Mittwoch, 28. Januar 2015

Geister-Schocker Folge 0 - Gefangen in der Geisterwelt von Thomas Tippner

Geister-Schocker Folge 0 - Gefangen in der Geisterwelt von Thomas Tippner
Bill und Rachel, ein junges Pärchen aus der Stadt, möchte einige Tage Campingurlaub in einem abgelegenen Waldstück machen und dabei ein wenig dem Alltag entkommen. Schon in der ersten Nacht verschwindet Rachel spurlos und Bill macht sich auf die Suche nach ihr. Während er immer verzweifelter nach seiner Freundin sucht, erinnert Bill sich an ein Gespräch, dass beide vor ihrem Aufbruch mit Wilbur und Anne, einem in der Nähe des Waldes lebenden Ehepaar, geführt haben. Vor allem Annes Reaktion kommt Bill nun äußerst seltsam vor, denn während Wilbur ihnen nur viel Spaß wünschte, war Anne verängstigt. Während Bill immer verzweifelter nach Rachel sucht, beschleicht ihn das Gefühl, dass in diesem Wald tatsächlich etwas nicht mit rechten Dingen zugeht...

Geister-Schocker Folge 0: Gefangen in der Geisterwelt
Vor der Veröffentlichung der 50. Folge der Geister-Schocker-Hörspielreihe brachte Romantruhe als Prequel die Folge "Gefangen in der Geisterwelt" heraus. Dieses Hörspiel unterscheidet sich in mehrfacher Hinsicht von der restlichen dieser Serie. Erstens ist es mit etwa 40 Minuten wesentlich kürzer als die anderen "Geister-Schocker" und zweitens ist es die einzige Folge der Reihe, die über weite Strecken von nur einem Sprecher getragen wird und zwar von Robert Frank als Bill. Dieser bringt die sich langsam steigernde Verzweiflung sehr gut rüber. Das gilt auch für den Rest der Sprecherriege. Vor allem Dagmar Bittner klingt hier mit leicht verzerrter Stimme so richtig unheimlich.
Es gibt bei diesem Hörspiel nur einen kleinen (verschmerzbaren) Minuspunkt: Da in der Geschichte, wie bereits erwähnt, oft nur eine Person zu hören ist, muss diese relativ oft Selbstgespräche führen, damit die Hörer mitbekommen, was gerade passiert. Es wirkt hin und wieder schon unfreiwillig komisch, wenn Bill sich ständig die Sachen selbst erzählt, die sich gerade direkt vor seiner Nase abspielen. Wie man in die Gedankenwelt eines Menschen einsteigen kann, hat Der Schweif des Diabolus wesentlich eleganter gezeigt.

Spannung bis zum Schluss
Tippner gelingt es hervorragend, die Spannung bis zum Ende hoch zu halten, Langeweile kommt keine auf, da Tippner genau weiß, wann er das Tempo verschärfen muss. "Gefangen in der Geisterwelt" ist ein gelungenes Prequel zu den Geister-Schockern. Wer spannende Gruselgeschichten mag, wird dieses Hörspiel lieben!

Sonntag, 11. Januar 2015

The Uh-oh Show von Herschell Gordon Lewis

The Uh-oh Show (USA 2009) von Herschell Gordon Lewis
"The Uh-oh Show" ist der neue Renner im Fernsehen. Die Regeln der Sendung sind sehr einfach: Wenn die Kandidaten alle Fragen richtig beantworten, gehen ihre sehnsüchtigsten Träume in Erfüllung: Eine Traumvilla, eine Weltreise, ein paar Millionen Dollar und die Hauptrolle in einem Kinofilm gehören zu den Preisen. Wenn jedoch eine Frage falsch beantwortet wird, sind die Konsequenzen für die Teilnehmer fatal, denn dann kommt das bei den Fans sehr beliebte Folterrad zum Einsatz, um zu bestimmen, welchen Körperteil der Unglückliche verlieren wird. Je nachdem, wo es stehen bleibt, amputiert der hauseigene Folterknecht einen Arm, ein Bein, oder noch Schlimmeres. Natürlich hat eine solche Sendung nicht nur Freunde. Die Journalistin Jill Burton wittert eine große Story und beginnt mit ihren Recherchen. Als ihr Freund sich als Kandidat für die Show anmeldet und gleich nach deren Ausstrahlung verschwindet, entschließt Jill sich dazu, die Sendung mit allen Mitteln aufzuhalten...


The Uh-oh Show von Herschell Gordon Lewis
"The Uh-oh Show" ist der bis dato letzte Film von Herschell Gordon Lewis, der mit "Blood Feast", "2000 Maniacs", oder "The Wizard of Gore" das Genre des Splatterfilmes aus der Taufe hob. Sollte dieser Film wirklich seine letzte Regiearbeit bleiben, dann hat er sich mit einem Werk verabschiedet, das sein Wirken perfekt zusammenfasst. Bei "The Uh-oh Show" (den der deutsche Verleiher den etwas reißerischen Namen "The Splatter Show" verpasst hat) wird eigentlich so ziemlich alles ignoriert, was einen guten Film ausmacht. Dennoch ist es hier wie in der Mathematik: Minus und Minus ergibt Plus und das Ergebnis ist ein völlig durchgeknallter Film, bei dem sich Lachen, Ekel und Kopfpatschmomente munter abwechseln. Wenn man nach dem Making of auf der DVD geht, war das von Lewis genau so beabsichtigt und das ist ihm gelungen. Außerdem wirkt Lewis wie ein Urgroßvater auf Speed, wenn er schon mit den Dreharbeiten beginnt, während am Set noch nicht einmal die Farbe der Wände getrocknet ist. Ich dachte immer, Ed Wood würde mit seiner "Ich brauche nur einen Take"-Einstellung unnötig aufs Gaspedal steigen, aber Lewis wirkt, als ob er Angst hätte, bis zum Ende der Dreharbeiten zu verschimmeln. Ich würde das ja auf sein fortgeschrittenes Alter schieben, aber Lewis arbeitet angeblich immer so.
Ernsthafte Schauspielkunst sucht man hier auf jeden Fall vergebens: Der Cast rund um Nevada Caldwell und Joel D. Wynkoop chargiert, dass es eine wahre Freude ist. Sämtliche Splattereffekte wirken in etwa so realitätsnahe, als ob man sie aus einem Cartoon von Tom & Jerry entwendet hätte und die satirischen Elemente sind so feinfühlig in den Plot integriert, dass man meinen könnte, Lewis hätte sie mit einem Vorschlaghammer in das Drehbuch geschrieben. Und das alles macht einen Heidenspaß!
Es gibt nur eine Kleinigkeit, die beim Ansehen ein wenig stört. Der Auftritt von Troma-Legende Lloyd Kaufman ist zwar ganz witzig, aber für ein Cameo wenig zu lang geraten. Außerdem ist die Szene für die Handlung streng genommen unnötig und man merkt ihr an, dass sie nur deshalb im Film ist, damit man Kaufman zeigen kann.

Fazit zu "The Uh-oh Show"
Bei dieser Rezension kann ich mich wieder einmal kurz fassen: "The Uh-oh Show" ist kein Film für jedermann. Die Gewalteinlagen und die derben Witze sind nichts für zart besaitete Gemüter und das absichtlich schlechte Schauspiel ist sogar für Trashfans nur schwer auszuhalten. Mit den richtigen Leuten und ein paar Bier kann "The Uh-oh Show" eine Menge Spaß machen.

Sonntag, 4. Januar 2015

Blogslove

Mal etwas für die Blogger unter euch: Auf Tenzmee loves könnt ihr eure Blogs vorstellen lassen. Einfach die entsprechenden Daten ausfüllen, jeder Blog wird vorgestellt. Ich habe es schon gemacht und bin gespannt auf das Ergebnis!

Samstag, 3. Januar 2015

I spit on your Grave 2 von Steven R. Monroe

I spit on your Grave 2 (USA 2013) von Steven R. Monroe
Katie will unbedingt Model werden. Da sie dafür erstens neue Fotos braucht und zweitens ein Gehirn bei Models offenbar nicht zwingend vorhanden sein muss, fällt sie auf das Angebot einer heruntergekommenen Fotoagentur herein, von ihr ein ganzes Set von Gratisfotos für ihr Portfolio zu machen. Kaum ist sie in dem versifften Studio angekommen, verlangen die Fotografen von ihr, dass sie sich (Überraschung!) ausziehen soll. Katie macht zwar nicht mit, wird aber von einem der drei Fotografen bis zu ihrer Wohnung verfolgt. In der Nacht bricht ihr neuer Stalker dort ein und vergewaltigt sie. Dann ruft er seine Kollegen an. Sie entführen Katie gemeinsam, setzen sie unter Drogen und verschleppen sie quasi mit internationaler Hilfe bis nach Bulgarien (wie genau sie das hinbekommen haben sollen, ohne das ihr Opfer auch nur irgend etwas davon mitbekommen haben soll, würde mich einmal interessieren, Betäubungsmittel hin oder her). Dort kann Katie aber entkommen und nun dreht sie den Spieß um: Katie foltert und tötet jeden einzelnen ihrer Peiniger auf blutige Art und Weise.


I spit on your Grave 2 von Steven R. Monroe
Ach du lieber Himmel. Ich habe jaschon viel menschenverachtenden Dreck gesehen, aber "I spit on your Grave 2" spielt diesbezüglich in einer eigenen Liga (auch im Vergleich zum Original und dem hier fortgesetzten Remake). "I spit on your Grave 2" unternimmt gar nicht erst den Versuch, etwas anderes zu sein als der Versuch, die niedrigsten Triebe von jenen Menschen zu befriedigen, die sich diesen Schund auch noch ansehen und sich an den Erniedrigungen, Foltereinlagen und Vergewaltigungen aufgeilen, die so genannte Handlung ist nur eine erbärmliche Entschuldigung dafür, die Gewalt nicht völlig ohne Kontext zu zeigen.
Wer sich den Dreck in seiner vollen Länge ansehen möchte, sollte nicht zur deutschen DVD greifen und ihn im Ausland kaufen. Die DVD ist nämlich so ungeschickt geschnitten, dass man sofort bemerkt, wann etwas fehlt: Tonsprünge, versehentlich eingefügte jump cuts und unerklärliche Handlungslücken drücken sich gegenseitig die Klinke in die Hand. Einen ausführlichen Schnittbericht gibt es hier. Die deutsche Fassung ist dermaßen unbrauchbar, dass man - würde man den deutschen Hang zur Zensur nicht kennen - schon beinahe von absichtlicher Sabotage sprechen könnte. An den im Schnittbericht beschriebenen Szenen könnt ihr außerdem recht gut nachvollziehen, was mich an dem Film alles stört, da dieses Machwerk auch sonst fast nur aus solchen Szenen besteht. (Zur Info: Ich habe für dieses Review beide Fassungen gesehen, die deutsche aber nur auszugsweise an den geschnittenen Stellen.)

Perlen vor die Säue
Der Film selbst wäre - wenn man die Handlung mal für eine Sekunde ignoriert - gar nicht so schlecht gemacht. Die dreckige Atmosphäre wird von Kameramann Damian Bromley sehr gut eingefangen, Steven R. Monroes Inszenierung ist flott und ohne echten Durchhänger und Jemma Dallender liefert als Katie Carter eine ganz passable Leistung ab, was auch für den Rest des Casts gilt. Sowohl von der technischen, als auch von der schauspielerischen Seite her könnte man also gar nicht meckern. Zu dumm, dass die Beteiligten ihr Talent verschwenden und sich keinen besseren Film ausgesucht haben.
Dass der Film extrem frauenfeindlich ist, muss ich an dieser Stelle nicht mehr extra erwähnen, oder? Ich würde ja sagen, dass Katie hier wie ein Stück Fleisch behandelt wird, das wäre aber noch eine Untertreibung. Die wiederholten Vergewaltigungen sind in zweifacher Hinsicht Mittel zum Zweck. Erstens sollen die Zuschauer sich in der ersten Hälfte des Filmes an dem erzwungenen Sex aufgeilen. Zweitens sollen die Vergewaltigungen als Rechtfertigung für die im Anschluss stattfindenden ausgiebigen Foltereinlagen dienen, an denen sich das werte Publikum dann noch mehr aufgeilen kann. Ich möchte kotzen.

Fazit zu "I spit on your Grave 2"
Ich habe ehrlich gesagt keine Lust, mich noch länger mit diesem Film zu befassen und komme daher gleich zum Fazit: "I spit on your Grave 2" ist ein menschenverachtendes Stück Scheiße. Den Machern würde ich zu gerne ins Gesicht spucken, aber ich werde das ungute Gefühl nicht los, dass sie das antörnen könnte.

Freitag, 2. Januar 2015

The Philosophers - Wer überlebt? von John Huddles

The Philosophers - Wer überlebt? (USA 2013) von John Huddles
Ein Professor der Philosophie in einer internationalen Schule in Jakarta fordert seine Klasse in der letzten Stunde vor den Ferien zu einem Gedankenexperiment auf. Die Studenten sollen sich vorstellen, dass ein Atomkrieg über die Menschheit hereingebrochen ist. Ein sicherer Bunker befindet sich Gott sei Dank in der Nähe, es gibt nur ein Problem: Der Sauerstoffvorrat kann lediglich 10 Personen für ein Jahr versorgen (erst dann wäre es wieder sicher, den Bunker zu verlassen), sie sind aber mehr als 20. Anhand der von ihnen aus dem Lostopf gezogenen Berufe und Fähigkeiten müssen die Studenten nun bestimmen, wer in den Bunker darf, und wer dem sicheren Tod überlassen wird. Die Studenten müssen bei ihrer Entscheidung im Auge behalten, dass sie damit darüber entscheiden, wer von ihnen für den Fortbestand der Menschheit sorgen soll und wer nicht. Dabei spielt auch ihr Professor eine Schlüsselrolle, da er den Studenten nicht verrät, welche Fähigkeiten er selbst gezogen hat...


The Philosophers von John Huddles
Ich mag es, wenn die Charaktere in einem Film in schwierige Situationen geworfen werden und dann darin zurechtkommen müssen. Ich finde auch Filme wie "Cube" oder "Night of the living Dead", bei denen die Charaktere extremen Situationen ausgesetzt werden und sich darin zurechtfinden müssen. Deshalb wollte ich "The Philosophers" sehen.
Leider scheitert der Film schon in der Anfangsphase, wenn man zum ersten Mal die Studenten sieht und sich vor lauter Schönheit fragt, aus welchen Modekatalog die alle ausgeschnitten wurden. Wenn dann die erste Runde des Gedankenexperimentes losgeht ist es endgültig vorbei. Der erste Fehler besteht schon darin, dass jeder Studierende nur aufgrund des gezogenen Berufes beurteilt wird, als ob sich die Fähigkeiten eines Menschen nur auf seinen Job beziehen würden. Das wird in der zweiten Runde (ja, es gibt mehrere Durchläufe, bei denen der Schauplatz gewechselt wird und das Szenario von vorne beginnt) zumindest ein wenig aufgelockert. Allerdings fangen hier die Denkfehler erst so richtig an (im folgenden Absatz wird es einige Spoiler geben).
Da wäre erstens die unlogischen Entscheidungen der Studenten selbst. Da hätten wir zum Beispiel eine "Weinhändlerin" mit einem IQ von 200, die abgelehnt wird. Begründung: Intelligenz ist nicht so beeindruckend. An der Stelle musste ich lachen, denn wenn es tatsächlich so wäre, dass Intelligenz scheißegal ist, dann hätten unsere angeblichen Elite-Denker ein Problem.
Amüsant zu beobachten ist, wie emotional alle an diesem Rollenspiel beteiligten Personen reagieren. Da wird der Professor verflucht und dermaßen heulend dafür entschuldigt, wenn jemand abgelehnt wurde, dass man fast meinen könnte, es handele sich hier um einen Ernstfall und kein Rollenspiel. Ich würde den Protagonisten dringend raten, sich von allen Call of Cthulhu-Spielerunden fernzuhalten, sonst könnte ihre geistige Stabilität bald endgültig flöten gehen.
Weiters stellt sich die die Frage, wieso die Studenten ihr Wissen aus der jeweiligen Vorrunde mitnehmen dürfen. Schließlich wird nach jeder Runde - abgesehen davon, dass die gezogenen Professionen gleich bleiben - logischerweise alles auf Null gesetzt. Besonders eklatant wird das in der letzten Runde, wenn die "Soldatin" damit herausrückt, dass sie sich im letzten Szenario den Code gemerkt hat, den der Lehrer eingegeben hat, um die Tür zu öffnen. Dumm nur, dass er damit in jenem Szenario alle umgebracht hat, warum wusste sie also noch den Code? Der wahre Grund liegt wohl darin, dass John Huddles sich hier zu einem Ende schummeln wollte, in dem der böse Lehrer nutzlos wird und seine Machtposition nicht mehr ausspielen kann. Dass das ganze nicht richtig durchdacht wurde, ist Huddles dabei leider nicht aufgefallen.
Endgültig abgeschossen hat sich der Film aber mit seinem völlig idiotischen Ende, an dem wir erfahren, dass unser Lehrender den ganzen Blödsinn nur deshalb veranstaltet hat, weil er von einer Studentin verlassen wurde und er nun deren neuen Freund (der ebenfalls in der Klasse sitzt) bestrafen oder ihr zeigen wollte, wie nutzlos der Typ eigentlich ist, ganz klar drückt sich der Film da nicht aus. Dass das nicht funktionieren kann, liegt aus mehreren Gründen auf der Hand. Erstens hätte er den Studenten in diesem Fall keine Rollen zuweisen, sondern sie nach ihren tatsächlichen Fähigkeiten agieren lassen müssen. So spielen alle doch nur Rollen, wie will man da jemanden als nutzlos entlarven? Eben, es geht nicht. Zweitens: Wenn der Lehrer sich schon dafür entscheidet, Rollen zu verteilen und die Verteilung dieser Rollen zu manipulieren, wieso macht er aus seinem Opfer einen Landwirt? In einer Gesellschaft die in die Steinzeit zurückgebombt wurde, kommt den Landwirten eine zentrale Rolle zu. Jedes "dunkle Geheimnis", das man ihm später anhängen könnte, wird schon alleine dadurch irrelevant, dass der Rest ohne ihn wohl elend verhungern würde.

Fazit zu The Philosophers
Es ist das alte Problem, dass, wenn jemand wie John Huddles ein geniales Konzept hat, gerne darauf vergessen wird, dieses entsprechend auszuarbeiten. Genau das ist das Grundproblem von "The Philosophers - Wer überlebt?": Eine gute Idee, die leider äußerst schlampig umgesetzt wurde. Sehr schade!

Dienstag, 30. Dezember 2014

Rotbartsaga - Die Abenteuer eines legendären Schiffskaters von Wolfgang Schwerdt

Rotbartsaga - Die Abenteuer eines legendären
Schiffskaters Teil 1: Das Vermächtnis des
Kapitäns Carl Carlszoon von Wolfgang Schwerdt
Der Kater Rotbart ist kein gewöhnlicher Stubentiger. Er ist Schiffskater und mit seinem Freund, dem Kapitän Carl Carlszoon, ständig als Schiffskater auf den Meeren dieser Welt unterwegs. Als Schiffskater kann Rotbart aber nicht nur auf der faulen Haut liegen. Er hat eine Reihe von Aufgaben, so muss er zum Beispiel dafür sorgen, dass die Ratten an Bord des Schiffes nicht zu viele werden. Im ersten Teil der Rotbartsaga, die insgesamt fünf Bücher umfassen soll, beginnt damit, wie der Autor Wolfgang Schwerdt zu den Dokumenten von Carl Carlszoon kam. Die Handlung springt hier zwischen dem 17. Jahrhundert und der Gegenwart hin und her, um danach in der Vergangenheit zu bleiben. Das bedeutet, dass der Kater Rotbart am Beginn des Buches beinahe zur Nebenfigur gemacht wird. Das ist aber kein Nachteil: Dieser Teil des Buches ist so spannend geschrieben, dass der Leser es kaum erwarten kann, wenn die Abenteuer des Katers endlich losgehen. Und diese Abenteuer haben es in sich! Japanische Geisterkatzen, Geisterschiffe, Haie - Rotbart muss sein gesamtes Können aufbieten, um diese Geschichten heil zu überstehen.

Geschichten und Geschichte
Schwerdt geht es aber nicht nur darum, spannende Geschichten zu erzählen. Vielmehr möchte er seinen Lesern auch maritime Geschichte vermitteln. Deshalb streut er in den fiktiven Abenteuern immer wieder historische Fakten ein. Diese Fakten drehen sich natürlich vor allem um die Schifffahrt und das Leben der Tiere auf den Schiffen. Schwerdt ist es gelungen, diese Fakten so geschickt in die Geschehnisse zu integrieren, dass sie zu keinem Zeitpunkt als Infoblock rüberkommen, vielmehr bereichern sie selbige ungemein. Das Buch ist mit einem Glossar versehen, sodass auch Anfänger keine Probleme haben dürften, wenn sie beim Lesen über diverse Fachbegriffe stolpern. Dadurch hat der Leser nicht nur die spannenden Geschichten rund um Rotbart und seine Freunde, er lernt nebenbei noch etwas über die Vergangenheit.
Mit Lesen alleine ist es bei diesem Buch nicht getan. Eine Vielzahl von Illustrationen, Karten, ja sogar QR-Codes mit weiterführenden Informationen zum Inhalt gilt es zu entdecken.
"Das Vermächtnis des Kapitäns Carl Carlszoon" ist, wie bereits erwähnt, der erste von fünf geplanten Teilen. Das bedeutet, dass hier selbstverständlich einige Fragen offen bleiben und vieles nur angeschnitten wird, was in den noch folgenden Büchern ausführlicher behandelt werden wird.

Fazit zu Teil 1 der Rotbartsaga
"Rotbartsaga - Die Abenteuer eines legendären Schiffskaters Teil 1: Das Vermächtnis des Kapitäns Carl Carlszoon" ist nicht nur für Katzenfreunde und Geschichtsinteressierte empfehlenswert. Von mir gibt es daher eine klare Kaufempfehlung! 2015 geht der zweite Teil der Rotbartsaga an den Start. Er wird den Titel "Schiffbruch vor Sumatra" tragen. Wolfgang Schwerdt hat zum ersten Teil der Saga im Februar 2014 ein YouTube-Video gemacht:


Hier geht es zum Gastkommentar von Wolfgang Schwerdt: Der Schiffskater vom Reiterhof

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Gastkommentar von Wolfgang Schwerdt - Rotbart: Der Schiffskater vom Reiterhof

Heute gibt es mal wieder einen Gastkommentar, über den ich mich sehr freue. Der Journalist und Historiker Wolfgang Schwerdt erzählt darin, wie sein Buch "Rotbartsaga: Die Abenteuer des legendären Schiffskaters. Teil 1: Das Vermächtnis des Kapitäns Carl Carlszoon" entstand.

Als der legendäre rote Kater unter anderem auf den Schiffen der Vereinigten Ostindischen Kompagnien im 17. Jahrhundert über die Weltmeere segelte und neue, unbekannte Küsten und Länder entdeckte, da gab es natürlich noch keine Reiterhöfe. Jedenfalls nicht solche, wie der, auf dem ich für mehrere Jahre für die alltäglichen Hofarbeiten und das kreative Unterhaltungsprogramm für die Ferienkinder verantwortlich zeichnete. Natürlich gab es auf dem Hof auch Katzen. Die alte Glückskatze Garfield beispielsweise, die schon immer auf dem Hof war. Oder die drei aus dem Tierheim, die die feline grande dame bei der Nagerjagd unterstützen sollten.

Keines der Katzentiere war auch nur ansatzweise rot oder hatte etwas, das an einen stattlichen Bart erinnerte. Auch die Fellnasen, die versuchten, in das Revier der vier Höflinge einzudringen und damit regelmäßig lautstarke und langanhaltende Brumm- und Singsessions auslösten, hätten niemals einem Rotbart Modell stehen können. Und doch war es ausgerechnet hier, wo ich die ersten Kurzgeschichten über Rotbart verfasst und den Ferienkindern in gemütlicher Runde vorgelesen hatte. Dass nach jahrelanger Spezialisierung auf kulturgeschichtliche Drachenforschung und Drachenfantasy nun plötzlich auch Katzen in den Fokus meines literarischen Schaffens gelangten, ist natürlich dem engen Zusammenleben mit dieser wirklich faszinierenden und vor allem anpassungsfähigen Spezies zu verdanken. Zwar hätten auf einem Reiterhof Pferdegeschichten möglicherweise ein wenig näher gelegen. Eine Verbindung zwischen Pferden und Seefahrt herzustellen – einem Thema mit dem ich mich seit meiner Kindheit leidenschaftlich befasse -, erschien mir jedoch wesentlich problematischer, als über Schiffskatzen zu schreiben. Die ersten Katzengeschichten – eher Fabeln – handelten jedoch tatsächlich von stinknormalen Hofkatzen und sind als Büchlein „Mit Katzenaugen. Träumkatzen und der wilde Kater“ http://www.amazon.de/Mit-Katzenaugen-Träumkatzen-Wilde-Kater/dp/1479108138/ veröffentlicht.

Jahrelange Vorarbeiten
In der allerersten Kurzgeschichte (ca. 2003) über den Schiffskater war Rotbart ein ziemlich demoliertes Wesen, ein Vorderbein war amputiert, ein Auge fehlte ihm und er war von zahlreichen Narben übersät. Und dann verpasste ihm ein junger, ehrgeiziger Spund im Kreise seiner gestandenen KollegInnen auch noch einen Hieb, indem er den bereits damals legendären Schiffskater als „altes Wrack“ bezeichnete, den niemand mehr an Bord haben wolle. Mit Hilfe seiner jungen Kollegin Graulocke erholte sich der mächtige Kater wieder von dieser tiefen seelischen Verletzung und er setzte nicht nur seine Schiffskaterkarriere mit neuen legendären Abenteuern fort, sondern auch zahlreiche Nachkommen in die maritime Welt. Mit dieser Geschichte war mir mein fiktiver Kater so ans Herz gewachsen, dass ich etwa 2011 beschloss, Rotbart zum Protagonisten eines mehrbändigen Buchprojektes zu machen. Hintergrund waren die Recherchen zu Schiffskatzen der vergangenen Jahrhunderte, die ich im Rahmen meiner Bücher „Forscher Katzen und Kanonen. Über Leben und Arbeit von Forschungsreisenden im 18. und 19. Jahrhundert “ und „Die Schwarzbärflotte: Wahre Geschichten über seefahrende Katzen“ angestellt hatte. Natürlich war Rotbart auch einmal jung, ansehnlich und verspielt. Und so beginnt mein Protagonist seine literarische Karriere im 17. Jahrhundert als etwa eineinhalbjähriger Jungspund, der diverse Lektionen zu lernen hat, bevor er als gestandener aber eben gezeichneter Schiffskater zur lebenden Legende geworden ist.

Erlebnisreise in die Vergangenheit und die Welt der Katzen
Auch bei den maritimen Katzenromanen lege ich als Journalist und Historiker größten Wert auf die genaue Hintergrundrecherche, nicht nur, wenn es um geschichtliche Ereignisse und Zusammenhänge geht. Und während ich an den kleinen und großen Abenteuern meiner felinen Hauptfiguren feile, lenken mich so profane Fragen wie „seit wann gab es eigentlich die bekannten holländischen Tonpfeifen“ oft tagelang vom eigentlichen Schreiben ab. Das Ergebnis: Die fiktiven Katzentiere entwickeln während meiner Recherchen, die so wichtig für die historisch korrekten Szenerien sind, ein gewisses Eigenleben. Und wenn ich von meinen Ausflügen in die historischen Archive, beladen mit bedeutenden Informationen, zu meinen literarischen Schützlingen zurückkehre, haben die gelegentlich auf anderen Schiffen angeheuert, neue Bekanntschaften gemacht oder sind in fast ausweglose Situationen geraten, aus denen herauszukommen weniger historische Kenntnisse, sondern eher ein gesunder Katzenverstand vonnöten sind. Natürlich müssen die historischen Bilder und Technologien stimmen, aber wenigstens genauso wichtig, ist das Beobachten von Katzen. Das hat mir auch – unter anderem am Beispiel der Ataxiekatzen - gezeigt, dass der Begriff Handicap ein sehr menschlicher ist. Dass Rotbart auch nach dem Verlust eines Beines ein vollwertiger Schiffskater bleibt, entspringt nicht meiner pädagogisch wertvollen Phantasie, sondern der kätzischen Realität im Umgang mit dem, was wir als Behinderung bezeichnen. Für mich ist das Rotbartsaga-Projekt eine vielschichtige und aufregende Forschungsreise in die Geschichte, zu fremden Kulturen und in die Tierwelt, die mir mit Hilfe meines professionellen Autoreninstrumentariums ständig neue Einsichten und Erkenntnisse bringt. Meine Intention ist es, ein wenig davon an den Leser weiterzugeben.

Das Abenteuer des Buchmachens
Jeder Autor sucht einen Verlag für sein Buch, zumindest ist das die gängige Meinung. Ich hingegen habe mich dazu entschlossen, statt meine Energie und Mittel für die Suche eines (geeigneten!) Verlages zu verschwenden, mich von vornherein an meine Leser zu wenden. Natürlich bin ich lange genug im Geschäft, um zu wissen, worauf ich mich damit einlasse. Publikationen wie „Die Drachenwächterin“ oder meine Bücher in der Reihe „Kleine Kulturgeschichten“ im Vergangenheitsverlag haben mir den Einblick in die Verlagsarbeit vermittelt und gleichzeitig die wirtschaftlichen, gestalterischen und literarischen Grenzen aufgezeigt, die für den Autoren damit verbunden sind. Durch meine Publikationen als Selfpublisher habe ich auch diese Seite des Literaturmarktes kennengelernt. Fazit: Jedes Buchprojekt braucht seinen passenden Rahmen. Das kann im Einzelfall ein Verlag aber eben auch –entsprechende Kooperationspartner und Kompetenzen vorausgesetzt – die Eigenveröffentlichung sein. Im Falle der Rotbartsaga ist derzeit zweifellos das Selfpublishing der bessere Rahmen. Denn es war mein Ziel, nicht nur ein Manuskript abzuliefern und seine Verwertung gegen eine marginale Erfolgsbeteiligung in fremde Hände zu geben, sondern den gesamten Publikationsprozess, angefangen vom Lektorat, über das Layout, die Gestaltung und Illustration, bis hin zum Marketing in meinem Sinne umzusetzen und zu kontrollieren.

Auch als Schriftsteller einfach mal andersherum denken
Nach jahrzehntelanger Publikationserfahrung als Journalist und Buchautor war es für mich – auch angesichts der neuen technologischen Möglichkeiten, die sich beileibe nicht in den immer angeführten E-Books erschöpfen - generell an der Zeit, ein paar Dinge neu oder wenigstens anders zu denken. Es ist heute auch im Verlagsgeschäft üblich (und für ein Unternehmen sicherlich betriebswirtschaftlich nicht unklug) Literatur vom Markt her zu denken. Was verkauft sich, was ist gerade in? Wie muss das Produkt, wie müssen Autorenverträge gestaltet sein, um möglichst viel Umsatz und Gewinn zu generieren? Wie lässt sich der Vertrieb automatisieren, strukturieren und standardisieren? Und so weiter und so fort. Diese Denke haben sich inzwischen auch viele Autoren zu Eigen gemacht und sehen ihre Aufgabe darin, möglichst das zu schreiben, was Verlage aus Marketinggesichtspunkten vorgeben, den sogenannten Mainstream. Davor habe ich großen Respekt, denn die Produktion erfolgreicher Mainstreamliteratur erfordert ein hohes Maß an speziellen handwerklichen Fähigkeiten und sicherlich auch persönlichen Dispositionen, die mir vollkommen abgehen.
Ich denke meine Autorenarbeit tatsächlich vom Buch, vom Inhalt aus. So zum Beispiel: Was und worüber möchte ich schreiben? Welche literarische Form, welcher Stil liegt mir besonders? Wie muss ein Buch gestaltet, ausgestattet sein, um den Inhalt optimal zu transportieren. Erst im zweiten Schritt kommt der Markt ins Spiel: Wer könnten meine Leser sein? Ist meine Zielgruppe ausreichend groß um auch einen wirtschaftlichen Erfolg möglich zu machen? Welche Zugeständnisse muss, kann ich an die Ökonomie und an den Publikumsgeschmack machen, ohne meine Intentionen in Frage zu stellen? Gibt es zum traditionellen Vertrieb Alternativen um speziell meine Leserschaft zu erreichen?
Das Ergebnis ist ohne Zweifel ein sehr persönliches Produkt, das aber, wie die Rotbartsaga zeigt, auch dann wirtschaftlich erfolgreich sein kann, wenn die Gewinnmaximierung und Bedienen eines Massenmarktes nicht an erster Stelle steht. Ein betriebswirtschaftlicher Hintergrund des Autors ist dabei allerdings nicht zwingend ein Nachteil.



Weitere Infos gibt es auf  Rotbartsaga.com. Die Rezension zum ersten Teil der Buchreihe gibt es hier genau morgen in einer Woche, also seid gespannt!

Edit: Etwas verspätet, ist das Review nun endlich da: Das Vermächtnis des Kapitäns Carl Carlszoon. Viel Spaß beim Lesen!