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Sonntag, 15. Januar 2017

Gott ist nicht tot 2 von Harold Cronk

Gott ist nicht tot 2 (USA 2016) von Harold Cronk
Der Glaube an Gott scheint bei immer weniger Menschen eine wichtige Rolle in ihrem Leben zu spielen. Im Gegenteil, Menschen, die ihren Glauben leben möchten, werden immer öfter Opfer von offenen Anfeindungen vom Rest der Gesellschaft. Das bekommt auch die junge Lehrerin Grace Wesley (Melissa Joan Hart) zu spüren, als sie die Frage einer Schülerin, die wissen möchte, ob Martin Luther King und Jesus nicht in gewissen Punkten ähnliche Standpunkte vertraten, beantwortet und dabei den Namen Jesus in den Mund nimmt. Innerhalb von wenigen Tagen wird Grace vor Gericht gezerrt und dazu aufgefordert, sich zu entschuldigen, wenn sie ihren Job behalten und finanziell für alle Zeiten ruiniert werden möchte. Die Einschüchterungstaktik funktioniert nicht, Grace ist eine aufrechte Christin, die für ihren Glauben kämpfen will. Ihr junger und unerfahrener Anwalt (Jesse Metcalfe) unterstützt sie dabei. Ihre Strategie: Sie wollen vor Gericht beweisen, dass Jesus tatsächlich gelebt hat, denn wenn er eine historische Persönlichkeit war, kann man ihn schließlich auch im Geschichtsunterricht erwähnen, ohne dafür ans nächste Kreuz genagelt....äh....verurteilt zu werden. Der Anwalt der Gegenseite (Ray Wise) hat da natürlich etwas dagegen...


Im letzten Drittel des Films gibt es eine Szene, die den Kern der Aussage von "Gott ist nicht tot 2" perfekt herausarbeitet: Kurz vor dem Ende des Prozesses demonstrieren Atheisten und Gläubige, um ihre jeweiligen Standpunkte zu vertreten. Die Atheisten schreien die Gegenseite wutentbrannt an, man sieht nur hochrote Köpfe. Was tun die Christen auf der anderen Seite? Halten schweigend ihre Plakate hoch, beten und sind so freundlich zu allem und jedem, dass es weh tut. Das zieht sich durch den gesamten Film: Die Christen sind eine arme, verfolgte Minderheit, die nur friedlich leben wollen, was den bösen Atheisten aber nicht gefällt. Diesbezüglich geht Teil 2 noch um einiges weiter als Gott ist nicht tot, wenn Ray Wise in seiner Rolle allen Ernstes verkündet, dass Gott tatsächlich tot sei. Dass er bei der Verhandlung sämtliche Verhaltensweisen an den Tag legt, die man sonst dem Teufel zuschreibt, ist da fast schon subtil.
Dass der Film absichtlich eine völlig unrealistische Strohmann-Debatte führt, zeigt sich bereits in dem Grund, aus welchem die Protagonistin vor Gericht gezerrt wird. Eine Schülerin fragt sie während des Unterrichts, ob Jesus nicht etwas ganz Ähnliches gesagt habe, wie Martin Luther King (der gerade im Unterricht behandelt wird). Grace (passender Name übrigens) beantwortet die Frage, indem sie die angesprochenen Aussagen kurz vergleicht. Da sie aber Jesus erwähnt (nach dem sie ja explizit gefragt wurde), suspendiert die Schule sie umgehend, alle flippen komplett aus und man droht ihr nicht nur indirekt damit, sie durch den Prozess finanziell zu ruinieren. Dieser Schauprozess ist von Anfang an ihr gegenüber unfair, da so ziemlich alle gegen die Angeklagte sind und das auch offen zur Schau stellen. Dabei würde dieser Prozess in der realen Welt niemals stattfinden, weil jeder weiß, dass man eine so gestellte Frage nicht beantworten kann, ohne die Person, nach der gefragt wurde, zu erwähnen. So stellt man absichtlich alles so hin, als wäre sofort die halbe Welt hinter dir her, wenn man nur kurz "Jesus!" sagt und die Menschen glauben das auch noch, lest euch nur mal die Amazon-Rezensionen durch.
"Gott ist nicht tot 2" führt die Geschichte einiger Charaktere aus dem ersten Teil fort. So erfährt man zum Beispiel, dass die krebskranke Reporterin/Bloggerin, die im ersten Film zu Gott gefunden hat, ihre Krebs tatsächlich wegbeten konnte. Habt ihr das gehört, liebe ÄrztInnen? Chemotherapien sind total nutzlos, betet mit den PatientInnen einfach dreimal am Tag das Vater unser, dann wird bald alles wieder gut. Ihre Freunde von den Newsboys (einen nichtssagenderen Namen für eine Band habe ich selten gehört) kommentieren das schon fast schulterzuckend mit einem (sinngemäßen) "Dafür hast du doch gebetet, oder?", als wäre so ein Gebiet nichts anderes als eine Bestellung beim Pizzaservice.
Ein "gutes" Beispiel für die Bösartigkeit aller Atheisten ist auch der Vater des chinesischen Studenten aus Teil 1, der seinen Sohn gleich ohrfeigt, anschreit und schlussendlich enterbt, als er hört, dass sein Sohn nun an Gott glaubt. Zwar nicht ganz so bescheuert, wie der seine Tochter verprügelnde Moslem aus Film Numero Uno, aber hey, man nimmt, was man kriegen kann.
Neben den bereits genannten lassen auch David A.R. White und Benjamin Onyango ihre Pastoren-Bromance aus dem ersten Film wieder aufleben. Diesmal fahren sie zwar nicht gemeinsam nach Disneyland, aber White ist einer der Geschworenen im Prozess und natürlich als einziger auf der Seite von Grace. Als er mit einem Blinddarmdurchbruch ausfällt, kommentiert er das allen Ernstes mit einem theatralischen "Aber ich muss doch bei ihr sein!" - wirklich sehr unvoreingenommen, der Herr Geschworene. Außerdem stellt sich mir bei der deutschen Fassung des Films die Frage, wieso Onyango plötzlich so klingt, als hätte man ihm ein Dutzend Murmeln in den Rachen gestopft. Generell hat sich die Synchronisation im Vergleich stark geändert. Auffällig ist das noch an unserem chinesischen Studenten, dem sie - aus welchem Grund auch immer - einen ziemlich dick aufgetragenen Akzent verpasst haben.
Natürlich gewinnt Grace am Ende den Prozess und selbstverständlich wird es so hingestellt, dass Gott persönlich dafür verantwortlich war (ihr Anwalt hatte wohl gar nichts damit zu tun, oder?). Ist ja nicht so, als hätte eine allmächtige Wesenheit nichts Besseres auf dieser Welt zu tun.

Filmgewordene Verlogenheit
"Gott ist nicht tot 2" macht mich noch wütender, als sein Vorgänger es je geschafft hat, da er noch wesentlich verlogener ist, als der - in dieser Hinsicht eh schon unglaubliche - erste Film. Atheisten hassen Gott, sind die Ausgeburt der Hölle und Christen alles reine Engel. Das ist zwar eine durchaus grandiose Leistung, aber leider auf die falsche Art. Dieser Strohmann-Film ist übelste Propaganda. Nach dem Abspann kommt noch einmal Freude auf: Der von David White gespielte Reverend Dave wird verhaftet, weil er seine Predigten nicht von den örtlichen Behörden kontrollieren lassen möchte. Ja, die bereiten allen Ernstes Teil 3 vor. Das kann ja heiter werden.

Dienstag, 15. Dezember 2015

Gott ist nicht tot von Harold Cronk

Gott ist nicht tot (USA 2014) von Harold Cronk
Der junge Student Josh Wheaton hat sich dazu entschieden, Philosophie bei Professor Radisson als Wahlfach zu belegen. Aber schon in der ersten Stunde kommt es zum Eklat. Radisson fordert die Studenten auf, den Satz "Gott ist tot" auf ein Blatt Papier zu schreiben und dieses unterschrieben bei ihm abzugeben. Josh kann das nicht tun - er ist ein gläubiger Christ. Professor Radisson reagiert auf die Weigerung eher unentspannt. Nachdem er zunächst beim Versuch, Josh zu erpressen scheitert fordert er diesen dazu auf, seinen Standpunkt in den nächsten drei Stunden durch drei je 20 Minuten lange Vorträge zu verteidigen. Wenn es Josh gelingt, die Mehrheit der anwesenden Studenten zu überzeugen, wird er den Kurs bestehen, wenn nicht, lässt Radisson ihn mit Pauken und Trompeten durchfallen. Josh nimmt die Herausforderung an, obwohl ihm seine Freundin verbieten möchte, seine Note zu gefährden. Das ist nicht das einzige Hindernis, das Josh überwinden muss: Radisson hat offenbar persönlich ein Problem mit Joshs Standpunkt und setzt alles daran, ihn scheitern zu sehen.

Hach, die Freuden christlicher Fundi-Propaganda. Nachdem ich mit Left Behind schon so viel "Spaß" hatte, dachte ich, dass es unmöglich schlimmer werden könne. Ich hatte ja keine Ahnung. "God's Not Dead" ist der verlogenste Scheißfilm des 21. Jahrhunderts.
Das fängt schon bei den Charakterisierungen der Antagonisten an. Wenn wir nach diesem Film gehen, sähe unsere Welt so aus (ab hier gilt eine Spoilerwarnung):

1. Jeder Nichtchrist auf diesem Planeten ist laut Harold Cronk ein Arschloch, das nur folgendes im Sinn hat: Christen zu diskriminieren, sie öffentlich zu beschämen und/oder die eigene Familie psychisch und physisch zu misshandeln.

2. Christen sind in den USA nicht etwa die Mehrheit, sie sind eine Minderheit, die - siehe Punkt 1 - von allen Seiten bedrängt und verspottet wird.

3. PhilosophieprofessorInnen sind Arschgeigen. Ausnahmslos.

4. Kevin Sorbo und die Drehbuchautoren haben keine Ahnung von Atheismus.

5. Keiner am Set hatte eine Ahnung davon, wie Philosophieunterricht (oder Unterricht generell) funktioniert.

ad 1) In "God's Not Dead" gibt es zwei Arten von Menschen: Gläubige und radikale Atheisten/Moslems (dass zwischen diesen beiden ein Unterschied besteht, ist dem Film erstma egal). Während erstere als freundliche, tolerante Menschen dargestellt, sind sämtliche Nicht- und Andersgläubige arrogante, selbstverliebte Arschlöcher, deren Lebensinhalt es ist, Gottes Fans zu verunglimpfen.

ad 2) Als Professor Radisson verlangt, dass seine Studierenden die Worte "Gott ist tot" auf ein Blatt Papier schreiben, ist Josh tatsächlich der einzige, der sich weigert. Wenn man sich vor Augen hält, wie viele tief gläubige Menschen es in den USA gibt, ist das kaum glaubwürdig. Es ist aber durchaus möglich, dass sich einige dieser Menschen so sehen: Als eine Gruppe von Menschen, die - da immer mehr es wagen, ihren Ansichten zu widersprechen - das Gefühl haben, dass sich die Welt gegen sie verschworen hat (und ich gehe jede Wette, dass darin der Hauptgrund für Entstehung und Erfolg dieses Filmes liegt).

ad 3) Dieser Punkt wird vor allem in der Dinner-Szene mit Professor Radisson, dessen KollegInnen und Radissons Lebensgefährtin evident. Radisson möchte bei seinen KollegInnen groß auftrumpfen, lädt alle zu einer Dinnerparty ein und spielt den großen Zampano. Dabei hat er nichts besseres zu tun, als seine Freundin zur Küchenhilfe zu degradieren und seine Freundin wegen des Weines niederzumachen- sie hatte es gewagt, den Wein im Auto liegen zu lassen. Kann ein Wein eigentlich wirklich so schnell schlecht werden, indem man ihn maximal drei bis vier Stunden im Auto liegen lässt und so der Hitze aussetzt? Ich frage, weil es nicht so aussieht, als ob der Film im Hochsommer gedreht worden ist (wenn man die Flasche nicht gerade direkt hinter die Windschutzscheibe legt und das Auto mit voller Absicht in die pralle Sonne gestellt hat, hatte es bestimmt keine 30 Grad im Wageninneren). Ja, ich weiß, dass ich abschweife, aber Radisson und seine KollegInnen machen so ein Drama daraus, dass die Frau dieses schwere, unverzeihliche Verbrechen an der Menschheit begangen hat, dass sie sie allesamt mit Blicken kreuzigen. Das Ziel der Szene ist so klar, wie es plump umgesetzt wurde: Die ach so bemitleidenswerte Christin wird von den bösen Atheisten erst degradiert und hinterher gedemütigt, so wie es - wenn man nach diesem Film geht - alle Atheisten mit allen Christen dieser Welt vorhaben. Ich möchte kotzen.

ad 4) Dass Kevin Sorbo keinen blassen Schimmer von Atheismus hat, habe ich festgestellt, als ich ein paar Interviews mit ihm gelesen und gesehen habe. Wie man so wenig Ahnung vom Thema haben und dennoch einen Film darüber machen kann, ist mir ein Rätsel. Kleiner Tipp: Die ganzen Atheisten begegnen einem nicht ganz so wütend, wenn man sie zur Abwechslung mal als Menschen darstellt und nicht als arrogante Arschlöcher mit Minderwertigkeitskomplex? Ich glaube, das könnte helfen.

ad 5) Ein Philosophieprofessor, der keine Diskussionen über die Existenz Gottes, also eine der größten Fragen seines Faches, zulassen will? Wie kann der sich eigentlich auf seinem Lehrstuhl halten? Mit der Hilfe seiner charmanten Persönlichkeit bestimmt nicht. Philosophie lebt doch von der Diskussion, was bringt es da, genau diese zu verhindern? Anfangs könnte man ja noch die Hoffnung haben, dass Radisson damit provozieren und eine Debatte auslösen möchte. Diese löst sich spätestens dann in Rauch auf, wenn Radisson Josh im Korridor zur Rede stellt und offen damit droht, dass er ihn durchfallen lässt, wenn er nicht sofort seinen Standpunkt ändert.

Diese fünf Punkte ziehen sich bis in die kleinste Nebenrolle durch. Das beste Beispiel dafür ist Dean Cain, dessen Rolle nur dazu da ist, damit seine demente Mutter ihm erzählen kann, dass der Teufel Menschen wie ihm oft ein sorgenfreies Leben ermögliche, damit es sie später umso härter trifft, wenn sie zur Hölle fahren. Sprachs, und in der näcshten Szene überfährt Dean Cain Kevin Sorbo mit seinem Auto (na wenigstens ist jetzt die Frage geklärt, ob Herkules oder Superman stärker ist, hahaha.) Da hilft es auch nichts, dass der Film ganz passabel aussieht und - für ein Machwerk, das nur zwei Millionen Dollar kostete - mit guten schauspielerischen Leistungen aufwarten kann.

Fazit zu Gott ist nicht tot
Harold Cronks "God's not Dead" ist ein Paradebeispiel für einen verlogenen Propagandafilm. Der Streifen verdreht die Argumente der Gegenseite mit voller Absicht und stellt alle Andersdenkenden als überhebliche Drecksäcke dar, um so die Protagonisten (und das eigene Publikum) zu Helden in einem Kampf zu stilisieren, den es gar nicht geben müsste, wenn die Menschen ein wenig mehr Toleranz zeigen würden.

Update: Hier geht's zur Rezension von Teil 2.