Montag, 20. Juni 2016

Pause

Sorry für die längere Pause hier. Es waren zwei sehr arbeitsreiche Monate. Ich werde in den nächsten Tagen mal alles verlinken, wo ich in der Zeit meine Finger mit drin hatte, damit ihr sehen könnt, was ich in dieser Zeit so getrieben habe.

Samstag, 9. April 2016

Stummer Wächter von Dirk Hardegen und Detlef Tams

Stummer Wächter - Ein Hörspiel nach einem Skript von Franjo Franjkovic
Max Blanke gilt als paranoid, schizophren und autoaggressiv. Seit 15 Jahren ist er bereits als Patient in der Taunusklinik, sein Arzt Dr. Vosshagen hat ihn bereits als nicht behandelbar abgeschrieben. Trotz allabendlicher Fixierung an seinem Bett, wacht Blanke am jeweils nächsten Morgen mit immer neuen Verletzungen auf, was sich weder sein Pfleger Holger noch Dr. Vosshagen erklären können. Es steckt aber scheinbar noch mehr hinter Blankes Fall: Die Polizei verdächtigt ihn, eines Nachts den Flughafen im Alleingang lahmgelegt zu haben. Mehrere Zeugen, ein Phantombild und das Video der Überwachungskameras stützen diese Theorie. Die Überwachungsvideos der Klinik belegen aber, dass Blanke die ganze Zeit an sein Bett fixiert in seinem Zimmer war. Gibt es Max Blanke zweimal?





(kleine Spoilerwarnung voraus) Ohrenkneifer bringt mit "Stummer Wächter" ein Hörspiel auf den Markt, das in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert ist. Zunächst ist es die erste Koproduktion von Dirk Hardegen und Detlef Tams bei einem Label, das sich - anders als viele Konkurrenten - der Produktion von Einzelhörspielen und nicht von Serien verschrieben hat. Franjo Franjkovic wirft in seinem Skript eine in meinen Augen interessante Frage auf: Was wäre, wenn in den ganzen geschlossenen Anstalten und Sanatorien nicht nur psychisch kranke Menschen, sondern auch solche mit falsch gedeuteten, besonderen Begabungen sitzen würden? Franjkovics Geschichte wird von Hardegen und Tams gekonnt in Szene gesetzt, der Klangraum ist so detailreich ausgestaltet, dass man sich manche Szenen am liebsten dreimal hintereinander anhören möchte. Das liegt auch an Hardegens Musik, die sich perfekt an jede Sequenz anpasst und zwischen vornehmer Zurückhaltung und antreibender Power, wenn es notwendig ist. Die Detailverliebtheit und Sorgfalt, mit der hier gearbeitet wurde, ist in jeder Sekunde zu hören.
So richtig faszinierend wird die Geschichte aber erst mit dem Protagonisten. Obwohl Blanke mit seiner Fähigkeit Leben rettet, fühlt er sich seinem Schicksal doch ausgeliefert und ist tagsüber seinem ihm gegenüber feindselig eingestellten Arzt hilflos, da dieser nur noch daran interessiert ist, ihn mit Medikamenten ruhig zu stellen und in der Klinik wie einen Gefangenen zu halten. Hoffnung schöpfen darf Blanke erst, als mit Frau Dr. Lichte eine engagierte Ärztin die Tagesschicht übernimmt, da diese Dr. Vosshagens Anweisung, Blanke einfach weiter mit Medikamenten vollzustopfen, bewusst ignoriert und dem Patienten helfen möchte. Dieses Spannungsfeld zwischen Blankes totaler Hilflosigkeit tagsüber und seiner Fähigkeit, in der Nacht Unmögliches zu vollbringen, zieht die Hörer sofort in seinen Bann. Wenn man an dem Hörspiel etwas bemängeln möchte, dann höchstens, dass Robert Missler als Erzähler eine Spur zu oft eingesetzt wird. Dennoch bringen er, Detlef Tams als Max Blanke, Tom Steinbrecher, Gordon Piedesack und Katja Pilaski hervorragende Leistungen in ihren Rollen.

Fazit zu Stummer Wächter
Mit "Stummer Wächter" ist den Machern bei Ohrenkneifer ein Hörspiel gelungen, das ich mir auch in 20 Jahren noch begeistert anhören werde. Es ist das beste Hörspiel dieses an guten Hörspielen schon davor sehr reichen Labels. Von mir gibt es eine klare Empfehlung.

Donnerstag, 7. April 2016

Wyrmwood - Road of the Dead von Kiah Roache-Turner

Wyrmwood - Road of the Dead (Australien 2014) von Kiah Roache-Turner
Das Leben von Barry (Jay Gallagher), eines durchschnittlichen Familienmenschen, wird über Nacht zu einem Albtraum, als seine Familie (und mit ihr auch der Rest der Welt) von Zombies angegriffen wird. Barry schafft es mit seinem Anhang nur sehr knapp, der ersten Angriffswelle zu entgehen. Trotzdem werden seine Frau und seine Tochter krank und verwandeln sich in kürzester Zeit in Zombies. Barry schafft es, beide endgültig ins Jenseits zu befördern. Von den Erlebnissen traumatisiert, versucht Barry, irgendwie zu seiner Schwester (Bianca Bradey) zu gelangen, um zu sehen, ob es ihr gut geht. Dass er, ohne zu wissen warum, nach kurzer Zeit auch das Militär im Nacken hat, ist da nicht sonderlich hilfreich. Da kommen ihm die neuen Verbündeten, die er unterwegs trifft, gerade recht...

Da sich der Trailer erfolgreich gegen jede Einbettung wehrt, verlinke ich ihn hier: Wyrmwood - Road of the Dead.

Wyrmwood - Road of the Dead
Hin und wieder brauche ich einfach eine gediegene Portion Funsplatter. Da will ich einfach nur einen Film sehen, in dem möglichst viele Köpfe explodieren und dabei meinen Spaß haben. Da ich aber nicht jedes Mal "Braindead" einlegen kann, wenn ich mal wieder in so einer Stimmung bin, brauche ich natürlich regelmäßig neue Filme.
Um es kurz zu machen: "Wyrmwood - Road of the Dead" liefert alles, was ich mir von dem Film erhofft habe. Action, Splatter, blöde Sprüche: Das ist alles im Übermaß vorhanden. Und was soll ich sagen? Ich hatte mit Wyrmwood einen Heidenspaß. Roache-Turner und seine Komplizen steckten nicht nur jede Menge Herzblut und kreative Einfälle in den Film - sie haben außerdem das Talent, diese entsprechend unterhaltsam umzusetzen. Während deutsche Splatter-Regisseure hier wohl eine weitere schlecht gemachte Wald- und Wiesen-Blutorgie gedreht hätten (und man sich bei jedem zweiten Effekt irritiert gefragt hätte, ob denen gerade eine Ketchupflasche unter dem Hemd explodiert ist), sieht Wyrmwood nicht nur aufgrund der eingesetzten HD-Kameras wie ein richtiger Film aus: Die Effekte sind toll umgesetzt und die schauspielerischen Leistungen sind, vor allem im Vergleich mit den bereits angesprochenen deutschen Filmen ähnlicher Machart, durch die Bank passabel.
Roache-Turner scheint nicht allzu viel davon zu halten, seinen Protagonisten und den Zuschauern Zeit zum Luftholen zu lassen. Er steigt ab Minute 5 aufs Gaspedal und bewegt seinen Fuß bis zum Abspann keinen Millimeter davon weg. Ich bin zwar dafür, dass man in eine Geschichte hin und wieder ruhigere Szenen einbauen sollte, um so zumindest ein wenig Anlauf für die nächste Actionszene nehmen zu können, Roache-Turner wirft aber dermaßen mit Schauwerten um sich, dass man gerne auf die Ruhepausen verzichtet.
Um noch einmal auf die deutschen Filme zurück zu kommen: Roache-Turner und Co haben diesen Film über vier Jahre hinweg immer nur an den Wochenenden produziert.Es ist schon eine Leistung, unter solchen Bedingungen einen Film abzuliefern, der nicht voller Anschlussfehler ist und dem man diese lange Drehdauer nicht anmerkt. Da frage ich mich schon, wie man es hierzulande immer wieder schafft, Filme zu drehen, die dermaßen hingeschludert aussehen, dass der sprichwörtlichen Sau graust.

Fazit zu Wyrmwood - Road of the Dead
"Wyrmwood - Road of the Dead" ist der perfekt Party-Splatterfilm. Hirn aus, Bierdose auf, Blu Ray in den Player und los gehts!

Freitag, 11. März 2016

Geister-Schocker Folge 60: Hostile Area

Amoxx Bloodshed und seine Freundin Little Bit Crazy sind Gamer-Legenden. Gemeinsam mit zwei anderen Testspielern und einer Journalistin werden sie dazu eingeladen, das Spiel "Hostile Area" zu testen. "Hostile Area ist eine völlig neue Art von Spiel: Es "beamt" die Teilnehmer in eine virtuelle Umgebung, in der sie - ohne Hilfe von außen - gegen Vampire (oder besser gesagt: Vampir-Roboter) kämpfen müssen. Was als harmloses Ballerspiel beginnt, wird schon bald blutiger Ernst: Die Vampire werden immer mehr und der Tod der anderen Spieler ist so realistisch, dass schon bald Zweifel daran aufkommen, ob in dem Spiel alles richtig läuft. Da das Spiel auf keinerlei Kommandos der Spieler reagiert (es meldet sich auf den entsprechenden Befehl hin keiner der Verantwortlichen bei den Spielern), bleibt Amoxx und den letzten Überlebenden nur eine Option: Sie müssen den Endgegner besiegen, um das Spiel zu beenden. Im Weg stehen ihnen dabei ein paar hundert blutdurstige Vampir-Roboter...

Hostile Area von Romantruhe
Da hat jemand wohl Westworld gesehen und für gut befunden. "Hostile Area" bedient sich der Grundelemente von Yul Brynners Film, kombiniert sie mit Vampiren und einer Handlung, über die man am besten keine Sekunde lang nachdenken sollte, ein Loch in der Logik folgt dem nächsten. Zeit darüber nachzudenken hat man beim Hören allerdings keine: Alle fünf Minuten fliegt irgendwo irgendwas in die Luft oder es greifen Horden von Vampiren an, die unsere Helden in der Luft zerreißen wollen. Und genau deshalb macht die ganze Sache ja gerade so viel Spaß.
"Hostile Area" ist in mehreren Punkten untypisch für die "Geister-Schocker"-Reihe von Romantruhe Audio. Erstens ist das Cyber-Western-Setting ein echtes Novum innerhalb der Reihe, die sich sonst eher auf klassische Geistergeschichten verlässt. Zweitens - und das ist der weit größere Unterschied - setzt Bodo Traber weniger auf Grusel, sondern vielmehr auf brachiale Actionszenen, wenn tausende Untote von den Protagonisten mit Maschinengewehren niedergemäht werden. Mit der Vampirmythologie nimmt man es bei "Hostile Area" nicht besonders genau. So ist man in einer Kirche zwar vor Vampiren sicher, Holzpfähle oder Knoblauch kommen aber im ganzen Hörspiel nicht zum Einsatz. Da Schusswaffen hier aber genauso wirkungsvoll sind, ist das wohl ohnehin egal.
Bei einem Action-Hörspiel kommt es natürlich auch auf die Soundkulisse an. Die ist in "Hostile Area" vom Feinsten. Bei den Kampfszenen hat man das Gefühl, selbst mitten im Geschehen zu sein und beim Showdown hebt es einen regelrecht aus dem Sessel. Die Sprecherinnen und Sprecher machen ihre Sache sehr gut, auch wenn man sagen muss, dass ihnen hier nicht gerade thespische Großleistungen abverlangt werden. Aber man merkt einfach, dass sie Spaß mit ihren Rollen hatten. Der Funke springt sofort über.

Fazit zu Hostile Area
"Hostile Area" macht einfach Freude. Action, Splatter und noch mehr Action. Dafür gibt es von mir eine Empfehlung!

Freitag, 19. Februar 2016

Psychosis von Reg Traviss

Psychosis (USA 2010) von Reg Traviss
Ein Serienmörder befriedigt seinen Blutdurst an einem Camp von Umweltschützern. Jahre später zieht die erfolgreiche Horrorautorin Susan (Charisma Carpenter) mit ihrem Mann in ein Haus in der Nähe des Tatorts. Es dauert nicht lange, bis Susan von blutigen Visionen der Morde heimgesucht (die sich nun - warum auch immer - direkt bei ihr im Wohnzimmer abspielen). Da Susan nicht gerade die stabilste Persönlichkeit ist und in der Vergangenheit bereits psychische Probleme hatte, ist ihr Mann nicht bereit, ihr zu glauben...

Psychosis von Reg Traviss
Die "5 DVDs/Blu Rays für 20€"-Kiste bei Müller wird irgendwann zu meinem Untergang. Klar, da liegen immer mal wieder interessante Filme drin, aber irgendwie ist der fünfte Film in letzter Zeit immer ein absolut langweiliger Stinker wie dieser hier. Ich habe selten ein belangloseres und sinnloseres Filmchen gesehen. Der auf einer Kurzgeschichte von Michael Armstrong basierende "Psychosis" bietet eine Handlung, die in maximal 30 Minuten fertig erzählt sein müsste, der Rest besteht aus einer Aneinanderreihung langweiliger Füllszenen, die letztlich ins Nichts führen, was das Problem von vielen auf Kurzgeschichten basierenden Filmen ist. Das ist nicht nur langweilig, sondern in höchstem Maße frustrierend. Der Trailer täuscht eine Stringenz vor, die im Film zu keinem Zeitpunkt durchgehalten wird. (Bitte fragt mich nicht, wieso man dieses verdammte YouTube-Video nicht einbetten kann.) Um dem ganzen die Krone aufzusetzen, ist "Psychosis" wohl der erste Fall eines Filmes, der ein Remake einer Kurzgeschichte aus einem Anthologiefilm, die so auf Spielfilmlänge getreckt wurde. (Das Original heißt Screamtime.) Warum dreht man kein Remake des ganzen Originalfilmes? Wie man auf diese "geniale" Idee gekommen ist, würde mich brennend interessieren.
(Spoileralarm voraus) Die so genannte Haupthandlung des Films ist aber um nichts besser. Warum spielen sich die Morde in Susans Visionen plötzlich in ihrem Wohnzimmer ab und nicht im Wald, wo sie tatsächlich stattfanden? Hat sie tatsächlich Visionen, oder "nur" einen weiteren psychotischen Schub? Wenn letzteres stimmt, woher "weiß" Susan dann offensichtlich, wie Täter und Opfer aussahen? Und wenn es wirklich Visionen waren....warum hat Susan die eigentlich? Warum gerade sie? Reg Traviss, der auch das Drehbuch verbrochen hat, schafft es nicht, auch nur eine einzige dieser Fragen einigermaßen zufriedenstellend zu beantworten. In der IMDB steht zwar, dass Susan keine Visionen aus der Vergangenheit, sondern aus der Zukunft hatte, im Film selbst findet man darauf aber schlicht keinen Hinweis, abgesehen davon, dass am Ende plötzlich alle wieder leben. Wenn dies tatsächlich die angestrebte Pointe war, dann hätte man das wesentlich besser lösen können. Hinzu kommt, dass die Visionen nach dem immer gleichen Muster ablaufen: Susan hat einen (nach dem Zufallsprinzip bestimmte) "Flashback" zu den Morden, sieht die Bluttat (die oft genug im gezeigten Prolog völlig anders aussah) - und das wars dann. Susan ist zu keinem Zeitpunkt in echter Lebensgefahr, wie soll ich denn da mit ihr mitfiebern?

Schauspielernde Schlaftabletten
Den SchauspielerInnen rund um Charisma Carpenter, Paul Sculfor und Ricci Hartnett dürfte schmerzlich bewusst gewesen sein, in was für einem Blödsinn sie hier mitspielen, anders kann ich mir die von allen betriebene Arbeitsverweigerung nicht erklären, die hier zur Schau gestellt wird. Klar, dass das kein Anwärter für die großen Preisverleihungen wird, stand wohl von Anfang fest, aber mit der Leistung wird sich wohl keiner der hier gezeigten Knallchargen für höhere Weihen empfehlen können.

Fazit zu Psychosis
"Psychosis" ist ein sinnloses, kleines Schwachsinnsfilmchen, das so überflüssig ist wie ein Kropf.

Samstag, 13. Februar 2016

So zerstört Great Movies einen Klassiker - Rodolph Valentinos "Blut und Sand" in der Texttafel-Hölle

Meidet diese DVD!

Das hier wird keine meiner üblichen Filmrezensionen. (Was sollte ich bei diesem Film auch rezensieren? "Blut und Sand" ist ein Klassiker der Stummfilmzeit, wer auf Filme aus dieser Epoche steht und ihn noch nicht kennt, sollte ihn sich unbedingt anschauen.) Mir geht es hier um die DVD von Great Movies, die diesen Film dermaßen respektlos behandelt, dass einem die Tränen kommen. Das äußert sich nicht nur im Fehlen jeglicher Extras (der auf dem Cover angekündigte Bonusfilm ist natürlich nirgendwo zu finden auf der DVD), sondern vor allem bei den Texttafeln. Erstens sind die Tafeln (wie ihr unten wahrscheinlich schon seht) viel zu modern gehalten und reißen einen beim Zuschauen regelrecht aus dem Film, weil der scharfe Kontrast zwischen dem alten Filmmaterial und der modernen Schrift so stark ist, dass der Film dadurch regelrecht zerstückelt wird. Das ist aber noch nicht alles Die Übersetzungen strotzen nur so vor haarsträubenden Fehlern, Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung sind auf dem Niveau eines leseschwachen Volksschülers. Also, sehen wir uns mal an, was der Übersetzer von Great Movies offenbar nach einer durchsoffenen Nacht am nächsten Arbeitstag verbrochen hat:



Erstens gehört zwischen "Sohn" und "Juan" kein Beistrich, sondern nur ein Leerzeichen (es wird hier kein Juan auf seinen Sohn angesprochen, sondern eine Mutter auf ihren Sohn Juan). Zweitens müsste Satz Nr. 2 laut Original so lauten:  "Bilde ihn doch beim Schlachter aus, anstatt bei mir."

Nach "Zeit" gehört ein Beistrich. Wie es zu der Satzteil-Wiederholung gekommen ist, darf mir der Übersetzer gerne näher erklären.

Beistrich vor "ab", den sinnlosen Gedankenstrich kann man auch gleich streichen. Falls es euch noch nicht aufgefallen ist: Der Punkt am Ende des Satzes hat offenbar irgendwann die Eltern des Übersetzers umgebracht. Anders kann ich mir auch nicht erklären, wieso er ihn prinzipiell nie setzt.

Alle Satzzeichen sind richtig gesetzt. (Hurra!) Dafür schreibt man die "Tracht" groß. (Awwwww!)

Das müsste eigentlich "können" heißen. Dass es besser gewesen wäre, statt des Gedankenstrichs einen Punkt zu setzen und einen neuen Satz zu beginnen - geschenkt.

Bei "willst" fehlen gleich zwei Buchstaben und Satzzeichen waren für den zweiten Satz wohl gerade aus, was?

Wo die Satzzeichen im ersten Satz hinkommen, hat der Übersetzer offenbar mit dem Würfel entschieden. Irgendwie stört mich auch die Übersetzung "Second-hand". Das klingt als deutsche Texttafel in einem Stummfilm viel zu modern. Wäre euch bei "gebrauchter Anzug" ein Zacken aus der Krone gefallen, liebe Leute von Great Movies?

Zwischen "abwerfen" und "bewerfen" gibt es einen kleinen Unterschied. Über den fehlenden Punkt am Ende rege ich mich gar nicht mehr auf.

Hier versagt der Übersetzer gleich zweimal bei der Groß- und Kleinschreibung.

Das geht offenbar auch umgekehrt, denn "tapferen" ist ein Adjektiv und wird klein geschrieben.

Satzzeichen? Wo wir hingehen brauchen wir keine Satzzeichen! (Und "Menschentum" klingt auch seltsam.)

Wieder: Satzzeichen sind dazu da, um benutzt zu werden, verdammt noch einmal! Außerdem heißt es korrekt "... Leben derer, die ihn interessierten".


Kann mir jemand den Sinn dieses Satzes erklären? Zur Erklärung: Er sagt das gerade bei einer Feier mit gefühlten 100 Leuten rund um ihn herum. "Nur die Freunde bleiben aus Höflichkeit" wäre also genauso falsch und sinnlos.

Das sind ganz schön viele Fehler in einem einzigen Film, oder? Es kommt noch schlimmer: Diese Texttafeln kommen alle in den ersten 22 Minuten vor und ich habe sogar noch welche weggelassen! Bis zum Ende des Films geht es in der Tonart weiter. Immer wieder fehlen Buchstaben. Die Regeln der Groß- und Kleinschreibung kennt der Übersetzer nur vom Hörensagen und Zeichensetzung ist sowieso des Teufels. Eine Frage, liebe "Great Movies"-Bosse: Ist es zu viel verlangt, da noch einmal zu kontrollieren, bevor man so eine DVD veröffentlicht? Das ist nicht nur dem Film, sondern auch den Käufern gegenüber respektlos. Ich rate jedem Interessierten dazu, sich die Silent Valentino Classics-Box zu holen. Die ist codefrei und kann daher auf jedem DVD-Player abgespielt werden. Meine "Blut und Sand"-DVD von "Great Movies" landet jedenfalls im Mülleimer, sobald ich diese andere Version habe. Wenn ihr euch aber unbedingt diese Version hier kaufen wollt, dann meidet wenigstens die deutsche Fassung. Das englische Original hat sehr schöne Texttafeln, die anfangs, wenn die Geschichte des Stierkampfes erklärt wird, sogar mit passenden Bildern unterlegt sind. Ich würde - wie gesagt - zu einer anderen Version raten.

Mittwoch, 3. Februar 2016

The Hateful Eight von Quentin Tarantino

The Hateful Eight (USA 2016) von Quentin Tarantino
Der Kopfgeldjäger John Ruth (Kurt Russell) möchte mit der Kutsche die von ihm zu überführende Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh) nach Red Rock an den Galgen bringen. Zu seinem Leidwesen zwingt ein heftiger Schneesturm seine Kutsche zu einem Zwischenstopp. Als wäre das noch nicht genug, muss er auch noch zwei von ihm nicht eingeplante Fahrgäste (Samuel L. Jackson und Walton Goggins) mitnehmen, die zufällig dasselbe Ziel haben wie er. Als die unfreiwillige Fahrgemeinschaft bei "Minnies Miederwarenladen" ankommt, um dort Schutz vor dem Sturm zu suchen, merken Ruth und die anderen schnell, dass etwas nicht stimmt. Erstens sind weder Minnie noch ihr Mann Sweet Dave anwesend und zweitens verhalten sich alle anderen Anwesenden äußerst seltsam. Für Ruth ist schnell klar: Mindestens einer von ihnen spielt falsch. Nun gilt es, Daisy Domergues Verbündeten möglichst schnell zu finden, da dieser nur auf eine Gelegenheit wartet, um alle anderen auszuschalten...


Eines gleich vorweg: "The Hateful Eight" ist ein Musterbeispiel für alle Stärken und Schwächen von Quentin Tarantino. Praktischerweise lassen diese sich in eine schwächere erste und stärkere zweite Hälfte des Filmes einteilen.
Die Einführung der Charakter in der ersten Stunde dauert. Und dauert. Und.....ach Herrgott noch einmal, sind die immer noch nicht in der Hütte angekommen?? Ja, ich weiß, dass man sich einen Tarantino-Film auch deshalb ansieht, weil seine Dialoge nicht nur dazu da sind, die Handlung voranzutreiben, sondern weil sie auch einen gewissen Coolness-Faktor haben und das ist auch gut so. Aber Kurt Russell dabei zuzuhören, wie er zweimal dasselbe 30-minütige Gespräch mit zwei verschiedenen Typen führt ("Lass mich in die Kutsche!" - "Nein, ich mag dich nicht!" - "Aber es ist kalt im Schneesturm!" - "Okay, na gut!" und das halt auf eine halbe Stunde ausgedehnt) ist schon ein wenig zu viel des guten, das hätte man locker kürzen können. Zwar kann man sich die Zeit mit der hübsch abgefilmten Landschaft vertreiben, aber ich war im Kino, um einen Western zu sehen und nicht das ORF-Wetterpanorama.
Interessant wird die Geschichte mit dem Eintreffen der Fahrgemeinschaft bei ihrem Unterschlupf und dem ersten Auftritt der restlichen Charaktere. Ab dem Moment, in dem klar wird, dass der Verdacht, dass einer dieser Männer falsch spielt, berechtigt ist, fesselt "The Hateful Eight" die Zuschauer an ihre Stühle. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Szene, in der es Domergues Verbündetem (natürlich von den Zusehern unerkannt) gelingt, unbemerkt den Kaffee zu vergiften. Ich habe selten einen so stillen Kinosaal gesehen, das ganze Publikum war darauf konzentriert, zu sehen, wer sich eine Tasse Kaffee nimmt, wer letzten Endes auch daraus trinkt und wer sich scheinbar gar nicht für das Getränk interessiert. Wer bei der obigen Inhaltsangabe an Tarantinos "Reservoir Dogs" denkt, muss nicht befürchten, hier nur eine Neuauflage derselben Handlung in einem anderen Setting vorgesetzt zu bekommen. Tarantino schafft es, die Ausgangslage und den Fortlauf der Handlung so abzuwandeln, dass sich die Ähnlichkeiten in Grenzen halten.
Eine absolute Klasse für sich sind die schauspielerischen Leistungen. Jennifer Jason Leigh wurde völlig zurecht für den Oscar nominiert. Tim Roth, Kurt Russell, Walton Goggins, Samuel L. Jackson, Michael Madsen, Bruce Dern - sie alle haben die Möglichkeit in zumindest einer Szene zu glänzen, ohne dabei die Handlung allzu sehr auszubremsen. So wie es in einem guten Ensemblefilm sein soll.
Wie oben bereits angesprochen, spielt die Kameraarbeit von Robert Richardson wie immer in einer eigenen Liga. Das gilt auch für den Score von Ennio Morricone, der hier zum ersten Mal seit 40 Jahren die Musik für einen Western komponierte. "The Hateful Eight" ist außerdem der erste Film, für den Tarantino zum größten Teil einen originalen Soundtrack verwendet hat und nicht auf bereits existierende Stücke zurückgriff. Zu guter Letzt mochte ich die Idee, dass der Film so getan hat, als wäre die Handlung in der Überlängen-Pause im Kino weiter gelaufen (es wurde nach der Pause eine kurze "Das ist in den 15 Minuten passiert, in denen ihr auf dem Klo wart"-Zusammenfassung präsentiert).

Fazit zu "The Hateful Eight"
Tarantinos neuester Streich ist ein Western, der anfangs viel zu langsam in die Gänge kommt, in der zweiten Hälfte die Kurve kriegt, sodass ich zu einem positiven Gesamturteil komme. Schaut euch den Film auf der großen Leinwand an.