn und Verstand, es muss schon alles zusammenpassen und einen Grund haben). Während des 2. Aktes bloß keine Heldenschonung betreiben, gib ihm/ihr kalt-warm, lasse ihn von einer Herausforderung, einem Konflikt in den nächsten stürzen, bis er am Ende dieses Aktes ein Häuflein Elend in der absoluten Krise steckt. Nichts geht mehr, der Leser denkt, der Kerl schafft es niemals, da rauszukommen. Also Ende 2. Akt 2. Wendepunkt.

 

3. Akt

Der beginnt in dieser Krise des Helden. Und wenn der Typ nun Mumm in den Knochen hat, mobilisiert er seine letzten Kraftreserven, steht auf und stellt sich! nun hat der Autor es bald ausgestanden, denn der 3. Akt sollte etwa so lang sein wie Akt 1. Formel: 1+3=2

So hat man eine feine, vom Leser natürlich nicht erkennbare Symmetrie in seinem Werk.

In diesem Akt wird alles aufgelöst. Zum Guten oder zum Bösen, je nachdem, was erzählt werden will. Es folgt der „Showdown“, was heißt, der Kampf der Giganten, der durchaus aus ein letzter Konflikt zwischen Liebenden sein kann und Entscheidungen werden getroffen.

Nun gibt es noch den Nachschlag oder auch „Kiss off“ genannt, indem der Leser unseren Helden entweder in den Sonnenuntergang reiten sieht oder sein Begräbnis schluchzend miterlebt. Wir schreiben ENDE darunter und sind fürs Erste fertig. Lehnen uns zurück und schnaufen durch.        

 

Jetzt heißt es warten warten warten! Nicht gleich überarbeiten! Distanz schaffen, bis das Auge wieder klar sieht, dann kann man sich an die Überarbeitung setzten

 

Viel Glück für deinen Roman!

 

Elsa Rieger