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Montag, 1. Dezember 2014

Porterville Staffel 1 & 2 von Ivar Leon Menger

Porterville Staffel 1 (Folgen 1 - 6) von Ivar Leon Menger und Folgenreich
Bei "Porterville" handelt es sich um die Fortsetzung der beliebten "Darkside Park"-Reihe. Die spannende Geschichte, die sich den Hörerinnen und Hörern in "Darkside Park" erschloss, war beim Publikum sehr beliebt, wurde von den Kritikern hochgelobt und heimste mehrere Auszeichnungen ein. Das offene Ende sorgte dafür, dass viele sich eine Weiterführung wünschten, die auch bald angekündigt wurde. Als Fan der ersten Stunde war es für mich von Anfang an klar, dass ich die Fortsetzung unbedingt haben muss, um hier meine Eindrücke dazu kundzutun.
Das Erzählkonzept von "Darkside Park" wurde auch bei "Porterville" beibehalten. Unterschiedliche Protagonisten erzählen ihre Erlebnisse in Porterville und liefern den Zuhörern so die Puzzleteile, die sich langsam zu einem Gesamtbild zusammenfügen. Weiters wurden die Geschichten auch diesmal wieder von verschiedenen Autorinnen und Autoren geschrieben, beteiligt waren Raimon Weber (unter anderem "Gabriel Burns" und "Point Whitmark"), Anette Strohmeyer ("Ondragon"), Simon X. Rost (Mitschnitt Folge 1: "Haus am See") und John Beckmann ("Lady Bedfort"). Die Folgen werden in der zweiten Staffel zum Ende hin immer spannender, sodass man die Fortsetzung gar nicht mehr erwarten kann. Oft ist es so, dass dem Zuhörer die Zusammenhänge der einzelnen Geschichten erst am Schluss der Staffel klar werden. 
Porterville Staffel 2 (Folgen 7 - 12) von Ivar Leon Menger und Folgenreich
In der zweiten Staffel wird die Geschichte kongenial fortgeführt. Episode 7 wird von Jürgen Tormann (Synchronstimme von Michael Caine) gesprochen und trägt den Titel "Götterdämmerung". Neben Thormann sind in beiden Staffeln prominente Sprecherinnen und Sprecher wie Simon Jäger (Heath Ledger), Charles Rettinghaus (Robert Downey Jr.) Norbert Langer (Tom Selleck), Gordon Piedesack (Alec Baldwin), Marina Treger (Sharon Stone), Udo Schenk (Ray Liotta) und Leyla Rohrbeck (zu hören u. a. in "Team X-Treme"). Jeder einzelne der Beteiligten agiert hier in Hochform und liefert eine großartige Performance ab.

Nebel lichten sich
In der zweiten Staffel werden langsam auch einige Fragen beantwortet, die sich die Hörer schon seit längerer Zeit stellen. Dennoch muss man bei Staffel 2 einige Folgen mehrmals hören, denn nicht jede Episode packt einen beim ersten Hören. Trotzdem ist "Porterville" derzeit das Referenzprodukt in Sachen Mystery im Hörbuch/Hörspielbereich. Das bleibt auch nach Staffel 2 noch so, deshalb gibt es von mir eine klare Empfehlung!

P.S.: Falls sich jemand fragt, ob man "Darkside Park" hören muss, um "Porterville" zu verstehen: Nein, man kann "Porterville" auch alleine hören. Es ist aber von großem Vorteil, wenn man die Informationen aus "Darkside Park" hat.

Mittwoch, 21. Mai 2014

Dreamland Grusel 16 - Die Stadt des Todes von Josh Stokes

Dreamland Grusel 16 - Die Stadt des Todes von Josh Stokes
Eigentlich wollten die vier Freunde J.J., Mary-Kate, Ashley und Travis nur ein geiles Wochenende bei einem Musikfestival verbringen, für das sie Freikarten gewonnen hatten. Doch es kommt alles ganz anders als geplant: Nach einem Autounfall sucht das Quartett in der nächsten Stadt Hilfe. Schnell stellen die Protagonisten fest, dass in dieser Stadt etwas ganz und gar nicht stimmt. Die Straßen wirken wie ausgestorben, nirgendwo ist eine Menschenseele zu sehen. Zum Leidwesen unserer Freunde sind die Bewohner mitnichten allesamt bei einem Picknick in der Wüste. Vielmehr haben sie sich in zombieartige Wesen verwandelt und trachten unseren Helden nach dem Leben, die Attacke beginnt, als diese eine Tankstelle betreten, um dort nach einem Telefon zu suchen. Dennoch sind sie nicht die größte Bedrohung, die auf Travis und Co in dieser Stadt lauert....

Das Positive vorweg
Zunächst das Positive (ich kann euch jetzt schon versprechen, dass das der mit Abstand kürzeste Teil der Kritik werden wird): Die Sprecherinnen und Sprecher tun alles, um zu retten, was hier leider nicht mehr zu retten ist. Diese sind somit dezidiert von der hier folgenden Kritik ausgenommen. Das gilt ebenfalls für Tom Steinbrecher und Andreas Max, die für Soundabmischung und Musik zuständig waren.

Alles nur geklaut
Wenn man "Die Stadt des Todes" hört, fällt einem nach spätestens 20 Minuten "Alles nur geklaut" von den Prinzen ein. Das beginnt schon bei den Namen der Protagonisten, wenn man die Rolle von Oliver Rohrbeck J.J. nennt und damit auf die drei ??? anspielt (dort spricht Rohrbeck ja den 1. Detektiv, Justus Jonas - Gott, wie gerne hätte ich statt "Die Stadt des Todes" eine alte Folge meiner Kindheitshelden gehört). Damit nicht genug, hat man die Rollen von Gabrielle Pietermann und Sonita Sodhi auch noch nach den Olsen-Zwillingen benannt. Witzig oder irgendwie unterhaltsam ist das zu keinem Zeitpunkt.
Die Handlung wurde aus verschiedenen Versatzstücken bekannter Horror- und Science-Fiction-Filme und -spiele zusammengesetzt, auch hier hat man auf schamloseste Art und Weise abgeschrieben. Ich liste hier auf, welche "Vorbilder" mir aufgefallen sind: Resident Evil stand gleich in mehreren Handlungssequenzen Pate. So ist die im Hörspiel vorkommende "CPC" eine allmächtige, böse Firma, die Zombies als Waffe einsetzen will und verbotene Experimente durchzieht. Sie stellt also eine Umbrella Corporation für arme Leute dar.
Ganz am Anfang stellen die Protagonisten fest, dass alle "Verwandelten" leuchtend grüne Augen haben. Diese Idee stammt aus dem Film Das Dorf des Verdammten. Bei der Gelegenheit hat man gleich noch das Ende von Die Dämonischen kopiert, wenn einer der Helden am Ende feststellt, dass sich seine Freundin verwandelt hat, ohne dass die Zuhörer das vorher mitbekommen hätten und er (der Held) hinterher zusammenbricht. Apropos Ende: Wenn Christian Rode als Erzähler zum Schluss davon redet, dass die Überlebenden nun mit dem Hubschrauber in eine ungewisse Zukunft fliegen würden, dann ist das natürlich kein toller, offener Schluss, sondern schlichtweg von George A. Romeros Klassiker Dawn of the Dead abgekupfert.
Doch damit nicht genug, es kommen auch noch Robocop und die Men in Black ins Spiel. Denn natürlich ist der Cyborg, der am Ende ins Spiel kommt, der tote Partner unseres Sheriffs (deren Name, Selina Hillary, sich schon ein wenig nach der Schauspielerin Sienna Guillory anhört, die bei den Resident Evil-Filmen Jill Valentine spielt). Die Anspielung auf die Men in Black ist übrigens besonders misslungen. Die Protagonisten werden gefangen genommen und in das Labor der CPC gebracht. J.J. sagt dann so etwas wie: "Hier sieht es ja aus wie im Hauptquartier der Men in Black!".....und das ist die einzige Beschreibung, die wir bekommen. Muss ich mir jetzt etwa Men in Black anschauen, nur damit ich weiß, wie sich die Böslinge das Labor möbliert haben (nicht, dass ich mir jetzt nicht viel lieber MIB anschauen würde, anstatt mich mit diesem Blödsinn zu beschäftigen).
Selbstverständlich werden die Macher behaupten, dass das alles nur eine Hommage sei. Deshalb hört man als Zuhörer alle fünf Minuten lang Sätze wie "Das ist ja wie in Resident Evil!" oder "Wir sind in Silent Hill!". Offenbar denkt Joschi Hajek (alias Josh Stokes), dass eine solche Aussage reichen würde, um aus einem schamlosen Diebstahl eine liebenswerte Anspielung zu machen. Dass er damit leider falsch liegt, scheint ihm keiner gesagt zu haben. So wirken diese Sätze so, als ob man irgendeine platte Ausrede für das Zusammenstoppeln der Handlung und das Fehlen eigener Ideen gesucht hätte. Es ist ja nie besonders gut, wenn man das Publikum an bessere Filme, Videospiele, etc... erinnert, mit denen es sich gerade beschäftigen könnte. "Die Stadt des Todes" tut das am laufenden Band.


Fazit zu Dreamland Grusel 16 - Die Stadt des Todes
Die 16. Folge von "Dreamland Grusel" stellt leider einen Tiefpunkt der Reihe dar. Mein Rat lautet daher: Hört euch lieber zwanzigmal hintereinander das hier an, da habt ihr mehr davon:


Montag, 3. September 2012

Sexmonster von Jörg Buttgereit

Offizielle Synopsis:
New York City in den 70ern. Die 42nd Street ist ein Sumpf aus ranzigen Schmuddelkinos und schmierigen Bars mit billiger Prostitution. Adam und Dick sind unweit dieser Gegend aufgewachsen. Doch was den zurückhaltenden Adam an seinem angehimmelten Freund Dick immer schon neidisch machte, war dessen Erfolg bei Frauen. Während Adam bei Partys verschüchtert in der Ecke stand, schleppte Dick ungeniert die schönsten Mädchen ab. Gerüchte vom größten Schwanz der ganzen Schule machen gar die Runde. Könnte sein „Geheimnis“ damit zusammen hängen das Dick sich immer heimlich in eines dieser Sexkinos in der 42sten schleicht, in die sich Adam nie trauen würde?
Als Dick plötzlich an einem merkwürdigen Virus stirbt, der von Adams streng gläubigen Vater als „Sexseuche“ und „die Strafe Gottes für all die Unzucht“ bezeichnet wird, ergreift Adam die Chance und lässt sich von dem Quacksalber Dr. Cockburn den Penis seines verstorbenen Freundes transplantieren. Doch anstelle eines grandiosen Liebhabers wird aus dem einst so schüchternen jungen Mann ein triebgesteuertes SEXMONSTER. Denn unglücklicherweise hat Adam mit Dicks Penis nicht nur die Standhaftigkeit seines Freundes sondern auch dessen Zügellosigkeit geerbt. Aus dem schüchternen jungen Frauenversteher ist ein sexbesesses Monster geworden, das mit seinem Schwanz denkt und bald New York in Angst und Schrecken versetzt.
 
American Psycho trifft auf Wunderbare Jahre
 
Es würde mich (ganz ohne Ironie) wirklich interessieren, wie Jörg Buttgereit, der Regisseur von Nekromantik, dazu gekommen ist, Hörspiele für den WDR zu produzieren. Sexmonster ist jedenfalls ein ziemlich eigenwilliges Hörvergnügen. Eigentlich handelt es sich hierbei um das Hörspieläquivalent eines Splatterfilms (spart euch euer ironisches "Ach, echt?" einfach, ja?). Dass Buttgereit und die Sprecher (allen voran Sven Plate als Adam, Udo Schenk als dessen Vater, Marlon Kittel als Dick und Joachim Kerzel als Erzähler) den größten Teil aller Splatterfilme und -hörspiele (von denen es durchaus auch einige gibt) in die Tasche stecken, überrascht dabei auch nicht wirklich (schließlich ist der Mann immer noch ein paar Stufen über Leute wie Andres Schnaas zu stellen).
Im Prinizip hat man mit Sexmonster zwei Hörspiele in einem. In der ersten Hälfte hören wir Adam und Dick dabei zu, wie Dick Adam dabei helfen will, endlich beim Mädchen seiner Träume zum Stich zu kommen. Dabei hören wir auch Ausschnitte aus einem Schul-Aufklärungsfilm, der in allen Details erklärt, was zum Beispiel eine Eichel ist. Abwechseln tun sich die Filmausschnitte mit den fanatischen Reden von Adams Vater, der behauptet, dass noch nie ein Mann einen Ständer hatte und Sex nur eine Erfindung der Medien ist. Adam selbst war laut seinem Papa übrigens eine unbefleckte Empfängnis (aber sonst ist alles gut, oder?).
Dabei stellt sich dann die Frage, ob Adam mit der Penistransplantation (ich freu mich schon auf die Google-Hits dieses Reviews) tatsächlich Dicks Triebhaftigkeit mittransplantiert bekommen hat, oder ob er diese Gelegenheit einfach nur dazu genutzt hat, endgültig den Verstand zu verlieren. Ich persönlich wäre eher für letztere Variante, da das Übernehmen von Dicks Trieben ein übersinnliches Element wäre, welches in meinen Augen nicht so recht zu Sexmonster passt. Andererseits könnte es sich dabei auch um eine Anspielung auf Filme wie Orlacs Hände handeln, die ja eine ähnliche Thematik haben. Ja, ihr versnobten Cineasten da draußen, ich habe Sexmonster gerade mit einem deutschen Stummfilmklassiker verglichen. Verklagt mich doch!
Erwähnenswert ist noch, dass Sexmonster sich zu keinem Zeitpukt ernst nimmt, der satirische Unterton der Geschichte ist immer vorhanden.
 
Jörg Buttgereits Sexmonster
 
Sexmonster aus dem Jahr 2009 von Jörg Buttgereit ist ein sehr obskures Hörvergnügen. Ich mag ja abstruse Filme/Hörspiele/Bücher, weshalb es mir sehr gut gefallen hat. Allerdings ist Sexmonster bestimmt nicht jedermanns Sache.
 
Das Hörspiel gibts komplett auf YouTube (Memo an die Jugendschützer: es war auch schon mehrfach auf WDR 3 zu hören, also regt euch wieder ab):