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Donnerstag, 8. September 2011

My name is Bruce


USA 2007

Regie: Bruce Campbell

Drehbuch: Mark Verheiden

Mit: Bruce Campbell, Ted Raimi, Grace Thorsen, Taylor Sharpe, Ellen Sandweiss

Länge: 84 Minuten

Inhalt: Vier Teenager aus der Minenarbeiterstadt "Gold Lick" (Get IT???) glauben, dass es eine gute Idee ist, sich auf einem Friedhof aus dem 19. Jahrhundert aufzuführen wie die Hottentotten und schaffen es tatsächlich, einen chinesischen Dämon aufzuwecken, der die Seelen von 100 bei einem Unfall ums Leben gekommenen Arbeitern bewacht. Besagter Dämon ist natürlich entsprechend angepisst und denkt sich, dass es eine gute Idee wäre, besagte Teenager aus dem Genpool zu eliminieren (da ist er nicht der einzige). Jeff, der einzige Überlebende des folgenden Massakers, hat aber eine (in seinen Augen) großartige Idee. Er ist der wohl mit Abstand größte Fan des B-Movie Schauspielers Bruce Campbell, den er aus Filmen wie "The Evil Dead" kennt und für den größten Helden aller Zeiten hält. Jeff hat nämlich das Problem, dass er Fiktion und Realität nicht wirklich auseinander halten kann und Bruce Campbell tatsächlich für den großartigen Helden hält, den er in seinen Filmen verkörpert. er stöbert den abgehalfterten Beinahe-Filmstar tatsächlich auf. Bruce, der das ganze für einen gelungenen Geburtstagsgag eines guten Freundes von ihm hält, nimmt sich quasi zwischen zwei Whiskyflaschen mal kurz Zeit für den Jungen und kommt mit ihm mit. Als Bruce dann dem Dämon gegenübersteht und dessen Echtheit feststellt, wird die Größe seiner Überraschung nur noch von Jeffs Enttäuschung ob der Tatsache, dass Bruce doch kein Held ist, übertroffen. Aber ein echter B-Movie Held lässt dann doch nicht so leicht erschrecken und wenn man Jeffs Mama in die Hose steigen will, sollte man schon genügend Rückgrat haben, um sich einem untoten asiatischen Krieger zu stellen...

Kommentar: Als ich "My name is Bruce" in den DVD-Player warf und mich mit einem Bier in der Hand auf die Couch setzte, wollte ich den Film einfach nur geil finden und meinen Spaß dabei haben. Lange Rede kurzer Sinn: Ich hab es leider nicht ganz geschafft. Die Idee, welche hinter dem Film steckt, ist so simpel wie gut. Wenn man - so wie ich - gerne Horrorfilme sieht, stolpert man im B-Movie-Bereich früher oder später über den Namen Bruce Campbell und man wird auch relativ schnell feststellen, dass Campbell erstens selbst im größten Scheissfilm noch relativ sympathisch wirkt und dass er zweitens eine kleine Fangemeinde sein Eigen nennt, die ihm erstens treu ergeben und zweitens so fanatisch ist, dass die Zeugen Jehovas dagegen tolerant und weltoffen wirken (just kidding). Dies in einem Film zu verarbeiten sollte wohl nicht zu schwer sein dachte man sich und schon war "My name is Bruce" geboren.
Das Positive zuerst: Bruce Campbell bringt für diese Art von Film offenbar locker die nötige Portion Ironie und Humor mit. Das Problem dabei ist nur, dass der Rest des Filmes ständig mit angezogener Handbremse unterwegs ist. Unentwegt denkt man sich dabei, dass da eigentlich noch mehr gehen würde, dass alles noch eine Stufe schräger, witziger, blutiger und verrückter sein könnte. Die Witze sind schaumgebremst, die Kamerafahrten sind schaumgebremst und die Splattereinlagen sind erst recht allesamt schaumgebremst, was bei einem Film, der unter anderem "The Evil Dead" aufs Korn nehmen möchte...nun....sagen wir einmal nicht wirklich so erwartet wird.
Ein weiteres Problem, das ich (nicht nur mit diesem) Film habe: Ich finde Ted Raimi einfach nicht lustig und hier wird er mir gleich in drei Comedy-Rollen präsentiert. Ted Raimi wirkt auf mich wie der kleine untalentiertere Bruder von Jerry Lewis, über den dieser vor lauter Scham nicht sprechen möchte (und ich finde Jerry Lewis schon zum Davonlaufen). Jedes Mal, wenn der Typ in irgend einem Film auftaucht, kann ich mir sicher sein, dass er den ganzen Film auf ein Level zieht, welches das Niveau von Scary Movie Teil Schießmichtot maximal von unten sieht. Warum muss er dann ausgerechnet immer in Produktionen auftauchen, die mir potentiell gefallen könnten? Ich muss irgendwann mal einen ganzen Haufen schlechtes Karma...äh...angehäuft haben und das ist nun die subtile Rache von oben dafür.
Alle anderen Schauspieler machen durch die Bank einen guten Job, wobei außer Bruce Campbell niemand wirklich viel zu tun hat, außer diverse Stereotypen zu verkörpern. Die Effekte sind ganz okay und guter Durchschnitt, wobei ich mir wie gesagt sehr viel mehr erwartet hätte, also ist "ganz okay" in diesem Bereich für den Film eigentlich ein Todesurteil.
Die DVDs sind sehr gut geworden. Wer auf viele Extras steht sollte die Collectors Edition mit zwei DVDs nehmen. Das Paket ist für den Preis von knapp 13€ schwer in Ordnung.

Fazit: Der Film ist zwar ganz nett, verfehlt die in ihn gesetzten Erwartungen aber meilenweit.

Sonntag, 28. August 2011

The Virgin Suicides - Verlorene Jugend

USA 1999

Regie und Drehbuch: Sofia Coppola

Mit: Josh Hartnett, Kirsten Dunst, James Woods, Kathleen Turner, Danny DeVito

Länge: 93 Minuten

Inhalt: In einem amerikanischen Vorort während der 70er Jahre haben die dort lebenden Jungs ein Problem: Sie wohnen direkt neben den schönsten Mädchen, die sie sich nur vorstellen können. Die Sache hat nur einen Haken: Die zutiefst religiöse Mutter (Kathleen Turner) der Mädchen und ihr eher in sich gekehrter Vater (James Woods) schirmen die Töchter konsequent von der Außenwelt ab, um sie so vor den Gefahren der Pubertät zu schützen. Nach dem Selbstmord der 13-jährigen Cecilia wird das elterliche Gefängnis für die verbleibenden Schwestern noch enger. Die Situation scheint sich allerdings zu bessern, als der jugendliche Herzensbrecher Trip Fontaine (Josh Hartnett) die Eltern dazu überreden kann, die Mädchen auf ein Schulfest gehen zu lassen. Doch als Lux (Kirsten Dunst) nach einer Liebesnacht mit Trip erst am nächsten Morgen nach Hause kommt, trifft ihre Mutter eine verhängnisvolle Entscheidung und die Ereignisse eskalieren...

Kommentar (Spoilerwarnung): Bei "The Virgin Suicides" handelt es sich um das Regiedebüt von Sofia Coppola. Ich musste beim Ansehen immer wieder schmunzeln, wenn die Jungs aus der Nachbarschaft (aus deren Blickwinkel die ganze Geschichte erzählt wird) sich darüber die Köpfe zerbrachen, was denn nun schon wieder in den Mädchen vorgeht. Macht euch keine Hoffnungen: Was in einer Frau wirklich vorgeht, hat noch kein Mann zu hundert Prozent durchschaut, was sich zum Biespiel auch sehr gut in dem Doktor zeigt, der als Antwort darauf, dass ein 13-jähriges Mädchen ja noch gar keine Ahnung haben kann, wie hart die Welt da draußen sein kann, als Antowrt von eben jenem Mädchen (sinngemäß) folgendes zu hören bekommt: "Nun, sie waren offensichtlich noch nie ein 13-jähriges Mädchen".
Dieses Rätselhafte wird hier durchaus geschickt thematisiert, wenn die Jungs die Schwestern als ziemlich rätselhafte Wesen beschreiben, zu denen sie sich - was für sie anscheinend noch rätselhafter ist - immer mehr hingezogen fühlen. Es zeigt sich auch darin, dass die jungen Männer als Erwachsene noch immer nicht verstanden haben, wieso die Lisbon-Schwestern allesamt kollektiv Selbstmord begangen haben (als Zuschauer kann man es sich - da man immer wieder Hinweise erhält - allerdings zusammenreimen).
Josh Hartnett und Kirsten Dunst liefern hier sehr eindringliche Leistungen ab und könnten den Film auch alleine tragen, allerdings sind James Woods und Kathleen Turner viel zu gut in ihren Rollen, um sie hier nicht zu erwähnen.
Eines ist "The Virgin Suicides" nicht: Ein Actionreißer. Das will er - Gott sei Dank - auch gar nicht sein und das eher gemächliche Tempo steht der Geschichte sehr gut. Das gilt auch für den Soundtrack, der in seinen besten Momenten eine unwirklich-hypnotische Wirkung auf den Zuschauer hat.
Die DVD von Capelight gibt es in zwei verschiedenen Varianten. Bei der Special Edition ist noch ein Hörbuch dabei (der Film beruht ja auf einem Buch von Jeffrey Eugenides), bei der anderen Variante gibt es als Extras "nur" ein Making of, ein Musikvideo von AIR "Playground Love", eine Fotogalerie, die Highlights des Soundtracks und den Kinotrailer.

Fazit: "The Virgin Suicides" ist ein deprimierend schöner und zeitloser Film.



Donnerstag, 25. August 2011

Filmrezension: Im Dunkeln mit Christoph Maria Herbst

D 2004

Regie: Johannes Grebert

Mit: Christoph Maria Herbst, Barbara Philipp, Alexander Hörbe, Antje Westermann, Siegfried Maschek

Länge: 15 Minuten



Inhalt: Mitten in der Nacht fahren vier Freunde nach einer Feier auf dem Land in Richtung Heimat. Selbst während der Fahrt wird von dem Quartett noch getrunken und gelacht. Als Martin (Christoph Maria Herbst) als Fahrer kurz abgelenkt wird, kommt es zu einem folgenschweren Unfall, er überfährt einen gemeinsam Bekannte der Clique. Da dieser Martin erkennt, steigt Martin aufs Gas und überfährt sein Opfer mehrfach. Doch Jürgen (so heißt der Überfahrene) ist immer noch nicht tot. Also entschließen sich drei Viertel dazu, Jürgen schlichtweg tot zu trampeln. Nur die psychisch labile Judith, die vom Rest der Truppe immer von oben herab behandelt wird, bleibt mit ihrer Polaroidkamera im Wagen...

Kommentar (Achtung Spoiler): "Im Dunkeln" von Johannes Grebert hinterlässt insgesamt einen sehr guten Eindruck. Christoph maria Herbst kann hier endlich einmal zeigen, dass er mehr als "nur" Stromberg draufhat (und sein Talent schon gar nicht im "Traumschiff" verschwenden müsste). Auch die restliche Schauspielerriege verkörpert ihre Rollen glaubhaft und natürlich. Die in der Gruppe vorher schon vorherrschende strukturelle Gewalt wird auch sehr gut gezeigt, wenn Martin seine Freundin wegen einer Kleinigkeit runterputzt und alle miteinander verbal auf Judith eindreschen. Schön zu sehen, dass man solche Themen auch im deutschsprachigen Raum noch leichtfüßig verarbeiten kann, ohne ein schwer zu verdauendes Melodram mit moralischen Botschaften aus der Vorschule daraus zu machen.

Der einzige ganz kleine Schwachpunkt ist die nicht wirklich überraschende Pointe (die - wenn man nach dem Interview auf der DVD geht - sehr wohl wenigstens als kleine Überraschung gedacht war). Dass Judith die von ihr gemachten Fotos (welche sowohl das Überfahren, als auch das zu Tode treten zeigen) nicht dazu verwenden die Tat aufzuklären, sondern vielmehr die Clique mit ihren Beweismitteln dazu erpressen will, jetzt "ganz lieb" zu ihr zu sein, kann man sich schon relativ schnell denken. Das tut der Wirkung aber keinesfalls weh. So wartet man eben, ob nicht doch etwas anderes passiert, während die Geschehnisse ihren Verlauf nehmen und dem Zuschauer am Ende klar wird, dass diese Nacht für das Quartett wohl erst der Beginn einer fatalen Abwärtsspirale ist. Denn auch wenn man nicht erfährt wie es weitergeht, ist zumindest klar, dass Judiths Erpressung und die daraus entstehende Situation langfristig gar nicht gut ausgehen kann.

Die DVD von Ascot Elite ist schwer in Ordnung. Bild- und Tonqualität sind sehr gut, als Extras gibt es ein Interview mit Grebert und Herbst, einen Audiokommentar, einen Vergleich zwischen Storyboard und Film und eine Trailershow.

Fazit: "Im Dunkeln" ist ein geradlinig erzählter Kurzfilm, der Christoph Maria Herbst endlich einmal abseits der üblichen Comedyschiene zeigt und darüber hinaus sehr unterhaltsam ist. Daumen hoch!

Bildquelle: Ascot Elite (über Amazon.de)