Sonntag, 30. August 2015

Dark Invasion von John Klappstein und Knighten Richman

Dark Invasion (Kanada 2010) von John Klappstein und Knighten Richman
Ein Clique von jungen Menschen bricht zu einem Partywochenende an einem Haus am See auf. Dort werden die Jugendlichen von ihrem Freund Jeremy, der sich noch seltsamer verhält als sonst, erwartet. Die Gruppe feiert, philosophiert (i use this term very loosely here) über das Leben und schafft es, den Zuschauern schon nach wenigen Minuten extrem auf die Nerven zu gehen, Dass keiner seiner so genannten Freunde mitbekommt, dass von Jeremy längst eine unbekannte Macht Besitz ergriffen hat, passt gut ins Bild, dass man von diesen Pappnasen zu dem Zeitpunkt schon hat. Die Freunde werden nun einer nach dem anderen umgebracht und als Zuschauer kann man kaum erwarten, dass die Idioten einen möglichst blutigen Abgang machen...


Warum falle ich eigentlich immer wieder auf reißerische Cover rein? Gefräßig und sexy ist bei dem Film rein gar nichts und gnadenlos sind nur die sich ausbreitende Langeweile und die Dummheit der Dialoge. Und gerade von diesen Dialogen gibt es eine Menge, denn die Action beginnt hier bei einer Gesamtlaufzeit von etwas mehr als 70 Minuten erst nach Minute 55. Bis dahin philosophieren die Protagonisten über den Sinn des Lebens und sorgen so dafür, dass man als Zuschauer ein paar Mal knapp davor steht, sich eine Stricknadel in den Gehörgang zu rammen, damit man ihren Blödsinn nicht länger ertragen muss. Ich wollte einen Monsterfilm sehen, was zum Teufel interessiert mich da eine "Breakfast Club"-Variante für Gehirnamputierte?? Und dennoch: Wenn der erste Mensch von der Kreatur (von der übrigens nie erklärt wird, was genau sie ist) transformiert wird, um zukünftig mit einer Handvoll Seetang im Rachen, äh...gar fürchterlichen Tentakeln herumzurennen und "Grrr!! Grrr!!" zu machen. Da die "Action" viel zu spät beginnt, kommt der Showdown viel zu kurz, so etwas wie Dramatik oder Spannung entwickelt sich nie.
Hier käme nun die Stelle, an der ich darauf hinweisen würde, dass die schauspielerischen Leistungen unter aller Kanone sind. Nur habe ich diesmal keine Lust darauf. Sicher hat man den hier versammelten Laien sicher nicht die Pistole auf die Brust gesetzt und ihnen die Teilnahme an diesem Machwerk aufgezwungen, allerdings helfen ihnen die Dialogzeilen, die ihnen Klappstein und Richman in den Mund legen, absolut nicht weiter.So ergeben unnatürliche Dialoge und hölzernes Schauspiel eine Mischung, die, gemeinsam mit dem Mangel an Action, die Nerven der Zuschauer vor eine unerträgliche Zerreißprobe stellt. Die "Musik" sorgt dann endgültig dafür, dass man sich am liebsten eine glühend heiße Stricknadel durch den Gehörgang rammen und sich so selbst von diesem Leid erlösen möchte.
Tut euch einen Gefallen und erspart euch diesen Mist. "Dark Invasion" hat nichts, was ihn aus der Masse schlechter Filme, die heute offenbar im Minutentakt auf DVD in die Läden geschleudert werden, hervorhebt. Wer auf schlechtes Laientheater steht, ist mit dieser DVD bestens bedient.

Dienstag, 11. August 2015

Offenbarung 23 Folge 21 - Jack the Ripper

Offenbarung 23 Folge 21: Jack the Ripper - Live in Berlin (7. April 2008)
Georg Brand und seine Freunde sind einer weiteren Verschwörung auf der Spur. Diesmal geht es um den berühmtesten Serienmörder der Welt: Jack the Ripper versetzte in nur wenigen Wochen des Jahres 1888 ganz England in Aufruhr. Durch mehrere Briefe, die er angeblich selbst an die größten Zeitungen des Landes schrieb und mit denen er Polizei und Öffentlichkeit verhöhnte, wurde Jack the Ripper zur weltweit bekannten Mediensensation. Die Frage, wer Jack the Ripper wirklich war, ist bis heute ungelöst. Die wildesten Gerüchte machen immer noch in regelmäßigen Abständen die Runde. Durch einen Hinweis von Jan Gaspard stößt Georg Brand auf eine unglaubliche Wahrheit...


Ich mag die Prämisse von Prämisse von Offenbarung 23. Obwohl ich selbst kein Anhänger von Verschwörungstheorien bin, finde ich sie doch recht spannend zu hören. Offenbarung 23 hat hier leider das Problem, dass es einige eher schlechte Folgen in dieser Reihe gibt. Bei Folge 21, "Jack the Ripper", ist das nicht der Fall. "Jack the Ripper" ist nicht nur eines der besten Hörspiele dieser Reihe. Es ist eines der besten Hörspiele, das ich kenne.

Spiel mit den Ebenen
Von Anfang an ist klar, dass die Grenze zwischen Realität und Hörspiel immer wieder gezielt durchbrochen werden wird, wenn Oliver Rohrbeck darauf hinweist, dass er der Figur Jan Gaspard heute seine Stimme leiht und auf ihre Parallelen zu Sherlock Holmes und "seinem" Justus Jonas bei den drei Detektiven hinweist, nur um danach sofort in die Rolle des Jan Gaspard einzutauchen. Im Laufe des Hörspiels gibt es immer wieder Momente, in denen auf bestimmte Reaktionen des Publikums abgezielt wird (es ist das einzige Live-Hörspiel der Reihe). Diese werden jedes Mal spielend erreicht.
Das Hörspiel ist so geschickt aufgebaut, dass man beim ersten Anhören vergisst, dass die präsentierte Theorie nicht stimmen kann. Ich werde hier versuchen, meinen diesbezüglichen Standpunkt darzulegen ohne zu spoilern. Dennoch sollte jeder, der das Hörspiel noch nicht kennt und sich das Hörerlebnis nicht verderben will, hier aufhören und erst nach dem Genuss desselben weiterlesen.
Ein zentraler Punkt ist, dass die Tatorte, wenn man sie miteinander verbindet, ein Pentagramm ergeben sollen. Wenn man sich aber die interaktive Karte auf casebook ansieht, wird einem schnell klar, dass hier nicht einmal mit viel Fantasie ein Pentagramm daraus wird.
Als nächstes wird der "Dear Boss"-Brief zu Vergleichszwecken herangezogen. Die angeblichen Ähnlichkeiten im Brief und in der Handschrift sollen die Täterschaft beweisen. Dumm nur, dass es bei dem Brief höchst umstritten ist, von wem er kommt. Die meisten Experten gehen davon aus, dass der Brief von einem Journalisten geschrieben wurde. Damit ist der Schriftvergleich als Beweis hinfällig.
Zu guter Letzt kommt dann noch das angebliche Motiv des Täters, das einen Vor- und gleichzeitig einen Nachteil hat. Der Vorteil ist, dass es erklärt, wieso der Ripper nach dem Mord an Mary Jane Kelly spurlos verschwand, weil er hier kein perverser Triebtäter, sondern ein eiskalt berechnendes Monster ist. Der Rest ergibt allerdings keinen Sinn. Er begeht ein paar Morde, weil die Leute dann vielleicht gerne Krimis lesen und vielleicht auch sein Buch kaufen, das bis dahin ein Ladenhüter war? In welcher Welt ergibt das denn einen Sinn?
Das klingt jetzt alles so negativ. Bitte versteht mich nicht falsch, ich liebe dieses Hörspiel! Wie gut es gemacht ist, lässt sich schon daran sehen, dass ich als Hobby-Ripperologe, der doch einiges über den Ripper weiß, alle Ungereimtheiten beim Hören völlig vergessen hat. Dafür verantwortlich sind - neben dem Autor - Oliver Rohrbeck, Marie und Detlef Bierstedt, David Nathan und Dietmar Wunder. Ich habe in einem Hörspiel selten so überzeugende schauspielerische Leistungen gehört, vor allem das Ende ist großartig gelungen.

Fazit zu Offenbarung 23 - Jack the Ripper
Folge 21 fällt als einziges Live-Hörspiel von Offenbarung 23 ziemlich aus der Reihe. Das gereicht "Jack the Ripper" durchaus zum Vorteil. Hier wurde nicht nur ein tolles Konzept erdacht, sondern dieses auch konsequent durchgezogen.

Montag, 10. August 2015

Mission: Impossible - Rogue Nation von Christopher McQuarrie

Mission: Impossible - Rogue Nation (USA 2015) von Christopher McQuarrie
Ethan Hunt (Tom Cruise) und sein Team legen sich mit ihrem bis dato gefährlichsten Gegner an: Dem Syndikat. Das Syndikat ist eine aus ehemaligen Topagenten bestehenden Organisation, die es darauf abgesehen hat, die IMF zu vernichten. Das ist nicht das einzige Problem der IMF, da Senator Hunley (Alec Baldwin) alles daran setzt, die IMF aufzulösen und Hunt, den er für so ziemlich alles Schlechte auf der Welt verantwortlich macht, dingfest zu machen. Hunt denkt aber gar nicht daran, sich zu stellen, da das Syndikat seine Kontaktperson vor Hunts Augen erschossen hat und er selbst nur knapp mit dem Leben davongekommen ist. Als er erfährt, was das Syndikat als nächstes vor hat, setzen er und sein Team alles daran, um den Plan zu vereiteln...


Als Tom Cruise in den 90er Jahren das "Mission: Impossible"-Franchise neu definierte, war ich zuerst gar nicht glücklich damit, dass er es zu seinem Egoprojekt gemacht hat. Schließlich war die alte Serie dafür bekannt, dass die Missionen immer von einem Team durchgeführt wurden (davon, dass ausgerechnet der alte Teamleader Phelps sich als Hunts Gegenspieler entpuppte reden wir lieber gar nicht erst). Dennoch muss ich sagen, dass mir die Filme (mit der Ausnahme von Teil 2, der einfach furchtbar ist) mit jedem weiteren Ansehen immer besser gefielen. Die legendäre Szene im CIA-Hauptquartier ist zurecht....äh....legendär, Brian de Palmas Film kann auch fast 20 Jahre nach seiner Premiere mit so ziemlich jedem aktuelleren Actionfilm mithalten. Mit Teil 5 geht es Gott sei Dank so weiter. Was soll ich sagen: "Rogue Nation" ist der bis jetzt beste "Mission: Impossible"-Film. Oh ja, dieses Action-Feuerwerk rockt die Hütte!
Angetan haben es mir vor allem die Szenen in Wien und zwar nicht nur, weil die quasi bei mir um die Ecke gedreht wurden. Die Actionszene im Backstagebereich der Staatsoper ist ein Hammer und dass Joe Kraemer ab diesem Moment immer wieder Lalo Schifrins berühmtes Musikstück immer wieder mit Motiven aus der dort aufgeführten Oper kombiniert (es handelt sich um "Turandot" von Puccini), ist ein wahrer Ohrenschmaus.
Christopher McQuarries Inszenierung ist zu 100 Prozent auf den Punkt. Die Actionszenen sind mitreißend und McQuarrie lässt den Zuschauern immer wieder kurze Pausen zum Durchatmen. Dass Tom Cruise seine Stunts selbst macht ist hier ein echter Mehrwert. So wirken die Kämpfe und Verfolgungsjagden wesentlich intensiver (wenn ich an die Verfolgungsjagd auf dem Motorrad nur denke, wird mir schon schwindelig).

Fazit zu "Mission: Impossible - Rogue Nation"
Der fünfte Teil der "Mission: Impossible"-Reihe ist eine wilde Achterbahnfahrt und mein persönlicher Liebling des Franchises.

Sonntag, 9. August 2015

Geister-Schocker 51: Blutsbande

Geister-Schocker 51: Blutsbande nach einem Roman von Peter Menningen
(Romantruhe, 16. 1. 2015)
Malcolm Max reist nach Rom, um seine Verbündete Charisma Myskina aus den Händen ihrer Entführer, einer Gruppe, die sich als "schwarze Engel" bezeichnet, zu befreien. Kaum ist er dort angekommen, erfährt er, dass Charisma sich mit den schwarzen Engeln längst vertragen hat und es in Rom eine mysteriöse Selbstmordwelle gibt, die von der Polizei unter den Teppich gekehrt wird. Um die Hintergründe dieser Todesfälle aufzudecken, müssen Charisma und  Malcolm mit den schwarzen Engeln zusammenarbeiten. Die Zeit drängt, denn die rätselhaften Tode sind nur der Anfang eines viel weitreichenderen Plans. Je tiefer Malcolm Max mit seinen Getreuen in die Geschehnisse eindringt, desto mehr kristallisiert sich heraus, dass ein alter Bekannter der Strippenzieher ist...

Geister-Schocker 51: Blutsbande
(Ich schicke an dieser Stelle lieber eine Spoilerwarnung voraus.) Die 51. Folge der Geister-Schocker ist ein gutes Beispiel dafür, warum ich die Malcolm Max-Geschichten nur selten für Höhepunkte der Reihe halte. Dabei fängt "Blutsbande" sehr vielversprechend an. Das Mysterium um die bizarren Selbstmorde weckt die Neugier der Hörer und die anschließende "Totenbefragung" erinnert stark an das Gespräch mit dem Zombie in "Return of the Living Dead" erinnert (auch wenn es hier nicht ganz so schräg ist).
Danach geht es aber schnell abwärts, was vor allem daran liegt, dass bis zum Showdown alles, was rund um die Protagonisten herum geschieht, völlig ohne Folgen bleibt. Das zeigt sich vor allem an der italienischen Polizei, die alles vertuschen will und trotzdem nichts in dieser Richtung unternimmt (und die auch nichts dagegen hat, wenn wildfremde Personen über ihre Tatorte trampeln). Die Carabinieri tun auch nichts, um die Ermittlungen von Max und Co zu unterbinden. Das ist schade, ein zusätzliches Spannungselement hätte dem Hörspiel gut getan. So wirkt die Feststellung, dass die Polizei etwas gegen die Ermittlungen haben könnte, ziemlich überflüssig.
Apropos überflüssig: Wieso - neben Max - ein Inspektor von Scotland Yard von den mysteriösen schwarzen Engeln von London nach Rom beordert wird, würde mich auch brennend interessieren. Damit er ständig "Das glaube ich nicht, dafür muss es eine rationale Erklärung geben!" sagt, kann ja nicht der einzige Grund sein, oder? Dabei geht der Typ sogar so weit, dass er es als Traum abtut, wenn er die Toten aufstehen und mit Malcolm Max über ihre Todesursachen reden hört. (Okay, er fällt beim Anblick der ersten redenden Leich in Ohnmacht. Dämlich ist der Kerl trotzdem.)
Das Ende ist dann die Enttäuschung, die dem Hörspiel endgültig den Garaus macht. Da wird die ganze Zeit davon geredet, wie übermächtig der Gegner ist und dann sieht der Showdown so aus: Malcolm Max tritt an, irgendein magisches Portal wird aktiviert und der Bösewicht wird von einem Orkan weggeweht (HUUUIIIIII!!!!), weil ihm die schwarzen Engel eine supertolle Falle gestellt haben und jetzt ist der übermächtige Dämon endgültig besiegt. Besiegt war in dem Moment auch mein Glaube an die Geister-Schocker-Reihe.
Das einzig Positive an diesem Hörspiel sind die Sprecher, allen voran Marion von Stengel als Contessa und Robert Missler als Malcolm Max. Auch der restliche Cast liefert gute bis sehr gute Leistungen ab.

Fazit zu Geister-Schocker 51: Blutsbande
"Blutsbande" ist vor allem zwei Dinge: Langweilig und nichtssagend. Diese Folge hätte man sich (genauso wie die ganze Malcolm Max-Reihe) getrost schenken können.

Dienstag, 21. Juli 2015

Ein verhängnisvolles Puzzle

"Her Story" - So simpel wie der Name ist auch der Aufbau des Spiels. Der Spieler sitzt vor einem alten Röhrenmonitor (der wirklich schön simuliert wurde) und recherchiert in der Polizeidatenbank mit der Hilfe von sieben, in Kleinstteile zerschnipselte, Verhöre einer Frau namens Hannah Smith den Mord an ihrem Mann Simon. Das funktioniert sehr einfach: Man gibt einfach einen Suchbegriff ein und wenn es dazu ein Video gibt, wird es angezeigt und kann angesehen werden.
So einfach die Steuerung des Spieles ist, so spannend und mitreißend ist die von Sam Barlow erzählte Geschichte.


Stück für Stück zum großen Ganzen
Durch die gefundenen Videos ergeben sich dann weitere Suchbegriffe. Sollten mehr als fünf Treffer gelandet werden, sieht man nur die ersten fünf. Wenn man die anderen Schnipsel auch sehen möchte, muss der Suchbegriff weiter spezifiziert werden. Der Database-Checker ist ebenfalls sehr nützlich, da er anzeigt, wann welches Video aufgenommen wurde. So kann man die jeweiligen Schnipsel in den zeitlichen Kontext ein- und den verschiedenen Verhören zuordnen. Faszinierend dabei ist die Mischung aus offensichtlichen und eher subtilen Hinweisen. So ist es nicht nur Hannah, die uns mit Stichworten versorgt, sondern vor allem unsere eigene Kombinationsgabe. Schnell wird klar, dass hinter dem Verschwinden von Simon Smith wesentlich mehr steckt, als es zunächst den Anschein hat.
Linear verläuft die Geschichte bestenfalls in den ersten paar Minuten. Danach nimmt jeder Spieler seinen eigenen Weg, mit welchen Aspekten der Geschichte er sich eingehender befassen möchte, ist ganz allein seine Entscheidung, deshalb ist es auch unmöglich, zu sagen, wie lange die durchschnittliche Spieldauer ist, ein Minimum von sechs Stunden sollte man aber schon einrechnen. (Bei mir hat es etwas länger gedauert, weil ich mich in einer Nebenhandlung verrannt habe.) Wenn man einen wichtigen Hinweis gefunden hat, zeigt uns das Spiel dies mit der Hilfe einer Reflektion auf dem Monitor, die - anders als hier behauptet - mitnichten den von uns gespielten Protagonisten darstellt, sondern jemand völlig anderen (wenn einem erstmal klar wird, um wen es sich dabei handelt, ist es jedenfalls eine wirklich schöne Erkenntnis). Eine Art Endbildschirm, der aufklärt, ob der Spieler mit seiner Vermutung, was geschehen ist, gibt es nicht, es taucht lediglich bei einem bestimmten Zeitpunkt ein Chatfenster auf, mit dem uns ein namentlich nicht genannter Vertrauter kontaktiert, und fragt, ob wir schon alles geklärt haben und wissen, was mit Simon Smith geschehen ist. Man bekommt aber eine sehr genaue Vorstellung vom Abend des Mordes und wie eben dieser passiert ist.
Gespielt wird Hannah von der Sängerin und ehemaligen Leistungssportlerin Viva Seifert, die ihre Rolle sehr gut verkörpert. Wer hier mit Overacting rechnet, sieht sich schnell eines Besseren belehrt. Seifert spielt die Rolle so, dass man nach ein paar Minuten völlig vergisst, dass es sich hier "nur" um ein Spiel handelt.

Fazit zu "Her Story"
Die Geschichte, die in "Her Story" erzählt wird, mag nicht überragend sein. Die Art und Weise, wie sie erzählt wird, macht die Sache aber einzigartig. Es würde mich freuen, wenn es zu "Her Story" ein paar Fortsetzungen geben würde, da das Konzept gut durchdacht ist und beliebig oft eingesetzt werden kann.

Freitag, 17. Juli 2015

Kurzreview: Violet & Daisy von Geoffrey Fletcher

Violet & Daisy (USA 2011) von Geoffrey Fletcher
Violet (Alexis Bledel) und Daisy (Saoirse Ronan) sind Auftragsmörderinnen, die gerade im Teenageralter sind. Ihr Boss (Danny Trejo) vermittelt ihnen einen Job, der auf den ersten Blick nach einer Routineangelegenheit aussieht: Rein in die Wohnung, das Opfer (James Gandolfini) erschießen und sich mit dem so verdienten Geld endlich das neue Kleid von Barbie Sunday leisten. Aber Michael ist kein gewöhnliches Opfer, er unternimmt so gar keinen Versuch, am Leben zu bleiben und weckt gerade dadurch die Neugier der beiden jungen Attentäterinnen. Als dann auch noch einige Mitglieder eines rivalisierenden Mafiaclans auftauchen und Michael ebenfalls erschießen wollen, wird die Sache richtig kompliziert...

Violet & Daisy von Geoffrey Fletcher
Zu diesem Film ein Review zu schreiben ist wirklich nicht leicht. Wenn an "Violet & Daisy" etwas hervor sticht, dann ist es seine absolute Durchschnittlichkeit. Klingt die Inhaltsangabe noch witzig und nach einer frischen Idee, plätschert der Film völlig unspannend bis zu seinem vorhersehbaren Ende vor sich hin und Alexis Bledel dabei zuzuschauen, wie sie im Prinzip noch einmal dieselbe Rolle spielt wie bei "Gilmore Girls" (nur diesmal halt mit Knarren), ist auch nur für die ersten 30 Minuten lustig. Der Film tut zwar keinem weh, aber genau das ist auch das Problem, denn wenn man 20 Minuten nach dem Abspann nur noch rudimentär weiß, worum es eigentlich ging. Während des Ansehens hat man das Gefühl, dass man anfangs eine wunderschön glänzende Schachtel Pralinen erhält. Wenn man dann die erste Verpackung entfernt, findet man keine Pralinen, sondern nur eine weitere glänzende Verpackung. Das geht so lange weiter, bis man schließlich realisiert, dass man keine Pralinen finden wird. So lässt "Violet & Daisy" die Zuschauer trotz der witzigen Dialoge und der flotten Inszenierung seltsam unbefriedigt zurück. Das helfen einem auch die an sich guten Leistungen von Bledel, Ronan und Gandolfini nicht weiter. Die unnötig komplexe Struktur, die (letztlich ins Leere laufenden) Nebenhandlungen: Alles Blendwerk. Aber hey, einen Vorteil hat der Film: Man kann nebenbei seine Socken sortieren und ein 10-Minuten-Nickerchen machen, verpassen tut man trotzdem nichts. Dafür reicht aber jede Kaminfeuer-DVD, deshalb gibt es von mir keine Empfehlung.
Wer gerne ein ausführlicheres Review zu diesem Film lesen möchte, kann das gerne beim Wortvogel tun: Violet & Daisy von Geoffrey Fletcher. Der Trailer verspricht einen spannenden Film, lasst euch davon aber nicht täuschen:


Donnerstag, 16. Juli 2015

Flesh Gothic von Edward Lee

Edward Lee - Flesh Gothic (Festa Verlag 2012)
Im Luxusanwesen von Reginald Hildreth haben sich zu dessen Lebzeiten die schlimmsten sexuellen Orgien abgespielt. Als Hildreth eines Tages den Dämon Belarius beschwören möchte, bleiben von den 26 Gästen nur noch Fleischfetzen übrig. Reginald selbst ist spurlos verschwunden, die ermittelnden Behörden gehen davon aus, dass er die Anwesenden umgebracht und anschließend Selbstmord begangen hat. Seine Frau kann das nicht glauben und heuert eine Gruppe der besten übersinnlich begabten Menschen an, die erstens nicht nur so tun, als ob sie übersinnlich wären und zweitens herausfinden sollen, was wirklich in dem Haus passiert ist. Diese stellen schnell fest, dass das Haus "geladen" ist, also von Geistern und anderen Wesenheiten heimgesucht wird, die praktisch sofort damit beginnen, die "Ermittler" - auch auf sexuelle Art und Weise - heimzusuchen. Das ist nicht ihr einziges Problem, da sie schon bald bemerken, dass sie nicht nur aufgrund ihrer Fähigkeiten ausgesucht wurden und die Anzeichen, dass Hildreths größter Coup noch bevorsteht, verdichten sich ebenfalls...

Flesh Gothic von Edward Lee
Dass ausgerechnet Richard Laymon Edward Lee als "literarische Körperverletzung" anpreist, hätte mich fast davon abgehalten, mir dieses Buch zu kaufen. Schließlich hatte ich mit Laymon schon mehr als eine Begegnung, und keine einzige davon hat mir so etwas wie Freude gebracht. Andererseits: Um gute Bücher zu erkennen, muss man sie nicht unbedingt schreiben können (auch wenn der Begriff "literarische Körperverletzung" schon ein sehr eigenwilliges Lob ist).

Viel Flesh, wenig Gothic
Eines hat "Flesh Gothic" mit Laymons Büchern gemeinsam: Es gibt in dem Buch einige Szenen, vor allem sexuellen Inhaltes, die allein wegen ihrer Schockwirkung enthalten sind. Für zartbesaitete Menschen ist "Flesh Gothic" nicht gedacht. Wenn es seitenlange Beschreibungen darüber gibt, wie der Dämon Belarius in seinem Tempel aus menschlichem Fleisch ihm untergebene Dämoninnen zu Tode vergewaltigt, muss man das erst einmal verdauen. Das gilt auch für den expliziten sexuellen Missbrauch, den beinahe alle weiblichen Protagonisten in diesem Buch erleiden müssen, Hinzu kommt, dass Lee den Lesern diese Szenen ab dem zweiten Abschnitt mit extrem hoher Schlagzahl um die Ohren haut. Insofern hat Laymon mit dem Begriff "literarische Körperverletzung" gar nicht so unrecht.
Wenn man damit keine Probleme hat, erwartet einen mit "Flesh Gothic" eine durchaus spannende Geschichte. Lee versteht es, die Spannung langsam zu steigern und dann zur Explosion zu bringen. Wer denkt, dass die Leser rasant ins Geschehen geworfen werden, liegt dennoch falsch. Erst werden ausführlich die einzelnen Charaktere vorgestellt, die zwar alle so wirken, als ob man sie einem in anderen Büchern oder Filmen schon einmal begegnet wären, dabei aber dennoch interessant genug bleiben, um die Neugier des Publikums zu wecken und über einen längeren Zeitraum zu halten. Mit diesen Charakteren rät und leidet man gerne mit, wenn sie vor einem Rätsel stehen, oder Hindernisse überwinden müssen (die Auflösung der Frage, was mit Hildreth passiert ist, ist nämlich nicht von schlechten Eltern).

Fazit zu Flesh Gothic
Edward Lee gelingt es, aus bereits bekannten Zutaten eine spannende Geschichte zu machen. Auch wenn Lee mit dem Buch das Rad nicht neu erfindet, legt man das Buch bis zur letzten Seite nicht mehr aus der Hand. Von mir gibt es daher eine Empfehlung.