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Montag, 17. Juli 2017

Left Behind - Vanished: Next generation von Larry McLean

Vanished - Left Behind: Next Generation (USA 2016) von Larry McClean
Die Welt ändert sich von einer Sekunde auf die andere vollkommen: Eben war das Leben von Gabby, ihrem Freund Josh und ihrer kleinen Schwester Claire noch normal, verschwinden plötzlich alle gottesfürchtigen Menschen von der Erde und damit auch ihre Mutter. Aufgrund des allgemeinen Chaos sind die drei gezwungen, die Stadt zu verlassen. Mit dabei ist auch Joshs Nebenbuhler Flynn, der ebenfalls um Gabbys Gunst buhlt. Sie finden auf der Farm von Damon und dessen Schwester Zuflucht, finden aber bald heraus, dass dort etwas nicht mit rechten Dingen zugeht. Als Damon Gabbys Vater erschießen lässt, fliehen Gabby und Co in eine ungewisse Zukunft. Aber Damon will sie nicht so einfach entkommen lassen...


Eines vorweg: Vanished ist keine Fortsetzung von Left Behind. Stattdessen handelt es sich hier um die loose Verfilmung des Jugendbuch-Spinoffs der originalen Left Behind-Buchserie. Diese heißt "Left Behind: The Kids" und spielt (offensichlich) im selben Universum wie die Buchreihe für Erwachsene.  Eines hat Vanished auf jeden Fall geschafft: Der Film ist noch langweiliger als Left Behind. Zunächst einmal machen McLean und Co den Fehler, das Verschwinden der Gläubigen viel zu schnell und viel zu plötzlich zu zeigen. Der Zuschauer hat keine Chance, die Protagonisten auch nur ein bisschen kennen zu lernen, da stecken sie schon mitten in der Katastrophe. Left Behind hat zwar fulminant dabei versagt, aber man hat wenigstens versucht, zu zeigen, was die Protagonisten antreibt und warum sie so handeln, wie sie es tun. Hier? Fehlanzeige.
Dann ist das Verschwinden selbst nicht einmal besonders spektakulär. In Left Behind hat man immerhin noch versucht, einen gewissen Impact zu erzielen und das dramatisch zu inszenieren. Vanished zeigt einfach nur ein paar Kleiderhaufen und heulende Menschen. That´s it und es geht so schnell vorbei, dass man sich absolut nicht mehr auskennt, sollte man zum falschen Zeitpunkt pinkeln gehen. Das ist übrigens bei allen Actionszenen so, jedes Mal, wenn so etwas wie Dramatik aufkommen könnte, werden die Szenen fast schon überhastet zum Abschluss gebracht. Manchmal sind die Auflösungen dieser Sequenzen zudem richtig lächerlich, wenn eine Autoverfolgungsjagd damit endet, dass unsere Helden tapfer um eine Kurve fahren und ihr Gegenspieler, gespielt von Tom Everett Scott, so blöd ist, den Feldweg schlicht zu übersehen, obwohl seine Opfer in Sichtweite gewesen sein müssten.
Apropos Gegenspieler: Es ist nicht wirklich hilfreich, wenn man schon ab der ersten Sekunde seines Auftritts weiß, wer der Böse ist: In einem christlichen Film muss es natürlich derjenige sein, der sagt, er suche nach wissenschaftlichen Lösungen für das Verschwinden der Menschen. Geht ja schließlich gar nicht, dass da etwas anderes als Gott dahinter steckt, oder? Und natürlich wird nie erklärt, welche Motivation er hat.
Was bei dem Film ebenfalls auffällt, ist, dass Twilight als eine Inspirationsquelle herhalten musste (bei der dort an den Tag gelegten Prüderie eigentlich kein Wunder). Natürlich braucht es auch hier ein Love-Triangle und Larry McLean ging sogar so weit, dass er und Produzent Randy LaHaye (der erstens Enkel des Left Behind Autors Tim LaHaye ist, zweitens den in den letzten Minuten des Films auftauchenden Antichrist spielt und drittens Produzent dieses Films ist) die Fans für "Team Josh" oder "Team Flynn" abstimmen ließ.
Über den Antichristen gibt es auch noch etwas zu sagen: Hier zeigt der Film am Ende am deutlichsten seine wahren politischen Farben, wenn die Rede, die Nicolae Carpathia live im Fernsehen hält, so schwer von den Reden von Ex US-Präsident Barack Obama inspiriert wurde, dass man die Parallelen auch bemerkt, wenn man nicht weiß, dass LaHaye das in einem Interview zugegeben hat.

Fazit zu Left Behind - Vanished: Next Generation
Schade, eigentlich wollte ich nach der Pause mit einem etwas längeren Review neu durchstarten. Leider gibt dieser langweilige Film nicht mehr her. Dafür gibt es nächste Mal eine Premiere, ich werde zum ersten Mal ein YouTube-Video besprechen. Ausgesucht habe ich mir das betreffende Video schon und es hat in 10 Minuten mehr Inhalt als dieser Film. Allerdings nicht auf die gute Art...

Sonntag, 15. Januar 2017

Gott ist nicht tot 2 von Harold Cronk

Gott ist nicht tot 2 (USA 2016) von Harold Cronk
Der Glaube an Gott scheint bei immer weniger Menschen eine wichtige Rolle in ihrem Leben zu spielen. Im Gegenteil, Menschen, die ihren Glauben leben möchten, werden immer öfter Opfer von offenen Anfeindungen vom Rest der Gesellschaft. Das bekommt auch die junge Lehrerin Grace Wesley (Melissa Joan Hart) zu spüren, als sie die Frage einer Schülerin, die wissen möchte, ob Martin Luther King und Jesus nicht in gewissen Punkten ähnliche Standpunkte vertraten, beantwortet und dabei den Namen Jesus in den Mund nimmt. Innerhalb von wenigen Tagen wird Grace vor Gericht gezerrt und dazu aufgefordert, sich zu entschuldigen, wenn sie ihren Job behalten und finanziell für alle Zeiten ruiniert werden möchte. Die Einschüchterungstaktik funktioniert nicht, Grace ist eine aufrechte Christin, die für ihren Glauben kämpfen will. Ihr junger und unerfahrener Anwalt (Jesse Metcalfe) unterstützt sie dabei. Ihre Strategie: Sie wollen vor Gericht beweisen, dass Jesus tatsächlich gelebt hat, denn wenn er eine historische Persönlichkeit war, kann man ihn schließlich auch im Geschichtsunterricht erwähnen, ohne dafür ans nächste Kreuz genagelt....äh....verurteilt zu werden. Der Anwalt der Gegenseite (Ray Wise) hat da natürlich etwas dagegen...


Im letzten Drittel des Films gibt es eine Szene, die den Kern der Aussage von "Gott ist nicht tot 2" perfekt herausarbeitet: Kurz vor dem Ende des Prozesses demonstrieren Atheisten und Gläubige, um ihre jeweiligen Standpunkte zu vertreten. Die Atheisten schreien die Gegenseite wutentbrannt an, man sieht nur hochrote Köpfe. Was tun die Christen auf der anderen Seite? Halten schweigend ihre Plakate hoch, beten und sind so freundlich zu allem und jedem, dass es weh tut. Das zieht sich durch den gesamten Film: Die Christen sind eine arme, verfolgte Minderheit, die nur friedlich leben wollen, was den bösen Atheisten aber nicht gefällt. Diesbezüglich geht Teil 2 noch um einiges weiter als Gott ist nicht tot, wenn Ray Wise in seiner Rolle allen Ernstes verkündet, dass Gott tatsächlich tot sei. Dass er bei der Verhandlung sämtliche Verhaltensweisen an den Tag legt, die man sonst dem Teufel zuschreibt, ist da fast schon subtil.
Dass der Film absichtlich eine völlig unrealistische Strohmann-Debatte führt, zeigt sich bereits in dem Grund, aus welchem die Protagonistin vor Gericht gezerrt wird. Eine Schülerin fragt sie während des Unterrichts, ob Jesus nicht etwas ganz Ähnliches gesagt habe, wie Martin Luther King (der gerade im Unterricht behandelt wird). Grace (passender Name übrigens) beantwortet die Frage, indem sie die angesprochenen Aussagen kurz vergleicht. Da sie aber Jesus erwähnt (nach dem sie ja explizit gefragt wurde), suspendiert die Schule sie umgehend, alle flippen komplett aus und man droht ihr nicht nur indirekt damit, sie durch den Prozess finanziell zu ruinieren. Dieser Schauprozess ist von Anfang an ihr gegenüber unfair, da so ziemlich alle gegen die Angeklagte sind und das auch offen zur Schau stellen. Dabei würde dieser Prozess in der realen Welt niemals stattfinden, weil jeder weiß, dass man eine so gestellte Frage nicht beantworten kann, ohne die Person, nach der gefragt wurde, zu erwähnen. So stellt man absichtlich alles so hin, als wäre sofort die halbe Welt hinter dir her, wenn man nur kurz "Jesus!" sagt und die Menschen glauben das auch noch, lest euch nur mal die Amazon-Rezensionen durch.
"Gott ist nicht tot 2" führt die Geschichte einiger Charaktere aus dem ersten Teil fort. So erfährt man zum Beispiel, dass die krebskranke Reporterin/Bloggerin, die im ersten Film zu Gott gefunden hat, ihre Krebs tatsächlich wegbeten konnte. Habt ihr das gehört, liebe ÄrztInnen? Chemotherapien sind total nutzlos, betet mit den PatientInnen einfach dreimal am Tag das Vater unser, dann wird bald alles wieder gut. Ihre Freunde von den Newsboys (einen nichtssagenderen Namen für eine Band habe ich selten gehört) kommentieren das schon fast schulterzuckend mit einem (sinngemäßen) "Dafür hast du doch gebetet, oder?", als wäre so ein Gebiet nichts anderes als eine Bestellung beim Pizzaservice.
Ein "gutes" Beispiel für die Bösartigkeit aller Atheisten ist auch der Vater des chinesischen Studenten aus Teil 1, der seinen Sohn gleich ohrfeigt, anschreit und schlussendlich enterbt, als er hört, dass sein Sohn nun an Gott glaubt. Zwar nicht ganz so bescheuert, wie der seine Tochter verprügelnde Moslem aus Film Numero Uno, aber hey, man nimmt, was man kriegen kann.
Neben den bereits genannten lassen auch David A.R. White und Benjamin Onyango ihre Pastoren-Bromance aus dem ersten Film wieder aufleben. Diesmal fahren sie zwar nicht gemeinsam nach Disneyland, aber White ist einer der Geschworenen im Prozess und natürlich als einziger auf der Seite von Grace. Als er mit einem Blinddarmdurchbruch ausfällt, kommentiert er das allen Ernstes mit einem theatralischen "Aber ich muss doch bei ihr sein!" - wirklich sehr unvoreingenommen, der Herr Geschworene. Außerdem stellt sich mir bei der deutschen Fassung des Films die Frage, wieso Onyango plötzlich so klingt, als hätte man ihm ein Dutzend Murmeln in den Rachen gestopft. Generell hat sich die Synchronisation im Vergleich stark geändert. Auffällig ist das noch an unserem chinesischen Studenten, dem sie - aus welchem Grund auch immer - einen ziemlich dick aufgetragenen Akzent verpasst haben.
Natürlich gewinnt Grace am Ende den Prozess und selbstverständlich wird es so hingestellt, dass Gott persönlich dafür verantwortlich war (ihr Anwalt hatte wohl gar nichts damit zu tun, oder?). Ist ja nicht so, als hätte eine allmächtige Wesenheit nichts Besseres auf dieser Welt zu tun.

Filmgewordene Verlogenheit
"Gott ist nicht tot 2" macht mich noch wütender, als sein Vorgänger es je geschafft hat, da er noch wesentlich verlogener ist, als der - in dieser Hinsicht eh schon unglaubliche - erste Film. Atheisten hassen Gott, sind die Ausgeburt der Hölle und Christen alles reine Engel. Das ist zwar eine durchaus grandiose Leistung, aber leider auf die falsche Art. Dieser Strohmann-Film ist übelste Propaganda. Nach dem Abspann kommt noch einmal Freude auf: Der von David White gespielte Reverend Dave wird verhaftet, weil er seine Predigten nicht von den örtlichen Behörden kontrollieren lassen möchte. Ja, die bereiten allen Ernstes Teil 3 vor. Das kann ja heiter werden.