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Freitag, 23. Mai 2014

Dreamland Grusel 12 - Kap der blutigen Nächte

Dreamland Grusel 12 - Kap der blutigen Nächte von John Baker und H. G. Francis
Einige Strandpiraten legen im Jahr 1902 falsche Leuchtfeuer zwischen Sagres und dem Cap Sao Vicente. Sobald ein Schiff in die Falle geht, überwältigen sie die Überlebenden, nehmen diese als Geiseln und stehlen alle Wertgegenstände, die sich an Bord befinden. Als eines Nachts die Europa gegen die Klippen schlägt, freuen die Piraten sich schon über die neue Beute. Was sie nicht wissen, ist folgendes: An Bord des Schiffes befindet sich dieses Mal ein Gegner, der genauso übermenschlich wie brutal und skrupellos ist: Auf der Europa befindet sich die Tochter des Grafen Dracula und sie beginnt sofort damit, die Piratencrew zu dezimieren...

Dreamland Grusel 12 - Kap der blutigen Nächte
Mit "Kap der blutigen Nächte" erzählt Dreamland die Vorgeschichte von "Gräfin Dracula - Tochter des Bösen" aus der Gruselserie von H. G. Francis. Da diese eine meiner Lieblingsfolgen der Reihe von Francis ist, musste ich dieses Hörspiel unbedingt haben. Und was soll ich sagen? Den Leuten von Dreamland ist ein richtig gutes Stück Unterhaltung gelungen!

Perfekter Übergang
Fangen wir einmal mit dem Ende an: Der Übergang zum Klassiker von H. G. Francis ist hervorragend gelungen. Als am Schluss die Charaktere aus "Gräfin Dracula" im Haus auftauchten, konnte ich mir ein Schmunzeln nicht verkneifen. Dass das Ende hier offen sein muss, ergibt sich aus der Natur der Sache. Ich würde aber ohnehin dafür plädieren, diese beiden Hörspiele als ein einziges Ganzes zu sehen (die "Gräfin" dauert nicht so lange, dass man sich die beiden nicht direkt hintereinander anhören könnte). Dieser Eindruck wird noch durch die Tatsache verstärkt, dass die Dreamland-Reihe die Originalmusik der Gruselserie von H. G. Francis verwendet, die von Carsten Bohn komponiert wurde.
Die Atmosphäre des Originales wurde sehr gut eingefangen und auch die Handlung lässt keine Wünsche offen. Langeweile kommt nicht auf, außerdem hat man dieses Prequel durch einen kleinen Trick noch mit der 10. Folge der Francis-Gruselreihe, "Draculas Insel, Kerker des Grauens" verbunden (wie wird hier aber nicht verraten).
Gabriele Wienand füllt ihre Rolle als Gräfin Dracula sehr gut aus, obwohl sie hin und wieder für meinen Geschmack ein wenig zu viel schreit. Insgesamt ein sehr guter Ersatz für die bereits 2002 verstorbene Marianne Kehlau. Lutz Mackensy, Christian Rode und Douglas Welbat können in ihren Rollen ebenfalls überzeugen.

Fazit zu "Kap der blutigen Nächte"
Im Gegensatz zu "Wolfsnächte" ist "Kap der blutigen Nächte" eine gelungene Ergänzung zur Gruselreihe von H. G. Francis. Dreamland hat bereits eine weitere Fortsetzung zu einem Hörspiel aus dieser Reihe angekündigt. Wollen wir hoffen, dass diese so gut wie "Kap der blutigen Nächte" wird.

Samstag, 19. April 2014

Das Weltraum-Monster von H. G. Francis

Das Weltraum-Monster von H. G. Francis
Das Raumschiff Drakon macht sich gerade auf den Weg zurück zur Erde. Die Crew möchte ihren Auftraggebern (wer auch immer das ist) davon berichten, dass Paradise sich hervorragend zur Besiedelung eignen würde. Ein Jahr lang wird die Drakon dafür unterwegs sein. Die Crew von Captain Hamilton Meredith freut sich auf einen entspannten Rückflug, man möchte in der Zwischenzeit damit beginnen, die gesammelten Proben zu untersuchen. Noch ahnt niemand, dass sich mit der Besatzung des Raumschiffes auch ein blinder Passagier an Bord geschlichen hat. Das fremde Wesen hat verdammt schlechte Laune und beginnt unverzüglich damit, die Crew zu dezimieren. Außerdem wächst das Weltraum-Monster rasend schnell und wird immer stärker, sodass ihm selbst der Kampfroboter Sulky unterlegen ist. Die Lage scheint aussichtslos zu sein...

Das Weltraum-Monster von H. G. Francis
Widmen wir uns mal wieder der Gruselserie von H. G. Francis. In Dracula und Frankenstein - Die Blutfürsten durften wir ein unterhaltsames Crossover von zwei sehr beliebten Horrorfiguren genießen. In Die tödliche Begegnung mit dem Werwolf präsentierte Francis uns zwei nervige alte Schachteln, denen man den Tod viel mehr wünscht, als dem titelgebenden Werwolf. Nun ist die 18. und letzte Folge dieser bei den Fans immer noch beliebten Hörspielserie an der Reihe.
Schon vorher ließ sich Francis bei mindestens zwei Folgen seiner Gruselserie von Film-Vorlagen inspirieren. In dem Hörspiel vor "Das Weltraum-Monster", "Die Insel der Zombies", war Lucio Fulcis "Woodoo" das große Vorbild. Für Folge 9, "Im Bann der Mosnterspinne", hat Francis sich ganz offen (bis hin zu manchen Dialogzeilen) bei "Tarantula" bedient. Francis änderte in beiden Fällen gerade genug, damit sie als halbwegs eigenständige Werke funktionieren können.
So dreist hat Francis bei "Das Weltraum-Monster" nicht abgeschrieben, dennoch ist klar erkennbar, dass hier Ridley Scotts "Alien" Pate stand. Außerdem dürfte "Das Weltraum-Monster" den mit Abstand höchsten Body-Count der gesamten Reihe haben, da wird schon einmal innerhalb von zwei Minuten die halbe Besatzung umgebracht.
Ein Höhepunkt der Reihe ist "Das Weltraum-Monster" bestimmt nicht. Dafür gibt es - selbst für ein Hörspiel von H. G. Francis - zu viele Löcher in der Handlung. Es wird zum Beispiel nie erklärt, wieso das Wesen so rasend schnell wächst, oder wie es eigentlich an Bord gekommen ist. Den Vogel schießt Francis aber mit dem Namen ab, den das Wesen sich laut Geschichte selbst gegeben hatte: "Grow". Ein Wesen von einem fremden Planeten gibt sich einen englischen Namen, der außerdem noch genau das aussagt, was das Wesen ausmacht, Wachstum nämlich. Als Kind ist mir das natürlich nicht aufgefallen, heute muss ich bei dem Namen aber jedes Mal laut lachen.

Gute Crew und Soundkulisse
Die Sprecherinnen und Sprecher agieren - wie immer bei dieser Serie - auf hohem Niveau (ich habe immer bewundert, wie das Gruselserien-Ensemble selbst die bescheuertesten Dialoge mit inbrünstiger Überzeugung spielen konnte). Die Soundkulisse ist ebenfalls überzeugend, es gibt nur zwei Dinge, die mit der Zeit störend wirken. Erstens wird immer, wenn eines der Kommunikationsgeräte eingeschaltet wird, dieselbe Abfolge von Pfeiftönen abgespielt. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn dieses Signal nicht dermaßen enervierend wäre, dass es einem spätestens ab Minute 5 die Schuhe auszieht. Dann wären da zweitens die Geräusche, die "Grow" so von sich gibt. Anfangs hört das noch kleine Monster sich an, als ob Schlumpfine gerade einen Wutanfall haben würde. Je mehr "Grow" wächst, desto tiefer wird dann auch seine "Stimme". Am Schluss hört "Grow" sich an wie ein Geländepanzer. Mich stört vor allem der Sound des "kleinen Grow", der so dermaßen lächerlich klingt, dass man die größere Version auch nicht ernst nehmen kann.

Unterhaltsamer Trash
Das heißt aber nicht, dass "Das Weltraum-Monster" nicht unterhaltsam wäre. Es passiert ständig etwas, entweder verkleinert "Grow" gewaltsam die Crew, ein Kampfroboter hat einen Kurzauftritt und ansonsten schreien die Crewmitglieder sich eben gegenseitig an und verdächtigen sich des Mordes, wenn ihnen gerade langweilig ist. Klar, wenn man auch nur für fünf Sekunden sein Gehirn einschaltet, darf man sich nicht wundern, wenn einem gleich darauf die Ohren bluten. Nur will bei dieser Reihe ohnehin niemand eine komplexe und durchdachte Handlung, ansonsten ist er oder sie definitiv an der falschen Adresse.

Fazit zu "Das Weltraum-Monster"
Ich hätte mir für das Ende von H. G. Francis' einen Schlusspunkt gewünscht, der mehr in Richtung "Blutfürsten" oder "Schloss des Grauens" geht. "Das Weltraum-Monster" ist aber trotzdem ein unterhaltsames Hörspiel, das auch seine unfreiwillig komischen Momente hat.

Sonntag, 13. Mai 2012

Wolfsnächte - Dreamland Grusel 5

Dreamland Grusel 5 - Wolfsnächte
Titel: Wolfsnächte

Veröffentlichung: 2007 bei Dreamland

Autor: John Baker (nach Motiven von H.G. Francis)

Dialogbuch: Thomas Birker, Joschi Hajek, Christian Daber und H. G. Francis

Mit: Wolfgang Draeger, Roswitha Benda, Eckart Dux, Gisela Trowe, Oliver Rohrbeck, Jürgen Thormann, Aart Veder, u.a.

Dauer: 74 Minuten

Dreamland Grusel 5 - Wolfsnächte

Henry Aston wird nach Jahren endlich aus der Nervenheilanstalt als geheilt entlassen. Er hatte geglaubt, ein Werwolf zu sein (siehe auch: Die tödliche Begegnung mit dem Werwolf), allerdings war nicht er, sondern seine Frau Vera die reißende Bestie. In der Nacht nach seiner Entlassung schlägt erneut ein Werwolf zu und tötet zwei junge Männer. Als Henry davon erfährt, macht sich Unruhe in ihm breit. Wer steckt hinter den neuen Morden? Ist er vielleicht doch ein Werwolf?

Fortsetzung von Die tödliche Begegnung mit dem Werwolf

Bei "Wolfsnächte" von Dreamland handelt es sich um die Fortsetzung von "Die tödliche Begegnung mit dem Werwolf" aus H. G. Francis' Gruselserie von Europa. Als ich zum ersten Mal davon hörte, stellte sich mir die Frage, warum man ausgerechnet diese Folge mit einem zweiten Teil bedenken musste, da ich sie nicht wirklich für eine gute Episode der Reihe halte. Man kann Dreamland aber zugute halten, dass sie einige Anknüpfungspunkte gefunden haben, die eine Fortsetzung möglich machen. In "Wolfsnächte" wird endlich die Frage beantwortet, welcher Werwolf denn Vera Aston damals infiziert hat. Außerdem ist es den Machern von Dreamland gelungen, einige Sprecher des Originalhörspiels dazu zu bewegen, ihre jeweiligen Rollen wieder zu übernehmen, allen voran Wolfgang Draeger als Henry Aston und Roswitha Benda als Susan Clayton (Gisela Trowe absolviert als Tante Martha eigentlich nicht mehr als das Hörspieläquivalent eines Cameo-Auftrittes). Auch die neu hinzugekommenen Sprecher sind durch die Bank hochkarätige Namen, Jürgen Thormann, Eckart Dux und Oliver Rohrbeck machen ihre Sache gewohnt gut. Nun, dann steht einem tollen Hörspielgenuss doch nichts mehr im Wege, oder? Denkste.

Probleme in der Geschichte

(Spoilerwarnung!) Die Geschichte selbst schleppt nämlich einige Probleme mit sich herum. Da wäre zum Beispiel die Sache, dass der eigentliche Werwolf, Dr. Stevens (der außerdem noch der Chef der Nervenheilanstalt ist, in der Henry Patient war), seine Opfer entführt und in eben jener Anstalt gefangen gehalten und langsam gefressen hat. Es muss sich, wenn man dem Showdown glauben darf, dabei um dutzende Menschen gehandelt haben. Die ganze Zeit ist angeblich keinem der Patientinnen und Patienten aufgefallen, dass da etwas nicht stimmt? Vor allem wenn man bedenkt, dass Dr. Stevens anscheinend ALLE Patienten nach und nach fressen und die Morde Henry in die Schuhe schieben wollte. Wie er das bei denen bewerkstelligen hätte wollen, bei denen Henry noch nachweislich in der Anstalt saß, hätte ich übrigens auch gerne erfahren (es sei denn, er hatte das gar nicht vor. Wäre auch verständlich, wenn man bedenkt, dass das Interesse der Polizei an den verschwundenen Personen offenbar ziemlich gegen Null tendiert).
Problem Nummer 2 ist, dass hier die Werwölfe nun plötzlich sprechen können. Nicht nur, dass Jürgen Thormann als Dr. Stevens-Werwolf hier nur langweilige Allerweltssätze wie "Ihr wolltet den Kampf, jetzt kriegt ihr ihn, muahahahaha!!!!", von sich geben darf, nein, sprechende Werwölfe beißen sich auch ziemlich mit "Die tödliche Begegnung mit dem Werwolf". In Teil 1 können die Werwölfe nämlich sicher nicht reden, denn wenn man davon ausgehen würde, dass sie es gekonnt hätten, wieso hat Vera sich dann gegenüber ihrer Mutter Hethy nicht zu erkennen gegeben? Außerdem wirkt Dr. Stevens auch als Werwolf so, als ob er seine Sinne noch beisammen hätte. Ja sicher ist er ein menschenfressendes Monster, aber seine Handlungen sind zielgerichtet und haben nichts mit denen einer unkontrollierbaren Bestie gemeinsam. Wenn es eine Erklärung dafür gibt, dass Vera weder sprechen noch sich selber beherrschen konnte, wird sie hier jedenfalls nicht erwähnt und nein, Dr. Stevens Aussage, dass er jahrelang dafür trainiert hat, seine Gestalt gezielt wechseln zu können zählt hier nicht, denn das impliziert, dass er das bewusst gemacht hat und daher auch vorher schon seine Handlungen bewusst kontrollieren konnte.
Besonders bescheuert ist aber die Art und Weise, wie der Werwolf am Ende erledigt wird. Dr. Stevens geht auf Susan Clayton los und fällt im Prinizip tot um, bevor man als Hörer so richtig mitbekommen hat, was eigentlich los ist. Henry erklärt sie dann, dass sie ihn besiegt habe, weil sie Stevens mit ihren alten Turnschuhen getreten habe. Diese haben nämlich vorne Kappen aus Silber und deshalb ist unser Werwolf sofort tot umgekippt. Sorry, aber wie blöd ist das denn? Es gibt einen Grund dafür, dass es heißt, man müsse einen Werwolf mit einer Silberkugel töten. Diese dringt nämlich in den Körper ein und streichelt ihn nicht nur, wie das die Turnschuhe im Vergleich dazu wohl tun. Ganz zu schweigen davon, dass man erstens einem solchen Tritt ohnehin leicht ausweichen könnte und dass zweitens solche Schuhkappen eher selten aus purem Silber sind. Dass Susan die einzige ist, die überhaupt irgend etwas aus Silber mit in den Kampf genommen hat, spricht übrigens auch nicht gerade für Henry und Co., da Henry ja in "Die tödliche Begegnung mit dem Werwolf" als allererstes eine Pistole mit Silberkugeln gekauft hat. Da er ja wohl mitbekommen hat, wie wirksam so etwas gegen unliebsamen Werwolfbesuch ist, wäre es da zu viel verlangt, wenn er sich - da er da ja schon weiß, dass er noch mehr Leute wird retten müssen - entsprechend bewaffnen würde? Offenbar schon.


Wolfsnächte nur minimal besser als Die tödliche Begegnung mit dem Werwolf

Dreamlands "Wolfsnächte" ist leider nur minimal besser als Europas "Die tödliche Begegnung mit dem Werwolf". Dass die Fortsetzung ein ganz klein wenig besser abschneidet liegt aber auch nur daran, dass hier keine zwei alten Nervensägen die Geduld der Hörerinnen und Hörer strapazieren.

Samstag, 5. November 2011

Dracula und Frankenstein, die Blutfürsten - Folge 2 der Gruselserie von H. G. Francis

Titel: Gruselserie Folge 2 - Dracula und Frankenstein, die Blutfürsten

Veröffentlichung: Erstveröffentlichung 1981, Veröffentlichung der CD 1999

Mit: Frank Horst, Brigitte Kollecker, Gottfried Kramer, Hans Paetsch, Johanna Wegener, Karl Walter Diess, Ernst von Klipstein, Benno Sterzenbach, u.a...

Label: Europa

Buch: H. G. Francis

Regie: Heikedine Körting

Dauer: ca. 40 Minuten


Dracula und Frankenstein, die Blutfürsten

Tom Fawley und Eireen Fox, ein Reporterduo aus London, sind nach Transsylvanien gereist, um dort den berühmten Dr. Stein zu interviewen. Diesem ist es gelungen, einen Humunculus, also einen künstlich erzeugten Menschen, zu erschaffen, was natürlich in der Welt der Wissenschaft einen bahnbrechenden Durchbruch darstellt. Tom und Eireen sitzen gerade in ihrem gemieteten Zimmer beim Abendessen, als plötzlich ein Mann laut schreiend an ihrem Balkon vorbeistürzt. Die beiden rennen nach unten und stellen fest, dass man der Leiche offenbar den Kopf und die rechte Hand abgetrennt hat (wie das so schnell gegangen sein soll, würde mich echt interessieren). Außerdem hören sie noch das irre Lachen des Mörders, während dieser die Flucht ergreift. Noch mysterilser wird der Fall allerdings, als die Leiche am nächsten Morgen verschwunden ist und der Wirt steif und fest behauptet, der Tote wäre auf einem seiner Tische zu Staub zerfallen. Tom und Eireen brechen noch am selben Tag zu ihrem Interview mit Dr. Stein nach Schloss Mordabrunn (ja, das heißt hier wirklich so) auf. Dort warten aber nicht nur Dr. Stein und seine Assistentin Dr. Finistra, sondern auch ein geheimnisvoller Mann namens Graf Cula (die Decknamen der Antagonisten in diesem Hörspiel sind echt zum Schreien). Dieser hat ganz eigene Gründe, Dr. Stein in die Suppe zu spucken....

H. G. Francis starb am 3. November 2011

H. G. Francis ist am 3. November 2011 im Alter von 75 Jahren von uns gegangen. Der Mann, der die deutsche Hörspielszene wie kein zweiter beeinflusst hat, brachte es als Hörspielautor auf insgesamt 130 Goldene Schallplatten und erhielt insgesamt sechsmal Platin. Auch deshalb wollte ich hier einmal mein Lieblingshörspiel von diesem Autor besprechen und zwar den zweiten Teil seiner legendären Gruselserie: "Dracula und Frankenstein, die Blutfürsten".

Dracula und Frankenstein: Frühes Crossover der beiden Horrorikonen

(Spoilerwarnung) Bei diesem frühen Aufeinandertreffen von Dracula und Frankenstein hat man als HörerIn durchaus seinen Spaß. Das liegt an mehreren Faktoren. Natürlich darf man bei diesem Hörspiel nicht den Fehler begehen, es zu ernst zu nehmen, denn die Handlung ist so absurd, dass beim Versuch sie nachzuvollziehen, wahrscheinlich die eigene "Suspension of Disbelief" nach fünf Minuten entnervt die Segel streichen würde. Das beginnt schon beim Mord an Hemator, wo anfangs darauf herumgeritten wird, dass dieser von einem Balkon geworfen wurde, dessen Tür eigentlich vernagelt war und man beim ersten Hören den Eindruck gewinnt, es würde sich hier um einen wichtigen Hinweis handeln....nur, damit man später feststellen muss, dass die Sache nie wieder erwähnt wird. Genauso sollte man sich nie die Frage stellen, wieso Dr. Finistra ausgerechnet Hemator als ihr nächstes Opfer auserkoren hatte. Schließlich sollte man an ihrer Stelle doch Opfer bevorzugen, die möglichst leicht zu erreichen und, wenn es geht, unauffällig zu entsorgen sind, oder? Wieso sucht sie sich dann jemanden, der sich offenbar verstecken will (das alleine wäre ja noch in Ordnung), dringt in sein Versteck ein, ohne dass das Ziel es merkt (wie hat sie das geschafft?)  und schmeißt ihn erst vom Balkon, damit er noch laut schreiend den kompletten Gasthof auf sich aufmerksam machen kann (wieso hat sie ihn nicht gleich im Versteck erledigt?). Fragen über Fragen und dabei habe ich noch gar nicht damit angefangen, davon zu reden, was es für ein großer Zufall ist, dass Dr. Finistra ausgerechnet Hemator erwischt hat und so die Handlung überhaupt erst ins Rollen kommen kann.
Ein weitere Beispiel hierfür sind - wie bereits erwähnt - die Decknamen, welche sich die Antagonisten in diesem Hörspiel gegeben haben. "Dr. Stein" geht ja noch als normaler Name durch, auch wenn man bei diesem in Verbindung mit dem Stichwort "künstlicher Mensch" durchaus auf den richtigen Namen kommen kann, wenn man mehr als zwei Gehirnzellen hat. Auch der Name des Schlosses (Mordabrunn!!einself!!) ist wirklich allerleibst. Die Krönung ist aber Dracula, der sich schlicht und ergreifend "Graf Cula" nennt. An dieser Stelle kippe ich jedes Mal fast mit einem Lachanfall vom Stuhl.
Das Schöne an diesem Hörspiel ist aber, dass dies alles dem Hörspaß keinen Dämpfer versetzen kann. Ja, die Handlung ist vollkommen absurd und an mehr als einer Stelle unfreiwillig komisch. Genau das macht aber den Charme von "Dracula und Frankenstein, die Blutfürsten" aus. Hier reiht sich einfach eine Abstrusität an die nächste und das alles ist so herrlich abgedreht, dass man sich nur noch daran erfreuen kann.

Die SprecherInnen und Effekte bei "Dracula und Frankenstein, die Blutfürsten"

Die Leistungen der SprecherInnen sind bei diesem Hörspiel vor allem deshalb so großartig, weil man ihnen durchaus anmerkt, dass sie ihre Rollen nicht allzu ernst genommen haben dürften.  Vor allem Johanna Wegener rockt als Dr. Finistra die Hütte, während sie gleichzeitig mit der sprichwörtlichen Overacting-Sau Gassi geht und Gottfried Kramer wirkt als Graf Dracula so richtig gut. Aber auch alle anderen liefern durch die Bank gute Leistungen ab.
Auch die Geräuschkulisse wurde - wie eigentlich immer bei H. G. Francis' Gruselserie - perfekt umgesetzt. Der Ausdruck "Kino für die Ohren" trifft es wohl zimelich gut, da die Atmosphäre sehr gut unterstützt wird. Ich finde außerdem, dass die neue Musik, welche bei der CD-Veröffentlichung verwendet werden musste, sehr gut zu diesem Hörspiel passt (auch wenn sie nicht ganz an das Original herankommt).

Fazit

 "Dracula und Frankenstein, die Blutfürsten" ist einfach Kult und das vollkommen zurecht. Hier ist alles so himmelschreiend abstrus, dass es einfach nur noch Spaß macht.