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Samstag, 27. April 2013

Geister-Schocker Folge 34 - Der Fluch von Alcatraz

Geister-Schocker Folge 34 - Der Fluch von Alcatraz
(Synopse) Als Glen Dearing, Phil Taylor und Jaden Collister der ungewöhnlichen Einladung der Firma Alcatraz Cruises zur Besichtigung der ausrangierten Gefängnisanlage Alcatraz in San Francisco folgen, ahnen sie nicht, in welches teuflische Spiel sie geraten. Schon seit geraumer Zeit gibt es Gerüchte über mysteriöse Vorgänge im stillgelegten Zellenblock D, der ehrfürchtig nur "The Hole" genannt wird. Immer wieder soll es zu Phänomenen gekommen sein. Doch was hat es damit auf sich und warum erhielten diese drei Männer eine Einladung?

Geister-Schocker Folge 34 - Der Fluch von Alcatraz
(Spoilerwarnung voraus) Ich muss an dieser Stelle einmal eine Lanze für die Geister-Schocker Reihe von Romantruhe Audio brechen. Die Serie hat es mit Leichtigkeit geschafft, meine alte Liebe zu Grusel-Groschenromanen wieder zu beleben. Die schönen, altmodisch-trashigen (und nicht immer ganz logischen) Geschichten begeistern mich heute genauso wie in meiner Kindheit. Leider kann Folge 34 nicht ganz mit den anderen Episoden mithalten. Das liegt vor allem daran, dass die Geschichte nicht durchdacht wirkt und überhaupt keinen Sinn ergibt, wenn man einen zweiten Blick darauf wirft. (also noch weniger als sonst). Einige konkrete Knackpunkte führe ich hier einmal als Beispiele auf:
Die drei oben angesprochenen Männer erfahren von der Reiseleiterin, dass diese erpresst wird. Ihr Erpresser möchte, dass sie mit dem Trio Zellenblock D einen Besuch abstattet. Sie erzählt, dass sie dort schon eine übersinnliche Erscheinung hatte, als sich ein paar Touristen dort spaßhalber in eine der Zellen eingeschlossen hatten. Dann kamen die Geister der Insassen dieser Zellen (es handelte sich dabei um Frank Morris, John Anglin und Clarence Anglin, die in den 60ern mit einem aus Regenmänteln gebastelten Boot von der Insel fliehen wollten und seither vermisst werden). Was machen unsere Protagonisten? Sie besuchen mit der Reiseleiterin den Zellenblock und lassen sich auch in die Zellen einsperren, denn schließlich sei exaktes Nachspielen des Vorfalles der einzige Weg, wie man das Rätsel lösen könnte. Dass es eventuell hinderlich sein könnte, wenn man in einer abgeschlossenen (!) und ausbruchsicheren Gefängniszelle sitzt, während man versucht, etwaigen Geistern zu entkommen, fällt unseren Helden nicht ein.
So richtig sinnlos wird die Geschichte aber erst durch das Ende. Da erklärt ihnen die Reiseleiterin, die in Wahrheit natürlich eine gar garstige Meerhexe ist, dass man drei berühmte und respektable Persönlichkeiten haben wollte, damit diese dann als Körper für die Geister der oben genannten Ausbrecherkönige dienen können. Aber warum werden die anderen Passagiere dann mit Schlafmitteln im Essen betäubt und so unter Drogen gesetzt, dass sie sich später an nichts erinnern können, um anschließend schlafend in einem Park von San Francisco abgelegt zu werden, wo sie dann ein Jogger gefunden hat. Wie hat man eigentlich mehr als ein halbes Dutzend schlafender Leute unbemerkt vom Hafen in den Park gebracht? Wieso bringen die Meerexe und die drei wieder auf der Erde wandelnden Verbrecher die beiden Seeleute um, die das Boot gesteuert haben? Wäre es nicht besser gewesen, die vier hätten sich einfach mit den anderen ins Boot gesetzt und wären unauffällig in Richtung Festland aufgebrochen? Außerdem ergibt die Sache mit dem Gedächtnisverlust auch keinen Sinn und zwar aufgrund der Einladungsliste, die von den beiden Seeleuten am Anfang erwähnt wird. Man hat ihnen nämlich von Alcatraz Cruises eine Passagierliste zukommen lassen, auf denen NUR die Namen der drei Eingeladenen stehen (die anderen sind normale Touristen). Meine Frage dazu: Welchen Sinn hat es, den anderen das Gedächtnis zu nehmen, wenn zumindest eine Person (nämlich diejenige, welche den Seeleuten die Liste zukommen ließ) weiß, dass die drei an Bord waren? Ganz zu schweigen davon, dass zumindest eines der drei Opfer Angehörige haben könnte, denen es im Vorhinein von der Fahrt erzählt haben könnte.
Einen anderen Grund, außer, dass niemand wissen soll, dass die drei an Bord waren, kann es für die Aktion übrigens nicht geben, da die Betäubung schon lange vor der Geisterbeschwörung - von der die wachen Seeleute übrigens bis auf ein bis zwei Schreie (die sie mit "Warten wir ne Viertelstunde, wenn die schreiende Person dann nicht zum Boot gekommen ist, fahren wir los" quittieren - auch sehr nett) nichts mitbekommen haben - stattgefunden haben muss. Wie gesagt: Einfach ins Boot setzen und mit den anderen fahren wäre wohl die bessere Wahl gewesen. Denn selbst wenn die wachen Passagiere die Schreie auch gehört hätten, hätte man ihnen einfach sagen können, man habe nichts gehört und alles wäre in Ordnung.

Fazit zu "Der Fuch von Alcatraz"
Folge 34 der Geister-Schocker krankt daran, dass die Macher die Geschichte schlicht und ergreifend nicht durchdacht haben. Da retten auch die tolle Soundkulisse und die guten SprecherInnen - vor allem Karen Schulz-Vorbach kriegt ihre Wandlung von der Reiseleiterin zur Meerhexe sehr gut hin - leider nicht mehr viel.

Dienstag, 15. Mai 2012

Experiment Zero - The Cube meets HAL 9000

Titel: Experiment Zero

Veröffentlichung: 2009 bei Innovative Fiction (Alive)

Skript und Regie: Falk T. Puschmann

Schnitt, Sounddesign und Musik: Dennis Schuster

Mit: Karen Schulz-Vorbach, Tobias Diakow, Dirk Wagner, René Wagner

Dauer: ca. 69 Minuten

Experiment Zero

Ein Mann ohne Gedächtnis wacht plötzlich in einem ihm unbekannten Gebäudekomplex auf. Wie er dort hingekommen ist, weiß er nicht. Jedenfalls meldet sich bald eine Computerstimme, die ihm mitteilt, dass er sich im "X-Xes (das wohl nicht von ungefähr nach "Xerxes" klingt) Erfahrungs- und Bildungspark" befindet und sich abgeblich für Tests freiwillig gemeldet habe, welche die menschlichen "Problemlösungskapazitäten" unter großem Stress auf die Probe stellen sollen. Proband 77, wie er von dem Computer Aurora genannt wird, ist mit seiner Entführung natürlich überhaupt nicht einverstanden. Er hat aber keine andere Wahl als mitzuspielen, denn ein Versagen bei den ihm auferlegten Prüfungen hätte lebensbedrohliche Konsequenzen. Also muss er innerhalb von jeweils fünf Minuten einer Todesfalle nach der anderen entkommen. Hilfe verspricht er sich von einer NSA-Agentin, die sich anscheinend in das Computersystem gehackt hat und ihn mit Anweisungen versorgt....


Anleihen bei The Cube und 2001 - Odyssee im Weltraum

Das Setting von "Experiment Zero" erinnert ein wenig an den Film "Cube", nur dass hier keine Gruppe von Fremden, sondern nur ein einziger Mann sich durch das Labyrinth von Fallen kämpfen. Angeleitet wird er dabei von "Aurora", die man wohl am besten als rachsüchtige Schwester des HAL 9000 beschreiben kann.

Experiment Zero - Ein Hörspiel in Echtzeit

Was "Experiment Zero" ebenfalls außergewöhnlich macht (auch wenn die Idee selbst nicht ganz neu ist), ist, dass das Hörspiel sich in Echtzeit abspielt. Das heißt, dass eine Minute Hörspielhandlung auch eine Minute in dem Hörspiel ist. Die Wahl, das Hörspiel so aufzuziehen, war für die hier präsentierte Handlung goldrichtig, denn durch die von Aurora immer wieder gesetzten Zeitlimits fiebert man dadurch so richtig mit Proband 77 mit.

Experiment Zero - Effektive Geschichte, spannend erzählt

(Spoilerwarnung) Die Geschichte von "Experiment Zero" ist so einfach wie effektiv. Ein Mann wird - ohne zu wissen warum - einer Situation ausgesetzt, die lebensbedrohlich ist und droht, ihm über den Kopf zu wachsen, während sein Gegner auch noch Spaß daran hat, psychologische Spielchen mit ihm zu spielen. Die Auflösung selbst ist nur logisch und erklärt auch, wieso sich Aurora gerade diesem Probanden gegenüber so dermaßen bösartig verhält. Dabei sind es nicht nur die Todesfallen, sondern vor allem die psychologischen Tricks von Aurora, die Proband 77 immer mehr an die Substanz gehen.
"Experiment Zero" zeigt, dass man eigentlich nicht sehr viel braucht, um eine gute Geschichte zu erzählen. Ein gutes Skript, gute Sprecher und ein paar wenige Geräuscheffekte (die aber passend umgesetzt werden müssen), mehr ist nicht vonnöten. Wichtig ist hier erstmal das Skript und das ist bei "Experiment Zero" schlicht fehlerfrei. Natürlich wird hier nicht alles erklärt, aber das ist auch gar nicht notwendig. So bleiben zwar die Fragen offen, wie Proband 77 eigentlich an den Ort des Geschehens gelangt ist und ob die Sache mit dem angeblich wieder aktivierten "Ethikkern" von Aurora und ihrer persönlichen Rache nicht einfach nur ein weiteres Psychospiel der Parkbetreiber ist, die eventuell einen Mitwisser loswerden wollen (was in meinen Augen sogar die logischste Erklärung wäre) offen, aber diese fehlenden Erklärungen werden - wie gesagt - nicht gebraucht.

Großartiges Kammerspiel mit guten Sprechern

"Experiment Zero" hat aufgrund seines Settings natürlich nicht sehr viele Sprecherinnen und Sprecher. Diese arbeiten dafür aber umso überzeugender. Tobias Diakow bringt die wachsende Verzweiflung und Wut von Proband 77 sehr gut auf den Punkt und Karen Schulz-Vorbach merkt man einfach an, dass sie als Aurora ihren Spaß an den gemeinen Scherzen hat, unter denen der Proband zu leiden hat. Wenn ein Hörspiel von so tollen Sprecherinnen und Sprechern getragen wird, kann es nur gewinnen.

Fazit zu Experiment Zero

"Experiment Zero" ist in meinen Augen eines der besten Hörspiele der letzten Jahre.