Donnerstag, 30. Oktober 2014

Der New York Ripper von Lucio Fulci

Der New York Ripper (Italien 1982) von Lucio Fulci
In New York treibt ein Serienmörder sein Unwesen, dessen größtes Vorbild offenbar Donald Duck ist - jedes Mal, wenn er - sobald er wieder einen Mord begangen hat - bei dem abgehalfterten Detective Fred Williams, der die Ermittlungen in diesem Fall leitet, anruft und mit seinen Taten angibt, quakt er wie eine Ente auf Speed in den Telefonhörer. Bei seinen Taten liebt der Gesuchte es, seine wehrlosen Opfer mit einer Rasierklinge zu schneiden und sie möglichst langsam zu töten. Williams verbündet sich mit dem anerkannten Psychologen Paul Davis, um dem Morden Einhalt zu gebieten. Ihre Zusammenarbeit wird zu einem Wettlauf gegen die Zeit, denn der Mörder hat sich sein nächstes Opfer bereits ausgesucht und es auch entführt. Nun steht das ermittelnde Duo noch mehr unter Druck, denn die entführte Frau ist Detective Williams mehr als nur bekannt. Während die Polizei fieberhaft daran arbeitet, den Mörder rechtzeitig zu finden, enthüllt Davis Schritt für Schritt die Hintergründe und die Motivation des Täters...

Der New York Ripper von Lucio Fulci
Hat sich die obige Inhaltsangabe auch nur ansatzweise so angehört, als wäre "Der New York Ripper" ein spannender Film? Wenn ja, dann hat sie dem Film etwas voraus, der ist nämlich ein Ausbund an Langeweile. Man merkt, dass Fulci die Handlung ziemlich egal war und es ihm nur darum ging, die einzelnen Mordszenen irgendwie miteinander zu verbinden und mehr schlecht als recht Spielfilmlänge zu erreichen. Dabei bringt Fulci auch noch das Kunststück fertig, alle Frauen in diesem Machwerk dermaßen unerotisch wirken zu lassen, dass man nicht anders kann, als ihm hier Absicht zu unterstellen, denn dass Fulci von Frauen allgemein keine allzu hohe Meinung gehabt haben dürfte, ist ja bekannt (siehe zum Beispiel die Interviews auf der DVD von Woodoo). Diese Gefühle lebt er auch bei den Mordszenen, die hauptsächlich aus laaaangsaaamen und blutigen Schnitten mit der Rasierklinge und unendlichem Gekreische der Mordopfer bestehen, voller Inbrunst aus.
(Achtung, für den folgenden Absatz schicke ich eine Spoilerwarnung voraus) Besonders bescheuert ist die Motivation des Killers. Dieser ermordet Frauen, weil er es für ungerecht hält, dass seine Tochter an Krebs sterben muss. Ist ja völlig klar, dass da nur ein paar blutige Morde an völlig unschuldigen Frauen helfen, oder etwa nicht? Das nervige Quaken macht er deshalb andauernd, weil sich seine Tochter (die er übrigens nie besucht - wirklich ein ganz toller Vater, dieser Typ) im Krankenhaus immer Donald-Duck-Cartoons ansieht. Die fand er wohl sehr inspirierend (wobei ich sofort glaube, dass Donald Duck unserem Mörder intellektuell haushoch überlegen ist). Die Schauspieler wirken jedenfalls die ganze Zeit über so, als ob sie ganz genau wüssten, in was für einem Dreck sie hier mitspielen und schauen dermaßen emotionslos, als hätten sie in der Steven Seagal School of Acting ihren Abschluss gemacht.

Fazit zum New York Ripper
Es wäre besser gewesen, wenn Fulci bei seinen Horrorfilmen geblieben wäre, denn die sind wenigstens unterhaltsam. "New York Ripper" ist maximal als Schlafmittel zu gebrauchen, wenn man müde genug ist, um über die Blödheit des Drehbuchs hinweg zu sehen.

Mittwoch, 29. Oktober 2014

Avengers 2: Age of Ultron Trailer


Auf "Avengers 2: Age of Ultron" freue ich mich jetzt schon! Hier gibt es noch ein Video dazu:


Count me in!

Cabin Fever von Eli Roth

Cabin Fever (USA 2002) von Eli Roth
Fünf junge Freundinnen und Freunde wollen in einer Hütte im Wald Ferien machen. Kaum sind sie dort angekommen, treffen sie einen Mann, der offensichtlich schwer krank ist und ihnen das Auto mit Blut vollkotzt. Da sie Angst haben, sich anzustecken, vertreiben sie den Fremden gewaltsam. Da die mysteriöse Krankheit bei dem Obdachlosen schon sehr fortgeschritten ist, stirbt er, und kippt dabei unglücklicherweise in den nahen, für die Trinkwasserversorgung der Gegend wichtigen, See. So verbreiten sich die Viren nun rasend schnell in der ganzen Gegend. Es dauert nicht lange, bis das erste Gruppenmitglied Symptome der Krankheit zeigt, die nicht gerade unblutig sind. Ab diesem Zeitpunkt ist die Panik bei den anderen natürlich groß. Sie können nicht in die nahe liegende Stadt, da der Wagen nicht anspringt, und sie haben keine Ahnung, ob und wie diese Krankheit ansteckend ist. Zwei aus der Gruppe versuchen, zu Fuß in die Kleinstadt zu kommen, sie bemerken aber schnell, dass die Bewohnerinnen und Bewohner ihnen nicht gerade freundlich gesonnen sind. Da die Angst immer größer wird, drehen die vier Verbliebenen immer mehr durch und gehen aufeinander los, anstatt gemeinsam abzuhauen. Da sie immer wieder Wasser trinken, zeigen bald auch die anderen Symptome. Wenn noch irgend jemand überleben soll, müssen die Protagonisten schnell handeln...


Cabin Fever von Eli Roth
Die Filme von Eli Roth sind bestenfalls ein zweischneidiges Schwert. Man kann Roth zwar ein gewisses Bemühen, einen unterhaltsamen Film zustande zu bringen, zwar nicht absprechen, nur gelingen tut ihm das beileibe nicht immer. Umso amüsanter sind dann die Versuche seiner Fans, Filmen wie "Hostel" eine tiefere Bedeutung zu verleihen (ein besonders "gelungenes" Beispiel findet ihr hier). So gesehen warte ich nur darauf, dass jemand ignoriert, dass der Film schon 12 Jahre alt ist und ihn zu Roths Kommentar zur Ebola-Panik erklärt oder so (aber vielleicht kommt das dann mit dem geplanten Remake).
"Cabin Fever" war Roths erster Film. Eigentlich hätte er danach gleich wieder mit dem Filmemachen aufhören können, denn seither erzählt er immer wieder die gleiche Geschichte. Eine Gruppe von unsympathischen Deppen fährt irgendwo hin und wird an ihrem jeweiligen Ziel von irgendetwas oder -jemanden getötet. Dabei ist es zweitrangig, ob das durch ein Virus, Kannibalen oder andere durchgeknallte Psychopathen geschieht - es ist immer das gleiche Storykonstrukt, das von Roth einmal mehr, einmal weniger stark variiert wird. "Cabin Fever" ist immerhin noch die unterhaltsamste Variation, die Eli Roth zustande gebracht hat (wobei die Messlatte hier nicht allzu hoch liegt).
"Cabin Fever" hält sich nicht lange mit einer Einführung auf. Nicht lange nach der Ankunft der Protagonisten geht es mit dem Terror los und die Spezialeffekte sind sehr gut gelungen. Die Schauspieler sind zwar kein Academy Award-Material, aber ich habe in diesem Genre schon wesentlich schlechtere Leistungen gesehen. Der einzige, den man vielleicht kennen könnte, ist Rider Strong (DAS wäre mal ein Name für einen B-Movie-Helden!), der vor einer halben Ewigkeit in der Serie "Das Leben und ich" mitgespielt hat.

Alte Horrorfilmkrankheit
Das Hauptproblem von "Cabin Fever" ist die alte Krankheit, die viele Filme dieses Genres mit sich herumschleppen: Die Protagonisten schaffen es immer wieder, von allen Handlungsmöglichkeiten die dümmstmögliche auszwählen, um sich so in eine immer ausweglosere Situation zu manövrieren. Ein gutes Beispiel dafür ist die Szene, in der zwei von ihnen in die Kleinstadt wollen, um Hilfe zu holen und es schaffen, nicht nur mit leeren Händen zurück zu kommen, sondern gleich noch den Verdacht auf sich zu lenken, dass sie für die Verbreitung der Seuche verantwortlich wären. Szenen wie diese machen es dem Zuschauer sehr schwer, sich mit irgend jemandem in dem Film zu identifizieren.
Die Blu Ray von "Cabin Fever" geht in Ordnung. Bild und Ton sind fantastisch, als Extras gibt es verschiedene Audiokommentare mit Eli Roth, Hauptdarsteller Rider Strong, dem Rest der Besetzung und der Filmcrew. Außerdem ist noch das von Eli Roth gemacht DVD-Intro mit drauf.

Fazit zu Cabin Fever
"Cabin Fever"ist ein leidlich unterhaltsamer Horrorfilm, der weder einen besonderen Höhe- noch einen Tiefpunkt im Horrorgenre darstellt. Man kann ihn sich zwar einmal ansehen, sollte aber nichts besonderes davon erwarten.

Hier gehts zum Review von Cabin Fever 2.

Sonntag, 26. Oktober 2014

Hellraiser 4 - Bloodline von Kevin Yagher

Hellraiser 4 - Bloodine von Kevin Yagher (als Alan Smithee, USA 1996)
Im 22. Jahrhundert versucht ein Wissenschaftler namens Paul Merchant (Bruce Ramsay) das richtig zu stellen, was seine Vorfahren falsch gemacht haben: Er möchte das Tor zur Hölle für immer schließen, das mit einer Puzzlebox, die einer seiner Ahnen angefertigt hat, vor Jahrhunderten geöffnet wurde. Von Generation zu Generation versuchen die Merchants seither, der Hölle Einhalt zu gebieten. Nun hat Paul Merchant ein Gegenstück zu der Puzzlebox entworfen, die das Tor zur Hölle für immer schließen soll. Dabei wird er aber unterbrochen, als eine Spezialeinheit in die Raumstation eindringt und ihn festsetzt. Nun muss er die ihn verhörende Rimmer (Christine Harnos) davon überzeugen, dass er nicht verrückt ist und sie alle in Gefahr sind. Deshalb erzählt er ihr die Geschichte seiner Familie. Die Zeit drängt, denn die Höllenkreatur Pinhead und seine Cenobiten dezimieren die Crew der Spezialeinheit sehr schnell...


Hellraiser 4 - Bloodline
Da Halloween wieder naht, wird es Zeit, hier wieder ein paar Horrorfilme zu besprechen. Da ich die Hellraiser-Reihe hier noch nie besprochen habe,  habe ich mir mal den einzigen Teil geschnappt, den ich auf Blu Ray habe, um diese Lücke zu schließen.
"Bloodline" ist im Vergleich zu seinem direkten Vorgänger durchaus ein Schritt in die richtige Richtung. Denn während "Hellraiser 3 - Hell on Earth" vor allem durch Langeweile und blöde Einfälle bestach, versuchten Regisseur Kevin Yagher und Drehbuchautor Peter Atkins wenigstens, in den vierten Teil des Franchises ein wenig Abwechslung hinein zu bringen. Außerdem vollbringt Bruce Ramsay das Kunststück, jeden seiner Ahnen zu spielen und dabei trotzdem nicht als der selbe Schauspieler erkannt zu werden. Dafür gebührt ihm Respekt. Auch die restlichen Schauspieler leisten sich keine gröberen Ausfälle, obwohl ihre Charaktere nur das übliche Kanonenfutter für Horrorfilme darstellen. Die anderen Cenobiten (allen voran Valentina Vargas als Angelique und die Zwillinge) sehen gar nicht so schlecht aus. Nur: Das war es auch schon mit den positiven Punkten.

Yagher lässt seinen Namen streichen
Das erste Alarmzeichen ist, dass Yagher darauf drängte, seinen Namen zu streichen und durch das Synonym Alan Smithee zu ersetzen, weil er einen dauerhaften Schaden für seine Karriere befürchtete. "Hellraiser 4 - Bloodline" war dann auch sein letzter Auftritt als Regisseur, fortan konzentrierte Yagher sich wieder auf seine Arbeit als Makeup-Spezialist.
Das größte Problem des Filmes ist, dass die zahlreichen Rückblenden, in denen Merchant seine Geschichte erzählt, und die Handlung in der Zukunft nie zu einem Ganzen werden. Dafür gibt es drei Gründe: Die verschiedenen Schnipsel sind erstens nur sehr lose miteinander verbunden, beinahe wirken sie so, als ob es sich dabei um weg geworfene Ideen für andere Hellraiser-Filme handeln würde, die man noch irgendwie verarbeiten wollte. So wirkt "Hellraiser 4" wie ein mehr schlecht als recht zusammen gehaltener Episodenfilm.
Zweitens fragt man sich mit der Zeit, wieso Merchant und Rimmer sich die Zeit nehmen, Merchants Familiengeschichte haarklein zu analysieren, während Pinhead in aller Seelenruhe den Rest der Spezialeinheit auslöschen kann, denn dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt, muss Rimmer auch ohne Merchants Geschichte (die sie übrigens einfach so schluckt, was sehr unglaubwürdig ist) bis ins letzte Detail zu kennen, hier wäre wesentlich früheres Handeln angesagt. Zu diesen Problemen kommt dann noch ein Showdown, der den Namen nicht verdient und in dem Pinhead so phlegmatisch wirkt, als ob es ihm völlig egal wäre, wenn Merchant ihm das Licht ausbläst. Was dieser am Ende dann auch tut. Die restlichen Cenobiten tragen beim finalen Kampf ebenfalls nicht sehr viel zum Sieg ihrer Seite bei.

Die Blu Ray von "Hellraiser 4"
Wie bereits gesagt, habe ich mir für die Rezension die Blu Ray des Filmes vorgenommen. Von dieser möchte ich dringend abraten, da diese leider geschnitten ist und die Extras den Namen nicht verdienen. Dabei handelt es sich um ein Feature namens "Die Hellraiser Story", wo einem in drei Minuten die vorherigen Filme zusammengefasst werden (kann man sich schenken, dafür gibt es IMDB) und "Die Cenobyten", wo man in zwei Minuten noch einmal die Cenobyten und ihre Entstehungeschichte sieht (kann man sich ebenfalls schenken, schließlich hat man genau das kurz zuvor im Film gesehen). Da wäre es besser gewesen, stattdessen ein paar Trailer zu anderen Filmen drauf zu packen. Zu guter Letzt gibt es noch den Kinotrailer zu Hellraiser 4. Bild- und Tonqualität kommen auch nicht über eine durchschnittliche DVD hinaus (das wundert mich allerdings nicht, schließlich steht auf der Rückseite ganz klein drauf, dass hier Oliver Krekels DigiDreams die Finger im Spiel hatte und der hat ja schon öfter behauptet, dass Blu Ray nicht gleichbedeutend mit besserer Bildqualität ist). Dafür brauche ich auf jeden Fall keine Blu Ray.

Fazit zu "Hellraiser 4 - Bloodline"
Den vierten Teil der Hellraiser-Reihe muss man nicht unbedingt gesehen haben. Besser als sein Vorgänger ist er aber trotzdem.

Sonntag, 12. Oktober 2014

Mercenaries von The Asylum

Mercenaries (USA 2014) von Christopher Olen Ray
Die Tochter des amerikanischen Präsidenten wird entführt, während sie sich in einem Krisengebiet befindet. Für ihre Freilassung fordert die durchgeknallte Ulrika (Brigitte Nielsen), dass sie wieder als Diktatorin ihres Heimatlandes eingesetzt wird. (Wäre es da nicht logischer gewesen, jemanden zu entführen, der den dortigen Verantwortlichen wichtig ist?) Jedenfalls denkt der Präsident gar nicht daran, Ulrikas Wünschen nachzugeben und beauftragt Mona (Cynthia Rothrock) damit, eine Gruppe zusammen zu stellen, die das holde Präsidententöchterl in einem Stück zurück zu Daddy bringen soll. Da Ulrika bei Männern ein veritables Vertrauensproblem hat, entschließt Mona sich dazu, eine reine Frauentruppe loszuschicken. Da man aber selbst nicht genug weibliche Spezialistinnen auf der Gehaltsliste hat, sieht Mona sich um, was sie so in den hiesigen Gefängnissen und bei den aus den diversen Armeen und Geheimdiensten Entlassenen so findet. Die Frauen sollen Ulrikas Vertrauen gewinnen und deren Geisel in einem geeigneten Moment befreien. Den entsprechenden Damen wird - bei erfolgreicher Befreiung - eine Begnadigung angeboten. Als unsere Heldinnen sehen, dass Ulrika Dutzende von Menschen gefangen hält und in ihrem Territorium Todesurteile verteilt wie andere Leute Bonbons, beschließen die Damen, den Plan zu ändern...


Mercenaries von The Asylum
(Achtung Spoilerwarnung) Die Asylanten haben es tatsächlich geschafft. Zum ersten Mal haben sie den Film, auf denen ihr Mockbuster beruht, nicht nur zeitnah kopiert, sondern gleich überholt, denn während Expendabelles noch in der Entwicklung steckt, gibt es "Mercenaries" schon auf DVD. In meinen Augen ist das ein deutliches Zeichen dahingehend, dass für Stallones weiblichen Expendables-Ableger der Zug endgültig abgefahren ist, aber das nur nebenbei.
Der Plot von "Mercenaries" ist so dünn wie ein Blatt Papier und wurde dementsprechend schon hunderttausendmal verfilmt. Logik und Konsistenz sind auch nicht die Stärke des Drehbuchs von Edward DeRuiter (der außerdem in Battle of Los Angeles mitgespielt hat). Das ist aber völlig egal, denn unterhaltsam ist "Mercenaries" allemal.
Das liegt unter anderem an Brigitte Nielsen, die als Ulrika dermaßen viel Spaß hat, dass man als Zuschauer gar nicht anders kann, als sich minutenlang den A... abzulachen, während Nielsen sich mit ihrem Overacting nachdrücklich für die Hauptrolle in einem Remake von ILSA empfiehlt. Vivica A. Fox schaltet in dem Moment, in welchem sie die Seiten wechselt, augenblicklich in denselben Overacting-Modus und verkündet gleich, dass sie George Clooney mit einem Dildo vögeln will (vielen Dank für die Info). Der Rest des Casts nimmt seine Rollen ungefähr genauso ernst, nämlich gar nicht. Einzig Alexis Raich übertreibt es als Lexi mit dem Overacting und geht einem so sehr auf die Nüsse, dass man bei ihrem recht vorhersehbaren Ableben einen Jubelchor anstimmen möchte.
Regisseur Christopher Olen Ray inszeniert die ganze Chose recht flott, manche der kurzweiligen Actionszenen sind aber ein wenig unübersichtlich geschnitten. Außerdem wäre es wünschenswert gewesen, wenn die Rolle von Cynthia Rothrock ein wenig größer gewesen wäre und man ihr ein oder zwei Martial-Arts-Kämpfe gegeben hätte. Schade ist auch, dass Ulrikas angeblicher Hass auf Männer letztendlich nur behauptet ist, da dieser Plotpoint im Verlauf der Geschichte kaum eine Rolle spielt und Ulrikas Truppen ausschließlich aus Männern bestehen.
"Mercenaries" kommt mit sehr wenig Exposition aus und spart es sich, Gott sei Dank, die Laufzeit mit überflüssigem Zeug in die Länge zu ziehen. Dadurch kommt keine Langeweile auf, zuweilen würde man sich aber wünschen, dass die Geschichte die vorgezeichneten Pfade verlässt und zumindest ein bisschen mehr Originalität zeigt. Hier heißt es leider: Fehlanzeige!
Noch einmal kurz zu den Expendabelles: "Mercenaries" macht diesen Film eigentlich obsolet. Die Handlung wird, wenn wir uns ehrlich sind, nicht viel weniger klischeebeladen sein. Was die Schauspielerinnen angeht, denke ich, dass Zoe Bell, Kristanna Loken, Cynthia Rothrock, Brigitte Nielsen und Vivica A. Fox locker auch bei den Expendabelles mitspielen könnten. (Wen wollen die jetzt bei Expendabelles eigentlich einsetzen? So viele weibliche Actionstars gibt es ja leider nicht.) Was sollte also noch für Expendabelles sprechen? Ein paar Explosionen mehr und ein höheres Budget reichen mir nicht als Grund.

Fazit zu Mercenaries
"Mercenaries" ist ein billiger, aber nichtsdestotrotz unterhaltsamer, kleiner B-Actionfilm. Wenn man sein Gehirn ausschaltet und nicht mehr erwartet, als hirnlose Unterhaltung, wird man hier nicht enttäuscht.

Sonntag, 28. September 2014

Das finstere Tal von Andreas Prochaska

Das finstere Tal (Ö/D 2014) von Andreas Prochaska
Über einen verschlungenen Pfad erreicht ein fremder Reiter ein verstecktes Dorf in den Alpen. Die Dorfbewohner würden den Fremden, der sich Greider nennt und um ein Quartier für den Winter bittet, am liebsten wieder davonjagen. Die Söhne des Brenner-Bauern hätten das wohl gerne in die Hand genommen, wenn Greider ihnen nicht eine Handvoll Goldmünzen gegeben hätte. Greider wird bei der Witwe Gader und ihrer jungen Tochter Luzi untergebracht. Luzi steht kurz vor ihrer Hochzeit. Bei ihr dominiert jedoch nicht die Vorfreude, sondern die Angst, denn Hochzeiten sind in diesem Tal mit einer furchtbaren Tradition verbunden. Nachdem der Schnee das Dorf eingeschlossen hat, stirbt einer der Brenner-Brüder bei einem furchtbaren Unfall. Als der zweite Brenner-Sohn kurz darauf ebenfalls das Zeitliche segnet, ist schnell klar, dass es sich hier um keinen Zufall handelt: Die Brenner-Familie muss büßen, denn Greider ist gekommen, um eine Rechnung aus längst vergangenen Zeiten zu begleichen.


Das finstere Tal von Andreas Prochaska
"Das finstere Tal" von Andreas Prochaska wollte ich als Westernfan unbedingt im Kino sehen und ich war sehr enttäuscht, als das nicht zustande kam. dafür habe ich mir dann nur ein paar Tage nach der Veröffentlichung die DVD gekauft. Und was soll ich sagen? Der Film hat meine hohen Erwartungen noch bei weitem übertroffen.
"Das finstere Tal" ist kein sehr gesprächiger Film. Tobias Moretti, der den Antagonisten Hans Brenner spielt, sagt in einem Interview in den DVD-Extras folgendes: "Sprache findet in diesem Film nicht statt." Bezugnehmend auf verbale Kommunikation stimmt das. Hier sprechen die Mimik und die Körpersprache. Durch dieses beredte Schweigen werden diese nonverbalen "Gespräche" für den Zuschauer greifbar. Tobias Moretti, Erwin Steinhauer, Paula Beer, Hans-Michael Rehberg, Clemens Schick, Sam Riley, der den Greider spielt, und alle anderen an dem Film beteiligten beherrschen diese Kunst perfekt. Ein besseres Ensemble hätte man für diesen Film gar nicht finden können, was diese Menschen mit einem einzigen Blick oder einer kleinen Geste kommunizieren können, schaffen andere nicht einmal mit 1000 Worten.
Der zweite große Pluspunkt des Filmes ist die Kulisse. Einen Western, der in einer alpenländischen Winterlandschaft spielt sieht man schließlich nicht so oft und Kameramann Thomas Kiennast schafft es, diese mit großartigen Kamerafahrten einzufangen. Hinzu kommt die detailverliebte Ausstattung, die den Zuschauer von der ersten Sekunde an in Erstaunen versetzt.
Die Schießereien sind ebenfalls sehr gut in Szene gesetzt worden, "Das finstere Tal" hat zwar keinen übermäßig hohen Bodycount, dafür sterben die Menschen mitunter äußerst blutig. Die Freigabe ab 12 Jahren ist in meinen Augen sehr tief angesetzt.
Es gibt nur einen kleinen Minuspunkt, den ich anmerken möchte: Den Voiceover. Dabei ist weniger störend, was die Erzählerin, sondern das "wie". Der tirolerische Dialekt ist teilweise (obwohl er bei der Berlinerin Beer völlig natürlich klingt) so stark, dass ich Probleme hatte, alles zu verstehen und mehrmals zurückspulen musste. Das ist aber nur ein sehr kleiner Kritikpunkt.

Ein würdiger Kandidat im Oscarrennen
"Das finstere Tal" wurde von Österreich in das Rennen um den besten nicht englischsprachigen Film bei der nächsten Oscarverleihung geschickt. Ich wünsche dem Film dabei alles Gute, er wäre ein würdiger Gewinner. Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Thomas Willmann ist einer der besten Western der letzten 20 Jahre und spielt mit "Django Unchained" locker in einer Liga.

Samstag, 27. September 2014

Grave Encounters von den Vicious Brothers

Grave Encounters (USA 2011) von den Vicious Brothers
Die Geisterjäger-Reality-TV-Serie "Grave Encounters" von Showmaster Lance Preston erfreute sich im Jahr 2003 beim Publikum großer Beliebtheit. Für eine Folge will sich Lance mit seiner Crew über Nacht in der Collingwood-Pschiatrie einschließen lassen, da dort seit Jahren von ungeklärten Phänomenen berichtet wird. Schnell müssen Lance und seine Freunde, die die "Geistererscheinungen" ansonsten für ihre Sendung immer gefaket haben, feststellen, dass die Irrenanstalt verflucht und tatsächlich von Geistern des ehemaligen Personals und der Patienten bewohnt ist. Die Gespenster sind der Filmcrew nicht wohlgesonnen. Verloren in den endlos scheinenden, labyrinthartigen Korridoren der Anstalt und verfolgt von den blutrünstigen Geistern, gleiten die einzelnen Mitglieder von Lances Crew selbst immer mehr in den Wahnsinn ab und sterben wie die Fliegen. Bis zum heutigen Tag weiß niemand genau, was mit Lance und seinen Freunden passiert ist. Acht Jahre später wird das damals gefundene "echte" Filmmaterial endlich einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht...


Grave Encounters von den Vicious Brothers
Found Footage also mal wieder. Ich stehe diesem Genre ja nicht grundsätzlich negativ gegenüber, aber dieses ewig gleiche Strickmuster, nach dem die meisten dieser Filme entstanden sind, wird langsam langweilig (davon, dass es von vielen wohl einfach nur deshalb eingesetzt wird, weil man die Filme kostengünstig produzieren kann, rede ich gar nicht erst). "Grave Encounters" von den Vicious Brothers (Sid Vicious rotiert gerade in seinem Grab, die zwei sehen aus wie Wannabe-Hipster mit mangelndem Bartwuchs) gewinnt hier leider auch keine Preise für Originalität.
Dennoch macht der Film nicht alles falsch.Einige der Schockeffekt sitzen punktgenau, die Geister sehen (für einen Film mit eher geringem Budget) ziemlich gut aus und bei den Schauspielern gibt es auch keine gröberen Ausfälle zu verzeichnen. Sean Rogerson spielt den Moderator, dem es nicht um Ehrlichkeit, sondern vor allem um einen theatralischen Auftritt vor der Kamera geht, genau so, wie man sich die Protagonisten dieser gefaketen Geisterjäger-Sendungen vorstellt: Selbstverliebt und verlogen bis ins Mark. Eines möchte ich aber schon anmerken: Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn ein Film auf die Verlogenheit von Geisterjäger-Realityshows anprangern möchte und dann bei den Geistern auf relativ offensichtliche CGI-Effekte setzt.

Das alte Found Footage-Problem
(Achtung Spoiler) Natürlich teilt sich "Grave Encounters" mit anderen Filmen des Found Footage-Genres ein Problem: Es müssen aus dramaturgischen Gründen Szenen zu sehen sein, die kein normaler Mensch mehr filmen würde. Das hält sich hier aufgrund der Ausgangslage zwar anfangs in Grenzen, vor allem die Schlussszene ist diesbezüglich Gold wert. Da filmt Lance, wie der frühere Geist und jetzige Psychiater, äh..umgekehrt...eine Lobotomie (oder etwas ähnliches) an einem Patienten vornimmt. Dann schauen Psychiater Friedkin (!) und seine Krankenschwester auf, entdecken Lance und starren ihn vielsagend an. Statt wie ein normaler Mensch zu reagieren - also sich anständig in die Hose zu scheißen und nach seiner Mama schreiend um sein Leben zu laufen - schwenkt Lance mit der Kamera kurz weg (warum eigentlich?), nur um dann wieder in Richtung Friedkin zu schwenken. Natürlich steht der Onkel Doktor jetzt direkt vor ihm (zugegeben: Der Schreck hat gesessen) und schleift den Patienten zu einer lustigen Spontan-OP. Dabei fällt Lance die Kamera so aus der Hand, dass sie - während wir ihn nur noch vor Schmerzen schreien hören - direkt vor einem medizinischen Handbuch zum Liegen kommt und der Zuschauer die Wort "Medical Treatment" auf dem Cover lesen kann (oh welche Ironie! Die Chancen dafür. dass die Kamera genauso landet stehen übrigens maximal 1:1000.). Dann kommt der Abspann. Ein gutes Beispiel ist auch, wie Lance und Co den zerschnittenen Rücken von Sasha detailliert filmt, anstatt ihr zu helfen.

Fazit zu Grave Encounters
"Grave Encounters" erfindet das Rad wirklich nicht neu. Die Vicious Brothers (Gott, ich hasse solche Künstlernamen außerhalb eines Wrestlingringes!) habe außerdem ziemlich deutlich auf die kommerzielle Verwertbarkeit ihres Filmes geschielt und sich einfach an ein Genre drangehängt, das ihnen finanziell erfolgsversprechend erschien. Dennoch ist "Grave Encounters" halbwegs flott inszeniert und über weite Strecken leidlich unterhaltsam.