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Samstag, 11. August 2012

Kommissar Dobranski Folge 12 - Familienbande


Kommissar Dobranski glaubt, dass es nicht mehr schlimmer werden kann, als er mit seiner Ex-Frau und seinem Sohn Theo seinen ersten Urlaub seit 20 Jahren mit einem unfreiwilligen Familienausflug verbringen muss. Dabei haben seine richtigen Probleme noch nicht einmal angefangen. Als bei einem Halt an der Tankstelle seine Ex entführt wird, macht er dennoch keine Freudensprünge (ich würds tun bei der Nervensäge), sondern versucht herauszufinden, wer denn dahinter steckt. Diese Frage ist schnell geklärt. Bei den Entführern handelt es sich um Handlanger von Vargas, dem ungekrönten König des Kiez. Vargas will auf die (etwas umständliche) Tour erreichen, dass Dobranski die ebenfalls entführte Tochter von Vargas befreien soll. Dobranski darf keine Zeit verlieren...

Kommissar Dobranski - Familienbande

Mit Folge 12 fand die Hörspielreihe rund um den bärbeißigen Dobranski ihr Ende. Leider Gottes ist "Familienbande" bestenfalls als Glasuntersetzer in CD-Form zu gebrauchen. Das liegt vor allem an zwei Dingen. Erstens ist der Plot sehr an den Haaren herbeigezogen. Wieso sollte ein Kiezpate darauf bestehen, dass ein Kommissar sich um die Entführung seiner Tochter kümmert? Auf die Frage könnte es sicher jede Menge interessanter Antworten geben, nur: Man bekommt leider gar keine zu hören. Vargas taucht in der Reihe hier zum ersten und damit auch letzten Mal auf, Background zu ihm gibt es nicht. Dazu kommen dann auch noch Logiklöcher wie das folgende: Woher wissen Vargas' Leute eigentlich, dass Dobranski und Anhang dort sind, wenn der Ausflug doch eine spontane Sache war? Von Dobranskis Kollegen weiß Vargas nur, dass Dobranski im Urlaub ist. Frage 2: Warum macht Vargas die Übergabe von Dobranskis Ex unnötig kompliziert und sorgt letzten Endes dafür, dass er eingeknastet wird, wenn er davor sorgfältig darauf geachtet hat, keine direkten Beweise zu hinterlassen? Er hätte sie doch einfach irgendwo absetzen können, Dobranski hätte seine bescheuerte Nervensäge von Tochter doch ohnehin keine Sekudne länger freiwillig behalten.

Eine schrecklich nette....nein, eigentlich nur schreckliche Familie

Die Sache, die dem geneigten Hörer die Freude aber endgültig verleidet, ist Dobranskis Anhang. Ist Reinhilt Schneider als besserwisserische Marianne Dobranski schon in den anderen Hörspielen nur schwer auszuhalten, erhält sie hier auch noch Unterstützung von Monty Arnold in seiner Rolle als Dobranskis schwulen Sohn Theo, dessen Bestimmung es offenbar ist, mit einer Fistelstimme in voller Lautstärke Lieder von Marianne Rosenberg zu singen und Jack aus Will & Grace wie einen glaubhaften Charakter aussehen zu lassen. In dem Moment als er gescherzt hat, dass er erst nachsehen muss, ob sein Papa seine Dienstwaffe daheim gelassen hat, bevor er nochmal "Theo wir fahren nach Lodz" singt, habe ich inständig gebetet, dass eben jene Pistole möglichst schnell zum Einsatz kommt. Deshalb verstehe ich nicht wirklich, warum Dobranski es so eilig hat, seine Ex zu retten. Ich an seiner Stelle wäre den Entführern maximal nachgefahren, um sie zu fragen, ob sie Theo nicht auch gleich mitnehmen können. Dann hätte ich gewartet, bis entweder die Entführer völlig entnervt frewillig bei der nächsten Polizeistation einchecken, oder die Leichen von Marianne und Theo aus dem Hafen gefischt werden.
Wenn man sich die Tochter von Vargas etwas genauer ansieht, stellt sich allerdings auch die Frage, warum Papa seinen Lendensproß unbedingt gerettet haben will und nicht einfach eine neue Tochter zeugt. Die ist nämlich die einzige Person in der gesamten Hörspielreihe, der man die Pest fast genauso sehr an den Hals wünscht, wie Marianne und Theo und verweist damit unter anderem immerhin die weibliche Antwort auf Josef Fritzl aus Folge 11, "Ein Heim für HaJo", und die zwei Mütter, die in "Amerikanische Verhältnisse" ihre Kinder des Geldes wegen erschießen lassen, auf die Plätze.

Wie ich in zwei Szenen alle Hörer gegen mich aufbringe - eine Anleitung

Da sie diese Leistung in nur zwei Szenen vollbringt, will ich diese mal unter die Lupe nehmen. Da wäre erstens die Entführung selbst. Unser Opfer in spe geht mit zwei Leibwächtern shoppen, als plötzlich ein Wagen mit quietschenden Reifen vorfährt und den einen Bodyguard gleich mal auf die Hörner nimmt. Der wird auch gleich offenbar mit ner Uzi erschossen, während Nummer 2 vom zweiten Entführer per Flammenwerfer (!) zu einem Grillkotelett verarbeitet wird. Während jeder andere sich jetzt wohl amtlich in Hose machen würde vor Angst, hat unser Opfer nichts besseres zu tun, als die Harte zu markieren und Sachen wie "Mein Alter mach euch kalt!" durch die Gegend zu brüllen. Äh, Mädel: Die zwei schrecken vor einem zünftigen Doppelmord auf offener Straße nicht zurück um deiner habhaft zu werden und du glaubst echt, dass die ein gesteigertes Problem damit hätten, dir den Hals umzudrehen, wenn du ihnen zu sehr auf die Nerven gehst?
Szene 2 ist aber noch schöner. Dobranski hat es irgendwie geschafft, sich an das Versteck der Entführer heranzuschleichen und will dem Mädchen durchs Fesnter verklickern, dass er ihr großer strahlender Retter sein will. Die schafft es tatsächlich, Dobranski so lange in ein Gespräch zu verwickeln, bis die einzige abgestellte Wache es schafft, diesen mit einer Schaufel KO zu schlagen (wobei das auch nicht gerade für Dobranski spricht, dass er das zulässt). Der Schläger möchte Dobranski gleich lebendig begraben, ist aber selber blöd genug, das Entführungsopfer nicht wegzusperren (oder - noch besser - gleich mitzubegraben), sodass Dobranski sich von der blöden Göre retten lassen darf. Ich bin mir nicht sicher, wer von den dreien den "Dumm, dümmer, am dümmsten Award 2012" gewinnen sollte, deshalb bekommen ihn einfach alle miteinander.

Gute Sprecherleistung als verlorene Liebesmüh

Die Sprecher sind hier wie immer auf gewohnt hohem Niveau. Konrad Halver spielt den Kommissar mit einer solchen Inbrunst, dass man fast vergessen könnte, dass es sich hier "nur" um eine Rolle handelt, auch wenn er in der Erzählerfunktion oft ein wenig zu geschwätzig ist (was aber nicht am Sprecher liegt, sondern am Skript). Die anderen fallen ebenfalls nicht negativ ab, leider taucht Klaus Dittmann als Vargas etwas zu selten auf, die Figur ist völlig unterentwickelt. Sonita Sodhi bemüht sich als Vargas' Tochter auch redlich, wird aber (genauso wie Reinhilt Schneider und Monty Arnold) von den Blödheiten des Skripts und der Regie regelrecht erschlagen. Das zeigt mal wieder, dass selbst die beten Sprecher aus einer schlechten Vorlage kein gutes Hörspiel machen können.

Fazit zu Kommissar Dobranski - Familienbande

Abschließend kann nur gesagt werden, dass Folge 12 dieser Reihe schon von Anfang an eine Totgeburt war. Die Idee ist viel zu sehr kontruiert und weit hergeholt, die Figuren sind allesamt bescheuert und/oder enervierende Nervensägen und so jagt bis zum Ende ein Kopfpatschmoment den nächsten.

Dienstag, 22. November 2011

Kommissar Dobranski Folge 9 - Amerikanische Verhältnisse

Titel: Kommissar Dobranski Folge 9 - Amerikanische Verhältnisse

Veröffentlichung: Jänner 2009Lübbe Audio

Mit: Konrad Halver, Asad Schwarz-Msesilamba, Robert Missler, Ivo Moeller, u.a.

Label: Lübbe Audio

Buch: Andreas Neuenkirchen

Regie, Produktion und Geräusche: Sebastian Steffens

Dauer: 49 Minuten


Kommissar Dobranski ermittelt in der HipHop-Szene
Als der berühmte Rapper "Freund" im Tonstudio mit drei Schüssen regelrecht hingerichtet wird, ruft das nicht nur Kommissar Horst Dobranski, das Rauhbein der Davidwache, sondern auch seinen jungen Kollegen Cem Aslam, der sich in der Rapper-Szene sehr gut auskennt, auf den Plan. Gemeinsam versuchen beide, den Fall zu lösen und stoßen schnell auf diverse Spuren, die auf die rechtsextreme Szene hinweisen.  Als dann auch noch Freunds ehemaliger Partner "Kupferstecher" (ganz ehrlich, ich habe schon coolere Rappernamen gehört) beim Videodreh im Puff ebenfalls mit einer Smith & Wesson Targetmaster erschossen wird, ist endgültig Feuer am Dach...

Amerikanische Verhältnisse für Kommissar Dobranski

(Spoilerwarnung voraus) Die neunte Folge dieser leider viel zu früh (nach zwölf Episoden) eingestellten Krimireihe spielt in der deutschen HipHop-Szene. "Amerikanische Verhältnisse" ist einer der Höhepunkte der Hörspielreihe rund um den abgebrühten Kommissar. Zwar kann man relativ schnell erraten, wer denn (zumindest bei einem von dreien) der Täter ist, aber die Art und Weise, wie Dobranski und Aslam der ganzen Sache auf die Spur kommen, ist durchaus witzig gemacht. Ein Höhepunkt ist das doch etwas ungewöhnliche Gespräch zwischen Cem Aslam und seinem Informanten in der rechten Szene, das doch ein wenig anders abläuft, als andere Unterhaltungen dieser Art.
Lediglich zwei Punkte stören den guten gesamteindruck ein wenig. Warum wird Cem Aslam eigentlich von den eigenen Kollegen sofort des Mordes verdächtigt, als er Kupferstechers Leiche findet? Das entbehrt jeglicher Grundlage, wenn man bedenkt, dass er von Dobranski zu diesem geschickt worden ist, damit der ihn verhören kann und Aslam somit eine mehr als glaubwürdige Erklärung dafür hat, wieso er gerade dort zu einem zugegebenermaßen für ihn eher ungünstigen Zeitpunkt auftaucht. Außerdem ist die Sache dann innerhalb von zwei Minuten vom Tisch und wird nie wieder angesprochen, was den Verdacht verstärkt, dass man hier wohl nur ein wenig Zeit totschlagen wollte.
Zweitens kommt die eigentliche Auflösung der Morde ziemlich aus dem Nichts, sie wird in den vorherigen Ermittlungen nicht einmal angedeutet und das ist bei einem Krimi immer schlecht. Natürlich sind überraschende Auflösungen immer toll, wenn sie gut gemacht wurden, aber hier hat man den Hörerinnen und Hörern noch nicht einmal den kleinsten Hinweis gegönnt, die beiden Ermittler haben die Auftraggeber bis ungefähr zehn Sekunden vor ihren Geständnissen noch nicht einmal getroffen, was schon sehr seltsam ist, wenn man bedenkt, dass (letzte Spoilerwarnung voraus) es sich bei den Täterinnen um die Mütter der beiden Opfer handelt. Da hat man im Drehbuch leider an einer entscheidenden Stelle geschlampt.

Die Sprecherinnen und Sprecher in "Kommissar Dobranski - Amerikanische Verhältnisse"

Die Sprecherinnen und Sprecher liefern die für diese Reihe gewohnten guten Leistungen ab, wobei Konrad Halver als griesgrämiger Kommissar mit dem Herzen am rechten Fleck wie immer der absolute Chef im Ring ist. Aber auch Asad Schwarz-Msesilamba ist ziemlich gut in der Rolle des ehrgeizigen und jungen Cem Aslam.

Damit ihr euch ein Bild von den Leistungen machen könnt, gibt es an dieser Stelle ein Video von einer Live-Lesung der Folge "Der vierte Mann":




Fazit zu "Kommissar Dobranski - Amerikanische Verhältnisse"

Dieses Hörspiel ist an und für sich sehr gut gemacht. Leider stört vor allem die Auflösung, welche so wirkt, als wäre den Machern erst zum Schluss eingefallen, dass sie noch so etwas wie einen Mörder präsentieren sollten, den ansonsten tollen Gesamteindruck und sorgt so dafür, dass Folge 9 doch noch "nur" ganz nette Unterhaltung ist.