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Donnerstag, 20. Februar 2014

The Girlfriend Experience von Steven Soderbergh

The Girlfriend Experience von Steven Soderbergh (USA 2009)
Chelsea (Sasha Grey) ist ein Callgirl der Luxusklasse in Manhattan. Ihr Spezialgebiet: Sie kann bei Ihren Kunden die Illusion einer echten Beziehung erwecken. Sie zieht sich so an, wie die Kunden es wollen, geht mit ihnen aus, heuchelt ihnen Gefühle vor und hört ihnen zu, bevor sie am Ende mit ihnen schläft. Ihr Freund Chris (Chris Santos) arbeitet als Fitnesstrainer. Der Film zeigt Chelsea an fünf nicht aufeinanderfolgenden Tagen, wie sie sich mit Kunden trifft, an ihrer Homepage arbeitet, von einem Journalisten interviewt wird, mit ihrem Freund streitet und sich fragt, ob sie für einen neuen Klienten ihre Regel, niemals mit einem von ihnen wegzufahren, brechen soll. Bei letzterem stellt sich die Frage ob es das wirklich wert ist, weil sie dadurch ihre Beziehung mit Chris aufs Spiel setzt...


The Girlfriend Experience von Steven Soderbergh
(Liegt es an mir, oder sieht Sasha Grey in dem Trailer tatsächlich aus wie Audrey Hepburn?) Falls die obige Inhaltsangabe für euch so klingt, als ob "The Girlfriend Experience" keine wirklich stringente Handlung hätte, dann liegt ihr damit absolut richtig. Dass der Film die Zuschauer trotzdem über die (zugegeben recht kurze) Laufzeit von nicht ganz 75 Minuten fesselt, liegt vor allem an Sasha Grey, einem Star in der Pornobranche, den Soderbergh für die Hauptrolle gecastet hat. Ich habe mich den ganzen Film über gefragt, ob das, was sie hier zeigt, eine Performance ist, oder ob sie sich einfach nur selber spielt. Deshalb finde ich es höchst amüsant, dass beinahe jeder, der diesen Film nicht mag, das ebenfalls an Sasha Grey festmacht, der Vorwurf, sie wirke emotionslos und von der Wirklichkeit völlig isoliert, ist öfter zu hören. Nur: Genau darum geht es in diesem Film. Chelsea ist durch ihren Job nämlich genau das geworden und das wird in dem Film sehr gut herausgearbeitet. Ihr jetzt vorzuwerfen, sie agiere in dem Film emotionslos und unterkühlt, ist ein wenig so als ob man John Wayne verurteilen würde, weil er sich in seinen Western wie ein Cowboy aufführt. Es stellt sich daher nur eine Frage: Ist Sasha Grey tatsächlich so (dann tut sie mir leid) oder schauspielert sie hier (dann muss ich sagen: Hut ab!)? Schaut euch einfach mal dieses Interview an:


Zurück zum Film: Dieser hat - wie oben erwähnt - keine stringente Handlung. Es gibt aber dennoch einige Dinge, die das ganze zumindest lose zusammenhalten. Die Probleme mit ihrem Freund, die Eitelkeiten ihrer Kunden, etc... So wird zwar keine klassische Spannungskurve aufgebaut, interessant anzuschauen ist der Film aber trotzdem (und nein, man sieht keine nackte Haut, falls jemand von euch darauf spekulieren sollte).

Fazit zu The Girlfriend Experience
Dieses Review kann ich mal wieder eher kurz halten. Wer ein Problem damit hat, wenn ein Film nicht der klassischen Drei-Akte-Struktur folgt, sollte die Finger von "The Girlfriend Experience" lassen. Wenn man damit keine Schwierigkeiten hat, kann man sich den Film ruhig ansehen.

Montag, 11. März 2013

Filme von A bis Z: T wie Test Tube Babies

Test Tube Babies
Ein glücklich verheiratetes Ehepaar findet heraus, dass Elternschaft der einzige Weg ist, ihrem sinnentleerten Leben zu entkommen und zum absoluten Glück ist. Leider stellt sich bei einer ärztlichen Untersuchung heraus, dass der Ehemann steril ist und keine Hoffnung auf Heilung besteht. Der Doktor schlägt deshalb eine künstliche Befruchtung mit dem Samen eines anderen Spenders vor (dabei wird - da es sich um einen dieser so genannten "Educational Films" handelt - sehr genau erklärt, wie diese Befruchtung funktioniert). Nach einigem hin und her entschließen sich unsere Liebestäubchen schließlich dazu, es tatsächlich damit zu versuchen...


Eines vorweg: Ich habe nichts gegen künstliche Befruchtung. Wenn jemand ein Kind bekommen will und diese Methode der Empfängnis auswählt, ist das für mich in Ordnung. Das heißt aber nicht, dass ich die Art und Weise, wie dieser Film die Sache präsentiert gutheißen muss. Mein Ärger liegt dabei nicht daran, dass man hier künstliche Befruchtung als normale Alternative für ungewollt kinderlose Paare präsentiert. "Test Tube Babies" aus dem Jahr 1948 macht mich wütend, weil Mutterschaft hier dezidiert als die einzige Möglichkeit gezeigt wird, wie ein Ehepaar glücklich werden kann. Dass manche auch ohne Kinder ein erfülltes Leben führen, wird in "Test Tube Babies" ausdrücklich verneint, wenn unsere Protagonisten sich darüber unterhalten, wie wenig Spaß ihnen ihr ganzes Leben macht, weil sie noch keine Kinder bekommen haben. Dass es eine sehr fragwürdige Angelegenheit ist, ein Baby zu bekommen, weil man hofft, dadurch glücklicher zu werden und dem eigenen Leben dadurch den - laut diesem Film - einzig möglichen Sinn zu geben, fällt Regisseur W. Merle Carroll und Drehbuchautor Richard McMahan offenbar nicht ein. "Unterstützt" wird diese Aussage aber nicht nur von den Diskussionen unserer Liebestäubchen. Offensichtlich hielt man es für eine gute Idee, alle kinderlosen Leute in dem Film (mit Ausnahme des Doktors) als herumhurende, saufende Irre zu zeigen, von denen die weibliche Seite kein gesteigertes Problem damit hat, sich bei einem Streit vor allen anderen die Kleider vom Leib zu reißen. Die gewollt kinderlosen Paare dieser Welt sagen an dieser Stelle mal vielen Dank für die herabwürdigende Darstellung ihres Lebens.

Schultheater hat mehr Niveau

So richtig die Zähne zieht es einem aber erst, wenn man der versammelten Besetzung rund um Dorothy Duke und William Thomason in den Hauptrollen zusieht. Leute, ihr könnt allesamt nicht einmal für 10 Cent schauspielern, wer hat euch jemals gesagt, es wäre eine gute Idee in einem Film mitzuspielen (selbst wenn es einer wie "Test Tube Babies" ist)? Ich erwarte bei einem B-Movie aus den 40ern keine preisverdächtigen Leistungen, aber wenn selbst die Kleinen im Kindergarten beim Vater-Mutter-Kind spielen ein glaubwürdigeres Ehepaar abgeben als unsere Protagonisten hier, würde ich schon sagen, dass das dem Film den einen oder anderen Prügel zwischen die Beine wirft.
Genauso talentlos wie die Schauspieler sind auch die Verantwortlichen hinter der Kamera. W. Merle Carroll fällt rein gar nichts ein, wie man dieses Trauerspiel inszenatorisch ein wenig aufpeppen könnte und die gestelzten Dialoge, die McMahan den Darstellern in den Mund legt, klingen so unecht, dass einem die Menschen, die diese Texte aufsagen mussten, schon beinahe wieder leid tun. Aber nur beinahe.

Fazit zu "Test Tube Babies"

"Test Tube Babies" ist ein Film, der eigentlich eine begrüßenswerte Botschaft hätte, wenn er sich mit seinen anderen moralinsauren Aussagen nicht selbst ein Bein stellen würde. Dazu kommt noch, dass ausnahmslos jeder daran Beteiligte als absolut talentfreie Zone angesehen werden muss. Leider ist "Test Tube Babies" auch als Trashfilm unbrauchbar, da er ansonsten einfach nur langweilig ist.

Dienstag, 13. September 2011

Die Würghand

Österreich 1920

Buch und Regie: Cornelius Hintner

Mit: Carmen Cartellieri, Viktor Kutschera, Hugo Werner-Kahle, Adolf Weisse, Hans Rhoden, Eugen Preiss

Produktion: Cartellieri-Film/Filmarchiv Austria

Musik: Ulrich Troyer & Juergen Berlakovich

Länge: 69 Minuten

Inhalt: Rose arbeitet als Blumenmädchen. Da sie - und mit ihr auch ihr Lebensgefährte - nach etwas besserem streben, versucht Rose, einen reichen Verehrer zu finden, den sie gemeinsam ausnehmen können. Schließlich gelingt es Rose, einen wohlhabenden Bankier für sich zu interessieren. Dessen Neffe, der Baron Stein, beginnt, sich ebenso für Rose zu interessieren, was durchaus auf Gegenseitigkeit beruht und die beiden beginnen eine Affäre. Als Roses Lebensgefährte Toni mal wieder knapp bei Kasse ist, möchte er den Bankier bestehlen. Dieser kommt früher als geplant von einer Geschäftsreise zurück und ertappt die beiden auf frischer Tat. Toni erschießt den Bankier, er und Rose müssen fliehen. Sie verstecken sich in einer Waldhütte am österreichischen Semmering, wo Toni - der sich dort als ihr Bruder ausgibt - schnell der Kopf einer Schmugglerbande wird. Rose, die - weil sie seinetwegen ihr neues, komfortables Leben aufgeben musste - Toni nun hasst wie die Pest (es ihm aber nicht zeigt), lernt in einem sich in der Nähe befindenden Dorf den Bauern Hannes kennen und schafft es, ihn erfolgreich zu umgarnen. Hannes, dessen Sippe man im Dorf aufgrund ihrer rohen Kraft immer nur "Die Würghand" nennt, will Rose heiraten. Deshalb will sie nun Toni schnellstmöglich loswerden und warnt ihn bei einer nächtlichen Schmugglertour absichtlich nicht davor, dass ihm die Polizei bereits dicht auf den Fersen ist. Bei dem Kampf, den die Schmuggler anzetteln um ihrer Verhaftung entgehen, wird Toni von einem der Wachtmeister erschossen. Als dann auch noch Baron Stein als neuer Schlossherr im Dorf auftaucht und zwischen Rose und ihm die alten Gefühle wieder entflammen, wird die Sache erst so richtig kompliziert, denn Hannes kommt hinter die Affäre der beiden. Rose will nun den Bauern so schnell wie möglich beseitigen. Als sich ihr eine Gelegenheit bietet, kann sie nur noch Hannes' Vater, der seit er eine Art Schlaganfall erlitten hat nicht in der Lage ist, zu sprechen oder zu gehen, aufhalten. Dabei stellt sich die Frage, ob die Tatsache, dass sein Sohn in Lebensgefahr ist, dem alten Mann seine große Kraft zurückgeben kann...

Kommentar: Das Filmarchiv Austria hat sich mit seinen "Cinema Sessions" vorgenommen, der Öffentlichkeit vergessene Stummfilme zu präsentieren, welche nicht den selben Bekanntheitsgrad von so manchem Klassiker aus dieser Zeit haben. Nun ist mit "Die Würghand" die erste DVD der "Cinema Sessions" erschienen. Wenn es um obskure Filme geht, sitze ich ja prinzipiell in der ersten Reihe und da dieser zu einem guten Teil noch dazu in einer Gegend (eben am Semmering) spielt, die nicht so weit weg ist von dem Ort an dem ich aufgewachsen bin, war meine Neugier natürlich geweckt. Und was soll ich sagen: "Die Würghand" hat alle meine Erwartungen erfüllt.
Der Film selbst ist mit seinen 69 Minuten sehr kurzweilig. Die Handlung wird ohne große Umschweife sehr geradlinig erzählt, "Pausen" gönnt sich der Film hier keine. Was die Schauspieler angeht, kann man sagen, dass Carmen Cartellieri (die damals keine unbekannte Schauspielerin war, unter anderem einmal zur schönsten Schauspielerin Wiens gekürt wurde und in Robert Wienes Klassikern "Orlacs Hände" und "Der Rosenkavalier" mitspielte) durchaus genügend Ausstrahlung und Charisma hatte, um einen solchen Film im Alleingang tragen zu können, man kauft ihr die Femme Fatale problemlos ab. Da die Männer in "Die Würghand" eigentlich nichts anderes zu tun haben, als ihre Opfer zu spielen und ihr zu verfallen, ist es natürlich doppelt wichtig, dass die Rolle der Rose glaubhaft verkörpert wurde.
Regisseur Cornelius Hintner, der auch Maler und Zeichner war und deshalb unter anderem die Filmplakate mit Cartellieri entworfen und gemalt hat, arbeitete bei "Die Würghand" sehr viel mit Einfärbungen des Filmmaterials und teilweise auch mit Rückblenden, die er z.B. jedes Mal in einer anderen Farbe gezeigt hat, als die Szene, innerhalb der sie gerade gezeigt werden. dass hier jemand mit Ambitionen am Ruder war, ist durchaus bemerkbar.
Mit das Beste an dieser DVD ist allerdings die neu eingespielte Musik von Juergen Berlakovich und Ulrich Troyer. Diese arbeiteten bei der minimalistischen musikalischen Untermalung der verschiedenen Szenen mit sehr modernen Mitteln wie Samples und analogen Effekten, was in Verbindung mit dem alten Filmmaterial eine ungeheuer intensive Wirkung erzielt.
Die DVD hat eine etwas ungewöhnliche Verpackung, die in etwa so wirkt wie eine zu groß geratene CD-Hülle und vollständig aus Pappe ist. Extras gibt es - wenn man von den beiden Texttafeln zur Restaurierung am Anfang des Filmes absieht - leider keine. Hier hätte man sich vielleicht ein wenig mehr gewünscht.

Fazit: "Die Würghand" ist ein guter Start für eine neue DVD-Reihe, auf Freunde des Stummfilms schon jetzt gespannt sein dürfen.

Sonntag, 28. August 2011

The Virgin Suicides - Verlorene Jugend

USA 1999

Regie und Drehbuch: Sofia Coppola

Mit: Josh Hartnett, Kirsten Dunst, James Woods, Kathleen Turner, Danny DeVito

Länge: 93 Minuten

Inhalt: In einem amerikanischen Vorort während der 70er Jahre haben die dort lebenden Jungs ein Problem: Sie wohnen direkt neben den schönsten Mädchen, die sie sich nur vorstellen können. Die Sache hat nur einen Haken: Die zutiefst religiöse Mutter (Kathleen Turner) der Mädchen und ihr eher in sich gekehrter Vater (James Woods) schirmen die Töchter konsequent von der Außenwelt ab, um sie so vor den Gefahren der Pubertät zu schützen. Nach dem Selbstmord der 13-jährigen Cecilia wird das elterliche Gefängnis für die verbleibenden Schwestern noch enger. Die Situation scheint sich allerdings zu bessern, als der jugendliche Herzensbrecher Trip Fontaine (Josh Hartnett) die Eltern dazu überreden kann, die Mädchen auf ein Schulfest gehen zu lassen. Doch als Lux (Kirsten Dunst) nach einer Liebesnacht mit Trip erst am nächsten Morgen nach Hause kommt, trifft ihre Mutter eine verhängnisvolle Entscheidung und die Ereignisse eskalieren...

Kommentar (Spoilerwarnung): Bei "The Virgin Suicides" handelt es sich um das Regiedebüt von Sofia Coppola. Ich musste beim Ansehen immer wieder schmunzeln, wenn die Jungs aus der Nachbarschaft (aus deren Blickwinkel die ganze Geschichte erzählt wird) sich darüber die Köpfe zerbrachen, was denn nun schon wieder in den Mädchen vorgeht. Macht euch keine Hoffnungen: Was in einer Frau wirklich vorgeht, hat noch kein Mann zu hundert Prozent durchschaut, was sich zum Biespiel auch sehr gut in dem Doktor zeigt, der als Antwort darauf, dass ein 13-jähriges Mädchen ja noch gar keine Ahnung haben kann, wie hart die Welt da draußen sein kann, als Antowrt von eben jenem Mädchen (sinngemäß) folgendes zu hören bekommt: "Nun, sie waren offensichtlich noch nie ein 13-jähriges Mädchen".
Dieses Rätselhafte wird hier durchaus geschickt thematisiert, wenn die Jungs die Schwestern als ziemlich rätselhafte Wesen beschreiben, zu denen sie sich - was für sie anscheinend noch rätselhafter ist - immer mehr hingezogen fühlen. Es zeigt sich auch darin, dass die jungen Männer als Erwachsene noch immer nicht verstanden haben, wieso die Lisbon-Schwestern allesamt kollektiv Selbstmord begangen haben (als Zuschauer kann man es sich - da man immer wieder Hinweise erhält - allerdings zusammenreimen).
Josh Hartnett und Kirsten Dunst liefern hier sehr eindringliche Leistungen ab und könnten den Film auch alleine tragen, allerdings sind James Woods und Kathleen Turner viel zu gut in ihren Rollen, um sie hier nicht zu erwähnen.
Eines ist "The Virgin Suicides" nicht: Ein Actionreißer. Das will er - Gott sei Dank - auch gar nicht sein und das eher gemächliche Tempo steht der Geschichte sehr gut. Das gilt auch für den Soundtrack, der in seinen besten Momenten eine unwirklich-hypnotische Wirkung auf den Zuschauer hat.
Die DVD von Capelight gibt es in zwei verschiedenen Varianten. Bei der Special Edition ist noch ein Hörbuch dabei (der Film beruht ja auf einem Buch von Jeffrey Eugenides), bei der anderen Variante gibt es als Extras "nur" ein Making of, ein Musikvideo von AIR "Playground Love", eine Fotogalerie, die Highlights des Soundtracks und den Kinotrailer.

Fazit: "The Virgin Suicides" ist ein deprimierend schöner und zeitloser Film.