Sonntag, 12. Oktober 2014

Mercenaries von The Asylum

Mercenaries (USA 2014) von Christopher Olen Ray
Die Tochter des amerikanischen Präsidenten wird entführt, während sie sich in einem Krisengebiet befindet. Für ihre Freilassung fordert die durchgeknallte Ulrika (Brigitte Nielsen), dass sie wieder als Diktatorin ihres Heimatlandes eingesetzt wird. (Wäre es da nicht logischer gewesen, jemanden zu entführen, der den dortigen Verantwortlichen wichtig ist?) Jedenfalls denkt der Präsident gar nicht daran, Ulrikas Wünschen nachzugeben und beauftragt Mona (Cynthia Rothrock) damit, eine Gruppe zusammen zu stellen, die das holde Präsidententöchterl in einem Stück zurück zu Daddy bringen soll. Da Ulrika bei Männern ein veritables Vertrauensproblem hat, entschließt Mona sich dazu, eine reine Frauentruppe loszuschicken. Da man aber selbst nicht genug weibliche Spezialistinnen auf der Gehaltsliste hat, sieht Mona sich um, was sie so in den hiesigen Gefängnissen und bei den aus den diversen Armeen und Geheimdiensten Entlassenen so findet. Die Frauen sollen Ulrikas Vertrauen gewinnen und deren Geisel in einem geeigneten Moment befreien. Den entsprechenden Damen wird - bei erfolgreicher Befreiung - eine Begnadigung angeboten. Als unsere Heldinnen sehen, dass Ulrika Dutzende von Menschen gefangen hält und in ihrem Territorium Todesurteile verteilt wie andere Leute Bonbons, beschließen die Damen, den Plan zu ändern...


Mercenaries von The Asylum
(Achtung Spoilerwarnung) Die Asylanten haben es tatsächlich geschafft. Zum ersten Mal haben sie den Film, auf denen ihr Mockbuster beruht, nicht nur zeitnah kopiert, sondern gleich überholt, denn während Expendabelles noch in der Entwicklung steckt, gibt es "Mercenaries" schon auf DVD. In meinen Augen ist das ein deutliches Zeichen dahingehend, dass für Stallones weiblichen Expendables-Ableger der Zug endgültig abgefahren ist, aber das nur nebenbei.
Der Plot von "Mercenaries" ist so dünn wie ein Blatt Papier und wurde dementsprechend schon hunderttausendmal verfilmt. Logik und Konsistenz sind auch nicht die Stärke des Drehbuchs von Edward DeRuiter (der außerdem in Battle of Los Angeles mitgespielt hat). Das ist aber völlig egal, denn unterhaltsam ist "Mercenaries" allemal.
Das liegt unter anderem an Brigitte Nielsen, die als Ulrika dermaßen viel Spaß hat, dass man als Zuschauer gar nicht anders kann, als sich minutenlang den A... abzulachen, während Nielsen sich mit ihrem Overacting nachdrücklich für die Hauptrolle in einem Remake von ILSA empfiehlt. Vivica A. Fox schaltet in dem Moment, in welchem sie die Seiten wechselt, augenblicklich in denselben Overacting-Modus und verkündet gleich, dass sie George Clooney mit einem Dildo vögeln will (vielen Dank für die Info). Der Rest des Casts nimmt seine Rollen ungefähr genauso ernst, nämlich gar nicht. Einzig Alexis Raich übertreibt es als Lexi mit dem Overacting und geht einem so sehr auf die Nüsse, dass man bei ihrem recht vorhersehbaren Ableben einen Jubelchor anstimmen möchte.
Regisseur Christopher Olen Ray inszeniert die ganze Chose recht flott, manche der kurzweiligen Actionszenen sind aber ein wenig unübersichtlich geschnitten. Außerdem wäre es wünschenswert gewesen, wenn die Rolle von Cynthia Rothrock ein wenig größer gewesen wäre und man ihr ein oder zwei Martial-Arts-Kämpfe gegeben hätte. Schade ist auch, dass Ulrikas angeblicher Hass auf Männer letztendlich nur behauptet ist, da dieser Plotpoint im Verlauf der Geschichte kaum eine Rolle spielt und Ulrikas Truppen ausschließlich aus Männern bestehen.
"Mercenaries" kommt mit sehr wenig Exposition aus und spart es sich, Gott sei Dank, die Laufzeit mit überflüssigem Zeug in die Länge zu ziehen. Dadurch kommt keine Langeweile auf, zuweilen würde man sich aber wünschen, dass die Geschichte die vorgezeichneten Pfade verlässt und zumindest ein bisschen mehr Originalität zeigt. Hier heißt es leider: Fehlanzeige!
Noch einmal kurz zu den Expendabelles: "Mercenaries" macht diesen Film eigentlich obsolet. Die Handlung wird, wenn wir uns ehrlich sind, nicht viel weniger klischeebeladen sein. Was die Schauspielerinnen angeht, denke ich, dass Zoe Bell, Kristanna Loken, Cynthia Rothrock, Brigitte Nielsen und Vivica A. Fox locker auch bei den Expendabelles mitspielen könnten. (Wen wollen die jetzt bei Expendabelles eigentlich einsetzen? So viele weibliche Actionstars gibt es ja leider nicht.) Was sollte also noch für Expendabelles sprechen? Ein paar Explosionen mehr und ein höheres Budget reichen mir nicht als Grund.

Fazit zu Mercenaries
"Mercenaries" ist ein billiger, aber nichtsdestotrotz unterhaltsamer, kleiner B-Actionfilm. Wenn man sein Gehirn ausschaltet und nicht mehr erwartet, als hirnlose Unterhaltung, wird man hier nicht enttäuscht.

Sonntag, 28. September 2014

Das finstere Tal von Andreas Prochaska

Das finstere Tal (Ö/D 2014) von Andreas Prochaska
Über einen verschlungenen Pfad erreicht ein fremder Reiter ein verstecktes Dorf in den Alpen. Die Dorfbewohner würden den Fremden, der sich Greider nennt und um ein Quartier für den Winter bittet, am liebsten wieder davonjagen. Die Söhne des Brenner-Bauern hätten das wohl gerne in die Hand genommen, wenn Greider ihnen nicht eine Handvoll Goldmünzen gegeben hätte. Greider wird bei der Witwe Gader und ihrer jungen Tochter Luzi untergebracht. Luzi steht kurz vor ihrer Hochzeit. Bei ihr dominiert jedoch nicht die Vorfreude, sondern die Angst, denn Hochzeiten sind in diesem Tal mit einer furchtbaren Tradition verbunden. Nachdem der Schnee das Dorf eingeschlossen hat, stirbt einer der Brenner-Brüder bei einem furchtbaren Unfall. Als der zweite Brenner-Sohn kurz darauf ebenfalls das Zeitliche segnet, ist schnell klar, dass es sich hier um keinen Zufall handelt: Die Brenner-Familie muss büßen, denn Greider ist gekommen, um eine Rechnung aus längst vergangenen Zeiten zu begleichen.


Das finstere Tal von Andreas Prochaska
"Das finstere Tal" von Andreas Prochaska wollte ich als Westernfan unbedingt im Kino sehen und ich war sehr enttäuscht, als das nicht zustande kam. dafür habe ich mir dann nur ein paar Tage nach der Veröffentlichung die DVD gekauft. Und was soll ich sagen? Der Film hat meine hohen Erwartungen noch bei weitem übertroffen.
"Das finstere Tal" ist kein sehr gesprächiger Film. Tobias Moretti, der den Antagonisten Hans Brenner spielt, sagt in einem Interview in den DVD-Extras folgendes: "Sprache findet in diesem Film nicht statt." Bezugnehmend auf verbale Kommunikation stimmt das. Hier sprechen die Mimik und die Körpersprache. Durch dieses beredte Schweigen werden diese nonverbalen "Gespräche" für den Zuschauer greifbar. Tobias Moretti, Erwin Steinhauer, Paula Beer, Hans-Michael Rehberg, Clemens Schick, Sam Riley, der den Greider spielt, und alle anderen an dem Film beteiligten beherrschen diese Kunst perfekt. Ein besseres Ensemble hätte man für diesen Film gar nicht finden können, was diese Menschen mit einem einzigen Blick oder einer kleinen Geste kommunizieren können, schaffen andere nicht einmal mit 1000 Worten.
Der zweite große Pluspunkt des Filmes ist die Kulisse. Einen Western, der in einer alpenländischen Winterlandschaft spielt sieht man schließlich nicht so oft und Kameramann Thomas Kiennast schafft es, diese mit großartigen Kamerafahrten einzufangen. Hinzu kommt die detailverliebte Ausstattung, die den Zuschauer von der ersten Sekunde an in Erstaunen versetzt.
Die Schießereien sind ebenfalls sehr gut in Szene gesetzt worden, "Das finstere Tal" hat zwar keinen übermäßig hohen Bodycount, dafür sterben die Menschen mitunter äußerst blutig. Die Freigabe ab 12 Jahren ist in meinen Augen sehr tief angesetzt.
Es gibt nur einen kleinen Minuspunkt, den ich anmerken möchte: Den Voiceover. Dabei ist weniger störend, was die Erzählerin, sondern das "wie". Der tirolerische Dialekt ist teilweise (obwohl er bei der Berlinerin Beer völlig natürlich klingt) so stark, dass ich Probleme hatte, alles zu verstehen und mehrmals zurückspulen musste. Das ist aber nur ein sehr kleiner Kritikpunkt.

Ein würdiger Kandidat im Oscarrennen
"Das finstere Tal" wurde von Österreich in das Rennen um den besten nicht englischsprachigen Film bei der nächsten Oscarverleihung geschickt. Ich wünsche dem Film dabei alles Gute, er wäre ein würdiger Gewinner. Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von Thomas Willmann ist einer der besten Western der letzten 20 Jahre und spielt mit "Django Unchained" locker in einer Liga.

Samstag, 27. September 2014

Grave Encounters von den Vicious Brothers

Grave Encounters (USA 2011) von den Vicious Brothers
Die Geisterjäger-Reality-TV-Serie "Grave Encounters" von Showmaster Lance Preston erfreute sich im Jahr 2003 beim Publikum großer Beliebtheit. Für eine Folge will sich Lance mit seiner Crew über Nacht in der Collingwood-Pschiatrie einschließen lassen, da dort seit Jahren von ungeklärten Phänomenen berichtet wird. Schnell müssen Lance und seine Freunde, die die "Geistererscheinungen" ansonsten für ihre Sendung immer gefaket haben, feststellen, dass die Irrenanstalt verflucht und tatsächlich von Geistern des ehemaligen Personals und der Patienten bewohnt ist. Die Gespenster sind der Filmcrew nicht wohlgesonnen. Verloren in den endlos scheinenden, labyrinthartigen Korridoren der Anstalt und verfolgt von den blutrünstigen Geistern, gleiten die einzelnen Mitglieder von Lances Crew selbst immer mehr in den Wahnsinn ab und sterben wie die Fliegen. Bis zum heutigen Tag weiß niemand genau, was mit Lance und seinen Freunden passiert ist. Acht Jahre später wird das damals gefundene "echte" Filmmaterial endlich einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht...


Grave Encounters von den Vicious Brothers
Found Footage also mal wieder. Ich stehe diesem Genre ja nicht grundsätzlich negativ gegenüber, aber dieses ewig gleiche Strickmuster, nach dem die meisten dieser Filme entstanden sind, wird langsam langweilig (davon, dass es von vielen wohl einfach nur deshalb eingesetzt wird, weil man die Filme kostengünstig produzieren kann, rede ich gar nicht erst). "Grave Encounters" von den Vicious Brothers (Sid Vicious rotiert gerade in seinem Grab, die zwei sehen aus wie Wannabe-Hipster mit mangelndem Bartwuchs) gewinnt hier leider auch keine Preise für Originalität.
Dennoch macht der Film nicht alles falsch.Einige der Schockeffekt sitzen punktgenau, die Geister sehen (für einen Film mit eher geringem Budget) ziemlich gut aus und bei den Schauspielern gibt es auch keine gröberen Ausfälle zu verzeichnen. Sean Rogerson spielt den Moderator, dem es nicht um Ehrlichkeit, sondern vor allem um einen theatralischen Auftritt vor der Kamera geht, genau so, wie man sich die Protagonisten dieser gefaketen Geisterjäger-Sendungen vorstellt: Selbstverliebt und verlogen bis ins Mark. Eines möchte ich aber schon anmerken: Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn ein Film auf die Verlogenheit von Geisterjäger-Realityshows anprangern möchte und dann bei den Geistern auf relativ offensichtliche CGI-Effekte setzt.

Das alte Found Footage-Problem
(Achtung Spoiler) Natürlich teilt sich "Grave Encounters" mit anderen Filmen des Found Footage-Genres ein Problem: Es müssen aus dramaturgischen Gründen Szenen zu sehen sein, die kein normaler Mensch mehr filmen würde. Das hält sich hier aufgrund der Ausgangslage zwar anfangs in Grenzen, vor allem die Schlussszene ist diesbezüglich Gold wert. Da filmt Lance, wie der frühere Geist und jetzige Psychiater, äh..umgekehrt...eine Lobotomie (oder etwas ähnliches) an einem Patienten vornimmt. Dann schauen Psychiater Friedkin (!) und seine Krankenschwester auf, entdecken Lance und starren ihn vielsagend an. Statt wie ein normaler Mensch zu reagieren - also sich anständig in die Hose zu scheißen und nach seiner Mama schreiend um sein Leben zu laufen - schwenkt Lance mit der Kamera kurz weg (warum eigentlich?), nur um dann wieder in Richtung Friedkin zu schwenken. Natürlich steht der Onkel Doktor jetzt direkt vor ihm (zugegeben: Der Schreck hat gesessen) und schleift den Patienten zu einer lustigen Spontan-OP. Dabei fällt Lance die Kamera so aus der Hand, dass sie - während wir ihn nur noch vor Schmerzen schreien hören - direkt vor einem medizinischen Handbuch zum Liegen kommt und der Zuschauer die Wort "Medical Treatment" auf dem Cover lesen kann (oh welche Ironie! Die Chancen dafür. dass die Kamera genauso landet stehen übrigens maximal 1:1000.). Dann kommt der Abspann. Ein gutes Beispiel ist auch, wie Lance und Co den zerschnittenen Rücken von Sasha detailliert filmt, anstatt ihr zu helfen.

Fazit zu Grave Encounters
"Grave Encounters" erfindet das Rad wirklich nicht neu. Die Vicious Brothers (Gott, ich hasse solche Künstlernamen außerhalb eines Wrestlingringes!) habe außerdem ziemlich deutlich auf die kommerzielle Verwertbarkeit ihres Filmes geschielt und sich einfach an ein Genre drangehängt, das ihnen finanziell erfolgsversprechend erschien. Dennoch ist "Grave Encounters" halbwegs flott inszeniert und über weite Strecken leidlich unterhaltsam.

Montag, 22. September 2014

We need to talk about Kevin von Lynne Ramsay

We need to talk about Kevin (USA 2011) von Lynne Ramsay
Kevins Mutter Eva (Tilda Swinton) lebt ein sehr einsames Leben. Ihre Mitmenschen hassen und verachten sie öffentlich und gehen dabei sogar so weit, dass sie gegen sie gewalttätig werden. Der Grund hierfür liegt in einem "Vorfall", an dem ihr Sohn Kevin beteiligt war. Sie selbst ist mit einem Leben als Einsiedlerin zufrieden - aus der früher so selbstbewussten Frau wurde aufgrund des "Vorfalls" ein duckmäuserischer und ängstlicher Mensch. In der Einsamkeit lässt sie ihr Leben mit Kevin und dem Rest ihrer Familie Revue passieren. Sie denkt daran, wie sie darum kämpfte, Kevin zu lieben und wie dieser immer bösartigere Dinge sagte und tat. Kevins Vater (John C. Reilly) war ihr diesbezüglich nie eine große Hilfe, er schob jede Auffälligkeit an Kevins Benehmen mit Aussagen wie "So sind Jungs nun einmal!" von sich. Doch Kevins (Ezra Miller) Bösartigkeit und Gefühlskälte haben noch nicht einmal ansatzweise ihren Höhepunkt erreicht. Die Missachtung, die er dem Rest der Welt gegenüber zeigt, äußert sich schließlich in einer katastrophalen Tat...


(Ich finde den Trailer übrigens extrem gut gemacht, wie er vom Familienidyll in diese unheimliche Stimmung kippt ist schon großartig.)

We need to talk about Kevin von Lynne Ramsay
(Massive Spoilerwarnung für alle folgenden Absätze voraus) Wie geht man damit um, wenn der eigene Sohn an der Schule mehrere Menschen umgebracht hat? Viele würden wohl - genauso wie Kevins Mutter - wieder und wieder Schlüsselerlebnisse vor ihrem geistigen Auge vorbeiziehen lassen und überlegen, ob man mit einer anderen Reaktion vielleicht irgendetwas an der Zukunft hätte ändern und so die große Katastrophe verhindern können. Als Zuschauer kommt man am Ende zu dem Ergebnis, dass Kevin von Geburt an ein Psychopat und der Kampf seiner Mutter von Anfang an vergeblich war,

Horrormutter meets Psychosohn
Die Beziehung von Kevin und Eva war von Anfang an schwer gestört. Dadurch, dass Kevin als geborener Psychopat hingestellt wird, versuchen Lynne Ramsay und Co auch das Verhalten der Mutter zu entschuldigen. Eva verhält sich ihrem Sohn gegenüber nicht nur gefühlskalt und begegnet ihm von Anfang an mit an seelische Grausamkeit grenzende Emotionslosigkeit, sie misshandelt ihn auch körperlich. Als Zuschauer fragt man sich dann schon, wie man mit einer Frau mitfühlen soll, die ihrem Sohn absichtlich den Arm bricht, ganz egal, was dieser getan hat und wie oft sie sich hinterher bei ihm entschuldigt? Alleine mit den Problemen, die sie mit Kevin hat, kann man dieses Verhalten nicht erklären,vor allem, wenn man bedenkt, dass sie zu ihrer kleinen Tochter völlig anders ist. Hier sind zwar zwei gestörte Persönlichkeiten in einer Beziehung gefangen, die letztendlich nicht nur das Leben der beiden Protagonisten zerstören wird, allerdings stellt sich schon die Frage, warum sich das im Falle von Kevins Mutter Eva nur bei ihrem Sohn und nicht bei ihrer Beziehung mit ihrer Tochter zeigt.
Die Szenen, in denen Evas Mitmenschen ihren fehlgeleiteten Hasse bei ihr abreagieren, sind so erschütternd wie realistisch. Wie Lynne Ramsay unterkühlte Farben einsetzt, um die emotional gestörte Atmosphäre zu unterstreichen, ist ebenfalls sehr schön anzusehen. Es kommt ebenfalls sehr gut rüber, wie der Vater die Augen vor der Realität verschließt, man kann ihm (zumindest am Beginn) nicht einmal einen Vorwurf daraus machen, dass er nicht erkannt hat, was sein Sohn wirklich ist. Zu sehen, was mit ihm und der kleinen Tochter der Familie am Ende geschehen ist, war auch deshalb der mit Abstand härteste Schlag in den Magen, den mir ein Film in der jüngeren Vergangenheit versetzt hat.

Fazit zu We need to talk about Kevin
"We need to talk about Kevin" ist sicher kein leicht verdaulicher Film. Aber wenn man ihm Zeit die gibt, entfaltet er einen ungeheuren Sog, der den Zuschauer bis zum Ende nicht mehr loslässt- Von mir gibt es daher die Empfehlung, dem Film eine Chance zu geben!

Sonntag, 21. September 2014

Strange Circus von Sion Sono

Strange Circus (Japan 2005) von Sion Sono
Die erfolgreiche Schriftstellerin Taeko arbeitet gerade an einem bizarren neuen Roman, in dem es um eine Familie geht, die durch Inzucht, Mord und sexuellen Missbrauch zerstört wird. Von ihrem Verleger wird ihr ein junger Mann namens Yuji zur Seite gestellt, der ein großer Fan von Taeko ist und unbedingt für sie arbeiten möchte. Taeko nimmt, da sie im Rollstuhl sitzt und im alltäglichen Leben ein wenig Unterstützung gut gebrauchen könnte, die Hilfe dankend an und verbringt fortan sehr viel Zeit mit ihrem neuen Assistenten. Während Yûji seine neue Chefin näher kennen lernt, taucht er immer mehr in ihre Welt ein. Langsam beginnt er, sich zu fragen, ob Taeko und Mitsuko, die minderjährige Protagonistin in Taekos neuem Buch, vielleicht ein und dieselbe Person sein könnten. Während beide sich der Wahrheit immer mehr annähern, verschwimmen Traum und Wirklichkeit so lange, bis die Zuschauer das eine nicht mehr vom anderen unterscheiden können...



Strange Circus von Sion Sono
Dieser Film ist mit Abstand schwierigste, den ich jemals auf diesem Blog hier rezensiert habe. Das beginnt schon bei der obigen Inhaltsangabe, die zwar richtig ist, bei der ich aber so viele Ebenen der erzählten Geschichte weglassen musste (auch weil ich sonst massiv gespoilert hätte und das wollte ich nicht), dass sie in meinen Augen trotz allem ziemlich lückenhaft wirkt.
Ein Film, den man nebenher schauen kann, ist Sion Sonos "Strange Circus" auf keinen Fall, dafür aber einer, bei dem man nicht an der falschen Stelle blinzeln sollte, weil man sonst irgend etwas Wichtiges verpassen könnte. Die Wechsel zwischen den verschiedenen Ebenen von Traum und Wirklichkeit, Einbildung und Realität geschehen oft so fließend, dass einem oft erst hinterher klar wird, Diese Twists sind Sion Sono allesamt gelungen (auch wenn ich es nicht gebraucht, dass einer der Charaktere die "Na, was ist jetzt Traum und was ist Wirklichkeit?" auch noch laut ausspricht. Ich habe schon vorher begriffen, worum es geht, danke schön.)
Schauspielerisch werden in "Strange Circus" nur erstklassige Leistungen geboten. Masumi Miyazaki spielt ihre Rolle der Taeko sehr virtuos und Issei Ishida wird als Yûji vor allem in der zweiten Hälfte des Filmes vor Aufgaben gestellt, an denen so manche seiner Kollegen kläglich gescheitert wären.
Eine Sache sollte noch erwähnt werden: Der Film ist keinesfalls etwas für zartbesaitete Gemüter. Vor allem die sehr expliziten Inzest- und Missbrauchsszenen sind bestimmt nicht jedermanns Sache. Dann gibt es immer wieder äußerst blutige Sequenzen und Szenen, die so verstörend sind, dass man sie so schnell nicht mehr vergisst. Ein gutes Beispiel hierfür sind die Theaterszenen, in welche die Filmhandlung eingebettet ist und die ein wenig an das französische Grand Guignol erinnern.

Fazit zu Strange Circus
Das klingt jetzt stark nach einer Floskel, aber diesen Film kann man nicht beschreiben, man muss ihn erleben. Ein großartiger, verstörender Rausch der Bilder, für den es von mir eine klare Empfehlung gibt!

Samstag, 20. September 2014

Chopping Mall von Jim Wynorski

Chopping Mall (USA 1986) von Jim Wynorski
Das örtliche Einkaufszentrum hat sich ein brandneues Sicherheitssystem zugelegt: Drei Roboter sollen in Zukunft die Geschäfte bewachen und dafür sorgen, dass alles seine Ordnung hat. Zufälligerweise haben diese genau dann eine Fehlfunktion, als ein paar Teenager, die dort arbeiten, sich absichtlich dort einsperren lassen, um im geschlossenen Einkaufszentrum eine Party zu feiern (seltsame Location, wenn ihr mich fragt). Da das Sicherheitssystem auf "Lockdown" geht, können die Kids nun nicht mehr raus und die Roboter schießen, da sie aufgrund der Fehlfunktion die Teenager für gefährliche Schwerverbrecher halten, mit ihren tödlichen Laserstrahlen auf alles, was sich bewegt. Die einzigen Waffen, die die Protagonisten haben, sind die Sachen, die man in den Geschäften kaufen kann. Wenn unsere Helden überleben wollen, müssen sie einen Weg finden, die drei durchgeknallten Roboter zu zerstören und das ist gar nicht so einfach...

Chopping Mall von Jim Wynorski
"Ein Haufen bescheuerter Teenager, die von drei schwer bewaffneten Robotern durch die Gegend gejagt und einer nach dem anderen eliminiert werden? Klingt genau nach einem Film für mich!", dachte ich mir, als ich die DVD von "Chopping Mall" online entdeckte. Bei der Prämisse kann doch eigentlich ein unterhaltsamer B-Movie rauskommen, oder?
Falsch gedacht. "Chopping Mall" schafft es zu keinem Zeitpunkt, aus seiner unterhaltsam klingenden Inhaltsangabe auch nur ansatzweise Kapital zu schlagen. Im Prinzip ist der Film genauso langweilig, wie all die deutschen Wald- und Wiesensplatterfilme, nur dass der Killer mit der Maske hier ein schlecht zusammengeschraubt aussehender Roboter ist und die viel zu alt aussehenden Teenager nicht durch einen Wald, sondern durch ein Einkaufszentrum rennen. Die SchauspielerInnen sind - mit der Ausnahme von Barbara Crampton (From Beyond, Re-Animator) allesamt unbekannte Pappnasen, die vollkommen zurecht nie so etwas wie berühmt für ihre schauspielerischen Leistungen wurden, denn sowas wie natürlich klingende Dialoge sucht man hier vergebens. Das mag auch am Skript von Jim Wynorski und Steve Mitchell liegen, das sämtliche Klischees wiederkäut, die jemals in einem Slasherfilm vorgekommen sind. Da wird nicht einmal versucht, so etwas wie einen originellen Gag zu bringen, alles wird völlig bierernst gespielt und das versetzt diesem Film endgültig den Todesstoß. Die Kameraarbeit von Tom Richmond ist genauso uninspiriert, da sie so statisch ist, dass selbst die wenigen halbwegs rasanten Actionszenen zu keinem Zeitpunkt mitreißend wirken. Kamerafahrten und ähnlichen Firlefanz sucht man hier vergebens.
Bleibt noch eine Frage: Warum kauft jemand für ein Einkaufszentrum Roboter mit potenziell tödlichen Laserstrahlen? Bewaffnete Raubüberfälle auf eine mehrstöckige Mall werden eher selten vorkommen und einem Ladendieb, der gerade drei Orangen aus dem Supermarkt geklaut hat, ein faustgroßes Loch in die Brust zu stanzen ist doch ein wenig übertrieben. Andere Möglichkeiten, einen Menschen aufzuhalten haben, die drei Blechkübel nämlich nicht, was in dem am Anfang gezeigten Werbevideo auch gezeigt wird. Wahrscheinlich denke ich mehr über den Film nach als alle Beteiligten, aber je länger ich über die Roboter nachdenke, desto idiotischer erscheint mir die Idee selbst.

Fazit zu Chopping Mall
Den Film auf DVD zu veröffentlichen, hätte man sich wirklich sparen können. "Chopping Mall" ist ein vollkommen vergessenswerter Slasher aus den 80ern. Die knappen 90 Minuten kann man wesentlich besser nutzen. Der Trailer lässt den Film kurzweiliger wirken, als er eigentlich ist:



Dienstag, 2. September 2014

Mark Brandis: Raumkadett 2 - Verloren im All

Mark Brandis: Raumkadett 2 - Verloren im All
Für Mark Brandis geht ein Traum in Erfüllung: Seine Ausbildung an der Astronautenschule beginnt, er wurde in den ersten Jahrgang der Akademie aufgenommen! Er ist zwar der mit Abstand jüngste Teilnehmer, das stört ihn aber überhaupt nicht. Mit grauer Theorie halten die Verantwortlichen sich nicht allzu lange auf, denn bereits in ihrer ersten Woche sollen die hoffnungsfrohen Kadetten ins Weltall geschickt werden. Kaum sind alle an Bord und haben mit der ihnen aufgetragenen Arbeit begonnen, lässt der erste Zwischenfall nicht lange auf sich warten: Ein fremdes Schiff taucht wie aus dem Nichts auf und beschießt die Alpha 8, das Raumschiff, auf dem die Kadetten stationiert sind. Von der Außenwelt urplötzlich abgeschnitten und voller Angst, dass sie die einzigen Überlebenden sein könnten, müssen Brandis und seine Freunde schnell handeln, wenn sie lebend zur Erde zurück kehren wollen...

Mark Brandis: Raumkadett 2 - Verloren im All
Nach dem guten ersten Teil geht es nun weiter mit den Abenteuern des jungen Raumfahrers in spe. Der Beginn von Brandis' Ausbildung schließt direkt an die erste Folge an, in Sachen Spannung ist teilweise sogar eine spürbare Steigerung vorhanden.
Die Produktion der Folge überzeugt wieder auf ganzer Linie. Die Soundkulisse und die erfahrenen Sprecherinnen und Sprecher befinden sich wie immer auf höchstem Niveau, hier gilt im Prinzip das gleiche, was ich bei Teil 1 geschrieben habe. Im Vergleich zu "Aufbruch zu den Sternen" hat "Verloren im All" nur einen Nachteil: Den etwas flachen Schluss. Der Twist am Ende kann von aufmerksamen Zuhörerinnen und Zuhörern schon lange vor dem Ende erraten werden. Außerdem ist es etwas enttäuschend, wenn über die ganze Folge lang Spannung aufgebaut wird und diese dann nicht ganz zufriedenstellend aufgelöst wird. Dennoch ist "Verloren im All" ein unterhaltsames Hörspiel, da alles halbwegs kurzweilig ist und keine wirklichen Längen vorkommen.

Fazit zu "Mark Brandis: Raumkadett 2 - Verloren im All"
Der zweite Teil der Serie kommt nicht ganz an den ersten heran, ist aber trotzdem ein gutes Hörspiel.