Samstag, 19. April 2014

Das Weltraum-Monster von H. G. Francis

Das Weltraum-Monster von H. G. Francis
Das Raumschiff Drakon macht sich gerade auf den Weg zurück zur Erde. Die Crew möchte ihren Auftraggebern (wer auch immer das ist) davon berichten, dass Paradise sich hervorragend zur Besiedelung eignen würde. Ein Jahr lang wird die Drakon dafür unterwegs sein. Die Crew von Captain Hamilton Meredith freut sich auf einen entspannten Rückflug, man möchte in der Zwischenzeit damit beginnen, die gesammelten Proben zu untersuchen. Noch ahnt niemand, dass sich mit der Besatzung des Raumschiffes auch ein blinder Passagier an Bord geschlichen hat. Das fremde Wesen hat verdammt schlechte Laune und beginnt unverzüglich damit, die Crew zu dezimieren. Außerdem wächst das Weltraum-Monster rasend schnell und wird immer stärker, sodass ihm selbst der Kampfroboter Sulky unterlegen ist. Die Lage scheint aussichtslos zu sein...

Das Weltraum-Monster von H. G. Francis
Widmen wir uns mal wieder der Gruselserie von H. G. Francis. In Dracula und Frankenstein - Die Blutfürsten durften wir ein unterhaltsames Crossover von zwei sehr beliebten Horrorfiguren genießen. In Die tödliche Begegnung mit dem Werwolf präsentierte Francis uns zwei nervige alte Schachteln, denen man den Tod viel mehr wünscht, als dem titelgebenden Werwolf. Nun ist die 18. und letzte Folge dieser bei den Fans immer noch beliebten Hörspielserie an der Reihe.
Schon vorher ließ sich Francis bei mindestens zwei Folgen seiner Gruselserie von Film-Vorlagen inspirieren. In dem Hörspiel vor "Das Weltraum-Monster", "Die Insel der Zombies", war Lucio Fulcis "Woodoo" das große Vorbild. Für Folge 9, "Im Bann der Mosnterspinne", hat Francis sich ganz offen (bis hin zu manchen Dialogzeilen) bei "Tarantula" bedient. Francis änderte in beiden Fällen gerade genug, damit sie als halbwegs eigenständige Werke funktionieren können.
So dreist hat Francis bei "Das Weltraum-Monster" nicht abgeschrieben, dennoch ist klar erkennbar, dass hier Ridley Scotts "Alien" Pate stand. Außerdem dürfte "Das Weltraum-Monster" den mit Abstand höchsten Body-Count der gesamten Reihe haben, da wird schon einmal innerhalb von zwei Minuten die halbe Besatzung umgebracht.
Ein Höhepunkt der Reihe ist "Das Weltraum-Monster" bestimmt nicht. Dafür gibt es - selbst für ein Hörspiel von H. G. Francis - zu viele Löcher in der Handlung. Es wird zum Beispiel nie erklärt, wieso das Wesen so rasend schnell wächst, oder wie es eigentlich an Bord gekommen ist. Den Vogel schießt Francis aber mit dem Namen ab, den das Wesen sich laut Geschichte selbst gegeben hatte: "Grow". Ein Wesen von einem fremden Planeten gibt sich einen englischen Namen, der außerdem noch genau das aussagt, was das Wesen ausmacht, Wachstum nämlich. Als Kind ist mir das natürlich nicht aufgefallen, heute muss ich bei dem Namen aber jedes Mal laut lachen.

Gute Crew und Soundkulisse
Die Sprecherinnen und Sprecher agieren - wie immer bei dieser Serie - auf hohem Niveau (ich habe immer bewundert, wie das Gruselserien-Ensemble selbst die bescheuertesten Dialoge mit inbrünstiger Überzeugung spielen konnte). Die Soundkulisse ist ebenfalls überzeugend, es gibt nur zwei Dinge, die mit der Zeit störend wirken. Erstens wird immer, wenn eines der Kommunikationsgeräte eingeschaltet wird, dieselbe Abfolge von Pfeiftönen abgespielt. Das wäre nicht weiter schlimm, wenn dieses Signal nicht dermaßen enervierend wäre, dass es einem spätestens ab Minute 5 die Schuhe auszieht. Dann wären da zweitens die Geräusche, die "Grow" so von sich gibt. Anfangs hört das noch kleine Monster sich an, als ob Schlumpfine gerade einen Wutanfall haben würde. Je mehr "Grow" wächst, desto tiefer wird dann auch seine "Stimme". Am Schluss hört "Grow" sich an wie ein Geländepanzer. Mich stört vor allem der Sound des "kleinen Grow", der so dermaßen lächerlich klingt, dass man die größere Version auch nicht ernst nehmen kann.

Unterhaltsamer Trash
Das heißt aber nicht, dass "Das Weltraum-Monster" nicht unterhaltsam wäre. Es passiert ständig etwas, entweder verkleinert "Grow" gewaltsam die Crew, ein Kampfroboter hat einen Kurzauftritt und ansonsten schreien die Crewmitglieder sich eben gegenseitig an und verdächtigen sich des Mordes, wenn ihnen gerade langweilig ist. Klar, wenn man auch nur für fünf Sekunden sein Gehirn einschaltet, darf man sich nicht wundern, wenn einem gleich darauf die Ohren bluten. Nur will bei dieser Reihe ohnehin niemand eine komplexe und durchdachte Handlung, ansonsten ist er oder sie definitiv an der falschen Adresse.

Fazit zu "Das Weltraum-Monster"
Ich hätte mir für das Ende von H. G. Francis' einen Schlusspunkt gewünscht, der mehr in Richtung "Blutfürsten" oder "Schloss des Grauens" geht. "Das Weltraum-Monster" ist aber trotzdem ein unterhaltsames Hörspiel, das auch seine unfreiwillig komischen Momente hat.

Sonntag, 13. April 2014

Die letzte Instanz von Kristina Lohfeldt und Marco Ansing

Die letzte Instanz - Live-Hörspiel von Kristina Lohfeldt und Marco Ansing
Am frühen Morgen in Hamburg im Jahr 1888 treffen sich vier Menschen, die eine Reise mit einem Zeppelin gewonnen haben, auf dem Fuhlsbüttler Flugplatz.Was sie nicht wissen, ist, dass sie alle mehr als ihre Tickets eint, denn sie wurden allesamt nicht zufällig ausgewählt. Über den Wolken erwartet sie nicht nur das Grauen, sondern auch eine Konfrontation mit ihrer eigenen Vergangenheit...

Die letzte Instanz - Eine Live-Hörspielinszenierung
Bei "Die letzte Instanz" handelt es sich um ein Live-Hörspiel, das heißt, dass das - wie zum Beispiel bei den Tourneen der drei ??? - vor Publikum auf einer Bühne aufgeführt wurde, in diesem Fall am 10. August 2013 in Hamburg. Hier gibt es einen Trailer dazu:


(An dieser Stelle gibt es eine Spoilerwarnung für alle folgenden Absätze) "Die letzte Instanz" ist dem Steampunk-Genre zuzuordnen, was für dieses Kammerspiel aber eine eher zweitrangige Rolle spielt, da das lediglich in einer einzigen Szene eine wichtige Rolle spielt (ansonsten könnte "Die letzte Instanz" problemlos in den 20er und 30er Jahren "unserer" Welt spielen).
Spannend ist "Die letzte Instanz" allemal. Von Anfang an gibt es Hinweise darauf, dass die vier Passagiere nicht zufällig für diese Reise ausgewählt wurden. Die dunklen Geheimnisse der handelnden Personen kann der Zuhörer zwar relativ schnell, die Spannung wird aber ohnehin vor allem daraus gewonnen, von wem die Protagonisten ausgewählt wurden und was diese unbekannte Macht unternimmt, um sie aufeinander zu hetzen. Diese Auflösung wiederum ist Ansing und Lohfeldt hervorragend gelungen (Spoiler die das Ende betreffen gibt es hier aber keine).

CD & DVD
Neben der CD gibt es außerdem noch eine DVD von der Aufführung in Hamburg. Neben der eigentlichen Aufführung ist außerdem noch ein Konzert der Gruppe "Drachenflug" als Extra auf der DVD, deren Sängerin im Hörspiel die Rolle der Chantal LaGrande übernahm. Für einen Preis von nur 10 Euro bekommt man als Käuferin oder Käufer also schon einiges mehr, als "nur" eine gewöhnliche Hörspiel-CD.
Die Sprecherinnen und Sprecher liefern alle gute bis sehr gute Leistungen ab. Auffällig ist, dass die Rolle des Friedrich Adalbert vom Lehn bei der Aufführung von Carsten Krabbe, auf der CD aber von Detlef Tams gespielt wird. Das ist insofern interessant, weil beide auf völlig unterschiedliche Art und Weise an diese Rolle herangehen. Während Krabbe im Vergleich fast schon dezent agiert, übersteigert Tams den Oberstleutnant zur absoluten Karikatur. Damit passt er - obwohl es an Krabbes Performance absolut nichts auszusetzen gibt - in meinen Augen um eine Idee besser zum Rest des Ensembles, da hier alle Figuren überzeichnet sind und Kristina Lohfeldt, Wiba Stein, Martin Sabel und Marco Ansing dementsprechend agieren. Vor allem bei Kristina Lohfeldts "Elsa Stahl" musste ich mehr als einmal an Anita Sarkeesians Video The Straw Feminist denken, wenn sich immer mehr herauskristallisiert, dass Frau Stahl für den Feminismus über Leichen geht, wenn sie es als "notwendig" erachtet. Martin Sabel spielt mit Hermann Kühn einen Journalisten, der es mit der Wahrheit nicht immer so genau nimmt und der seine Schlagzeilen zur Not erfindet, wenn es sonst nichts zu berichten gibt Wiba Steins Chantal LaGrande ist das ganze Gegenteil der Feministin Elsa Stahl. Eine Sache hat sie mit ihr aber gemeinsam: Auch sie geht über Leichen, wenn ihr jemand im Weg steht. Aufgrund der Tatsache, dass die Protagonisten - ohne es zu ahnen - miteinander verbunden sind, ergibt sich eine Gruppendynamik, die das Quartett direkt in den Abgrund reißt.

Fazit zu "Die letzte Instanz"
Dieses Hörspiel ist sein Geld auf jeden Fall wert. Erstens bekommt man hier zum Preis von nur einer CD auch noch eine DVD der Aufführung mit dazu und zweitens ist dieses Hörspiel eine sehr spannende und kurzweilige Angelegenheit.

Dienstag, 8. April 2014

Cabin Fever 2 von Ti West

Cabin Fever 2 (USA 2009) von Ti West
Einen Tag nach den Geschehnissen in Teil 1 wird der letzte Überlende aus dem ersten Film, Paul, von einem Schulbus überfahren und getötet und seine Gedärme quer über die Straße verteilt. Deputy Winston (ebenfalls bekannt aus dem ersten Film) redet dem Busfahrer ein, dass er wohl einen Elch überfahren hat (schaut der Mann beim Fahren nicht nach vorne?). Der Bus fährt weiter in Richtung Schule (mit einer von Blut und Gedärmen verschmierten Windschutzscheibe - die Ankunft dürfte recht aufsehenerregend gewesen sein). Als er Pauls Bein in einem Baum hängend findet (ist der beim Kontakt mit dem Bus explodiert?), wird Winston schnell klar, dass hier etwas anderes passiert ist. Fatal für die Schülerinnen und Schüler in dem Bus (und dem Rest der Schule) ist aber noch etwas völlig anderes: Paul befand sich, bevor er quer durch den Wald und auf die Straße rannte, in einem Teich, aus dem eine örtliche Firma Wasser schöpft und dieses in Flaschen unter anderem an die Schule verkauft. Als die Dame in der Schulkantine das infizierte Wasser für die Bowle verwendet, sorgt sie unwissentlich dafür, dass der Abschlussball für die Schüler und Lehrer tatsächlich unvergesslich wird...


Eigentlich habe ich mir geschworen, nach dem stinklangweiligen The House of the Devil (der außer als Schlafmittel in jeder Hinsicht völlig unbrauchbar ist) nie wieder einen Film von Ti West in meinen DVD Player zu legen. Entsprechend begeistert war ich, als ich nach meinem Besuch bei Müller die dort gekauften DVDs etwas genauer in Augenschein nahm und feststellen musste, dass ich mir versehentlich noch einen Film von Herrn West gekauft habe. Was solls, dachte ich, ein schöner Verriss für meinen Blog ist doch schließlich auch nicht schlecht.
Dumm nur, dass ich den jetzt nicht in der geplanten Form schreiben kann, denn "Cabin Fever 2" ist Ti Wests bester Film. Versteht mich nicht falsch, er ist weit davon entfernt, wirklich gut zu sein. Er ist auf seine Art aber trotzdem recht unterhaltsam, wenn man die eigenen Ansprüche entsprechend runterschraubt.
Das Drehbuch ist nicht besonders originell und wurde schon gefühlte tausendmal in allen möglichen Varianten verfilmt: Ein paar Teenager wollen eine Party (oder in dem Fall ihren Abschlussball) feiern und werden von einer tödlichen Gefahr nach und nach blutig dezimiert. Und trotzdem fängt der Film ab einem gewissen Punkt an, einfach Spaß zu machen.

Derbe Splatterszenen
Das liegt durchaus daran, dass die nicht gerade rar gesäten Splatterszenen ziemlich ruppig und unangenehm rüberkommen, es sind einige Sequenzen dabei, die selbst hartgesottenen Gorehounds ein paar Schauer über den Rücken zu jagen dürften. Dabei sind es gar nicht so sehr die ganzen abgetrennten, abfallenden und aufplatzenden Körperteile, die Unbehagen bereiten. Es ist vielmehr der Kontext, in dem die Effekte eingesetzt werden. Cabin Fever und diese Fortsetzung sind zwar weit davon entfernt, in der ersten Liga der Splatterfilme mitzuspielen, eines haben aber beide Filme geschafft: Die Schmerzen der Protagonisten konnten sie sehr gut fühlbar machen.
Die Schauspieler werden in diesem Film nicht gerade vor große Herausforderungen gestellt, ihre Leistungen sind dennoch verhältnismäßig solide.Mit Rider Strong und Giuseppe Andrews finden sich zwei Schauspieler aus dem ersten Teil wieder ein (auch wenn Strongs Auftritt keine 30 Sekunden dauert), letzterer hatte mit seiner Rolle merkbaren Spaß. Der Rest fällt zumindest nicht negativ auf, was in diesem Genre leider nicht selbstverständlich ist.

Ti West vs. Die Produzenten
Das Lob an Ti West, das ich gerade ausgesprochen habe, mit "Cabin Fever 2" einen wenigstens halbwegs brauchbaren Splatterfilm gedreht zu haben, muss ich an dieser Stelle ein wenig relativieren. Das Endprodukt dürfte sehr wenig mit seinen Vorstellungen zu tun haben, da sich die Produzenten dazu entschlossen, etliche Szenen nachzudrehen und neu zu schneiden. Das ging sogar so weit, dass West darauf drängte, seinen Namen nicht im Zusammenhang mit diesem Film zu verwenden und stattdessen das berüchtigte Pseudonym Alan Smithee zu verwenden. Dieses Ansinnen scheiterte, weil West zumindest zu diesem Zeitpunkt kein Mitglied der Directors Guild of America war und dieses Pseudonym nur von deren Mitgliedern verwendet werden darf. Seither betonte West bei mehreren Gelegenheiten, dass der Film nicht mehr mit seiner Vision gemeinsam habe und vielmehr ein Produkt der Produzenten sei. Aufgrund dieser Probleme kam der Film, obwohl er bereits 2007 fertig gestellt wurde, erst 2009 in Berlin zu seiner Premiere.

Fazit zu "Cabin Fever 2"
"Cabin Fever 2" ist bescheuert, unoriginell und unlogisch. Eines ist er aber bestimmt nicht: Langweilig. Und das ist mehr, als man über die meisten Filme sagen kann, die auch nur irgendwie mit Ti West in Verbindung stehen (so gesehen ist es wohl Ironie des Schicksals, dass er gerade diesen so verzweifelt aus seiner Vita streichen möchte).

Montag, 31. März 2014

Helden - Wenn dein Land dich braucht von Hansjörg Thurn

Helden - Wenn dein Land dich braucht von Hansjörg Thurn
Ein Nachrichtensatellit stürzt in den Berliner Reichstag. Die Regierung geht noch von einem Terroranschlag aus, als plötzlich überall die Flugzeuge vom Himmel fallen. Von einer Sekunde auf die andere bricht die gesamte Kommunikation zusammen. Der Wissenschaftlerin Sophie Ritter (Christiane Paul) ist sofort klar, dass im Forschungszentrum von Genf etwas schief gelaufen sein muss. Tatsächlich haben die Wissenschaftler dort mithilfe der so genannten "Gottesmaschine" den Urknall simuliert. Dabei haben sie versehentlich ein schwarzes Loch erschaffen, das nun die Erdgravitation verändert. Der Bundeskanzler (Heiner Lauterbach) bittet sie, sich auf den Weg nach Genf zu machen und das Experiment zu stoppen. Zusammen mit ihrem Ex-Freund Marc Weber (Hannes Jaenicke), der seine sich dort befindende Freundin und seine Tochter retten will, macht sie sich auf in die Schweiz. Dabei suchen sie verzweifelt nach dem jungen Hacker Tobias, auf dessen Laptop die Abschaltcodes für den Teilchenbeschleuniger gelandet sind...

Ein Teil davon wurde auch in Österreich gedreht:




Hier findet ihr den Trailer.

So viel, wie vor und nach der Premiere über diesen Film geschrieben wurde, war mir klar, dass ich ihn mir irgendwann ansehen werde. Schließlich, so dachte ich mir, bestehen hier gute Chancen, dass "Helden - Wenn dein Land dich braucht" ein Trashfilm allererster Güte sein könnte.
Die Handlung des Filmes gewinnt auf jeden Fall keinen Originalitätspreis. Die Handlungsmuster, durch die die Schicksale unserer Helden miteinander verbunden sind, sind aus allen anderen Katastrophenfilmen bekannt. Da gibt es den verzweifelten Vater, der seine rebellische Tochter retten will. Die alten Menschen, die auf das Abstellgleis geschoben wurden und nun noch einmal beweisen können, was in ihnen steckt. Übertrieben hat man das bei der Figur des Marc Weber, der von Hannes Jaenicke gespielt wird. Der ist nämlich gleich dreifach persönlich involviert: Erstens besichtigt seine Tochter gerade den Teilchenbeschleuniger, zweitens ist seine derzeitige Freundin (Yvonne Catterfeld) ebenfalls dort und drittens ist die von Christiane Paul gespielte Wissenschaftlerin, mit der er nun in Richtung Schweiz aufbricht, seine Ex-Freundin. Noch mehr Overkill ging wohl nicht mehr.

Reaktionäre Ideologie
Im Lauf der Zeit schleicht sich beim Ansehen immer mehr das Gefühl ein, dass die Macher nicht gerade Fans des wissenschaftlichen Fortschrittes sind. Mehrfach wird gesagt, dass das alles nur deshalb passiert ist, weil wir "wie Gott sein" oder "Gott spielen wollten". Das Alte triumphiert über das unbekannte Neue. Ein Paradebeispiel hierfür sind die Senioren, die mit ihrem Funkgerät aus dem Jahre Schnee abhören können, dass eine Atombombe auf den Teilchenbeschleuniger geworfen werden soll (von abhörsicheren Funkgeräten haben Hansjörg Thurn und Co wohl noch nie gehört). Im Verlauf des Filmes gibt es mehrere Storylines, die darauf hinauslaufen, dass das Alte über das Neue siegt. Da wäre zum Beispiel der pubertäre Sohn, der lernen muss, dass die Arbeit in dem altmodischen Laden seines Vaters nicht so schlecht ist, wie er geglaubt hat. Dann gibt es noch die beiden Brüder, die zusammen einen Bauernhof betreiben. In einem wahren Lehrbeispiel für das, was Schiller in seiner Rede über die Bühne als moralische Anstalt angesprochen hat, stirbt der verantwortungslose (weil auf die Tradition vergessende) Bruder, während der andere seinen Teil zur Rettung der Welt beitragen darf.

Unfreiwillig komischer Pathos
Bei einem Titel wie "Helden - Wenn dein Land dich braucht" darauf zu hoffen, dass die Patriotismusfahne nicht zu sehr geschwenkt wird, wäre wohl ein wenig naiv. Dennoch wirkt die Art und Weise, wie dieser Patriotismus und das Zusammengehörigkeitsgefühl der "Volksgemeinschaft" präsentiert wird, oft wie eine Parodie auf die "Du bist Deutschland!"-Spots, mit denen wir eine Zeit lang im Fernsehen belästigt wurden. Meine Lieblingsszene ist die, in der Willi (Armin Rohde), seines Zeichens der Welt größter Schalke-Fan, mit den leicht pathetischen Worten "DAS ist jetzt unser Verein!" die deutsche Nationalflagge an sein Auto heftet und ins Krankenhaus fährt, weil er dort seiner Frau helfen will, indem er im Wirtshaus ein Feldlazarett einrichtet. Zu solche Szenen kommen dann auch noch die Reden von Bundeskanzler Heiner Lauterbach dazu, die ohne Ausnahme allesamt so klingen, als hätte man sie aus einem "Patriotische Reden für Dummies"-Buch kopiert. Hätte man diese Szenen ersatzlos gestrichen, wären sie kein großer Verlust gewesen (gut, für Trashfans vielleicht, denn zum Lachen sind die ganzen "Deutschland ist toll"-Bekundungen schon). Die sparsam eingetzten Zerstörungseffekte wären dann auch besser zur Geltung gekommen.
Generell wirkt dieser Film so, als ob RTL versucht hätte, einen Roland Emmerich-Film auf TV-Niveau zu drehen, denn wenn man davon absieht, dass der Film in Deutschland und nicht in den USA spielt, sind die Unterschiede fast gar nicht mehr vorhanden. Hier wie dort scheint der Weltuntergang ein eher nationales Problem zu sein, nur dass diesmal nicht die USA, sondern Deutschland die Welt retten darf (ein besonderes Schmankerl ist die Szene, in der die Schweiz nach maximal fünf Minuten Gerede dem Vorschlag zustimmt, eine Atombombe auf den Teilchenbeschleuniger zu schmeißen. Die mögen sich wohl selbst nicht besonders, diese Schweizer. ;-)).

Fazit zu "Helden - Wenn dein Land dich braucht"
"Helden" ist nicht viel blöder als andere Eventfilme von RTL. Ein paar Szenen sind aufgrund ihrer phänomenalen Blödheit ganz witzig, wenn man den FIlm sausen lässt, hat man aber auch nicht viel verpasst.

Sonntag, 30. März 2014

Killer Klowns from Outer Space von Stephen Chiodo

Killer Klowns from Outer Space (USA 1988)
Als eine Kleinstadt von Außerirdischen angegriffen wird, glaubt den jungen Leuten, die die Landung der Aliens mitbekommen haben, zunächst kein Mensch. Einer der Gründe dafür ist, dass die Aliens wie Zirkusclowns aussehen, Waffen verwenden, die stark an die Scherzartikel von Clowns erinnern und generell auf den ersten Blick nicht sehr bedrohlich wirken. Die Jugendlichen beschließen daher, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Mit einem Eiscreme-Wagen fahren sie zum Zirkuszelt der Außerirdischen, um ihre Freunde zu befreien. Dort machen die Freunde eine furchtbare Entdeckung: Die Aliens wickeln ihre Gefangenen am liebsten in Zuckerwatte ein, um sie danach zu verspeisen...

Killer Klowns from Outer Space von Stephen Chiodo
Da ich den Film schon in meinem vorigen Review erwähnt habe, dachte ich mir, dass ich mir Chiodos "Killer Klowns" gleich als nächstes vornehmen kann. Dann wollen wir doch einmal sehen, ob der Film seinem Ruf als spaßiger Kultfilm gerecht werden kann!


Um es gleich am Anfang vorweg zu nehmen: Ja, das kann er. "Killer Klowns from Outer Space" ist einer jener Filme, die mit den richtigen Leuten bei ein paar Bier einen Riesenspaß machen können. Das liegt daran, dass der Film zu keinem Zeitpunkt in billigem Klamauk abdriftet und größtenteils völlig ernst durchgezogen wurde. Natürlich gibt es einige witzige Einlagen und originelle Morde aufgrund der außergewöhnlichen Ausgangslage mit den "Killer Klowns" aus dem All. Diese Gags laufen aber zu keinem Zeitpunkt aus dem Ruder und werden sehr pointiert eingesetzt.

Tolles Makeup & super Effekte
Die Masken der außerirdischen Invasoren, um die sich die Chiodos selbst gekümmert haben, sind sehr aufwändig und detailliert gemacht, jeder Clown hat dadurch seine eigene Persönlichkeit. "Killer Klowns from Outer Space" setzt bei den Effekten um, was ich an Alien Trespass bemängelt habe: Regisseur Chiodo reizt das Potenzial, das sich aus der Prämisse ergibt, voll aus. Da werden schon einmal Leute von den Schattenspielen der Aliens gefressen, in das Mini-Clownauto passen gefühlte 500 Außerirdische und wenn am Ende "Klownzilla" die Stadt angreift, bleibt kein Auge mehr trocken. Apropos Effekte: Die Freigabe ab 18 Jahren finde ich ein wenig übertrieben. Schließlich ist keine der Tötungsszenen wirklich explizit, außerdem werden diese durch das Sujet schon von vornherein stark abgemildert.
Was die Schauspieler angeht, werden zwar keine preisverdächtigen Leistungen geboten, gröbere Ausfälle gibt es aber auch keine zu sehen. Suzanne Snyder hat weiter nichts zu tun, als schön auszusehen (das kann sie dafür ganz gut, hehe) und Grant Cramer wirkt in der Hauptrolle recht sympathisch. Einzig John Vernon geht mir als genervter Cop mit der Zeit auf den Sender, das hielt sich aber auch in Grenzen.
Mehr gibt es zu "Killer Klowns from Outer Space" nicht zu sagen. Wenn die angekündigte Fortsetzung genauso spaßig ist, bin ich auf jeden Fall dabei!

Donnerstag, 27. März 2014

Dienstag, 25. März 2014

Zum Thema Feminismus

Nachdem ich mich nun schon mehrfach zum Thema Feminismus ausgelassen habe (siehe hier und hier) und dabei eigentlich immer nur rumgemeckert habe, wenn mir etwas nicht gepasst hat, dachte ich mir, dass es langsam einmal an der Zeit wäre, zu erklären, warum ich manchen Strömungen des Feminismus eher skeptisch gegenüber stehe.
Wenn das Wort "Feminismus" fällt, haben viele Männer eine Gruppe von männerhassenden, geifernden Frauen im Kopf, die es symbolisch darauf abgesehen haben, ihnen die Eier abzuschneiden. Dass dieses Bild maximal auf eine extrem kleine Randgruppe von Frauen zutrifft, ist klar. Entstanden ist dieses Klischee am Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA und Großbritannien mit den so genannten Suffragetten. In den 60ern meldeten sich schließlich mit Frauen wie Alice Schwarzer Feministinnen zu Wort, die eindeutig in der Tradition dieser frühen Frauenbewegung stehen und deren Aussagen die konsequente Weiterentwicklung der Aussagen der Suffragetten sind. Die zentrale Frage lautete (und lautet zum Teil noch heute): Wie können in allen Bereichen des Lebens gleiche Chancen für beide Geschlechter erstritten werden?
Der dadurch aufkommende Konflikt zwischen FeministInnen auf der einen und den Konservativen auf der anderen Seite, wurde zum Teil sehr aggressiv geführt. Viele Männer kamen mit dem Selbstbewusstsein dieser Frauen und dem ihnen drohenden Machtverlust nicht zurecht und wehrten sich mit allen Mitteln dagegen. Darauf reagierten - verständlicherweise - einige Feministinnen nicht nur unduldsam, sondern ähnlich aggressiv wie die Männer. Diese nutzten dann die sich ihnen dadurch bietende Gelegenheit, um mit den Fingern auf die Feministinnen zu zeigen und sie so als Männerhasserinnen zu brandmarken, was ihnen leider auch teilweise gelungen ist. Das Klischee von der männerhassenden Feministin war geboren.
Natürlich ist das ein Vorurteil, das leider besonders schwer auszurotten ist. Wenn eine Frau - mitunter lautstark - die gleichen Rechte und Chancen einfordert, die jeder Mann für sich für selbstverständlich hält, dann will sie ihm diese nicht automatisch wegnehmen. Trotzdem benehmen viele sich heute noch so, als ob die Frauen eine heilige Festung stürmen wollen, wenn sie gleiche Rechte für alle fordern.

Gleichmacherei als Totschlagargument gegen den Feminismus
Das nächste Totschlagargument gegen den Feminismus ist das der Gleichmacherei. Gerne wird den FeministInnen vorgeworfen, sie wollen die Geschlechter am liebsten ganz abschaffen und alle Unterschiede mit der Straßenwalze einplanieren. Das ist genauso falsch wie das Bild von der männerhassenden Kampfemanze. Sicher gibt es hier auch wieder vereinzelt Menschen, denen dieser Gedanke von der absoluten Unterschiedslosigkeit beider Geschlechter gefällt. Dass diese Herangehensweise kontraproduktiv ist, liegt in meinen Augen aber auf der Hand, da man die bestehenden Unterschiede nicht nur zwischen den Geschlechtern, sondern generell von Mensch zu Mensch, nicht als Behinderung, sondern als Chance begreifen muss. Dann kann man daraus viele Vorteile ziehen.
Kommen wir noch einmal kurz dazu, wieso ich die beiden ganz oben verlinkten Artikel ursprünglich geschrieben habe. An der "I need feminism!"-Aktion stört mich, dass sie teilweise berechtigte Fragen mit gleichberechtigt daneben gestelltent, absoluten Blödsinn desavouiert. Ganz ehrlich, wie soll ich eine Aktion ernst nehmen, bei der die Behauptung, man brauche Feminismus, weil eine vegane Lebensweise Politik sei, ernst genommen wird, seriös behandeln? Da kann ich gleich sagen, ich brauche Feminismus, weil Fischstäbchen nicht lila sind und die anderen Aussagen werden von vielen dann eventuell gar nicht mehr gelesen. Und das ist schade, denn die dort ebenfalls gestellte Frage, warum bei Frauen automatisch davon ausgegangen wird, dass sie den Namen des Ehemannes annehmen, ist durchaus diskussionswürdig. Leider hat nun jeder, der einer solchen Diskussion ausweichen möchte, eine ganz leichte Möglichkeit, die ganze Aktion als lächerlich darzustellen. Ein in meinen Augen klassisches Eigentor. Man hat meinen Artikel aufgrund des zugegebenermaßen provokanten Tonfalles von "wenig hilfreich" bis hin zu "saufrech-dumm" bezeichnet. Ich kann zwar sehen, wieso jemand so über meine Aussagen denkt, dennoch stehe ich auch zu der Art, wie ich sie getätigt habe. Das tue ich, weil die bei "I need feminism" getätigten Aussagen den Feminismus, ohne Absicht der Menschen, die sie getätigt haben, der Lächerlichkeit preisgeben.
Bei Anita Sarkeesian liegt der Fall anders. Sarkeesian gibt vor, eine komplette Geschichte der Rolle der Frau in Videospielen zu behandeln, um dann viele Dinge gezielt so lange zu verdrehen, bis sie in ihre Argumentation passen. Das finde ich enttäuschender als das Geschreibsel von jemandem, der keine Ahnung von der Materie hat. So werden diejenige, die auf den ersten Blick berechtigte Kritik üben, gerne versehentlich zum Teil des Problems, anstatt etwas zu dessen Lösung beizutragen. Man muss Sarkeesian aber positiv anrechnen, dass sie der Kritik, mit der sie konfrontiert wurde, offenbar aufgeschlossen gegenüber stand, ihr letztes Video war wesentlich ausgewogener.

Was ich mir wünsche
So, und jetzt kommt mein Brief ans Christkind. Ich wünsche mir für unsere Gesellschaft folgendes: Dass manche Männer den Feminismus nicht mehr als die Invasion der Amazonen begreifen, sondern ihn endlich als das sehen, was er ist: Eine Selbstverständlichkeit. Frauen müssen für die gleiche Leistung gleich entlohnt werden wie die Männer. Der Karriereknick nach der Karenz muss abgefedert werden. Frauen in Führungspositionen dürfen keine Ausnahme mehr sein. Allerweltsforderungen, gegen die niemand etwas hat und der alle zustimmen? Sicher. Aber warum sind sie dann nicht längst umgesetzt worden?