Dienstag, 18. Juni 2013

Night Show von Richard Laymon

Night Show von Richard Laymon
Tony hält es für eine ziemlich coole Idee, seine Schulkameradin eine Nacht lang in einer alten Villa, in der es angeblich spuken soll, einzuschließen. Welche Todesängste die hübsche Cheerleaderin in den folgenden Stunden aussteht, weiß der selbst ernannte "Meister des Schreckens" nur zu gut, er genießt das sogar sehr.
Nach dem Abschluss der High School möchte Tony in Hollywood bei Dani Larson, die für ihre Spezialeffekte in Horrorfilmen berühmt ist, anheuern. Die Methoden, die er wählt, um ihr nahe zu kommen - Stalking und vor ihren Augen eine Kinobesucherin mit gefälschten Vampirzähnen beißen zum Beispiel - sind allerdings denkbar ungeeignet, um Danis Vertrauen zu gewinnen. Da die  Liebe, die er für Dani empfindet eher einseitig ist und er ihr immer krankhafter nachstellt, bekommen die Spezialeffektekünstlerin und ihr Freund Jack es mit der Angst zu tun. Was sie aber alle nicht ahnen, ist, dass Tonys alte Schulfreundin die für sie schreckliche Nacht in der alten Villa nicht vergessen. Sie rächt sich grausam an allen, die für ihr Leid verantwortlich sind. Nun ist nur noch eines ihrer Ziele übrig: Tony. Entschlossen, ihre Vendetta zu vervollständigen, macht Linda sich auf den Weg zu Tonys neuer Adresse...

Night Show von Richard Laymon
Night Show ist das erste Buch von Richard Laymon, das ich gelesen habe. Gehört habe ich den Namen des Autors schon einige Male, nun wollte ich mir endlich selbst ein Bild machen. Was wäre für einen Horrorfan wie mich da besser geeignet, als eine Horrorgeschichte, die in der Horrorfilmbranche spielt? Eben.
Das Buch fängt auch sehr gut an. Der Prolog, in dem geschildert wird, wie Linda gewaltsam entführt und in die alte Villa geschleift wird,macht die Angst des Mädchens fast körperlich greifbar. Dann aber bemerkt man beim Lesen recht schnell, dass "Night Show" drei mehr oder weniger größere Probleme hat.

Tausendmal gesehen und gelesen
Problem Nummer 1 ist die extreme Vorhersehbarkeit der Handlung, welche die Blaupause für jeden zweiten Thriller ist. Tony ist von Anfang an eindeutig als gefährlicher Irrer identifizierbar. Er verfolgt die Frau seiner Träume in einem von ihm gekauften Leichenwagen, erzählt ständig davon, dass er anderen Menschen gerne Angst macht, rennt mit einem auf die Stirn gemalten dritten Auge herum und das erste richtige Gespräch zwsichen ihm und Dani ist ein Telefonat, indem er ihr erklärt, dass der als abgetrennter Kopf getarnte Schaufensterschädel in ihrem Garten seine Art ist, sich bei ihr als Assistent zu bewerben. Außerdem hat er kein Problem damit, in Danis Wohnung einzubrechen und in ihren Sachen herum zu schnüffeln.
Dani weiß das alles. Sie zeigt ihm aber trotzdem einige Techniken und geht einmal sogar mit ihm ins Kino.Das ist sogar noch dämlicher, wenn man bedenkt, dass Dani in einem anderen Fall, wo sie von jemandem bedrängt wurde, keine Probleme damit hat, denjenigen sofort zu feuern. Aber den verrückten Stalker, bei dem selbst Stevie Wonder mit verbundenen Augen erkennen würde, dass er nicht mehr zwischen der Realität und Filmen wie "Texas Chainsaw Massacre" unterscheiden kann, von dem sie weiß, dass er sie beim Sex mit ihrem Freund beobachtet (und sich dabei wahrscheinlich einen runtergeholt) hat und das auch noch zugibt, den lässt sie bereitwillig in ihr Leben und geht mit ihm sogar ins Kino. Wenn ich Jack wäre, wäre ich bei ihrer Ankündigung, diesen Psychopathen weiter zu treffen, einfach grußlos aufgestanden und gegangen (wobei sie das mit dem Voyeurismus erst später herausgefunden hat. Dass er in ihrer Wohnung war, wusste sie da allerdings schon). So wird dieser Handlungsstrang sehr schnell zu einem "Kap der Angst" für Arme.

Zwei Handlungsstränge - NULL Berührungspunkte
Dann gibt es da noch die Parallelhandung rund um Linda. Und da fangen die Probleme erst so richtig an. Der erste Mord, den sie begeht, ist gleich einmal ein ordentlicher Griff ins Klo und zwar aus zwei Gründen. Erstens wird dieser im Prolog nie erwähnt, die Leser sollen einfach so glauben, dass dieser bei der Entführung eben auch dabei war. Dann kann er aber weder der Mastermind (das war Tony) oder der ebenfalls anwesende Sadist (das war Arnold und am Ende wieder Tony) sein. Was soll Joel also zu der Sache beigetragen haben? Ganz abgesehen davon, dass Joel die ganze Zeit über sehr glaubhaft beteuert, dass ihm seine Beteiligung an der Sache leid tun würde und er das alles bereue. Lindas Reaktion darauf? Sie erschlägt ihn beim Ficken mit einem Stein. Überreaktion anyone?
Das weit größere Problem habe ich aber damit, dass die beiden Handlungsstränge im ganzen Buch so konstruiert sind, dass man das Gefühl habe, sie würden aufeinander zusteuern. Sie tun bis zum Ende aber genau das nicht. Linda trifft die anderen Protagonisten kein einziges Mal, der Moment, in dem sie auf Tony trifft, ist zufälligerweise der einzige iim Showdown, in dem weder Dani noch Jack in Danis Haus sind. Linda bringt dann den gefesselten Tony um und das wars dann. So hat "Night Show" dann keinen richtigen Höhepunkt und statt eines befriedigenden Endes erlebt der Leser, wie beide Handlungsstränge einfach ausrinnen.
Ein kleineres Problem habe ich auch mit einem Aspekt, der im Buch gar nicht erwähnt wird. Linda gibt vor, sich nach einem Autounfall, den sie hatte, nachdem sie aus der Villa entkommen war, an nichts in dieser Nacht erinnern zu können. Heimlich plant sie über Monate hinweg ihre Rache und denkt sehr oft an nichts anderes mehr. Bemerken tut das......keiner. Weder ihrem Elternhaus noch dem Personal im Krankenhaus (beide werden ohnehin nur indirekt erwähnt) bemerken, dass mit der jungen Frau etwas nicht mehr stimmt. Und natürlich sieht auch niemand, wie sie mit Joel von dem Ort, in dem sie leben, am hellichten Tag in den wald fährt, aber hey: In einem Telefongespräch, das sie heimlich belauschen kann, erfährt sie, dass Joels Mutter zwar vor Sorgen um ihren seit Tagen verschwundenen Sohn fast umkommt, es aber für ganz doll clever hält, die Polizei nicht zu rufen und mit den Händen im Schoß daheim sitzend auf ihren Lendenspross zu warten. Wenn es jemals ein Gerät gibt, mit dem man Romanfiguren zum Leben erwecken kann, wende ich das auf sie an und erwürge sie gleich im Anschluss.

Fazit zu Night Show von Richard Laymon
Night Show von Richard Laymon, das in Amerika schon im Jahr 1984 fängt sehr gut an und fesselt den Leser. Nach den ersten 50 Seiten stellt sich aber sehr schnell das ungute Gefühl ein, dass das Buch vor allem Blendwerk ist. Die Figuren entwickeln sich nicht und bewegen sich durch eine schablonenhafte, überraschungsfreie Handlung, deren "Höhepunkt" der absolut langweilige Schluss ist. Von mir gibt es daher keine Empfehlung.

Montag, 3. Juni 2013

There's nothing out there von Rolfe Kanefsky

There's nothing out there alias The bloody cottage in the forest
Eine Gruppe von Teenagern möchte in einer einsamen Hütte im Wald eine Party feiern (so weit, so unoriginell). Einer von ihnen ist Mike, ein Nerd, der jeden nur erdenklichen Horrorfilm gesehen hat. Mike ist natürlich klar, dass sie in dieser von der Außenwelt isolierten Hütte natürlich in Lebensgefahr schweben, schließlich ist sie in seinen Augen der ideale Angriffspunkt für Außerirdische, Zombies und irre Massenmörder aller Art. Als die Clique feststellt, dass ganz in der Nähe erst ein ihnen unbekanntes Mädchen verschwunden ist und dann einer nach dem anderen von seinen Freunden verschwindet, will Mike zuerst niemand glauben, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt...





There's nothing out there von Rolfe Kanefsky alias The bloody Cottage in the Forest
Derzeit liegt bei Saturn und Co überall eine DVD mit dem schönen Titel "The bloody Cottage in the Forest" herum. Dabei handelt es aber keineswegs um einen neuen Film, der sich etwa an "The Cabin in the Woods" dranhängen will, sondern um "There's nothing out there" von Rolfe Kanefsky aus dem Jahr 1991. Wenn sich also jemand an "Cabin in the Woods" dranhängen wollte, dann die Leute von "Great Movies", die vom Cover bis zum neuen Titel alles auf "Asylum"-Kopie hingetrimmt haben und zwar so dreist, dass hier die Grenze zur Verarsche schon längst überschritten wurde Oder anders formuliert: Great Movies kopiert die Masche einer Firma, deren Masche es ihrerseits ist, andere Filme zu kopieren. Nur dass die das halt mit einem älteren Film machen und dafür gar nicht erst extra einen neuen drehen.

Netter kleiner Trashfilm
Von dem Verwirrspiel rund um den neuen Namen des Films sollte man sich aber nicht ablenken lassen. "There's nothing out there" ist als Trashfilm, der sich selber nicht ernst nimmt, durchaus unterhaltsam. Er hat nur ein Problem und zwar seinen Protagonisten Mike. Mike soll der Held der ganzen Geschichte und damit auch die Identifikationsfigur sein. Er führt sich nur in den etwa 30 bis 40 Minuten bevor die große Action losgeht als dermaßen asoziales Arschloch auf, dass man ihm eher einen grausamen Tod und nicht etwa das große Happy End wünscht. Ich habe selten einen Menschen gesehen, der sich so viel Mühe, allen Anwesenden rund um ihn herum so sehr die Laune zu verhageln, wie Mike das tut, wenn er zum Beispiel (bevor irgendwas passiert ist, wohlgemerkt) zwei seiner Freunde regelrecht anbrüllt, sie sollen das Haus nicht verlassen und zu einem romantischen Waldspaziergang aufbrechen. Da denkt sich doch jeder nur noch, dass man Leute wie Mike normalerweise in die nächstbeste Irrenanstalt werfen lässt und sie nicht zum Feiern mitnimmt. Dass ausgerechnet er dann zum großen Helden wird, ist dann eher nervig und nicht etwa befriedigend für die Zuschauer. Hier merkt man, dass bei solchen Charakteren der grat zwischen "verschroben, aber dennoch cool/liebenswert" und "blöde Arschgeige" doch ein ziemlich schmaler zu sein scheint. Als positive Beispiele fallen mir die Figur des Sheldon Cooper aus Big Bang Theory oder von mir aus auch die Hauptfiguren aus "The Dead hate the Living" ein, die trotz ihrer sozialen Defizite nie so unsympathisch wirken wie Mike.
Dennoch ist der Film recht unterhaltsam. Das liegt vor allem daran, dass keine großen Leerläufe festzustellen sind, die bei solchen Filme ja relativ häufig vorkommen. Die Effektarbeit ist in Ordnung (FSK 18 ist aber doch ziemlich übertrieben ist, eine Freigabe ab 16 hätte locker ausgereicht), wenn auch nichts wirklich Besonderes und die Musik (vor allem das Intro) hätte sich bei mir schon beim ersten Ansehen fast zum "guilty pleasure" entwickelt, was daran liegt, dass der Soundtrack die 80er Jahre regelrecht atmet.

Die Darstellerinnen und Darsteller in There's nothing out there
Eines gleich vorweg: Preisverdächtige thespische Leistungen werden einem hier nicht dargeboten. Aber selbst, wenn man die eh schon niedrigen Maßstäbe für Low Budget Horrorfilme anlegt, kommt man nicht umhin, zu bemerken, dass es zum Beispiel für Bonnie Bowers doch ganz gut war, dass sie auf eine Musikkarriere umgesattelt hat (okay, Brad Pitt hat in "Cutting Class" sein Potenzial auch sehr gut versteckt - der Film wird hier übrigens auch noch einmal zum Thema werden, versprochen. Außerdem hat die gute Frau ein ziemlich cooles IMDB-Foto). Craig Peck schaltet in seiner Rolle als Mike von Anfang an in den Overacting-Modus und geht bis zum Ende nicht mehr vom Gas runter. "Bestes" Beispiel hierfür ist die oben schon erwähnte Szene mit ihm und den beiden Waldspaziergängern. Der Rest des überschaubaren Casts ist so austauschbar, dass man die Figuren mit dem Abspann schon vergessen hat.
Noch ein Wort zur DVD: Ich wünschte, dass die Leute von Great Movies auf das Bild- und Tonmaterial genauso viel Mühe verwendet hätten, wie auf ihren Versuch, sich an "Cabin in the Woods" dranzuhängen. Das Bild wirkt ziemlich ausgebleicht und unscharf, während der Ton irgendwie matschig klingt und die Dialoge dadurch an manchen Stellen nur sehr schwer verständlich sind. Nur zum Vergleich: Der obige Trailer hat eine wesentlich bessere Bild- und auch Tonqualität und das Märchen vom anamorphem 16:9 können die zuständigen Leute vom DVD-Label ihren leichtgläubigen Großmüttern erzählen. Die auf der DVD-Schachtel angeführte Bildergalerie sucht man bei den Extras auch vergebens.

Fazit zu There's nothing out there
"There's nothig out there" ist ein unterhaltsamer kleiner Horrorfilm, der zwar nicht an die Klassiker des Genres herankommt, dabei aber dennoch vor allem für Freunde des schlechten Filmes unterhaltsam ist.

Montag, 27. Mai 2013

Ab nach Florenz!

Ich werde mit meiner Liebsten von Dienstag bis Freitag in Florenz Urlaub machen. Bis dahin ist hier Pause. Danach wirds hier aber auch ein paar schöne Fotos geben!

Sonntag, 19. Mai 2013

Video zum Friedhof der Namenlosen

Ich habe vor einiger Zeit im Zuge meiner journalistischen Ausbildung einen Radiobericht für Ö1 Online über einen in meinen Augen sehr spannenden Wiener Friedhof gemacht. Aus diesem habe ich nun mit einigen Schnappschüssen von mir ein Video gemacht. Bekannt wurde der Friedhof der Namenlosen auch durch den Film "Before Sunrise" mit Ethan Hawke und Julie Delpy. Viel Spaß mit dem Bericht!

video

Das Video gibt es auch auf YouTube.
 Euer Feedback ist willkommen und erwünscht!




Freitag, 17. Mai 2013

33 Argumente für Gott und meine Antworten

33 Argumente für Gott
Das Buch "33 Argumente für Gott" kann man sich bei Soulsaver herunterladen, einer Seite, die ich, vor dem Artikel zum selben Thema beim Wortvogel, noch nicht gekannt habe. Ich werde hier bestimmt nicht alle 33 Argumente kommentieren, dafür ist mir meine Zeit zu schade. Deshalb kommentiere ich hier nur die Highlights dieses Buches, denn so ganz uwidersprochen sollte man diese Leute, auch wenn man wie ich durchaus an die Existenz Gottes glaubt und durch das eigene Studium auch ein wenig Ahnung vom Thema hat, nicht ihren teils ziemlich großen Blödsinn unter die Menschen bringen lassen. Fangen wir gleich mal mit dem ersten Argument für Gott an:

Argument 1: Diese Welt ergibt ohne Gott keinen Sinn
Gibt es für das Leben auf der Erde eine Ursache? Oder war es ein dämlicher Zufall, dass du und ich hier existieren? Schon seit Beginn der Zeit stellen sich Menschen diese Frage, vom Wissenschaftler bis hin zu Kindern.

Diese Frage wird tatsächlich immer wieder gerne diskutiert. Natürlich postlieren die Leute von Soulsaver mit inbrünstiger Überzeugung, dass diese Welt ohne Gott gar keinen Sinn ergeben kann und er deshalb existieren muss. Nur: Das stimmt so einfach nicht. Zwar hat alles in der Natur einen Grund, allerdings kann man diesen auch finden, ohne, dass man dafür gleich Gott bemühen muss. Um mal ein Beispiel meiner früheren Religionslehrerin zu nennen (sinngemäß zitiert): "Wenn ich nach einer Begründung dafür suche, weshalb Frauen bei der Geburt Schmerzen haben, dann finde ich diese nicht im Buch Genesis und der dort ausgesprochenen Bestrafung der Frau, weil sie Adam den Apfel gegeben hat. Ich finde sie in der Tatsache, dass wir einen aufrechten Gang haben." Wieso muss ich dann bei solchen Dingen krampfhaft Gott ins Spiel bringen und irgend etwas von einem tieferen göttlichen Sinn erzählen, der bei so etwas schlicht nicht da ist?

Die Evangelien sind historisch zuverlässig
Viele Menschen reden sich ein, dass die bibel ursprünglich anders aufgeschrieben wurde, als wir sie heute vor uns haben. Ein populärer Mythos ist, dass die Bibel im Laufe der Jahrhunderte verändert wurde, der aber durch die tatsächlichen Hinweise entkräftet wird.

BWAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHA.....der war richtig gut!! Die Bibel wurde also nie verändert? Die redaktionellen Überarbeitungen sind ein "populärer Mythos"? Sind meine Professoren an der Uni also - salopp formuliert - Märchenonkel? Nehmen wir uns als Beispiel doch einmal die Auferstehungsgeschichte im Markusevangelium vor, an der man noch heute die verschiedenen Überarbeitungen wunderschön nachvollziehen kann. In den ältesten Handschriften (Codex Sinaiticus und Codex Vaticanus) endet diese mit Kapitel 16, Vers 8: "Da verließen sie (die Frauen, die das Grab Jesu leer vorfanden, Anm.) das Grab und flohen; denn Schrecken und Entsetzen hatte sie gepackt. Und sie sagten niemand etwas davon; denn sie fürchteten sich." Wer das Markusevangelium kennt, wird sicher bemerkt haben, dass danach in der heutigen Version noch ein ganzes Kapitel mit den Erscheinungen Jesu kommt. Dieser "sekundäre Schluss" wurde aber erst später hinzugefügt. Dafür gibt es zwei Theorien: Die erste besagt, dass der ursprüngliche Schluss im Lauf der Zeit verloren ging und sich ein unbekannter Autor daran machte, diesen neu zu schreiben und damit zu ersetzen. Die zweite (und in meinen Augen interessantere) besagt, dass der Evangelist Markus diesen offenen Schluss als bewusstes Stilmittel gewählt hat, spätere Generationen damit aber nicht zufrieden waren und sie ihn nach ihren Vorstellungen umschrieben. Erwähnenswert ist außerdem, dass es sogar Schriften aus dem 12. Jahrhundert gibt (siehe Minuskel 304 als Beispiel), die den älteren Schluss als tatsächliches Ende haben.
Noch ein weiteres Beispiel aus dem Johannesevangelium. Schaut euch mal die Überschrift des kurzen letzten Kapitels an: "Schlussbemerkung der Herausgeber." Der Herausgeber. Mehrzahl. Wissenschaftler gehen derzeit von mindestens einem weiteren Verfasser aus, der nachträglich zumindest das 21. Kapitel hinzugefügt hat. Noch Fragen?

Glaube und Wissenschaft schließen einander nicht aus.
Stimmt in meinen Augen. Das ist aber nicht notwendigerweise ein Argument für Gott. Schließlich kann ich genauso gut sagen, dass sich Gott und Wissenschaft zwar nicht ausschließen, ich aber dennoch nicht an Gott glauben würde. Was wurde also durch diese banale Feststellung gewonnen? Gar nichts. Außerdem: Wenn ihr schon richtigerweise sagt, dass Glaube und Wissenschaft sich nicht ausschließen, wieso negiert ihr dann - siehe oben - die Erkenntnisse der Bibelwissenschaft?

Der Glaube heilt Bitterkeit
Hier wird die Geschichte von Corrie ten Boom erzählt, die gemeinsam mit ihrer Schwester von den Nazis ins KZ Ravensbrück gebracht wurde, weil sie Juden bei sich zu Hause versteckt hatten. Ihre Schwester wurde im KZ ermordet, sie selbst überlebte. Bei einem Vortrag nach dem Krieg erkannte sie unter den Zuschauern einen der ehemaligen KZ-Wächter, der danach auch auf sie zukam und sie fragte, ob sie ihm vergeben könne, da er Christ geworden sei. Sie vergab ihm tatsächlich. Leider weiß ich nicht, wie sich diese Geschichte tatsächlich abgespielt, muss aber sagen, dass diese Handlung von Corrie ten Boom ihr selbst wohl einiges abverlangt hat. Es klingt hier nur ein wenig so, als ob sie ihm vergeben hätte, weil er nun die richtige Konfession hat (das sage ich aber nur unter starkem Vorbehalt, weil ich wie gesagt die Geschichte nicht kenne). Außerdem ist es nicht wirklich ein Argument für die Existenz Gottes, wenn ich jemandem - egal aus welchem Grund - vergebe. Es ist vielmehr ein Beweis für die Großmut und die Güte mancher Menschen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Die Prophetien über Israel haben sich exakt erfüllt
Ganz abgesehendavo, dass man hier genauso gut davon sprechen könnte, dass die Entstehung des Staates Israel von den biblischen Texten inspiriert wurde, stößt mir eine Formulierung auf Seite 23 besonders sauer auf: "...auch wenn viele Juden Jesus als Erlöser nicht erkannt haben." Hier mal eine kleine Erinnerung an die Macher: Wir glauben lediglich, dass Jesus der Erlöser ist. Das tun wir teilweise mit an Sicherheit grenzende Überzeugung. Nur: Jüdische Menschen glauben mit aus ihrer Sicht guten Gründen ebenso, dass dem nicht so ist. Wie kommt ihr nun auf die Idee, zu sagen, dass diese die Wahrheit "noch nicht erkannt" hätten? Ihr gebt doch selber zu, dass Gott für den Menschen unergründlich ist, wieso nehmt ihr euch dann das Recht heraus, einen anderen Zugang zu Gott auf diese Art und Weise herabzuwürdigen?

Historiker halten die Auferstehung für möglich
Ihr zitiert hier Pinchas Lapide, der unter anderem gesagt, dass für die rasante Wandlung der Jünger Jesu vom verzweifelten Haufen zur heilsbewussten Missionsgesellschaft viel zu schnell ging, um sie mit einer halluzination zu erklären. Das ist richtig. Nur davon gleich auf die tatsächliche Wiederauferstehung zu schließen, ist schon ein wenig an den Haaren herbeigezogen. Ihr vergesst dabei auch auf die menschliche Entschlossenheit. Was wäre, wenn sich die Jünger Jesu nach einigen Tagen größter Verzweiflung wieder gefangen hätten und sie dachten, dass sie die Botschaft dieses Mannes mit seinem Tod nicht als gestorben ansahen, sondern sie wild entschlossen waren, sie durch ihre eigene Mission wieder "auferstehen" zu lassen? Wäre das nicht auch denkbar?

Die Bibel überdauerte jeden Angriff in der Geschichte
So wie die Tora und der Koran auch, um zwei ähnliche Beispiele zu nennen. Das liegt ganz einfach daran, dass eine große Masse von Menschen die Glaubensaussagen in diesem Buch ernst nimmt und eben nicht nur daran, dass das Buch "Bibel" heißt. Außerdem: Wenn ihr sagt, dass kein anderes Buch der Bibel ähnlich sei, dann bedenkt doch bitte, dass Muslime und Juden dasselbe von ihren Heiligen Schriften denken und würdigt diese doch durch solche Aussagen nicht indirekt herab.

Thomas Graumann kann vergeben
Wieder eine Vergebungseschichte, die der von Corrie ten Boom nicht unähnlich ist. Thomas Graumann kam mit dem letzten Kinderzug von Nicholas Winton nach London und war eines von über 600 Kindern, die so vor dem Holocaust gerettet wurden. Nach dem Krieg fand er heraus, dass er der einzige Überlebende seiner Familie war. Durch seinen Glauben habe er, der in Schottland inzwischen zum Christentum konvertiert war, die Verbitterung, die bei den anderen Überlebenden vorherrschte, zu überwinden. Ohne Graumann zunahetreten zu wollen: Ich denke, dass sich der Mann durchaus bewusst ist, dass es für andere Menschen vielleicht auch andere Wege geben könnte. Das könnten sich die Autoren auch einmal vor Augen führen.

Selbst die Feinde von Jesus bezeugen übernatürliche Kräfte
Von einer Bezichtigung der Hexerei direkt zur Überzeugung, dass Jesu Feinde seine Wundertaten bezeugt haben in nur einem Satz - ein ziemlich abenteuerlicher Bogen, den ihr hier spannt, der einer genaueren Betrachtung auch nicht standhält, wenn man bedenkt, dass auch damals schon Leute der Hexerei bezichtigt wurden, nur weil sich andere davon einen Vorteil versprochen haben. Das bedeutet dann auch nicht automatisch, dass die Leute wirklich die Kühe vom Nachbarn verhext haben.

Die Handschriftenfunde der Bibel belegen ihre Glaubwürdigkeit
"Die Evangelien sind historisch zuverlässig" reloaded. Das Argument, dass es von Cäsars "Gallische Kriege" auch nur noch Abschriften gibt, ist übrigens keines. Denn erstens ist Julius Cäsar auch außerhalb dieser Schrift in ein paar undert zuverlässigen historischen Quellen als reale existierende Person belegt und zweitens gilt das auch für den Gallischen Krieg.

Die Natur spricht für einen Schöpfer
Ich dachte, dass hier nun der Kreationismus ins Spiel kommt. Stattdessen wird hier nur von "Gottes Lied" gefaselt und die Bibel zitiert. Wie wärs mit einem echten Argument beim nächsten Mal?

Exakte Voraussagen über die Kreuzigung treffen ein
Wie bereits mehrfach gesagt: Die Bibeltexte wurden mehrfach überarbeitet. Von daher kann natürlich auch davon ausgegangen werden, dass dies so geschehen ist, dass die neueren zu den älteren Texten passen. Da ist das Eintreffen von Voraussagen wahrlich keine große Kunst mehr.

Jesus rettete mich von der Ausweglosigkeit
Wie für alle anderen persönlichen Schicksale gilt auch hier: Es ist schön, dass diese Menschen durch ihren Glauben ihr Leben in den Griff bekommen haben. Ich will das wirklich nicht kleinreden. Dennoch kann man daraus keine Allgemeingültigkeit für die Menschheit ableiten. Das gilt auch für Samuel Koch.

Gott ist nicht verantwortlich für das Böse in der Welt
Ah, die Teodizee-Frage. Wie kann ein allmächtiger Gott nur all diesen Schmerz zulassen? Gute Frage und sehr schwer zu beantworten. Man könnte natürlich den freien Willen des Menschen ins Feld führen, der eben auch zulässt, dass er oder sie Böses tun kann. In "33 Argumente für Gott" wird das Pferd natürlich komplett falsch aufgezäumt. Hier wird postuliert, dass es eben Menschen gibt, die sich nicht um Gott kümmern und es deshalb das Böse in der Welt geben würde. Dass auch Atheisten gute Menschen sein können und im Gegenzug die Kreuzzüge im Namen des Herren unsagbares Leid über viele tausend Menschen gebracht haben, lässt man "gekonnt" unter den Tisch fallen.

Die Bibel ist in sich stimmig - trotz ihrer großen Autorenzahl
Die Bibel mag großteils ein für ihre große Autorenanzahl erstaunlich stimmiges Buch sein - widersprüchlich ist sie trotzdem. Man denke nur an die völlig verschiedenen Vorstellungen von Gott, die im AT und NT gezeigt werden und die ohne Erklärung nebeneinander stehen. Oder auch daran, dass Zorn angeblich ein Todsünde ist, die nur für den lieben Gott anscheinend nicht gilt, wenn ich mal an Kleinigkeiten wie die Sintflut denke. Und das ist "in sich stimmig"?

Zeugnisse außerbiblischer Quellen über Jesus
Diese gibt es durchaus. Es gibt aber keine außerbiblischen Quellen über Jesus zu seinen Lebzeiten. Ich persönlich denke aber in diesem einen Punkt ähnlich wie die Leute von "Soulsaver": Da diese Quellen aus vielen verschiedenen Ecken kommen, denke ich schon, dass man daraus auf einen historisch existierenden Jesus schließen kann. Die interessanteste Quelle wird aber ausgelassen: Das apokryphe Thomasevangelium, das von manchen sogar auf eine Entstehungszeit datiert wird, zu der Jesus noch gelebt hat (auch wenn das eher unwahrscheinlich ist).

Der Mensch hat einen Sinn für Schönheit
Ach, Tatsache? Alle Menschen haben das? Dann verstecken das aber manche sehr gut. Ernsthaft, was jeder von uns als "schön" empfindet ist doch dermaßen subjektiv, dass ich mich echt frage, was daran nun ein Argument für Gott sein soll.

Die Pascal'sche Wette
Ich halte die Argumentation von Pascal für vollkommen verfehlt. Hier eine Kurzfassung:

"Ihr sagt: Es gibt keinen Gott. Ich sage: Gott existiert. Es steht also unentschieden! Wenn ihr Recht habt, und es gibt wirklich keinen Gott, was wäre dann mit mir? Eigentlich nichts! Ich würde sterben, und alles wäre vorbei. Ich hätte hier vielleicht nicht alles ausgekostet, was man als unverzichtbar hinstellt. Aber ist das ein so großer Verlust? Wenn es Gott aber gibt, dann wäre alles, wirklich alles, für euch verloren! Ihr würdet sterben und müsstet dann vor Gott Rechenschaft ablegen. Oder glaubt ihr, dass sich Gott eure Ignoranz seiner Person gefallen lässt? Ihr habt dann zwar hier alles mitgenommen und trotzdem alles verloren!“

Das heißt also: Wer glaubt, dass Gott nicht existiert, landet - falls er oder sie sich irrt - automatisch in der Hölle, egal, was für ein Mensch er war. Ich halte mit folgender These dagegen: Gott beurteilt uns primär nach unseren Taten und er würde jeden Menschen, der im Namen seines Glaubens etwas Verwerfliches tun würde, in der Hölle schmoren lassen, wie er den Atheisten, der sich diesem Menschen in den Weg stellt, sofort ins Paradies lassen würde. Dabei ist es Gott denke ich egal, ob dieser Mensch vorher an ihn geglaubt hat oder nicht.


Ich glaube an Gott. Ich glaube aber auch, dass unser Verstand ihn (oder sie oder es) nie vollständig erfassen kann. Meinen persönlichen Zugang zu Gott habe ich über Jesus gefunden. Meiner Meinung nach sind solche Gottesbeweise wie die oben genannten absolut nicht stichhaltig. Es muss einfach jeder für sich selbst entscheiden, ob er glauben will oder nicht. Solange beide Seiten sich nicht gegenseitig aggressiv missionieren wollen und akzeptieren, dass es auch Menschen mit einer anderen Lebensphilosophie gibt, ist das vollkommen in Ordnung so.

Donnerstag, 16. Mai 2013

Cherry 2000 - Melanie Griffith als Actionheldin

Cherry 2000
Im Jahr 2017: Die Androiden-Ehefrau des erfolgreichen Geschäftsmannes Sam Treadwell hat nach dem Kontak mit Wasser einen Kurzschluss. Da er unbedingt wieder das Modell Cherry 2000 haben möchte, muss er die Trackerin E. Johnson engagieren, die ihn in "die Zone" führen soll, ein apokalyptisches Ödland, das von einem Mann namens Lester und seiner Gefolgschaft mit eiserner Hand beherrscht wird. Dort befindet sich nämlich laut Treadwells Informationen das letzte funktionsfähige Cherry 2000 Modell. Unterwegs lernt Treadwell, dass die ideale Frau eben nicht aus einer Ansammlung von Computerchips und Dioden, sondern aus Fleisch und Blut besteht...


Ich liebe es, mir Filme aus den 80ern anzusehen, die in der jetzigen Gegenwart spielen. Ist immer wieder interessant zu sehen, wie man sich unsere Jetztzeit damals vorgestellt hat. Besonders witzig finde ich die Szene, in der Laurence Fishburne als Anwalt die vertraglichen Bedingungen für einen One Night Stand zwischen zwei Barbesuchern aushandelt (und wenn ich so darüber nachdenke, sind wir - überspitzt formuliert - davon gar nicht so weit weg). Cherry 2000 von Regisseur Steve De Jarnatt war in den 80ern jedenfalls einer meiner Lieblingsfilme. Die Frage ist, ob der Film den nostalgischen Erinnerungen, die mich zum Kauf der DVD gebracht haben, auch standhalten kann.
Die Antwort lautet schlicht und einfach: Ja! Cherry 2000 ist auch heute noch sehr unterhaltsam, wenn auch zum Teil aus anderen Gründen, als das damals der Fall war. Heute erfreut man sich bei dem Film, dass er einfach dieses spezielle 80er Jahre Flair hat, das Nostalgiker wie mich anzieht wie das Licht die Motten.

Die Schauspielerinnen und Schauspieler in Cherry 2000
Dazu kommt, dass Melanie Griffith in der Titelrolle eine wirklich gute Figur macht, egal, ob es sich um die Actionszenen, die man ihr durchaus abkauft, oder die etwas leiseren Momente handelt. Außerdem finde ich sie einfach sympathisch. Pamela Gidley, welche die Cherry 2000 spielt, ist mir erst in der Jahre späer entstandenen Serie "The Pretender" aufgefallen, in der sie eine wiederkehrende Rolle spielte. Es amüsiert mich immer wieder, wie sie es mitten in der größten Schießerei schafft, so aszusehen, als ob sie auf dem Weg zum Picknickausflug nur mal eben falsch abgebogen wäre und den Rückweg nicht mehr findet. Tim Thomerson hat als durchgeknallter Lester ohnehin die Zeit seines Lebens, was er zeigt hat phasenweise schon etwas von Jeremy Irons in "Dungeons & Dragons". Einzig David Andrews wirkt als Sam Treadwell ein wenig blass.

Die Spezialeffekte in Cherry 2000
Natürlich kann man sich von einem B-Movie aus den 80ern keine Effektorgie erwarten. Das, was der Zuschauer zu sehen bekommt, ist aber trotzdem gut gelungen. Man merkt eben einfach einen Unterschied zwischen handgemachten Actionsequenzen und billiger CGI, da sind mir die älteren Filme immer noch lieber (jaja, gleich erzählt der Opa noch vom Krieg, schon klar).

Fazit zu Cherry 2000
Cherry 2000 ist unterhaltsamer kleiner Science Fiction Film, der einen ganz eigenen Charme besitzt. Von mir gibt es eine Empfelung, die nicht nur für alte Nostalgiker wie mich gilt.

Da es auf der DVD leider keine Extras gibt, poste ich hier mal das Making of, das ich auf YouTube gefunden habe:
 
 
P. S.: Im Film hat Cherry 2000 einen Kurzschluss, weil sie den Kontakt mit Wasser nicht verträgt. Wenn Wasser also so schädlich ist, wie wurde die Androidin dann eigentlich gereinigt? Oder hat unser Held jahrelang einen ungewaschenen Roboter gevögelt? Ewww..... ;)

Excision von Richard Bates Jr.

Excision
Die 18 Jahre alte Pauline lebt zusammen mit ihrer schwer kranken Schwester Grace und ihren Eltern. Pauline hat immer wieder blutige Wahnvorstellungen davon, eine Chirurgin zu sein, wobei diese blutig-perversen Visionen nicht die einzigen sind, die sie stimulierend findet. Ihre Familie kämpft schwer mit Paulines Wahnvorstellungen (von deren Existenz im Detail aber niemand wirklich etwas ahnt) und ihre Schulkollegen meiden sie wie die Pest. Als das Vorhaben "vorehelicher Sex" in einem Fiasko endet und der Gesundheitszustand von Grace immer schlechter wird, entwickelt Pauline einen Plan, der in seiner Ausführung nicht nur ihre Familie schockieren wird und den auch nicht alle lebend überstehen werden...

(Spoilerwarnung voraus) Ich sitze hier schon eine gute Viertelstunde vor meinem Computer und weiß nicht, wie ich diese Rezension beginnen soll (jaja, ich weiß schon, dass das so klingt, als würde ich gerade extrawitzig sein wollen und darüber schreiben, dass ich nicht weiß, worüber ich schreiben soll - ist aber nun einmal so). Excision ist ein dermaßen verstörend-perves-blutiger Film, dass ich jeden verstehen kann, der sagt, dass er nichts für ihn sei. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Szenen, in denen Pauline von sich selbst als wunderschöne Chirurgin träumt und explizite Nekrophilie noch das Harmloseste ist, was man zu sehen bekommt. Man braucht also einen starken Magen, um die diversen Blut- und Sexeinlagen (gerne miteinander kombiniert), die dieser Film zeigt, zu überstehen. Wenn man das aber schafft, erwartet einen ein verdammt guter Film, der die psychischen Abgründe seiner Protagonistin nicht nur zeigt, sondern sich regelrecht in ihnen suhlt.

Die Darstellerinnen und Darsteller in Excision
Es ist mittlerweile doch relativ selten geworden, dass man in Horrorfilmen (zumindest, wenn man sich so viel Trash ansieht wie ich) wirklich gute Darsteller sieht. Traci Lords, der ich das nicht wirklich zugetraut habe, liefert als Paulines kaltherzig-emotionslose Mutter eine tolle Vorstellung ab. Ariel Winter bietet als Paulines Schwester Grace einen guten Kontrast zur Protagonistin. Die Entdeckung des Filmes ist aber AnnaLynne McCord in der Hauptrolle der Pauline. Ihre Leistung ist in meinen Augen oskarreif. Natürlich könnte man hier einwenden, dass das auch sehr viel mit der Maske zu tun hat aber es ist meiner Meinung nach ein gewaltiger Unterschied, ob man nur geschminkt vor einer Kamera herumhampelt, oder ob man diese Maske dann auch mit Leben erfüllen kann. Wirklich gut gefallen hat mir auch John Waters, der in seinen wenigen Szenen als Priester eine richtig gruselige Kinderschänder-Aura entwickelt (was auch daran liegen kann, dass ich John Waters prinzipiell für einen gruseligen Typen halte. Ganz ehrlich, ich muss nur ein Bild von ihm und seinem blöden Schnurrbart sehen und mir läuft es kalt den Rücken runter). Nur Malcolm McDowell und Ray Wise  sind ein wenig unterbeschäftigt, weil sie zusammengenommen vielleicht fünf Minuten zu sehen sind.
Erwähnenswert sind auch die extrem blutigen Effekte, besonders die am Ende und in den Traumsequenzen. Auch die Szene, in der Pauline einen Vogel seziert und sich dann dessen Blut von der Hand leckt, konnte ich mir fast nicht ansehen (und dass, obwohl ich in dieser Hinsicht einiges gewohnt bin).
Das bitterböse Ende passt sehr gut zum Film. Ich will euch hier nicht die Spannung verderben, daher nur so viel: Die Diskussionen auf IMDB, ob Paulines Schwester noch lebt oder nicht, finde ich doch ziemlich erheiternd.

Fazit zu Excision
Excision ist pervers, blutig, verstörend und intensiv. Er ist sicher nichts für zartbesaitete Gemüter. Excision ist aber vor allem eines: Ein verdammt guter Film.