Samstag, 26. Juli 2014

7 Days von Daniel Grou

7 Days von Daniel Grou (Kanada 2010)
Als Jasmine, die Tochter des Chirurgen Bruno Hamel entführt und später tot aufgefunden wird, bricht für seine Frau und ihn eine Welt zusammen. Die ermittelnden Polizisten finden schnell heraus, dass das Mädchen erst vergewaltigt und anschließend ermordet worden ist. Der Entführer ist schnell gefasst, die Beweise gegen ihn sind erdrückend. Bruno ist das trotzdem nicht genug. Er entschließt sich dazu, den Mörder seiner Tochter direkt aus dem Polizeigewahrsam zu entführen. Die Entführung wird von Bruno minutiös geplant und am Tag des Prozessbeginns gegen den Mörder, einem gewissen Anthony Lemaire, durchgeführt. Während die Polizei fieberhaft nach Bruno sucht, foltert er den Mörder seiner Tochter brutal. Sieben Tage lang will Bruno ihn gefangen halten. Am siebenten Tag, dem Geburtstag seiner Tochter, will er ihn schließlich umbringen. Während die Polizei fieberhaft nach Bruno und seinem Entführungsopfer sucht, zieht dieser seinen Plan erbarmungslos durch...



Wenn man einen Film haben möchte, der leichte Unterhaltung für einen Abend sucht, ist bei "7 Days" an der falschen Adresse. Dieser Film ist so "unterhaltungsarm" wie ein Film nur sein kann. Fast schon quälend entwickelt sich eine Geschichte, die für alle Beteiligten in den Abgrund führt.
Wer die Inhaltsangabe zu diesem Film liest, könnte auf den Gedanken kommen, dass es sich dabei um einen Tortureporn-Streifen im Stile von Eli Roths "Hostel" handelt. Diese Annahme wäre grundfalsch, denn "7 Days" fehlt das voyeuristische Exploitation-Element, durch das sich "Hostel" und Co "auszeichnen". Klar sieht man sehr genau, was Bruno gerade mit seinem Opfer anstellt. Durch die nüchterne Darstellungsweise kommt "7 Days" - anders als zum Beispiel "Die Passion Christi" - absolut nicht gewaltgeil rüber (ein Kunststück, das man bei der hier gezeigten Gewalt erst einmal schaffen muss). Ein weiterer Unterschied zu den üblichen Tortureporn-Filmen, ist, dass hier nicht einer der üblichen Durchschnittsmenschen das Opfer der Folterungen wird, sondern ein pädophiler Serienmörder, also jemand, bei dem zumindest einige Menschen argumentieren werden, er habe das, was ihm passiert verdient (man sehe sich nur die Diskussionen auf IMDB.com zu diesem Film an). Deshalb komme ich zu dem Schluss, dass sich "7 Days" zwar einiger Elemente des Tortureporn-Genres bedient, der Film selbst aber nicht ganz in diese Kategorie gehört.

Unterkühlte Inszenierung
Dazu passt, dass "7 Days" in sehr kalt wirkenden Farben (meist herrschen kühle Blautöne vor) inszeniert wurde. Musik sucht man in diesem Film ebenfalls vergeblich und die stärksten Szenen sind diejenigen, in denen die Protagonisten kein Wort reden, zum Beispiel jene, in der Brunos Frau einfach nur auf der Couch sitzt, ihre Beine umklammert und dabei hin und her wippt.
Was "7 Days" aber erst so richtig herausstechen lässt, ist die grandiose Leistung aller Darstellerinnen und Darsteller. Claude Legault ist als schweigsamer, traumatisierter Bruno einfach großartig, genauso wie Fanny Mallette als seine Frau. Martin Dubreuil schafft es durch sein Spiel, dass man als Zuschauer schon fast Mitleid mit dem von ihm dargestellten Kinderschänder empfindet und Rémy Girard liefert als Kommissar, der mit seinen eigenen Dämonen kämpft, eine wahrhaft preisverdächtige Leistung ab. Sie alle holen aus der ihnen gegebenen Vorlage das absolute Optimum heraus.

Ein Film, der nachhallt
"7 Days" bleibt dem Zuschauer noch lange nach dem Abspann im Gedächtnis. Für diese Verfilmung eines Buches von Patrick Senécal gibt es von mir eine uneingeschränkte Empfehlung-

Freitag, 25. Juli 2014

Neuzugang in der Blogroll - In einem Satz: Horror

Im "Lesenswerte Links"-Sektor gibt es einen Neuzugang: Auf seinem Blog In einem Satz: Horror rezensiert Florian Merkel Horrorfilme in nur einem einzigen (manchmal etwas längerem) Satz. Ein interessantes Konzept, wie ich finde. Schaut mal rein!

Freitag, 18. Juli 2014

Man-Thing von Brett Leonard

Man-Thing von Brett Leonard (USA/Australien 2005)
In dem kleinen Städtchen Bywater sorgt der Frederic Schist gemeinsam mit seinem Sohn Jake für Unruhe, da er in einem örtlichen Sumpfgebiet nach Öl bohren lassen will. Die Proteste der örtlichen Umweltschützer und des dort ansässigen Indianerstammes, dem das Land vorher gehört hatte, interessieren ihn dabei herzlich wenig. Als immer mehr Menschen in den Sümpfen verschwinden, sieht Kyle Williams, der neue Sheriff, sich dazu gezwungen, mit seinem Deputy mitten in der Nacht in das Sumpfgebiet einzudringen, um dort nach den letzten Vermissten zu suchen. Was er findet, sind nicht nur jede Menge Körperteile, sondern auch den Beweis für eine alte, indianische Legende: Das so genannte "Man-Thing" schlachtet ohne Sinn und Verstand nicht nur Schists Männer, sondern jeden, dessen Nase ihm nicht passt und der zur falschen Zeit im Sumpfgebiet aufschlägt, grausam ab. Sheriff Williams, sein Deputy und die Umweltschützerin Teri geraten schnell in Lebensgefahr. Wenn sie überleben wollen, müssen sie schnell hinter das Geheimnis des "Man-Things" kommen...



Billig - Billiger - Man-Thing
Das allererste, was dem Zuschauer bei Brett Leonards "Man-Thing" auffällt, ist der extrem billige "Plastiklook" des ganzen Films. Vor allem die Szenen im Sumpf sind hier besonders schmerzhaft anzusehen, denn ganz egal, wie dunkel die Szenen dort sind, man sieht zu jeder Zeit, dass dort alles aus Kunststoff ist.
Leider passen sich die Schauspielerinnen und Schauspieler ab der ersten Minute der billigen Kulisse an, und liefern Leistungen ab, die einem der billigeren Asylum-Hobel zur Ehre gereichen würden. Besonders schmerzhaft ist das bei Matthew Le Nevez, der seine Rolle als Sheriff Williams mit dem immer gleichen Gesichtsausdruck bestreitet, ganz egal, ob er gerade die Überreste seines Deputys findet, oder er mit Teri flirtet.

Sehr freie Comicverfilmung
(Spoilerwarnung voraus) Der größte Teil der Vorlage wurde für die Verfilmung über Bord geschmissen. Ein kurzer Exkurs: Im Comic ist der Biochemiker Theodore Sallis Teil einer Forschergruppe, die das Serum, mit dem einst Captain America erschaffen wurde, replizieren will. Eines Tages bringt er seine Geliebte mit zur Arbeit, nicht wissend, dass diese zu einer Gruppe von Terroristen gehört, die das Serum an sich bringen möchte. Sallis bemerkt den fatalen Fehler rechtzeitig. Er vernichtet die Formel, flieht und nimmt die einzige Dosis des Serums mit sich. Offenbar hält er es für eine gute Idee, dabei durch die Sümpfe zu fliehen und baut sofort einen Unfall. Deshalb verwandelt er sich durch das Serum und ein wenig Magie ihn in das grüne, rotäugige Man-Thing verwandeln und seinen Verstand fast völlig auslöschen.
Im Film ist Ted Sallis ein Indianer, der Schist das Land seiner Vorfahren (mit dem Einverständnis des restlichen Stammes) verkauft hat und dann von einem Schamanen in das Man-Thing verwandelt. Frederic Schist darf mit seinem Sohn als Ersatz für die Terrorgruppe herhalten.
Natürlich ist klar, dass man alle Hinweise auf das Serum getilgt hat, weil man Captain America wohl aus diesem Film heraushalten wollte (bzw. musste). Dennoch hätte man die Geschichte nicht so sehr verändern müssen. Dass dieser Weg gewählt wurde, ist vor allem deshalb schade, weil Schist & Co ein wirklich armseliger Ersatz für die Terrorgruppe A.I.M. (Advanced Idea Mechanics - Reichlich sinnloser Name, wenn man darüber nachdenkt) sind. Die Story rund um Sallis ist im Film auch ziemlich sinnlos. Sein Stamm verkauft das Sumpfland, Sallis überlegt es sich irgendwie anders, will (anscheinend) mit dem Geld verschwinden und wird dann von dem Schamanen verflucht....oder so. Denn speziell dieser Teil der Geschichte ist so undurchdacht und unnötig verwirrend erzählt, dass man irgendwann einfach keine Lust mehr auf den ganzen Unsinn hat.
Die angedachte Ökobotschaft des Filmes fällt schießt sich schnell ins eigene Knie. Wenn das Man-Thing extra dafür geschaffen wurde, den Sumpf zu beschützen, wieso bringt es dann laufend Unschuldige um, darunter zwei Stammesmitglieder von Sallis und ein junges Pärchen? Mit dem Schutz der Sumpfgebiete hatte das wohl nichts zu tun, schließlich waren die ja auf der Seite des Man-Things. Dass das Man-Thing einfach nur ein Monster ist zieht als Argument auch nicht, schließlich besagt die Geschichte, dass die primäre Aufgabe des Man-Things ist, die Sumpfgebiete zu beschützen. Warum es dann laufend Unschuldige umbringt, wird nie so ganz klar,wobei man sich vielleicht zusammenreimen könnte, dass es den Sumpf einfach komplett menschfrei halten will (was natürlich überhaupt nicht funktioniert). Dieses doch zentrale Element des Filmes beißt sich alle zwei Minuten selber in den Schwanz.
Positive Punkte gibt es bei "Man-Thing" nur sehr wenige. Einige Splattereffekte sind sehr gut gelungen und das Man-Thing selbst sieht zumindest nicht ganz so peinlich aus, wie es der restliche Billiglook des Filmes befürchten lässt. Die erwähnten Splattereffekte können den Zuschauer aber auch nicht davor bewahren, bei dem Film einzuschlafen, die etwa 90 Minuten fühlen sich an wie sechseinhalb Stunden. "Man-Thing" ist Valium auf DVD.

Fazit zu Brett Leonards "Man-Thing"
Wenn ich daran denke, dass diese Totalkatastrophe von einem Film in den USA sogar kurzfristig im Kino zu sehen war, kann ich nur den Kopf schütteln. "Man-Thing" ist langweilig, undurchdacht und sieht einfach nur billig aus.

Mittwoch, 9. Juli 2014

How i killed your mother

Das Finale von "How i met your mother" ist diskussionswürdig
Ich habe mir gestern die beiden letzten Episoden von "How i met your mother", einer meiner Lieblingsserien in den letzten Jahren, angesehen. Schließlich wollte ich endlich wissen, wieso sich so viele darüber aufregen und ich hatte es satt, immer allen Spoilern ausweichen zu müssen. Im folgenden Text möchte ich auf die drei im Internet immer wieder genannten Hauptkritikpunkte eingehen, analysieren, warum von den nicht gerade wenigen Kritikerinnen und Kritikern gerade auf diese drei Aspekte immer wieder eingegangen wird und ob es wirklich so ist, dass diese im Nachhinein die komplette Show ruinieren, oder ob hier von den Fans mal wieder viel Lärm um Nichts veranstaltet wird. (Die Überschrift liefert einen klitzekleinen Hinweis darauf, in welche Richtung dieser Artikel gehen wird.)

Eines gleich vorweg: Was in diesen beiden Episoden zu sehen ist, ist ein Paradebeispiel für das Sprichwort "Das Gegenteil von 'gut' ist 'gut gemeint'". Verzweifelt wurde versucht, Handlungsstränge und Geschichten abzuhandeln, die eigentlich mindestens eine ganze Staffel benötigen würden, um richtig zur Entfaltung zu kommen. Die wenigen guten Ideen werden zudem so schlecht umgesetzt, dass sie fast noch mehr verärgern als alles andere. Und: Ja, die Serie wird durch das Ende nachhaltig beschädigt, aber nicht so, wie es von den Kritikern behauptet wird.
Wer sich die Show nicht spoilern möchte, sollte sich die letzten Episoden ansehen, BEVOR er oder sie hier weiter liest, sogar die Zwischenüberschriften sind große Spoiler. Kommen wir als zum ersten Punkt, der immer wieder gerne kritisiert wird:

Der Tod der Mutter
Wer von den Fans hat sich kein Happy End für Ted und die Mutter seiner Kinder gewünscht? Es gibt wahrscheinlich keinen einzigen, der sich nicht gewünscht hat, dass Ted mit ihr am Ende in den Sonnenuntergang reitet (und dabei wahrscheinlich seine roten Cowboystiefel trägt). Und dann passiert sowas: Die Mutter erkrankt schwer und verstirbt.
Ich kann verstehen, wieso dieser Punkt so viele Menschen verärgert. Dennoch ist der Zorn hier nicht gerechtfertigt. Es ging in HIMYM nie wirklich um die Mutter. Das erkennen sogar seine Kinder, wenn sie sagen, dass es in der Geschichte gar nicht darum ging, wie Ted ihre Mutter traf, sondern darum, dass er immer noch auf Robin steht. Es ging um Ted, seine Freunde, und Teds Reifeprozess, durch den er zu dem Mann wurde, der er am Ende der Geschichte ist. Übrigens: Wieso sollte Ted die Geschichte, wie er die Mutter seiner Kinder getroffen hat, damit beginnen, wie er ihre Tante Robin kennen lernte? Könnte es sein, dass die Pilotfolge durch das Ende eine tiefere Bedeutung erhält? Denkt mal darüber nach. Das Problem ist also nicht, das Ted und Robin zusammen kommen. Das Problem ist der Weg dorthin.

Robin und Barney lassen sich scheiden
Um zu ermöglichen, dass Robin und Ted zusammen kommen, müssen sich nämlich erst Barney und Robin scheiden lassen. Das ist an und für sich völlig okay, aber die Art und Weise, wie ihr Beziehungsende umgesetzt wurde, ist eine absolute Frechheit. Ab Staffel 3 wird ihre Beziehung bis Staffel 7 behutsam und kontinuierlich aufgebaut. Wie viel Zeit bekommt ihr Beziehungsende von den Machern? Keine 15 Minuten und als Beispiel für ihre große Ehekrise zeigt man einen Streit in ihrem Urlaub, in dem es um Robins Karriere und dass es im Hotel kein WIFI gibt (nein, ich habe mir das nicht ausgedacht). Dass Robin ihre Karriere wichtiger ist als ihr Ehemann, ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil genau das schon einmal Thema in der Serie war. Erinnert ihr euch noch an Don Frank, ihren Arbeitskollegen und späteren Lebensgefährten? Ihre Beziehung ging zu Ende, weil Robin ihre Karriere nicht an die erste Stelle setzte und ein vielversprechendes Jobangebot ausschlug, das Don dann hinter ihrem Rücken annahm. Jetzt könnte man argumentieren, dass Robin nicht zulassen wollte, dass ihr so etwas noch einmal passiert. Nur: Wir sehen nicht den kleinsten Hinweis auf eine solche Einstellung von Robin. So wirkt es so, als ob ihr Don, der im Vergleich zu Barney gefühlte fünf Minuten in ihrem Leben war, wichtiger war als ihr Ehemann, mit dem sie zu diesem Zeitpunkt schon drei Jahre verheiratet war. Dass man Robin damit zu einem kaltherzigen Miststück macht, war den Machern offenbar entweder nicht bewusst oder vollkommen egal.
Wie die Zuschauer von der Scheidung erfahren, ist auch ein Kapitel für sich. In der direkt nächsten Szene nach dem Streit erzählen sie der Gang sinngemäß folgendes: "Unser Urlaub war toll und übrigens haben wir uns scheiden lassen." Lily heult ein wenig und das wars. Ein Handlungsstrang, der in jeder anderen Serie mindestens eine ganze Staffel in Anspruch nehmen würde, wurde hier in ein paar wenige Minuten gepfercht. Das ist den Protagonisten und dem Publikum gegenüber nur noch respektlos.

Barneys Entwicklung wird gleich zweimal komplett über den Haufen geworfen - in nicht einmal zehn Minuten
Was mit Barney nach der Scheidung passiert, ist schon bemerkenswert. Erst heißt es, dass er jetzt wieder ganz der alte Weiberheld sei. Die über fünf Staffeln dauernde Entwicklung Barneys, für den es nicht einfach war, sein Leben vollkommen umzukrempeln? Einfach weg. Die Zuschauer haben aber nicht einmal Zeit, den Fernseher vor Wut anzubrüllen, denn nur ein bis zwei Szenen später erzählt Barney der Clique, dass er einen seiner One Night Stands geschwängert hat. Jetzt ist plötzlich wieder alles anders, denn Barney schwört, ein toller Vater zu sein und hält den Barschlampen, die er vorhin vögeln wollte, nun Vorträge darüber, dass sie über ihr Leben nachdenken müssen. Mir ist klar, dass laut Serie zwischen diesen Episoden immer mehrere Jahre vergehen, aber den Zuschauern wird das alles mit atemberaubender Geschwindigkeit um die Ohren gehauen, Luft zum Atmen wird den Leuten nie gegeben.
Das liegt daran, dass das Zeitgefühl der Verantwortlichen in der ganzen letzten Staffel überhaupt nicht gepasst hat. Während ansonsten mindestens 50 Prozent reine Füllepisoden sind, wirkt das Finale so, als ob allen erst kurz vor dem Ende bewusst wurde, dass sie nur noch 2 Episoden für ihre 537 Handlungsstränge haben (dass Marshall in der Zwischenzeit zweimal den Job wechselt, seine Erfüllung im Dasein als Richter findet und mit Lily noch weitere Kinder bekommt, habe ich ja noch gar nicht erwähnt). Das Ergebnis ist ein wildes Sammelsurium aus Zeitsprüngen, bei dem die Zuschauer so viel Blödsinn fressen müssen, dass es irgendwann einfach nicht mehr geht. Wenn man diese Füllepisoden entsorgt und den wichtigen Handlungssträngen den so frei gewordenen Raum gegeben hätte, wäre diese Staffel wesentlich besser geworden.
Dieses Serienfinale ist ein gutes Beispiel dafür, wie fehlendes Zeitgefühl jede gute Idee vernichten kann. Das wirkt sich vor allem auf die Staffeln 3 bis 7 negativ aus, da jede dort gezeigte Charakterentwicklung von Barney und Robin letztendlich für die Katz' war. Schade.

Donnerstag, 26. Juni 2014

Interview mit Thomas Tippner

Der Hörspielautor Thomas Tippner
Mit Hörspielen wie "Die Schatzinsel", "Professor Zamorra", "The Return of Captain Future" und "Der Orden" hat sich Thomas Tippner in der Hörspielszene bereits einen Namen gemacht. Im Interview erzählt er alles über sein neues Projekt "Sherlock Holmes Academy" und wie schwierig es sein kann, wenn man als Autor von seinem Traumberuf leben möchte.

Alltagshirngespinste: Worum geht es in der Reihe "Sherlock Holmes Academy"?
Thomas Tippner: Es geht um Trudy Taff, die gerne eine Meisterdetektivin werden will. Eigentlich wollte sie auf die supercoole OIS gehen, wo internationale Spione ausgebildet werden. Aber da sie leider traditionell erzogen wird, wird sie auf die Sherlock Holmes Academy geschickt. Da findet sie dann in Marlene ihre beste Freundin, mit der sie ihren ersten Fall löst. Beide merken schnell, dass das traditionelle Detektivsein auch sehr viel Spannendes und Aufregendes haben kann. Eine rundum niedliche Serie, wie ich finde.

Worin unterscheidet sich "Sherlock Holmes Academy" von anderen, ähnlichen Serien, wie zum Beispiel "Die drei ???", "Team Undercover" oder "Point Whitmark"?
Die von Ihnen erwähnten Serien unterscheiden sich ja auch nicht sonderlich in der Grundausstattung. Nur die Ermittlungen werden da halt anders angegangen. Wer einmal die Ausbildung einer Detektivin miterleben will, anstatt gestandenen Detektiven zu lauschen, sollte ruhig ein Ohr riskieren. Denn der Schulalltag und die Art, wie Trudy und Marlene lernen, ist sehr spannend, da sie das Erlernte halt auch das erste Mal anwenden. Und wie es nun einmal so ist – nicht alles klappt beim ersten Mal, und darin liegt der Reiz der Serie. Trudy ist noch nicht ganz fertig mit der Schule, aber sehr pfiffig.

Sie haben neben bereits einige bereits vorhandene Stoffe (wie zum Beispiel "Die Schatzinsel") zu Hörspielen verarbeitet. Wie überträgt man eine solche Vorlage in ein anderes Medium?
Als erstes sollte man die Geschichte ein oder zwei Mal lesen, und sich dabei gleich Notizen machen, ob man Stellen übernehmen oder streichen will, oder ob man Szenen gut findet, die aber gerne in eine andere Richtung lenken möchte. Dann muss man sich unbedingt auch mit den Figuren auseinandersetzen. Bei der Schatzinsel habe ich das Buch x-mal gelesen. Da habe ich gemerkt, dass mir ein Billy Bones zu schnell abgefrühstückt wird. Ihm wollte ich mehr Platz geben. Und das Verhältnis zwischen Silver und Jim Hawkins wollte ich unbedingt intensiver herausheben. Die Fahrt auf der Hisbaniola und der Maat Arow war mir wiederum nicht spannend genug, deswegen habe ich etwas daran geschraubt.  Na ja, es ist halt immer eine eigene Interpretation.

Wann und warum haben Sie sich dazu entschlossen, Hörspielautor zu werden?
Schreiben wollte ich eigentlich schon immer, das ging bereits in der Grundschule los. Da habe ich keine Aufsätze, sondern Geschichten geschrieben. Habe meiner Fantasie freien Lauf gelassen. Schließlich habe ich angefangen, Pitje Puck zu lesen, und da hat es mich einfach gepackt. Ich wollte weiter Geschichten erzählen, wollte mir Figuren ausdenken und allen Leuten meine Storys vorlegen, damit sie sie lesen.
Das mit dem Hörspielschreiben war eher ein Zufall. Natürlich habe ich immer gerne Hörspiele gehört, besonders die Abenteuer um He-Man und die Masters of the Universe.
Deswegen war ich damals im He-Man.de-Forum aktiv und habe da Björn Korthof kennengelernt. Der hatte damals ja mit seinem Label Hearoic die Fanhörspiele um He-Man veröffentlicht. So bin ich zum Team dazugestoßen . Wir wollten auch andere Themen aufgreifen und bearbeiten. Aber dann entschied ich mich, meine Ideen selber umzusetzen. Das tat ich dann auch, indem ich „Der Orden“ produzierte und mir eine Bastei-Lizenz erwarb. Beide Projekte gingen ziemlich schnell ein – leider. Aber durch „Der Orden“ waren Joachim Otto und Sven Schreivogel auf mich aufmerksam geworden und boten mir an, für sie zu arbeiten. In der Zwischenzeit hatte ich auch Douglas Welbat, Katja Brügger und Dieter B. Gerlach kennengelernt. Die haben sich meiner ein wenig angenommen und meine Schreiberei professionalisiert. Es war wirklich fantastisch. Ein harter Weg, aber total lehrreich und horizonterweiternd. Besonders zu Douglas und Katja pflege ich noch eine richtig tiefe und innige Freundschaft. Einfach fabelhaft, wie lieb und nett die beiden sind. Die Zeit des Lernens will ich nicht mehr missen und ich bin allen drei zutiefst dankbar, dass sie an mich geglaubt und mich gefördert haben. Nachdem ich ein wenig für Joachim und Sven gearbeitet hatte, kam Maritim auf mich zu und fragte, ob ich einen relativ großen Bereich ihres Programms mit Hörspielmanuskripten abdecken wolle. Das wollte ich natürlich – und so sind weitere von mir geschriebene Serien auf den Markt gekommen. Total irre, wie das so vonstatten gegangen ist.
Schließlich kam ich mit Markus Winter und Sebastian Pobot in Kontakt. Markus ist ja sowieso bekannt und macht tolle Hörspiele. Und Sebastian ist, was Lizenzen angeht, einfach unschlagbar.
Seitdem sitze ich irgendwie in der Hörspielbranche fest. Und so bin ich zum Autoren geworden. Es war nicht immer leicht und manchmal ist man auch verzweifelt, aber im Großen und Ganzen hat es sich echt gelohnt und bringt immer noch total viel Spaß.

Wann meldet sich die Verzweiflung denn?
Wenn man versucht irgendwo Fuß zu fassen, sich anbietet, immer wieder an die Grenzen seiner eigenen Leistungsfähigkeit geht und niemand darauf reagiert, beginnt man zu zweifeln. Massiv war das damals, als ich bei Maritim angefangen habe zu schreiben. Man macht fünf Skripte fertig, schreibt seine Rechnung und freut sich, dass man Miete, Kredit, Lebensunterhalt zahlen kann usw. Und dann … plötzlich keine Aufträge mehr. Weder von Maritim, von der Romantruhe oder Nocturna Entertainment. Es ist so, als wäre einem der Faden abgeschnitten wurde. Dann kommen vielleicht noch ein oder zwei Absagen von Verlagen, wo man sich auch als Autor beworben hat.
Aber das hat sich zum Glück in Grenzen gehalten. Denn auch da bin ich wieder realistisch. Wenn ich keine neuen Aufträge bekomme, dann habe ich es nicht geschafft. Punkt aus. Aus Verzweiflung wurde dann wieder Realität. Und so hatte ich mir dann überlegt, dass ich wieder arbeiten gehen müsste, wenn ich mich mit der Schreiberei nicht über Wasser halten kann.

Wie haben Sie dieses Ziel erreicht?
Ich hab mich wenig entmutigen lassen und immer an mich geglaubt. Und ich hatte das Glück, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. Hätte ich Douggy Welbat, Katja Brügger und Dieter B. Gerlach nicht kennengelernt, wäre ich auf der Strecke geblieben. Ebenso wäre ich hängen geblieben, hätten ich mir bei Joachim Otto oder Sven Schreivogel nicht die Hörner abstoßen dürfen, um richtig in die Szene hineinzukommen.Zudem bin ich sehr ehrgeizig, was die Schreiberei angeht. Passt einem Auftraggeber das von mir geschriebene Skript nicht, ändere ich es um. Passt es wieder nicht – ändere ich es um. Passt es wieder nicht – ändere ich es um. Denn ich bin immer der festen Meinung, dass sich aus einer guten Idee, immer eine gute Geschichte erzählen lässt.
Und ich lasse mich nicht verbiegen. Ich bleibe authentisch. Und was ganz wichtig ist, man darf sich selber und seine Arbeit nicht zu ernst nehmen. Ich bin total kritikfähig und kann es gut ab, wenn jemand sagt: „Thomas, das war echter Mist, schreib das mal um.“
Natürlich denke ich mir was beim Schreiben, aber wenn von zehn Probelesern sieben sagen: „Äh, das war jetzt irgendwie nicht so cool“, wird das die breite Masse sicherlich auch denken. Und darin liegt – glaube ich – ein wichtiger Grund, warum ich noch immer so aktiv bin. Ich will mich eben immer verbessern und was Eigenes schaffen.

Sie sagen einerseits, dass Sie, wenn Änderungen gewünscht werden, diese auch durchführen. Andererseits sagen Sie auch, dass Sie sich nicht verbiegen lassen. Wie geht das zusammen? Haben Sie Änderungen schon einmal abgelehnt?
Es muss natürlich immer das Produkt gesehen werden.
Ich habe Änderungen schon abgelehnt oder mit dem Auftraggeber heiß diskutiert. Bisher hatte ich aber das Glück, immer mit sehr verständnisvollen Leuten zusammenzuarbeiten. Natürlich ändere ich was, wenn der Auftraggeber ein Lizenzprodukt hat und ich deswegen nicht so frei arbeiten kann, wie ich will. Das geht ja dann nicht anders. Aber wenn eine Änderung gewünscht wird, die dem Produkt schadet, es schlechter macht oder den bestehenden Zusammenhang beschädigt, kann es nicht geändert werden. Es kann natürlich auch sein, dass meine Vorlage nicht den Wünschen des Auftraggebers entspricht. Dann müssen wir da halt auch wieder drüber diskutieren. Wenn meine Vorlage schlecht ist, muss sie halt geändert werden - da bin ich der letzte, der sich da quer stellt.
Wie schon gesagt - alles muss sachlich, fachlich und auf Augenhöhe besprochen und diskutiert werden. Deswegen hat eine Verbesserung des Skripts nichts mit verbiegen oder nachgeben zu tun. Man muss immer das Produkt in Auge haben. Schließlich stehen da ja unsere Namen drin und die sollen beim Hörer oder beim Kunden nicht dazu führen, dass sie die Augen verdrehen, wenn sie den Namen Tippner lesen.

Welche Projekte haben Sie in der nächsten Zeit geplant?
Oh, da steht jetzt einiges an. Durch einen sehr guten Freund habe ich die Möglichkeit bekommen, mal eigene Ideen zu entwickeln und zu verwirklichen. So habe ich jetzt eigene Projekte anfangen können. Zum Beispiel eine Neuinterpretation von „Tom Sawyers Abenteuer“, oder Hörspiel-Lesungen à la ETA Hoffmann oder Bram Stoker. Und auch eigene Geschichten schreiben, wie „Die Einhornprinzessin“,eine Geschichte, die ich für meine kleine Tochter geschrieben habe, nachdem ich ihr großspurig versprach, mal was über Prinzessinnen, Einhörner und die Liebe zu schreiben. Oder auch meine kleine Krimiserie „Sunny Baretta“, wo wir jetzt fünf Folgen aufgenommen haben.Dazu kommen noch diverse Auftragsarbeiten von Joachim Otto, Sven Schreivogel und Sebastian Pobot. Aber da darf ich, wie immer, noch nicht drüber sprechen. Ankündigungen kommen auf jeden Fall.

Vielen Dank für das Gespräch!

Samstag, 21. Juni 2014

Ein kleiner Arbeitsnachweis

In letzter Zeit war es ja etwas ruhiger hier. Das liegt nicht etwa daran, dass ich keine Lust mehr hätte, hier etwas zu schreiben, sondern weil ich derzeit sehr viel zu tun habe. Deshalb gibt es hier Links auf zwei Artikel von mir: Lernbuddys & Katakombenpakt. Viel Spaß beim Lesen!

Montag, 9. Juni 2014

Doghouse von Jake West

Doghouse von Jake West (UK 2009)
Vince verkraftet seine Scheidung nur sehr schwer. Da er völlig am Boden ist, beschließen seine Freunde (die selbst genug Probleme mit dem weiblichen Geschlecht haben), dass eine Sauftour genau das richtige für ihn ist, um ihn wieder auf die Beine zu bringen. Das verschlafene Nest Moodley scheint der perfekte Ort dafür zu sein. Moodley hat nämlich einen Vorteil: Es gibt dort viermal so viele Frauen, wie es Männer gibt. Da sollte es - wenn es nach seinen Freunden geht - selbst einem Trauerkloß wie Vince leicht fallen, einen One Night Stand aufzureißen. Als die Clique in dem kleinen Dorf ankommt, ist schnell klar, dass hier irgend etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist: Alles ist wie ausgestorben. Der Grund dafür wird den Freunden schnell klar: Die Frauen von Moodley haben sich allesamt in Zombies verwandelt und sämtliche Männer in Stücke gerissen. Sogar ihre Reiseleiterin Candy verwandelt sich, kaum dass sie in Moodley angekommen sind, in eine blutrünstige Bestie. Für Vince und Co erhält der Begriff "Kampf der Geschlechter" eine ganz neue Bedeutung, denn die Zombieladys haben einen großen Appetit auf Frischfleisch...


Doghouse von Jake West
"Doghouse" von Jake West ist einer jener Filme, die mehr oder weniger erfolgreich versuchen, im Windschatten von "Shaun of the Dead" ihr Publikum zu finden. Das gelingt "Doghouse" zum größten Teil sehr gut. Die Zombies sehen nicht nur spektakulär aus, sie sind alle einzigartige Charaktere (mein Liebling war die Friseurin) und wirken teilweise ziemlich gruselig. Abgerundet wird dieses positive Bild durch äußerst ruppige Splattereffekte, die auch abgehärtete Gorehounds ein paar Mal zusammenzucken lassen sollten.
Besonders gut gelungen sind die ersten 15 Minuten des Films, in denen die Freunde mit ihren Frauenproblemen kurz, knapp und dennoch prägnant und witzig vorgestellt werden. Neben Danny Dyer (Human Traffic) weiß vor allem Stephen Graham (Boardwalk Empire) zu gefallen.

Probleme im letzten Drittel
(Ab hier gibt es Spoiler, also gilt: Weiterlesen auf eigene Gefahr!) Leider leistet sich "Doghouse" gegen Ende hin zwei Fehler, die den Filmgenuss dann doch trüben. Die Zombies entstanden, wie die Protagonisten später erfahren, durch ein Experiment der Regierung, die nach einer Möglichkeit suchte, wie man Kriege gewinnen könnte, ohne die eigene Armee in Gefahr zu bringen. Mithilfe eines Virus gelang es, die Frauen zu verwandeln, sodass eine Hälfte der Bevölkerung gegen die andere kämpft. Nach Phase 1 (der "normalen" Zombieattacke) verwandeln die Frauen sich in Phase 2 in so etwas wie "Superzombies", die schneller, stärker, cleverer, etc... sein soll. Die Zuschauer sehen, wie sich die Damen verwandeln, ihnen regelrechte Klauen wachsen und die Zombieladys danach insgesamt eine Ecke stärker aussehen als davor. Als Zuschauer erwartet man, dass bei den folgenden Angriffen irgend etwas Abgedrehtes geliefert wird....und nichts passiert. Die Damen sehen bei Licht (bei den Verwandlungen hatte man nur die Silhouette gesehen) genauso aus wie vorher, es wirkt beinahe so, als hätten die Drehbuchautoren die groß angekündigte Phase 2 nach einer Minute schon wieder vergessen. Das ist enttäuschend, die Erwartungen der Zuschauer werden hier sehr schnell ziemlich enttäuscht.
Der größere Fehler ist aber der Showdown, oder besser gesagt: Sein völliges Fehlen. Da drehen die Helden um, einen totgeglaubten Freund zu retten, sie schaffen es (seltsamerweise ohne große Schwierigkeiten) ihn aus dem Futterversteck der Frauen zu holen, in dem die Zombies männliche Körperteile lagern und entschließen sich dann dazu, die Untoten in einer letzten Schlacht zur Hölle zu schicken. Dabei fällt ihnen eine Vorrichtung in die Hände, mit der das Militär die Zombies kontrollieren kann. Die Jungs spielen damit natürlich so lange herum, bis einer von ihnen es schafft, das Ding zu zerbrechen, die Zombies stürmen los, man erwartet, dass es jetzt einen gewaltigen Kampf geben wird. Dann setzen Vince und Co ihren verletzten Freund in einen Einkaufswagen, rennen davon und lachen dabei wie die letzten Idioten. Filmende.
Dieser Schluss hat ein Problem: Er wirkt wie eine Verlegenheitslösung und man hat das Gefühl, dass Jake West und Co. einfach nichts besseres eingefallen ist, bis einer von sowas wie "Ach, dann machen wir das halt so!" gesagt und es sofort so abgedreht hat. Dadurch passt das Ende atmosphärisch überhaupt nicht zum Rest des Films. Das ist schade, denn so sitzt man, wenn der Abspann kommt, doch einigermaßen frustriert vor dem Fernseher, obwohl "Doghouse" ansonsten eigentlich kein schlechter Film ist.

Fazit zu Doghouse
Dieser Film lässt mich etwas zwiegespalten zurück. Einerseits ist der Anfang wirklich gelungen und die ersten Angriffe der Zombies machen wirklich Spaß. Dem steht vor allem das verschenkte und hingeschludert wirkende Ende entgegen. Der Film ist nicht wirklich schlecht, aber schaut euch lieber noch einmal "Shaun of the Dead" an, der ist um einiges besser.