Montag, 19. Juni 2017

Zeuge gesucht von Robert Siodmak

Zeuge gesucht (USA 1944) von Robert Siodmak
Nach einem heftigen Streit mit seiner Frau sucht der Ingenieur Scott Henderson nach einer Begleitung für seinen geplanten Theaterbesuch. Diese findet er in einer schönen Unbekannten in einer ziemlich leeren Bar. Als er nach Hause zurückkehrt, erlebt Henderson mehr als nur eine böse Überraschung: Nicht nur, dass jemand seine Frau ermordet hat, scheinen sich fast alle Polizisten in New York bereits einig zu sein, dass Henderson der Täter ist. Hinzu kommt, dass sich seltsamerweise niemand an die Frau erinnern kann, die seine Begleitung an dem Abend war. Da seine Gattin außerdem mit einer von Hendersons Krawatten erwürgt wurde, wird er in seinem Prozess zum Tode verurteilt. Nur seine Assistentin "Kansas" glaubt an seine Unschuld. Heimlich in ihren Chef verliebt, nimmt sie wild entschlossen die Fährte der verschwundenen Phantomlady auf. Unterstützung erhält sie dabei von Scotts bestem Freund Jack Marlow und Inspektor Burgess, dem nun doch einige Zweifel an Scotts Schuld plagen. Ihre Suche wird zum Wettlauf gegen die Zeit, denn Scott soll zum nächstmöglichen Termin hingerichtet werden...


Phantom Lady von Robert Siodmak
So sehr, wie ich das Film Noir-Genre mag, ist es eigentlich ein Wunder, dass es bis jetzt gedauert hat, dass ich hier einen meiner Lieblingsfilme bespreche. Ja, das wird ganz bestimmt kein Verriss. "Zeuge gesucht" (Originaltitel: "Phantom Lady") ist einer jener Filme, die ich mir immer wieder anschauen könnte.
Das liegt zum größten Teil an Susan Hayward und der von ihr gespielten Rolle. Dass eine Frau in einem Film aus dieser Zeit eine aktive Ermittlerrolle einnimmt ist ja schon selten genug, aber dass sie von Anfang bis Ende federführend ist, habe ich sonst nirgends in dieser Form gesehen. "Kansas" ist eine interessante Figur, bei der man jederzeit glaubt, dass sie diese Risiken nicht nur auf sich nimmt, weil sie in Henderson verliebt ist, sondern das auch für andere tun würde. Susan Hayward merkt man den Spaß an dieser Rolle deutlich an: Wenn sie - je nach Situation - zwischen hartnäckiger Ermittlerin, Vamp und besorgter Frau pendelt, spielt sie nicht nur mit vollem Einsatz, sie wirkt dabei extrem natürlich und glaubwürdig.
Was man bei einem Film Noir ebenfalls nie unterschätzen sollte, ist die Rolle der Stadt, in welcher er spielt. Hier ist New York mindestens genauso zwielichtig und mysteriös wie die Verdächtigen, denen "Kansas" im Laufe des Films begegnet. Wenn die Protagonisten durch die dunklen Gassen schleichen, hat man als Zuschauer schon das Gefühl, dass die Stadt selbst vielleicht nicht aktiv gegen sie arbeitet, sich aber wie jemand verhält, der zwar die Wahrheit kennt, sie aber - aus welchem Grund auch immer - nicht preisgeben möchte. Genau das macht für mich den Charme dieser Filme aus.
Der Film beruht auf einem Buch von Cornell Woolrich, einem Akkordschreiber von Hard Boiled Detective Geschichten und einem der meistverfilmten Autoren dieses Genres. Für die Verfilmung wurden zwar einige Änderungen vorgenommen, die Grundstruktur der Story blieb aber erhalten.

Fazit zu Zeuge gesucht
Gut gespielt, inszeniert und spannend erzählt: "Zeuge gesucht" ist auch heute noch sehenswert. VOn mir gibt es eine klare Empfehlung.

Montag, 12. Juni 2017

SLC Punk! von James Merendino

Punk! (USA 1998) von James Merendino


Ein Punk zu sein ist nicht immer leicht. Wenn man aber, wie Stevo und Heroin Bob, die zwei einzigen Punks in
einer erzkonservativen Stadt wie Salt Lake City im
amerikanischen Bundesstaat Utah in den frühen 80ern ist, dann hat man in mehr als einer Hinsicht die Arschkarte gezogen. Während die gottesfürchtigen Einwohner der Stadt den Jungs bestenfalls mit Unverständnis und/oder Angst begegnen, stehen bei ihnen Straßenkämpfe, Partys, Sex und Rebellion an oberster Stelle. Vor allem Stevos Vater gefällt die Einstellung seines Sohnes überhaupt nicht. Er hat für Stevo ein Jura-Studium an der Elite-Universität Harvard vorgesehen...

SLC Punk! von James Merendino
Lange ist es her, da habe ich mich in meinem Review von Human Traffic darüber beschwert, dass es SLC Punk! mit Matthew Lillard hierzulande immer noch nicht auf DVD gibt. Mit der Zeit war ich es offen gestanden auch leid, immer wieder nach dem Film zu suchen. Nun, man soll die Hoffnung ja bekanntlich nie aufgeben, und so kam - von mir völlig unbemerkt - Anfang 2016 tatsächlich eine DVD mit dem Film raus. Meine Freude war entsprechend groß, allerdings stellte sich mir auch die Frage, ob SLC Punk! auch mit meiner Erinnerung an den Film mithalten kann, oder ob ich den Film fast 20 Jahre nach der ersten und einzigen Sichtung in meiner Erinnerung nicht doch besser gemacht habe, als er eigentlich ist...

video

Zunächst einmal hat mir der Film eine kleine Überraschung beschert, denn an den jungen Jason Segel in einer Nebenrolle konnte ich mich nicht mehr erinnern (an Til Schweiger allerdings schon). Er macht - so wie alle NebendarstellerInnen in SLC Punk! seine Sache wirklich gut. Der einzige wirkliche Star des Films ist aber Matthew Lillard. Der dreht hier seinen Freak-Modus (hat hier jemand "Der hat doch keinen anderen!" gesagt?) den ganzen Film hindurch auf 11 hoch und rockt von Anfang bis Ende die Hütte (im Trailer oben bekommt ihr einen kleinen Vorgeschmack). Alleine deshalb ist SLC Punk! sehenswert. Die Geschichte selbst folgt der typischen "Coming of Age"-Formel, ein junger Mensch durchläuft auf dem Weg zum Erwachsenwerden Phasen der Rebellion, bis er schließlich dahinterkommt, wie er mit dem Rest der Gesellschaft klar kommen kann. Dass SLC Punk! hier keinen Millimeter von den bereits zuvor tausendfach gegangenen Pfaden abweicht, ist der größte Schwachpunkt des Films und dass es ausgerechnet die Liebe ist, die Stevo auf den "rechten Weg" führt, lässt einen schon ein wenig mit den Augen rollen.

Fetziger Soundtrack
Ein Film wie dieser lebt natürlich auch von seinem Soundtrack. Hier hat man alles richtig gemacht, die gespielten Bands lesen sich wie das Who ist Who einer Punk-Hall of Fame; Dead Kennedys, Blondie, The Vandals, The Stooges und auch einige Bands aus anderen Musikrichtungen, wie Van Halen oder das Spandau Ballet sind dort zu finden. Eigentlich fehlen nur The Clash, um mich vollends glücklich zu machen (die Sex Pistols kommen zwar musikalisch auch kaum vor, dafür widmet ihnen Stevo einen ordentlichen Rant darüber, wieso es bescheuert ist, in Salt Lake City "Anarchy in the UK" zu brüllen).

Fazit zu SLC Punk!
Hab ich den Film in meiner Erinnerung bessergemacht, als er eigentlich war? Vielleicht ein wenig. Sehenswert ist SLC Punk! trotzdem. Und wer Matthew Lillard einen ganzen Film lang beim Durchdrehen zusehen will, ist hier wirklich hervorragend bedient.

Dienstag, 6. Juni 2017

3 Gründe, wieso Z Nation besser ist als The Walking Dead

Z Nation aus dem Hause Asylum

Z Nation vs The Walking Dead - Welche dieser Serien ist besser? Die Antwort darauf ist in meinen Augen recht einfach: Es ist nicht die overhypte Hochglanzserie rund um Rick Grimes.

Kein belangloses "Human Interest"-Drama
The Walking Dead hatte schon immer den Hang, die Zuschauer mit einer Art "GZSZ mit Zombies" zu langweilen. Da gibt es Episoden, bei denen die Zombies (welche in der Serie komplett ihrer Mythologie beraubt) nicht einmal mehr Hintergrundrauschen sind und es nur noch um zwischenmenschliche Beziehungen geht. Das wäre halb so wild, wenn die Figuren wenigstens halbwegs interessant wären. Leider haben die Macher der Serie es geschafft, aus den Figuren in der Comicvorlage ziemlich lasche Abziehbilder zu machen, die jedes Mal, wenn die Serie sich ein paar Freiheiten herausnehmen, dümmer zu werden scheinen.
Z Nation wählt hier Gott sei Dank einen anderen Zugang. Hier gibt es keine zwischenmenschlichen Geplänkel, die zu nichts führen. Stattdessen wird der Actionanteil hochgefahren. Die Beziehungen zwischen den Figuren entwickeln dennoch weiter, man hat nicht das Gefühl, dass hier alles zu Lasten der Action geht. Die ist allerdings nicht zu verachten: Die Effekte sind oft ziemlich ruppig, und mit den mutierten Zombies kommt in Staffel 2 nochmal ein neues Element ins Spiel. Hinzu kommt, dass einem die Figuren hier - anders als bei vielen anderen Genrebeiträgen - sympathisch sind und man eben nicht will, dass sie draufgehen. Der Grund dafür ist recht simpel: Die Charaktere handeln meist nachvollziehbar und sind auch nicht himmelschreiend blöd.

Eine Geschichte mit Ziel
Der nächste Punkt ist eine Schwäche, die ich auch der Vorlage anlaste. The Walking Dead fehlt ein übergeordneter Handlungsbogen und die Serie hätte ihn bitter nötig, da sie ansonsten leider dazu neigt, sich zu wiederholen. Klar sind einige der zu bekämpfenden Antagonisten (Negan zum Beispiel) durchaus unterhaltsam, trotzdem merkt man immer stärker, dass es sich hier um eine Serie handelt, bei der niemand so wirklich eine Idee hat, wie sie einmal enden wird. Bei Z Nation ist das anders: Völlig egal, welche abseitigen Touren die Protagonisten unternehmen, geht es im Endeffekt darum, Murphy an sein Ziel zu bringen. Apropos Murphy...

Murphy
Der Hauptgrund, warum mir Z Nation besser gefällt als The Walking Dead, hört auf den Namen Murphy und wird von Keith Allan gespielt. Der Mann rockt einfach die Hütte, er ist saukomisch wenn es darauf ankommt, hat aber genug Bandbreite, um der Figur auch andere Facetten abzugewinnen. So einen erinnerungswürdigen Protagonisten hätte The Walking Dead sicher gerne, leider ist die Serie meilenweit davon entfernt.

Conclusio: Bei Z Nation macht nicht nur das entworfene Szenario mehr Sinn, die Serie hat auch wesentlich interessantere Charaktere und mehr Action zu bieten.


Sonntag, 7. Mai 2017

Villain Squad - Armee der Schurken von Jeremy M. Inman

Villain Squad - Armee der Schurken (USA 2016) von Jeremy M. Inman
Als ein geheimnisvoller Todeskult, dessen Chef der Sensenmann selbst ist, auf der Erde nach der Macht greift, entschließt sich die für eine geheime Organisation arbeitende Alice (ja, die aus dem Wunderland), zu einer verzweifelten Maßnahme: Sie will Feuer mit Feuer bekämpfen und rekrutiert die schlimmsten Bösewichte aus dem Märchenwald: den bösen Wolf, das Rumpelstilzchen, die Herzkönigin und den mit magischen Messern ausgestatteten Frauenmörder Blaubart. Als die böse Hexe Alice hintergeht und dem Tod verrät, wo sich seine von ihm für ein Ritual dringend benötigte Sense befindet, müssen sich die unterschiedlichen Charaktere schnell zusammenraufen, wenn sie noch eine Chance gegen den Gevatter und seine Schergen haben wollen. Gemeinsam mit Alice, Tweedledee und Tweedledum, sowie dem revolverschwingenden Goldlöckchen (ich kann gar nicht glauben, was ich hier gerade schreibe) nehmen sie den Kampf auf...


Villain Squad von Jeremy M. Inman
Villain Squad von The Asylum hat selbst unter den Mockbustern der Filmschmiede eine Sonderstellung. Eine Fortsetzung des recht unterhaltsamen Avengers Grimm, einer billigeren Kopie von Marvels The Avengers mit Märchenfiguren, ist Villain Squad (oder Sinister Squad, wie sein eigentlicher Titel ist) ein Mockbuster auf  DC's Suicide Squad. Asylum hat so quasi die Mockbuster-Quadratur des Kreises geschafft und könnte nun nach Lust und Laune Comic-Mockbuster zu Marvel und DC im eigenen Märchen-Universum drehen. Dumm nur, dass das ein Rohrkrepierer wird, wenn sie die Filme weiterhin so in den Sand setzen wie Villain Squad.
Das beginnt schon bei den Production Values, die im Vergleich zu Avengers Grimm deutlich billiger aussehen (und das will bei Asylum etwas heißen) und endet bei einem Skript, das nicht einmal auf dem ersten Blick Sinn ergibt. Was genau will die Hexe eigentlich vom Tod? Wieso hilft sie ihm? Wieso ist ein allmächtiges Wesen wie der Tod auf die Hilfe einer vergleichsweise unwichtigen Hexe angewiesen? Wozu braucht er seine Sense, wenn er schon dermaßen viele Anhänger hier hat und mit seinen Fähigkeiten die ganze Truppe eigentlich im Alleingang aufmischen könnte? Wie schafft der Tod es, so viele Anhänger um sich zu scharen, wenn diese sich ständig selbst umbringen müssen, damit er in ihre Körper schlüpfen kann? Sieht für mich nicht gerade nach einem erstrebenswerten Job aus. Ich weiß, wir reden hier von Asylum, aber ich hätte gerne wenigstens eine Ahnung, warum die Protagonisten das tun, was sie gerade tun (und bei Avengers Grimm hat das ja halbwegs geklappt). Was an Villain Squad noch stört, ist die völlig unnötige Beschränkung auf nur einen Schauplatz für 75 Prozent des Films. Die angedachte globale Bedrohung fühlt man als Zuschauer nicht wirklich, wenn man nicht mehr als in ein heruntergekommenes Lagerhaus sieht, das das Geheimlabor mehr schlecht als recht "spielt".
Das ist alles sehr schade, denn die meisten der schauspielerischen Leistungen sind unterhaltsamer, als es der Rest des Filmes verdient hätte. Trae Ireland ist ein cooler Blaubart, Joseph Michael Harris kauft man den großen bösen (Wer)Wolf schon allein wegen seiner physischen Präsenz ab und Johnny Rey Diaz gibt sein Bestes, um dem Rumpelstilzchen einige "jokerhafte" Seiten abzugewinnen. Es ist halt sehr schade, wenn diese sich die Screentime dann mit Tweedledum und Co teilen müssen, die aussehen, als wären sie beim letzten Rammstein-Videoclipcasting bei der Tür hinausgelacht worden.

Fazit zu Villain Squad
Wer auf Actionfilme mit Märchenfiguren steht, sollte doch lieber bei Avengers Grimm bleiben und das Geld für Villain Squad in Bier und Popcorn investieren.





Trailer gibt es auf YouTube hier und auch diesen Ausschnitt , sowie dieses Review des Films:


Tolles Video, was? Dankesbriefe für den Augenkrebs könnt ihr an die Adresse im Impressum schicken. Außerdem hat der Typ wohl einen anderen Film gesehen...

Montag, 1. Mai 2017

Interview mit René Rausch über seinen Film "Ostzone"

Regisseur René Rausch am Set von "Ostzone"

Regisseur René Rausch spricht im Interview darüber, wie er auf die Idee zu "Ostzone" gekommen ist und die Probleme, die deutsche Independent-Filmemacher mit der Veröffentlichung ihrer Filme haben.

Wie bist du auf die Idee zu "Ostzone" gekommen?
Ich wollte schon länger einen Slasher drehen, der sehr deutsche Hintergründe hat. Zum Einen war ich schon immer ein Fan von Slasherfilmen. Zum Anderen: Die deutsche Geschichte bietet ja einiges an, daraus was im Horrorbereich zu spinnen. So bin ich spontan auf die ehemalige DDR gekommen, die bisher, meines Wissens nach, nicht in einem Horrorfilm verarbeitet wurde.

Warum hast du dich dazu entschlossen, die Handlung in der ehemaligen DDR spielen zu lassen?
Die DDR hat schon viel realen Horror. Sie ist eigentlich ideal für so ein Thema, da man reale Motive aufgreifen kann. Das gilt sowohl für die ganze DDR-Zeit, als auch für Teile der neuen Bundesländer, die ja noch immer mit gewissen Folgen zu kämpfen haben. Schicke also Protagonisten in die ehemalige DDR in irgendein Dörfchen zur einer alten Ostruine - voilà, ein deutscher Horrorfilm.

Wie bist du denn auf die Location gestoßen?

Das war glücklicher Zufall. Es war ursprünglich laut Drehbuch geplant, in einem typischen Plattenbau zu drehen. Davon gibt es auch so einige leerstehende, die super geeignet waren. Leider ist es bei diesen Gebäuden immer schwer, einen Besitzer ausfindig zu machen und sollte man den Namen bei Ämtern erfragen können, so erreicht man niemanden unter der hinterlegten Adresse, da ist quasi niemand auffindbar. Sehr kuriose Sache. Aus Verzweiflung habe ich dann allgemein nach Objekten im Osten geschaut. Dabei bin ich auf die ehemalige Lungenheilstätte gestoßen, die in Lost Placer-Kreisen sehr bekannt ist. Der Ansprechpartner war nicht schwer herauszufinden.

War es schwierig, dafür eine Drehgenehmigung zu bekommen?
Gar nicht, im Gegenteil. Ich rief bei dem Pächter des Geländes an und der sagte gleich: "Klar, kein Problem". Man muss dazu sagen, dass er das schon gewohnt ist, solche Anfragen. Fotografen und Schaulustige sind da Alltag, er hat daraus quasi eine Touristenattraktion gemacht, wohnt auf dem Gelände und macht Führungen. Insofern war das glückliche Fügung.

Wie schwierig ist es, als deutscher Independent-Regisseur, ein entsprechendes Budget aufzustellen und dafür zu sorgen, dass der Film auf DVD und Blu Ray veröffentlicht wird?
Du hast ja gar keine Vorstellung... eigentlich unmöglich. Deshalb hat sich der gesamte Film, von der Idee bis zur Veröffentlichung, enorm gezogen. Man dreht mit minimalem Aufwand und nahezu keinem Geld - einfach, weil keines da ist bzw. kein Sponsor aufzutreiben
ist. Man braucht dafür schon sehr viel Idealismus und Leidenschaft. Und der DVD-Markt ist ja mittlerweile ein Haifischbecken, das ja auch immer kleiner wird. Man weiß bis zuletzt nicht, ob man den Film unterbringen kann oder er doch nur auf dem Rechner verstaubt.
Da gehört dann doch viel Glück dazu, dass eine Vermarktung dann klappt. Oder man besitzt halt gute Connections.

Gibt es irgendeine besondere Geschichte vom Dreh, die du den Lesern vielleicht erzählen möchtest?
Oh, diverse kleine und mittelgroße Kuriositäten und Anekdoten, die alle erwähnenswert wären. Ich empfehle an der Stelle aber einfach mal die DVD bzw. Blu-Ray des Films, auf der ein Audiokommentar mit dem Kameramann und mir zu finden ist; da wird einiges zum Besten gegeben.

Welche Projekte planst du als nächstes?
Konkret ist noch nichts in der Mache. Bei entsprechender Resonanz könnte ich mir "Ostzone 2" vorstellen, Ideen sind schon da. Andere horrorfilmbezogene Stories hätte ich auch noch im Petto. Aber man muss schauen, was sich ergibt - es ist vor allem wieder die Geldfrage. Das muss erstmal wieder da sein.

Vielen Dank für das Gespräch!

Die Rezension zu "Ostzone" gibt es hier.



Ostzone von René Rausch


Eigentlich sind Linda und Marius sehr froh, als sie in der ehemaligen DDR endlich die passende Immobilie für das von ihnen geplante Heim für schwer erziehbare Kinder finden. Zusammen mit ihrer Freundin Marie bricht das Pärchen zur Besichtigung des Gebäudes, einer ehemaligen Anstalt, auf. Vor Ort treffen sie die nette, aber etwas seltsame Maklerin Frau Wagner. Alles verläuft perfekt, der Verkaufsdeal ist zur Freude des Pärchens schnell unter Dach und Fach. Erst nach und nach erfahren die drei von der dunklen Geschichte des Hauses: Eine Zufallsbekanntschaft aus einem Gasthaus erzählt Marie von Geschehnissen, die die Maklerin wohlweislich verschwiegen hat, und auch einige gefundene Akten berichten von grausamen Praktiken, welche die Verantwortlichen an den Insassen vor der Schließung verübt habe. Damit nicht genug, scheint das verfallene Haus gar nicht so verlassen zu sein, wie es zunächst den Anschein hatte...

Den Trailer zum Film gibt es hier: Ostzone.

Wer meine Rezensionen zu deutschen Horrorfilmen kennt, weiß: Ich freue mich über jeden Film, dessen Macher mehr möchten, als nur den nächsten Amateur-Splatterkram rauszuhauen. Leider kommen dabei manchmal Rohrkrepierer wie Die Präsenz raus. Daher freut es mich umso mehr, sagen zu können, dass "Ostzone" ein insgesamt sehr gut gelungener Film ist.
Zunächst ist positiv zu vermerken, dass René Rausch nicht versucht hat, die Laufzeit künstlich auf 90 Minuten aufzublasen. Mehr als die knapp 70 Minuten trägt die Geschichte nicht, dies ist aber dafür die optimale Laufzeit.
Was dem Film ebenfalls hilft: Die Charaktere sind endlich einmal keine unsympathischen Knallchargen, sondern tatsächlich Figuren, mit denen man mitfiebern kann. Das liegt erstens am Drehbuch von René Rausch, der es versteht, sehr realistische Protagonisten zu schreiben und zweitens machen die Darstellerinnen einen verdammt guten Job. Einzig die Einführung der Figuren und des Settings dauert etwas zu lange. Das liegt wohl auch daran, dass das wohl nicht gerade viel Budget vorhanden war und man im ersten Drittel auf Expositions-Dialoge gesetzt hat, die durchaus etwas länger ausfallen. Dafür zieht Rausch in der zweiten Hälfte die Temposchraube ordentlich an und man vergibt als Zuschauer den langsamen Beginn nur allzu gerne und auch der Score läuft hier zu Hächstform auf (so eine gute Untermalung habe ich in deutschen Filmen recht selten gehört, Respekt).
Eigentlich kann man "Ostzone" mit dem oben verlinkten "Die Präsenz" sehr gut vergleichen. Beiden sind sehr schick gefilmt, haben eine gute Location und die Ambition, mehr zu sein, als das, was man sonst von Leuten wie Oliver Krekel, Marc Vorlander oder Andreas Schnaas serviert bekommt. Außerdem bedienen sich beide wohlbekannter Genre-Versatzstücke und verarbeiten sie auch auf ähnliche Art und Weise. Aber während "Die Präsenz" in so ziemlich jede Falle tappt die es gibt, schafft es "Ostzone", mit einigen guten Einfällen und einem cleveren Drehbuch, daraus einen unterhaltsamen und unheimlichen Gruselfilm zu zaubern.

Fazit zu Ostzone
Die DDR-Atmosphäre ergänzt sich hervorragend mit der erzählten Slashergeschichte, ein gelungenes Drehbuch und die gut aufgelegten Schauspielerinnen machen "Ostzone" zu einem rundherum befriedigendem Filmerlebnis.

Dienstag, 7. März 2017

Gespenster-Krimi 3: Hollywood-Horror

Gespenster-Krimi Folge 3 (2015): Hollywood Horror nach einem Roman von Earl Warren
In den 50er Jahren versetzt der Serienmörder Gordon Gloom ganz Amerika in Angst und Schrecken. In der Gegenwart entschließt sich ein schmieriger Filmproduzent, aus Glooms Gräueltaten einen billigen Slasherfilm zu machen. Gloom soll von dem aufstrebenden Jungschauspieler Rich Swann gespielt werden. Der ist mit seiner Rolle ganz und gar nicht zufrieden. Das ist aber bald sein geringstes Problem, als plötzlich der echte Gloom quicklebendig am Set auftaucht, den Maskenbildner am Set umbringt, und - da Swann mit seiner Maske genauso aussieht wie er - den Mord dem jungen Schauspieler in die Schuhe schiebt. Swann gelingt es zu entkommen, aber nun sind die Polizei und ein satanistischer Serienkiller hinter ihm her...

Hollywood-Horror
Na dann, willkommen bei einer neuen Folge Geister-Schocker, äh... Dreamland Grusel, quatsch, wieder falsch....ach ja, Gespenster-Krimi! Diese ganzen Gruselserien, die mit ihrer Umsetzung von alten Stoffen auf die Nostalgie der Fans schielen, werden auch immer austauschbarer. So gesehen könnte "Hollywood-Horror" genauso gut in jeder dieser Reihen erschienen sein, ohne groß aufzufallen. Versteht mich nicht falsch: Das ist alles sehr gt produziert und von den SprecherInnen gar nicht schlecht gespielt. Es ist nur einfach stinklangweilig, wenn eine (zu diesem Zeitpunkt) noch neue Hörspielserie so komplett ohne jede Risikofreude daherkommt und sich nur auf von anderen längst ausgetretenen Pfaden bewegt. So hat man bei der hier erzählten Geschichte stets das Gefühl, das alles schon tausendmal (und meistens besser) gehört zu haben, Spannung kommt zu keinem Zeitpunkt auf. Ein tumber Mörder meuchelt sich durch eine noch tumbere Schar von Protagonisten. Bleibt noch zu erwähnen, dass die Ausgangsprämisse von erlesener Dummheit ist. Da sollen wir tatsächlich schlucken, dass der Maskenbildner des Films Glooms Aussehen so perfekt getroffen hat, dass nicht einmal er ihn vom echten Gloom unterscheiden kann. Der taucht natürlich genau im richtigen Moment im Wohnwagen des Mannes auf (wie ist er ohne Aufsehen zu erregen dort hineingelangt?) und natürlich gehen alle sofort davon aus, dass Rich der Mörder ist. Dazu hätte ich eine Frage: Warum eigentlich? Klar, durch das Makeup sehen sie beide gleich aus, aber wenn Gloom so bekannt ist, dass seine Taten über 60 Jahre später noch verfilmt werden, könnte genauso gut ein anderer Irrer in Verkleidung der Täter sein. Trotzdem schalten Swanns Kollegen sofort in den Lynchmob-Modus und sind in Nullkommanix in ihrer Mordlust nicht mehr von Gloom zu unterscheiden. Das ist einfach nur unglabwürdig.

Kein großes Kino
Schade, davon habe ich mir mehr erwartet. Hollywood-Horror ist ein 08/15-Hörspiel, das keine Sekunde lang vom Standardprogramm abweicht und einfach nur alles nach Schema F abspult. ich bin gelinde gesagt enttäuscht.