Dienstag, 3. März 2015

Apartment 143 - Residenz des Bösen von Carles Torrens

Apartment 143 - Residenz des Bösen (Spanien 2011) von Carles Torrens
Ein Team von Parapsychologen wird von einem verzweifelten Familienvater gerufen, dessen Familie nach dem Tod der Mutter in eine neues Apartment gezogen ist. Seit dem Umzug nahmen die seltsamen Erlebnisse, die bereits davor begannen, nach einer anfänglichen Ruhepause immer mehr zu. Es dauert nach der Ankunft des Teams auch nicht lange, bis die übersinnlichen Erscheinungen wieder losgehen. Die Experten stellen schnell fest, dass sich diese allesamt auf die ältere Tochter der Familie zu konzentrieren scheinen. Die Parapsychologen können mit ihren Kameras schon bald beeindruckendes Beweismaterial festhalten. Die Frage ist nur, ob sie noch dazu in der Lage sein werden, lebend aus dem Apartment zu kommen und es der restlichen Welt zu präsentieren...


Apartment 143 von Carles Torrens
Nach "72 Stunden" gibt es hier gleich den nächsten spanischen Film. Eigentlich kann ich diese ganzen "Found Footage"-Filme, bis auf wenige Ausnahmen, nicht mehr sehen. Ein weiteres Argument gegen den Film ist in meinen Augen der Covertext, der ihn als Mischung von "The Ring" und "Paranormal Activity" anpreist - die finde ich beide unerträglich. Warum habe ich diesen Film dann gekauft? Naja, in der "5 DVDs für 20€"-Box von Müller lag halt nichts besseres und zur Not landet das Ding halt auf Ebay, dachte ich mir. Dennoch hat "Apartment 143" (Originaltitel: "Emergo") es geschafft, mich teilweise positiv zu überraschen.
(Ab hier gilt mal wieder eine Spoilerwarnung!) Nicht, dass ihr mich falsch versteht: "Apartment 143" ist bar jeglicher Originalität und läuft zum allergrößten Teil ganz genauso ab wie all die Filme mit ähnlicher Thematik vor ihm. Das ist doppelt schade, denn  was "Apartment 143" besser macht als der restliche Found Footage-Mist (zu dem der Film nur insofern gehört, als dass er aus den Aufnahmen der Experten besteht, die aber - Spoiler! - ausnahmsweise mal nicht draufgehen), ist das ganze Drumherum. Bei "Apartment 143" dürfte es sich um den ersten Found Footage-Film handeln, der unglaubwürdige Szenen weiträumig umschifft. Positiv zu vermerken ist auch, dass Carles Torrens die Exposition so knapp wie möglich hält und inszeniert die ganze Chose recht flott und es gibt einige gelungene Schockeffekte. Die Schauspieler, unter ihnen der vor Ewigkeiten für den Oscar nominierte Michael O'Keefe, liefern eine (für dieses Genre) recht passable Leistung ab. So ist der Film halbwegs unterhaltsam und man hat nicht das Gefühl, damit unnötig Lebenszeit verschwendet zu haben. Es gibt eigentlich, abgesehen von der nicht vorhandenen Originalität, nur einen Minuspunkt, der dem Film dann doch schadet: Bei "Apartment 143" wäre es besser gewesen, wenn man am Ende eine Erklärung für die Spukerscheinungen gegeben hätte. Der Film stiehlt sich aber damit aus der Affäre, dass er die Parapsychologen eine völlig falsche Erklärung liefern lässt, die er eine Minute später mit der letzten Szene widerlegt und die Geschichte so nicht aufzulösen, obwohl es genug Möglichkeiten für ein befriedigendes Ende gegeben hätte.

Fazit zu "Apartment 143"
"Apartment 143" erfindet das Rad nicht neu, aber wenn man sich schon einen Film dieser Machart anschauen möchte (und "REC" gerade nicht greifbar ist), dann macht man mit Torrens' Werk nicht viel falsch.

Montag, 23. Februar 2015

Nocturnas Geisterstunde 1: Der Fluch - Die Nacht der 2 Monde

Nocturnas Geisterstunde 1: Der Fluch -
Die Nacht der zwei Monde von Nocturna Entertainment
Die beiden Freunde Jochen und Peter möchten in der Grafschaft Arnstein auf Wanderschaft gehen. Dort wurde vor 200 Jahren der gefürchtete Hexenmeister Mordian (!) Treskow hingerichtet. Kurz vor seinem Tod verfluchte Treskow die Grafschaft und sagte voraus, dass er wiederkommen werde, sobald eines Tages zwei Monde am Himmel stehen werden. Dann solle es den Nachfahren seiner Henker an den Kragen gehen, so Mordian. Genau zu der Zeit, in der Jochen und Peter ihren Ausflug beginnen, fliegt ein Komet so knapp an der Erde vorbei, sodass es so aussieht, als ob zwei Monde am Himmel stehen würden...

Nocturnas Schlafmittel
Gäääääääähn......*aufwach*........war was? Ach so, "Nocturnas Geisterstunde" lief bei mir gerade im CD-Player. Dieses Hörspiel ist das mit Abstand wirksamste Schlafmittel, das man außerhalb einer Apotheke kaufen kann. Die insgesamt 87 Minuten dauernde Geschichte hätte locker auf eine Stunde gekürzt werden können, ohne dass dabei wichtige Informationen verloren gegangen wären oder das ganze irgendwie gehetzt wirken würde. Stattdessen wird hier bei jeder sich bietenden Gelegenheit Zeit geschunden. Da hört man schon einmal in allen Details, was Jochen und Peter warum im Gasthaus bestellen und währenddessen unterhalten sie sich mit der Wirtin intensiv über regionale Wurstspezialitäten, als ob es nichts Wichtigeres auf der Welt geben würde. Den Vogel schießt der völlig unnötige Prolog ab, der in den ersten zehn Minuten alles verrät, was die beiden Protagonisten später in mühevoller (und laaaaaaanger) Kleinarbeit herausfinden. Dadurch ist das Hörspiel in etwa so spannend wie ein aufgezeichnetes Fußballspiel, von dem einem vorher irgendein Idiot das Ergebnis verraten hat. Wenn danach für irgend jemanden noch so etwas wie ein Funken Spannung in dieser Geschichte vorhanden war, wird dieser umgehend dadurch gekillt, dass man gleich von Anfang an den Grund dafür verrät, warum Mordian (bei dem Namen muss ich immer noch lachen) ständig hinter Jochen und Peter her ist. Danach zieht sich das Hörspiel wie ein Kaugummi und stolpert ungeschickt einem Showdown entgegen, der zu allem Überdruss völlig entwertet wird, indem man den ums Leben gekommenen Peter einfach wieder auferstehen lässt. Danach ist alles Friede, Freude, Eierkuchen. Ich hätte mir ja wenigstens erhofft, dass Mordian Peters Körper übernommen hat und so in unsere Welt kommen konnte, aber nein, nicht einmal diesen Twist gönnt man den Zuhörern. Da hilft es dann auch nichts mehr, dass sich Patrick Bach, Tim Knauer, Norbert Langer und Ilja Richter richtig Mühe geben.
"Nocturnas Geisterstunde 1: Der Fluch - Die Nacht der zwei Monde" von Nocturna Entertainment ist das langweiligst Hörspiel, das ich seit langer Zeit gehört habe. Eine Empfehlung gibt es nur für Menschen mit akuten Einschlafproblemen, für alle anderen gilt: Finger weg!

Donnerstag, 19. Februar 2015

Der Blender - The Imposter von Bart Layton

Der Blender - The Imposter (UK 2012) von Bart Layton
1994 verschwindet der 13-jährige Nicholas Barclay spurlos. Die Polizei interessiert sich nicht besonders für den Fall, da Nicholas schon öfter von zuhause ausgerissen ist, und generell als schwieriges, rebellisches Kind gilt. Die einzigen, die sich wirklich Sorgen machen, sind die Mitglieder seiner Familie. Nicholas bleibt wie vom Erdboden verschluckt, niemand findet den keinsten Hinweis auf seinen Verbleib.
3 Jahre später: Frédéric Bourdin hat mit Identitätsdiebstahl bereits einige Erfahrungen gesammelt. Jetzt hat der 23-jährige es geschafft, als angeblicher Teenager in ein spanisches Jugendheim aufgenommen zu werden. Da die dort arbeitenden Menschen unbedingt wissen möchten wer er ist, benötigt er die Identität eines jungen Mannes, die er benutzen kann. Nach ein Paar Telefonaten erfährt er von dem vermissten Nicholas. Er erzählt den spanischen Behörden, er sei Nicholas Barclay, der vor drei Jahren von einigen Pädophilen entführt und nach Spanien verschleppt worden sei. Als Nicholas' Schwester Frédéric abholt, gelingt es ihm, erst sie und danach die ganze Familie davon zu überzeugen, dass er Nicholas ist...


Der Blender - The Imposter von Bart Layton
Zunächst gibt es hier von mir die massivste Spoilerwarnung in der Geschichte dieses Blogs, da ich nicht nur über den Inhalt, sondern auch über die Kniffe, die Bart Layton anwendet, um den Zuschauern seine Botschaft zu vermitteln. Also: Wenn ihr "Der Blender - The Imposter" noch nicht gesehen habt, dann schaut ihn euch vorher an und zwar am besten, ohne zuvor auch nur eine weitere Zeile zu dieser Dokumentation zu lesen. Alle anderen können gleich mit dem nächsten Absatz weitermachen. Ich warte so lange, bis ihr euch den Film, angesehen habt, okay? ;-)



*wart*


Okay, machen wir weiter im Text. Ich nehme hier, entgegen meiner sonstigen Angewohnheit, das Fazit vorweg: Laytons Dokumentation ist brillant, ein in mehrfacher Hinsicht Meisterwerk des Genres. Layton gelingt etwas Unglaubliches: Er schafft es mühelos, den Zuschauern zu vermitteln, wie Bourdin die Barclays davon überzeugen konnte, ihr lange vermisster Sohn zu sein. Dazu bedient sich Layton einiger subtiler Hilfsmittel. Zunächst einmal ist Bourdin der einzige, der bei den Interviews direkt in die Kamera blickt. Bourdin nutzt das, indem er mühelos durch seinen Blick jegliche Distanz zu seinem Publikum zu überwinden, man hat beinahe das Gefühl, dass Bourdin bei dir im Wohnzimmer sitzt und dir die Geschichte bei einem Bierchen erzählt. So wirkt er, selbst wenn er von seinem größten Betrug erzählt, wie ein nun geläuterter, grundehrlicher Mensch. Er wirkt so sympathisch und er hat ein extrem ansteckendes Lachen. Das Wissen, dass es sich hier um einen hochintelligenten Lügner und Betrüger handelt, der keinerlei Skrupel hat, die Gefühle von schwer traumatisierten Menschen auf die hinterhältigste Weise auszunutzen, hat man da bereits verdrängt. Laytons Entscheidung, mit der Kamera signifikant weniger Distanz zu Bourdin zu halten als zu den anderen, unterstützt diesen Eindruck.

Ein Mann ohne Hintergrund
Das nächste Detail ist ein wenig schwieriger zu bemerken. Wer sich bei den Interviews nicht nur die Interviewpartner, sondern auch die Hintergründe, vor denen sie sitzen. Bei fast allen kann man irgend etwas erkennen, das uns etwas über die Lebensumstände des oder der Interviewten verrät: Bei der FBI-Agentin sieht man den Arbeitsplatz, bei Nicholas' Schwester die Einrichtung des Wohnzimmers, etc... Nur bei Bourdin ist der Hintergrund komplett verschwommen. Ein Mann ohne Hintergrund, kommt aus dem Nichts und das wird von Bart Layton genau so gezeigt.
Eine weitere wichtige Zutat liefert schließlich Bourdin selbst: Er muss vor der Kamera lügen, um zu zeigen, wie überzeugend er dabei sein kann. Und das tut er, er zieht in der Dokumentation nämlich den gleichen Trick ab, wie beim FBI nach seiner Entlarvung: Er versucht, den Zuschauer davon zu überzeugen, dass die Barclays wissen, was mit dem echten Nicholas geschehen ist, und er höchstwahrscheinlich von dessen (nun bereits verstorbenen) Bruder Jason ermordet worden sei. Die Barclays hätten ihn nur deshalb nicht sofort entlarvt, weil sie so den Mord genial vertuschen konnten. Diese Geschichte klingt eigentlich absolut unglaubwürdig. Trotzdem glaubt man Bourdin jedes Wort davon. Zu dem Zeitpunkt, an dem er zum ersten Mal offen über diese Theorie von ihm redet, hat er sein Publikum so geschickt mit einer Mischung aus Wahrheit und Lüge auf dieses Ziel hin manipuliert, dass man ihm ab diesem Moment nur noch aus der Hand frisst. Der Typ hätte genauso gut erzählen können, dass er meine verstorbene Großmutter sei, und ich hätte ihm geglaubt. Ein gutes Beispiel hierfür ist die angebliche Konversation, von welcher er erzählt, und die er bei seinem einzigen Treffen mit Nicholas' Bruder Jason gehabt haben will. Da erzählt Bourdin davon, dass Jason sich nicht so verhalten habe, als ob Nicholas sein Bruder wäre. Am Ende des Besuches habe Jason ihm viel Glück gewünscht. Das erkennt man zwar als etwas seltsame Verabschiedung, denkt sich aber noch nichts dabei. Wenn Bourdin dann langsam damit beginnt, den Verdacht auf Jason zu lenken, fragt sich der Zuschauer ganz von allein folgendes:"Moment mal...wofür hat er ihm eigentlich viel Glück gewünscht? Vielleicht beim Versuch, Nicholas zu imitieren? Wusste Jason etwa, dass dieser junge Mann unmöglich Nicholas sein kann? Wenn ja, warum?" Der Zuschauer hat das Gefühl, ganz von allein etwas Unglaubliches entdeckt zu haben und so glaubt man Bourdin viel leichter, wenn er schließlich offen sagt, dass Jason seiner Meinung nach Nicholas umgebracht hat. Bourdin gibt zu einem früheren Zeitpunkt ein gutes Beispiel für diese Art der Manipulation. Er beschreibt eine spezielle Begebenheit kurz nachdem er den spanischen Behörden zum ersten Mal erzählt hatte, er sei Nicholas so: "Ich habe nie gesagt, dass ich sexuell missbraucht worden bin. Ich habe sie dazu gebracht, danach zu fragen." Dieser junge Mann schaffte es also innerhalb einer kurzen Zeitspanne, die ihn befragenden Beamten so gut einzuschätzen, dass er sie in die von ihm gewünschte Richtung lenken konnte.

Begründete Zweifel?
Den wichtigsten Punkt liefern weder Layton noch Bourdin, sondern der Zuschauer: Den Zweifel. Jeder Mensch fragt sich doch automatisch folgendes: "Wie kann es sein, dass die Barclays ihr eigenes Kind/ihren eigenen Bruder nicht erkennen? Mir würde das bestimmt nicht passieren!" Selbst als immer offensichtlicher wurde, dass Bourdin unmöglich Nicholas sein kann, halten die Barclays verzweifelt an der Illusion von der wiedervereinten Familie fest. Dann kommt Bourdin und liefert - bevor man länger darüber nachdenken kann - eine auf den ersten Blick plausible Begründung: Diese Familie hat etwas zu verbergen! Das macht er so überzeugend, dass sogar das FBI darauf hereingefallen ist, und dieselbe Agentin allein aufgrund seiner Aussagen eine Mordermittlung gegen die ganze Familie einleitete, und das nachdem sie ihn nur kurz zuvor als den größten Betrüger entlarvt hatte, der ihr jemals begegnet ist. Die Agentin war (und ist noch immer) so sehr davon überzeugt, dass Bourdin ihr die Wahrheit erzählt hat, dass sie Nicholas' Mutter so lange Lügendetektortests machen ließ, bis diese - obwohl sie die ersten beiden Tests mit Bravour bestanden hatte - beim dritten Versuch schließlich durchfiel und das dem FBI "genehme" Ergebnis lieferte. Dass eine Frau, die sich selbst in einer so durchgeknallten Ausnahmesituation befindet, die ihren Sohn nun zum zweiten Mal verloren hat, irgendwann zusammenbrechen muss, ist den zuständigen FBI-Leuten bis heute nicht eingefallen, wenn bei den Interviews gesagt wird, dass man nach wie vor davon überzeugt sei, dass die Barclays Nicholas ermordet haben. Nur: Das alles sieht man beim ersten Ansehen selbst so. Nur: Dadurch, dass Bourdin die Zuschauer auf die selbe Art manipuliert hat, sehen diese an dieser Stelle nur noch nickend zu. Erst wenn man als Zuschauer gegen Ende des Filmes alles noch einmal Revue passieren lässt und dabei wirklich in die Tiefe geht, kommen einem erste Zweifel und man bemerkt, was man alles bereitwillig übersehen hat: Dass es für das angebliche Gespräch mit Jason keine weiteren Zeugen gibt. Dass eine schwer traumatisierte, dysfunktionale Familie aus einer bildungsfernen Schicht (so wusste die Schwester zum Beispiel nicht, wo Spanien ist, oder dass es dort auch Coca Cola gibt), die sich nichts mehr wünscht, als dass ihr geliebter Nicholas zu ihnen zurückkehrt, keine Chance gegen einen Profibetrüger wie Bourdin haben kann. Dass die Polizei an dem Fall ursprünglich äußerst desinteressiert war und die Barclays keinen Grund für eine Vertuschungsaktion hatten. Dass das von der FBI-Agentin als so verdächtig geschilderte Verhalten problemlos mit eben jenem Wunsch und dem erlittenen Trauma erklärt werden. Bourdin bringt einen dazu, all das zu ignorieren und seiner Version der Geschichte zu folgen. Damit beantwortet sich auch die oben gestellte Frage: "Wie kann es sein, dass die Barclays ihr eigenes Kind/ihren eigenen Bruder nicht erkennen?" Ganz einfach: Du hast es als Zuschauer gerade am eigenen Leib erfahren. Denn so wie er bei den Barclays den Wunsch, Nicholas wieder in die Arme schließen zu können, für seine Zwecke ausnutzen konnte, nutzt Bourdin in der Dokumentation die oberflächlich berechtigten Zweifel der Zuschauer, um diese für seine Seite zu gewinnen und so teilweise von seiner Schuld abzulenken. Versteht mich nicht falsch: Die Möglichkeit, dass einer der Barclays etwas mit dem Verschwinden von Nicholas zu tun hat, besteht nach wie vor. Man kann aber nicht allein aus der Aussage von Bourdin der Familie einen Strick drehen.

Eine Lektion als Selbsterkenntnis
Durch Bart Laytons Dokumentation sieht man nicht nur eine unglaubliche Geschichte, die außerdem noch spannend erzählt wird. Sie zeigt dem Zuschauer etwas sehr Erschreckendes: Wie leicht manipulierbar er selbst ist.

Dienstag, 17. Februar 2015

Wurfsendung - 99 unterhaltsame Mini-Hörspiele

99 unterhaltsame Mini-Hörspiele von
Deutschlandradio Kultur, Anaconda Verlag Mai 2014
99 Mini-Hörspiele mit einer Länge von 15 bis 55 Sekunden, geht das überhaupt? Das Deutschlandradio Kultur sagt ja und startet mit der "Wurfsendung" einen einmaligen Versuch: 99 Geschichten im Kleinformat, kurz, knackig und direkt aus dem Leben sollen sie sein. Surreale Szenarios, Parodien - hier findet man einfach alles. Fragt sich nur, ob dieses Konzept auch aufgeht...

Unterhaltsam wie ein Witzbuch
Habt ihr euch schon einmal ein Buch mit einem Titel wie "300 garantierte Lachsalven!" gekauft und dann beim Lesen bemerkt, dass euch nicht einmal ein einziges Schmunzeln entkommen will? Wenn ja, dann könnt ihr euch vorstellen, wie es mir mit dieser "Wurfsendung" ergangen ist. Das größte Problem der Mini-Hörspiele liegt schon im Grundkonzept: Jedes halbwegs interessante Szenario muss innerhalb von ein paar Sekunden wieder beendet werden und hat so nicht den Funken einer Chance, sich zu entfalten. Dazu kommen Tracks, die selbst beim besten Willen nicht als Hörspiel gelten, wenn zwei Leute ins Mikro singen, ist das vieles, aber kein Hörspiel. So stellt sich mit der Zeit nur noch die Frage, ob man sich das Elend bis zum Ende anhört, oder die CD nach der Hälfte einfach abbricht (ich habe mich für ersteres entschieden und es wurde auch am Ende nicht besser). Jede in dieser Sammlung dargestellte Alltagssituation ist nur auf einen billigen Lacher aus und von denen misslingen eigentlich alle.

Quakende Sprecher
Die Sprecherinnen und Sprecher haben sich offenbar gedacht, dass sie - da sie nur ein paar Sekunden zur Verfügung haben - besonders auffällig chargieren müssen, um den Hörerinnen und Hörern im Gedächtnis zu bleiben. Das führte bei den Aufnahmen offensichtlich dazu, dass manche dermaßen überbetonen und ins Mikrofon quaken, dass man meinen könnte, ein Haufen von Wetterfröschen versuche sich an einer Imitation der menschlichen Sprache.
Wer sich von der musikalischen Untermalung Hilfe verspricht, wird bitter enttäuscht. Dieses Gedudel würde man nicht einmal in Guantanamo als Foltermethode zulassen und hier hört man es ohne Unterbrechung bis einem die Ohren bluten.
Die CD hat außerdem einen technischen Fehler, bei Track 6 hängt der CD-Player, was - wenn man anderen Rezensionen im Netz glauben kann - nicht nur mir passiert. Es gibt aber eine Auflage, bei der das Cover einen weißen Hintergrund hat und bei welcher dieser Fehler nicht auftritt. Andererseits muss man so einen Track weniger durchleiden.

99 kleine Foltereinlagen
Nein, das war leider nichts. Das ambitionierte Konzept von "Wurfsendung - 99 unterhaltsame Mini-Hörspiele" wird nur von seinem grandiosen Scheitern übertroffen.

Montag, 16. Februar 2015

72 Stunden - Deine letzten 3 Tage von F. Javier Gutierrez

72 Stunden - Deine letzten 3 Tage (Spanien 2008) von F. Javier Gutierrez
Als sich die Nachricht verbreitet, dass in drei Tagen ein Meteorit alles Leben auf der Erde auslöschen wird, bricht unter den Menschen allgemeine Panik aus. Der junge Ale fährt mit seiner Mutter zum Haus seines Bruders, um dessen Kindern in den letzten Stunden beizustehen. Obwohl Ale seine eigenen Probleme hat, hilft er seiner Mutter dabei, den Kindern, die keine Ahnung vom bevorstehenden Ende der Welt haben, weiter eine heile Welt vorzuspielen. Im Zuge des über alle hereinbrechenden Chaos entkommen die Insassen eines sich in der Nähe befindenden Hochsicherheitsgefängnisses. Einer der Gefangenen ist ein Serienmörder, der mit Ale und seiner Familie noch eine Rechnung offen hat...


72 Stunden - Deine letzten 3 Tage
(Spoilerwarnung voraus) Ich muss zugeben, dass mich das Regiedebüt von Gutierrez positiv überrascht hat, da ich von dem Film zuvor überhaupt nichts gehört hatte. "72 Stunden" schafft es, dem Zuschauer ein Gefühl von Endzeitstimmung zu vermitteln, ohne den Zuschauer dabei (erfolglos) mit Bildern zu erschlagen, wie das zum Beispiel Roland Emmerich in "2012" versucht hat. "72 Stunden" zeigt die weltweite Katastrophe stattdessen in einem vergleichsweise kleinen Rahmen, wenn Ale beispielsweise mit seiner Mutter darüber streitet, ob man den Kindern die Wahrheit sagen soll oder nicht und er später - nach ihrem Tod - die richtige Entscheidung trifft, den Kindern bis zum Schluss eine heile Welt vorzuspielen (was unter anderem beinhaltet, dass er die anderen Geschwister am Ende des Filmes über das Schicksal ihrer kleinen Schwester belügen muss).
Gutierrez legt nicht sehr viel Wert darauf, das Innenleben seiner Figuren auszuleuchten, vieles bleibt im Film unausgesprochen. Dennoch kann man den Konflikt, den Ale mit sich selbst austrägt, regelrecht fühlen. Das liegt auch an der schauspielerischen Leistung von Víctor Clavijo, der in der Hauptrolle eine großartige Figur macht.

Fazit zu 72 Stunden - Deine letzten 3 Tage
Gutierrez' erster Film ist ein gut gemachter kleiner Thriller, der auf jeden Fall einen Blick wert ist.

Donnerstag, 12. Februar 2015

36 Pasos von Adrián García Bogliano

36 Pasos (ARG 2006) von Adrián García Bogliano
Ein paar Mädchen im Bikini leben in einer Villa und haben Spaß. Gleichzeitig bereiten sie eine Geburtstagsparty vor. Sollte eine von ihnen aber den Wunsch äußern, das Gelände verlassen zu wollen, erscheint ein unbekannter Mann, der die Bittstellerin erst foltert und anschließend mit einer Axt oder einem Vorschlaghammer umbringt. Wenn das passiert, müssen die jungen Frauen so tun, als ob nichts gewesen wäre und dauergrinsend weiterfeiern, sonst gibt es gleich den nächsten Mord. Das alles hat einen Grund: Offenbar haben die Gefangenen das (ebenfalls weibliche) Geburtstagskind während der Schulzeit gemobbt und werden nun von dessen Familie in einer Luxusvilla mit Pool gefangen gehalten (so möchte ich auch einmal bestraft werden). Hin und wieder dreht eine der Insassinnen durch, verstößt gegen die Regeln, nur um anschließend von dem Psychopathen (der komischerweise immer eine Pudelmütze trägt, ganz egal, wie heiß es gerade ist) in die ewigen Jagdgründe befördert zu werden.


36 Pasos von Adrián García Bogliano
Ach du Scheiße, was war denn das? "36 Pasos", aka "Bloody Bikini Massacre", aka "Bloody Birthday - Girls Just Wanna Have Fun" (Cyndi Lauper ruft schon einmal einen Auftragskiller an) verärgert mich schon durch seine bloße Existenz. Selten wurde ein dermaßen ambitionsloses, inkompetentes Machwerk auf DVD veröffentlicht, wie es diese Verschwendung von Filmmaterial auf das Fantasy-Filmfest geschafft hat, würde mich einmal interessieren (und ich hätte gerne die Gesichter der Kinobesucher gesehen, nachdem das Licht wieder angegangen ist).
Die sogenannte Handlung ist recht schnell erklärt: Ein paar Mädchen machen alles im Bikini (und zwar wirklich alles, egal ob sie den Rasen mähen, kochen, oder sonst was), dann schreit eine sowas wie "Wääh, ich kann nicht mehr!" und wird gleich darauf umgebracht. Irgendwann ist dann die Party und der - ich verwende dieses Wort nur unter schärfstem Protest - Showdown. So etwas wie eine Spannungskurve sucht man hier also vergebens.

Kunst für Nichtskönner
Das ist aber noch nicht das Schlimmste an "36 Pasos". Zwischendurch verwechselt sich der "Film" nämlich immer wieder mit einem schlecht gemachten Musikvideoclip oder einer "künstlerischen" Videocollage. Dann gibt es anstelle von Dialogen  nur noch Musik, Bogliano schmeißt mit Weißblenden um sich und es wird alles noch hektischer und unübersichtlicher geschnitten als sonst. Dazu kommt noch, dass das Cutting so stümperhaft gemacht wurde, dass ich es mit meinem Laptop und Windows Movie Maker besser hinbekommen hätte. Apropos Schnitt: Wenn ihr in der Arbeit einen Todfeind habt, der zufällig Epileptiker ist, dann setzt ihn einfach vor einem großen Fernseher und legt diese DVD ein. Keine 20 Minuten später wird bei euch in der Firma eine Stelle frei, das kann ich euch versprechen. Die Schnitte sind die meiste Zeit dermaßen hektisch und unübersichtlich, dass der entsprechende Anfall nicht lange auf sich warten lassen wird.
Sollten die Schnitte nicht ausreichen, um einen Anfall auszulösen, dann geben einem die thespischen Leistungen den Rest. Schön auszusehen reicht eben nicht, um einen Film erträglich zu machen, man sollte schauspielerisch schon mehr drauf haben, als mit dem ewig gleichen Gesichtsausdruck durch die Gegend zu wanken.

Fazit zu 36 Pasos
Ich muss mich immer wieder wundern, was für ein Dreck hierzulande auf DVD veröffentlicht wird, während andere Filme immer noch auf eine Veröffentlichung warten müssen (ja, ich warte immer noch darauf, dass "The Waldemamr Legacy" endlich eine deutschsprachige Veröffentlichung erhält). Wer bitte schaut sich solche Filme denn schon freiwillig an? (Alle, die jetzt "Du!" schreien wollen, dürfen gerne den Mund halten, danke!) "36 Pasos" ist eine Beleidigung für Augen und Ohren!

Mittwoch, 11. Februar 2015

Die Spider Murphy Gang von Georg Kostya

Die Spider Murphy Gang (BRD 1983) von Georg Kostya
Die Mitglieder der Spider Murphy Gang haben nur einen großen Wunsch: Sie wollen groß rauskommen und in München im ausverkauften Circus Krone ein Konzert geben. Dazu braucht man aber nicht nur Talent, sondern auch jede Menge Durchhaltevermögen. Die Menschen - so wird den Gangmitgliedern immer wieder gesagt - wollen einfach keinen Rock'n'Roll mehr hören, und schon gar nicht auf bayrisch. Das schreckt diese aber keineswegs ab...

Die Spider Murphy Gang von Georg Kostya
Zeitreise in die 80er Jahre gefällig? Dann seid ihr bei diesem Film definitiv an der richtigen Adresse, mehr 80er geht kaum mehr. Natürlich ist die Handlung des Filmes eine teilweise recht dünne Entschuldigung dafür, die verschiedenen Songs der Band irgendwie im Film unterzubringen und ab Minute 70 gibt es sowieso keine Handlung mehr und wir sehen "nur" noch einen Konzertmitschnitt, der zwar recht unterhaltsam ist, aber keinen Ersatz für einen ordentlichen Showdown bietet, da dadurch alle Konflikt im schnellen Vorlauf erledigt werden müssen. Überanstrengt hat sich Georg Kostya mit seiner einzigen Regiearbeit also nicht immer (was nicht heißen soll, dass der Film nicht ansprechend inszeniert wäre).
Die schauspielerische Leistung der Band ist schwer in Ordnung, die Jungs wirken sehr natürlich, auch wenn der Film alles tut, um sie diesbezüglich nicht zu sehr heraus zu fordern.
Dieser Film bildet gemeinsam mit "Gib Gas - Ich will Spaß" und "Der Formel 1 Film" das Triumvirat der deutschen 80er-Jahre-Musikfilme. Auch wenn die anderen beiden unterhaltsamer sind, können Interessierte und Nostalgiker durchaus einen Blick riskieren. Ein Trailer zu dem Film existiert auf YouTube leider nirgends, deshalb gibt es hier den größten Hit der Spider Murphy Gang: