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| 33 Argumente für Gott |
Das Buch "33 Argumente für Gott" kann man sich bei
Soulsaver herunterladen, einer Seite, die ich, vor dem Artikel zum selben Thema beim
Wortvogel, noch nicht gekannt habe. Ich werde hier bestimmt nicht alle 33 Argumente kommentieren, dafür ist mir meine Zeit zu schade. Deshalb kommentiere ich hier nur die Highlights dieses Buches, denn so ganz uwidersprochen sollte man diese Leute, auch wenn man wie ich durchaus an die Existenz Gottes glaubt und durch das eigene Studium auch ein wenig Ahnung vom Thema hat, nicht ihren teils ziemlich großen Blödsinn unter die Menschen bringen lassen. Fangen wir gleich mal mit dem ersten Argument für Gott an:
Argument 1: Diese Welt ergibt ohne Gott keinen Sinn
Gibt es für das Leben auf der Erde eine Ursache? Oder war es ein dämlicher Zufall, dass du und ich hier existieren? Schon seit Beginn der Zeit stellen sich Menschen diese Frage, vom Wissenschaftler bis hin zu Kindern.
Diese Frage wird tatsächlich immer wieder gerne diskutiert. Natürlich postlieren die Leute von Soulsaver mit inbrünstiger Überzeugung, dass diese Welt ohne Gott gar keinen Sinn ergeben kann und er deshalb existieren muss. Nur: Das stimmt so einfach nicht. Zwar hat alles in der Natur einen Grund, allerdings kann man diesen auch finden, ohne, dass man dafür gleich Gott bemühen muss. Um mal ein Beispiel meiner früheren Religionslehrerin zu nennen (sinngemäß zitiert): "Wenn ich nach einer Begründung dafür suche, weshalb Frauen bei der Geburt Schmerzen haben, dann finde ich diese nicht im Buch Genesis und der dort ausgesprochenen Bestrafung der Frau, weil sie Adam den Apfel gegeben hat. Ich finde sie in der Tatsache, dass wir einen aufrechten Gang haben." Wieso muss ich dann bei solchen Dingen krampfhaft Gott ins Spiel bringen und irgend etwas von einem tieferen göttlichen Sinn erzählen, der bei so etwas schlicht nicht da ist?
Die Evangelien sind historisch zuverlässig
Viele Menschen reden sich ein, dass die bibel ursprünglich anders aufgeschrieben wurde, als wir sie heute vor uns haben. Ein populärer Mythos ist, dass die Bibel im Laufe der Jahrhunderte verändert wurde, der aber durch die tatsächlichen Hinweise entkräftet wird.
BWAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHA.....der war richtig gut!! Die Bibel wurde also nie verändert? Die redaktionellen Überarbeitungen sind ein "populärer Mythos"? Sind meine Professoren an der Uni also - salopp formuliert - Märchenonkel? Nehmen wir uns als Beispiel doch einmal die Auferstehungsgeschichte im Markusevangelium vor, an der man noch heute die verschiedenen Überarbeitungen wunderschön nachvollziehen kann. In den ältesten Handschriften (
Codex Sinaiticus und
Codex Vaticanus) endet diese mit Kapitel 16, Vers 8: "Da verließen sie (die Frauen, die das Grab Jesu leer vorfanden, Anm.) das Grab und flohen; denn Schrecken und Entsetzen hatte sie gepackt. Und sie sagten niemand etwas davon; denn sie fürchteten sich." Wer das Markusevangelium kennt, wird sicher bemerkt haben, dass danach in der heutigen Version noch ein ganzes Kapitel mit den Erscheinungen Jesu kommt. Dieser "sekundäre Schluss" wurde aber erst später hinzugefügt. Dafür gibt es zwei Theorien: Die erste besagt, dass der ursprüngliche Schluss im Lauf der Zeit verloren ging und sich ein unbekannter Autor daran machte, diesen neu zu schreiben und damit zu ersetzen. Die zweite (und in meinen Augen interessantere) besagt, dass der Evangelist Markus diesen offenen Schluss als bewusstes Stilmittel gewählt hat, spätere Generationen damit aber nicht zufrieden waren und sie ihn nach ihren Vorstellungen umschrieben. Erwähnenswert ist außerdem, dass es sogar Schriften aus dem 12. Jahrhundert gibt (siehe Minuskel 304 als Beispiel), die den älteren Schluss als tatsächliches Ende haben.
Noch ein weiteres Beispiel aus dem Johannesevangelium. Schaut euch mal die Überschrift des kurzen letzten Kapitels an: "Schlussbemerkung der Herausgeber."
Der Herausgeber. Mehrzahl. Wissenschaftler gehen derzeit von mindestens einem weiteren Verfasser aus, der nachträglich zumindest das 21. Kapitel hinzugefügt hat. Noch Fragen?
Glaube und Wissenschaft schließen einander nicht aus.
Stimmt in meinen Augen. Das ist aber nicht notwendigerweise ein Argument für Gott. Schließlich kann ich genauso gut sagen, dass sich Gott und Wissenschaft zwar nicht ausschließen, ich aber dennoch nicht an Gott glauben würde. Was wurde also durch diese banale Feststellung gewonnen? Gar nichts. Außerdem: Wenn ihr schon richtigerweise sagt, dass Glaube und Wissenschaft sich nicht ausschließen, wieso negiert ihr dann - siehe oben - die Erkenntnisse der Bibelwissenschaft?
Der Glaube heilt Bitterkeit
Hier wird die Geschichte von Corrie ten Boom erzählt, die gemeinsam mit ihrer Schwester von den Nazis ins KZ Ravensbrück gebracht wurde, weil sie Juden bei sich zu Hause versteckt hatten. Ihre Schwester wurde im KZ ermordet, sie selbst überlebte. Bei einem Vortrag nach dem Krieg erkannte sie unter den Zuschauern einen der ehemaligen KZ-Wächter, der danach auch auf sie zukam und sie fragte, ob sie ihm vergeben könne, da er Christ geworden sei. Sie vergab ihm tatsächlich. Leider weiß ich nicht, wie sich diese Geschichte tatsächlich abgespielt, muss aber sagen, dass diese Handlung von Corrie ten Boom ihr selbst wohl einiges abverlangt hat. Es klingt hier nur ein wenig so, als ob sie ihm vergeben hätte, weil er nun die richtige Konfession hat (das sage ich aber nur unter starkem Vorbehalt, weil ich wie gesagt die Geschichte nicht kenne). Außerdem ist es nicht wirklich ein Argument für die Existenz Gottes, wenn ich jemandem - egal aus welchem Grund - vergebe. Es ist vielmehr ein Beweis für die Großmut und die Güte mancher Menschen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Die Prophetien über Israel haben sich exakt erfüllt
Ganz abgesehendavo, dass man hier genauso gut davon sprechen könnte, dass die Entstehung des Staates Israel von den biblischen Texten inspiriert wurde, stößt mir eine Formulierung auf Seite 23 besonders sauer auf: "...auch wenn viele Juden Jesus als Erlöser nicht erkannt haben." Hier mal eine kleine Erinnerung an die Macher: Wir
glauben lediglich, dass Jesus der Erlöser ist. Das tun wir teilweise mit an Sicherheit grenzende Überzeugung. Nur: Jüdische Menschen glauben mit aus ihrer Sicht guten Gründen ebenso, dass dem nicht so ist. Wie kommt ihr nun auf die Idee, zu sagen, dass diese die Wahrheit "noch nicht erkannt" hätten? Ihr gebt doch selber zu, dass Gott für den Menschen unergründlich ist, wieso nehmt ihr euch dann das Recht heraus, einen anderen Zugang zu Gott auf diese Art und Weise herabzuwürdigen?
Historiker halten die Auferstehung für möglich
Ihr zitiert hier Pinchas Lapide, der unter anderem gesagt, dass für die rasante Wandlung der Jünger Jesu vom verzweifelten Haufen zur heilsbewussten Missionsgesellschaft viel zu schnell ging, um sie mit einer halluzination zu erklären. Das ist richtig. Nur davon gleich auf die tatsächliche Wiederauferstehung zu schließen, ist schon ein wenig an den Haaren herbeigezogen. Ihr vergesst dabei auch auf die menschliche Entschlossenheit. Was wäre, wenn sich die Jünger Jesu nach einigen Tagen größter Verzweiflung wieder gefangen hätten und sie dachten, dass sie die Botschaft dieses Mannes mit seinem Tod nicht als gestorben ansahen, sondern sie wild entschlossen waren, sie durch ihre eigene Mission wieder "auferstehen" zu lassen? Wäre das nicht auch denkbar?
Die Bibel überdauerte jeden Angriff in der Geschichte
So wie die Tora und der Koran auch, um zwei ähnliche Beispiele zu nennen. Das liegt ganz einfach daran, dass eine große Masse von Menschen die Glaubensaussagen in diesem Buch ernst nimmt und eben nicht nur daran, dass das Buch "Bibel" heißt. Außerdem: Wenn ihr sagt, dass kein anderes Buch der Bibel ähnlich sei, dann bedenkt doch bitte, dass Muslime und Juden dasselbe von ihren Heiligen Schriften denken und würdigt diese doch durch solche Aussagen nicht indirekt herab.
Thomas Graumann kann vergeben
Wieder eine Vergebungseschichte, die der von Corrie ten Boom nicht unähnlich ist. Thomas Graumann kam mit dem letzten Kinderzug von
Nicholas Winton nach London und war eines von über 600 Kindern, die so vor dem Holocaust gerettet wurden. Nach dem Krieg fand er heraus, dass er der einzige Überlebende seiner Familie war. Durch seinen Glauben habe er, der in Schottland inzwischen zum Christentum konvertiert war, die Verbitterung, die bei den anderen Überlebenden vorherrschte, zu überwinden. Ohne Graumann zunahetreten zu wollen: Ich denke, dass sich der Mann durchaus bewusst ist, dass es für andere Menschen vielleicht auch andere Wege geben könnte. Das könnten sich die Autoren auch einmal vor Augen führen.
Selbst die Feinde von Jesus bezeugen übernatürliche Kräfte
Von einer Bezichtigung der Hexerei direkt zur Überzeugung, dass Jesu Feinde seine Wundertaten bezeugt haben in nur einem Satz - ein ziemlich abenteuerlicher Bogen, den ihr hier spannt, der einer genaueren Betrachtung auch nicht standhält, wenn man bedenkt, dass auch damals schon Leute der Hexerei bezichtigt wurden, nur weil sich andere davon einen Vorteil versprochen haben. Das bedeutet dann auch nicht automatisch, dass die Leute wirklich die Kühe vom Nachbarn verhext haben.
Die Handschriftenfunde der Bibel belegen ihre Glaubwürdigkeit
"Die Evangelien sind historisch zuverlässig" reloaded. Das Argument, dass es von Cäsars "Gallische Kriege" auch nur noch Abschriften gibt, ist übrigens keines. Denn erstens ist Julius Cäsar auch außerhalb dieser Schrift in ein paar undert zuverlässigen historischen Quellen als reale existierende Person belegt und zweitens gilt das auch für den Gallischen Krieg.
Die Natur spricht für einen Schöpfer
Ich dachte, dass hier nun der Kreationismus ins Spiel kommt. Stattdessen wird hier nur von "Gottes Lied" gefaselt und die Bibel zitiert. Wie wärs mit einem echten Argument beim nächsten Mal?
Exakte Voraussagen über die Kreuzigung treffen ein
Wie bereits mehrfach gesagt: Die Bibeltexte wurden mehrfach überarbeitet. Von daher kann natürlich auch davon ausgegangen werden, dass dies so geschehen ist, dass die neueren zu den älteren Texten passen. Da ist das Eintreffen von Voraussagen wahrlich keine große Kunst mehr.
Jesus rettete mich von der Ausweglosigkeit
Wie für alle anderen persönlichen Schicksale gilt auch hier: Es ist schön, dass diese Menschen durch ihren Glauben ihr Leben in den Griff bekommen haben. Ich will das wirklich nicht kleinreden. Dennoch kann man daraus keine Allgemeingültigkeit für die Menschheit ableiten. Das gilt auch für Samuel Koch.
Gott ist nicht verantwortlich für das Böse in der Welt
Ah, die Teodizee-Frage. Wie kann ein allmächtiger Gott nur all diesen Schmerz zulassen? Gute Frage und sehr schwer zu beantworten. Man könnte natürlich den freien Willen des Menschen ins Feld führen, der eben auch zulässt, dass er oder sie Böses tun kann. In "33 Argumente für Gott" wird das Pferd natürlich komplett falsch aufgezäumt. Hier wird postuliert, dass es eben Menschen gibt, die sich nicht um Gott kümmern und es deshalb das Böse in der Welt geben würde. Dass auch Atheisten gute Menschen sein können und im Gegenzug die Kreuzzüge im Namen des Herren unsagbares Leid über viele tausend Menschen gebracht haben, lässt man "gekonnt" unter den Tisch fallen.
Die Bibel ist in sich stimmig - trotz ihrer großen Autorenzahl
Die Bibel mag großteils ein für ihre große Autorenanzahl erstaunlich stimmiges Buch sein - widersprüchlich ist sie trotzdem. Man denke nur an die völlig verschiedenen Vorstellungen von Gott, die im AT und NT gezeigt werden und die ohne Erklärung nebeneinander stehen. Oder auch daran, dass Zorn angeblich ein Todsünde ist, die nur für den lieben Gott anscheinend nicht gilt, wenn ich mal an Kleinigkeiten wie die Sintflut denke. Und das ist "in sich stimmig"?
Zeugnisse außerbiblischer Quellen über Jesus
Diese gibt es durchaus. Es gibt aber keine außerbiblischen Quellen über Jesus zu seinen Lebzeiten. Ich persönlich denke aber in diesem einen Punkt ähnlich wie die Leute von "Soulsaver": Da diese Quellen aus vielen verschiedenen Ecken kommen, denke ich schon, dass man daraus auf einen historisch existierenden Jesus schließen kann. Die interessanteste Quelle wird aber ausgelassen: Das apokryphe
Thomasevangelium, das von manchen sogar auf eine Entstehungszeit datiert wird, zu der Jesus noch gelebt hat (auch wenn das eher unwahrscheinlich ist).
Der Mensch hat einen Sinn für Schönheit
Ach, Tatsache? Alle Menschen haben das? Dann verstecken das aber manche sehr gut. Ernsthaft, was jeder von uns als "schön" empfindet ist doch dermaßen subjektiv, dass ich mich echt frage, was daran nun ein Argument für Gott sein soll.
Die Pascal'sche Wette
Ich halte die Argumentation von Pascal für vollkommen verfehlt. Hier eine Kurzfassung:
"Ihr sagt: Es gibt keinen Gott. Ich sage: Gott existiert. Es steht also unentschieden! Wenn ihr Recht habt, und es gibt wirklich keinen Gott, was wäre dann mit mir? Eigentlich nichts! Ich würde sterben, und alles wäre vorbei. Ich hätte hier vielleicht nicht alles ausgekostet, was man als unverzichtbar hinstellt. Aber ist das ein so großer Verlust? Wenn es Gott aber gibt, dann wäre alles, wirklich alles, für euch verloren! Ihr würdet sterben und müsstet dann vor Gott Rechenschaft ablegen. Oder glaubt ihr, dass sich Gott eure Ignoranz seiner Person gefallen lässt? Ihr habt dann zwar hier alles mitgenommen und trotzdem alles verloren!“
Das heißt also: Wer glaubt, dass Gott nicht existiert, landet - falls er oder sie sich irrt - automatisch in der Hölle, egal, was für ein Mensch er war. Ich halte mit folgender These dagegen: Gott beurteilt uns primär nach unseren Taten und er würde jeden Menschen, der im Namen seines Glaubens etwas Verwerfliches tun würde, in der Hölle schmoren lassen, wie er den Atheisten, der sich diesem Menschen in den Weg stellt, sofort ins Paradies lassen würde. Dabei ist es Gott denke ich egal, ob dieser Mensch vorher an ihn geglaubt hat oder nicht.
Ich glaube an Gott. Ich glaube aber auch, dass unser Verstand ihn (oder sie oder es) nie vollständig erfassen kann. Meinen persönlichen Zugang zu Gott habe ich über Jesus gefunden. Meiner Meinung nach sind solche Gottesbeweise wie die oben genannten absolut nicht stichhaltig. Es muss einfach jeder für sich selbst entscheiden, ob er glauben will oder nicht. Solange beide Seiten sich nicht gegenseitig aggressiv missionieren wollen und akzeptieren, dass es auch Menschen mit einer anderen Lebensphilosophie gibt, ist das vollkommen in Ordnung so.