Es ist übrigens interessant zu sehen, dass manche von diesem Vortrag offenbar intellektuell überfordert waren, oder wie ist das "ich glaube, er ist es nicht" zu verstehen? Hat der Typ echt geglaubt, dass Kinski sich für Jesus hält? Natürlich kann man argumentieren, dass zu dieser Zeit die Diskussionskultur, wie wir sie kennen, gerade erst im Entstehen war und jeder alles politisieren und unbedingt seinen Standpunkt präsentieren wollte. Das macht das Verhalten dieser Idioten aber nicht besser, denn einen Künstler permanent und absichtlich bei einem Vortrag zu stören, für den - nebenbei bemerkt - ein paar tausend Leute Geld bezahlt haben, um ihn zu hören (und denen man so auch den Abend verdirbt), ist einfach ein absolut unmögliches Verhalten. Man kann eben nicht einfach die Bühne stürmen, dort deponieren, dass man jetzt "auch etwas sagen" möchte und dann allen Ernstes erwarten, dass der Künstler einem einfach so das Mikro reicht und man loslegen kann. Ich stell mich ja auch nicht bei einem Rockkonzert auf die Bühne und sage zum Beispiel zu Axl Rose, dass er mich jetzt gefälligst mitsingen lassen soll (ganz zu schweigen davon, dass Axl wohl keine Probleme damit hätte, mich - im Gegensatz zu Kinski - ohne Bodyguard kopfüber von der Bühne zu befördern).
Verhältnis Künstler - Publikum
Die DVD ist auch für jeden aufschlussreich, der schon immer einmal mehr über das Verhältnis von Künstlern und ihrem Publikum wissen wollte. Man sieht hier sehr gut, wie abhängig ein Vortragender von seinem Publikum eigentlich ist. Wenn die Leute dich fertigmachen wollen, dann hast du vorne keine Chance darauf, deinen Text unters Volk zu bringen. Dass manche Erwachsene offenbar wie kleine Kinder ihre Freude daran haben, einen anderen zu unterbrechen und zur Weißglut zu treiben (einen echten Willen zur Diskussion kann man auch bei denen nie erkennen, die dies - auch dem Veranstalter gegenüber - immer wieder beteuern, nicht erkennen), wohl wissend, dass man gerade dabei ist, dem Rest der Anwesenden den Abend zu verderben. Deshalb ist es Kinski auch hoch anzurechnen, dass er um Mitternacht noch einmal herausgekommen ist, um seinen kompletten Vortrag vor den 100 bis 200 Menschen zu halten, die bis zu diesem Zeitpunkt ausgeharrt haben.
Der Film "Kinski - Jesus Christus Erlöser" ist in mehr als einer Hinsicht sein Geld wert, da man hier nicht nur Kinski in Hochform sieht, sondern auch einen Blick darauf werfen kann, wie das Wort "Diskussionskultur" von manchen Menschen ausgelegt wird und wie der Künstler von seinem Publikum abhängig ist.
