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Montag, 2. September 2013

Lords of Space Folge 2 - Gefangene des Kristalls

(Hier gehts zu Teil 1):

Chris Austin, der nun unter dem Namen Lord Heros die "weiße Lordschaft" in unserem Universum (also die Guten) anführt, erhält gemeinsam mit dem dunklen Lord Cryptor (ehemals Caine Covic) von der "Velvet Queen" Lysia (der Herrscherin von irgendeinem fremden Planeten) eine Einladung zu einem Besuch in ihrem Wolkenschloss. Beide wissen nicht, dass die Velvet Queen einen Hintergedanken hat: Die mit starken PSI-Fähigkeiten ausgestattete Frau möchte die Quelle der Unsterblichkeit finden. Diese kennen Cryptor und Heros schon, wurde ihnen diese doch von den Lord-Beobachtern verliehen. Lord-Beobachter Tyros weiß bereits, dass die Velvet Queen sich auf Cryptors Seite stellen wird und beschließt daher, Heros und dem ebenfalls eingeladenen Sido-Doppler Fluxxo(r) eine neue Mitstreiterin zur Verfügung zu stellen: Lady of Space Nova hat ebenfalls starke PSI-Fähigkeiten und kann es als einzige mit der Velvet Queen aufnehmen. Diese neigt nämlich dazu, alle Menschen, die ihr den gewünschten Jungbrunnen verwehren, in Kristalle einzusperren. Aber auf Heros wartet noch eine Überraschung: Bei Lady Nova handelt es sich um Lorna Scott, die auf der Erde Chris Austins Geliebte war...

Lords of Space Folge 2 - Gefangene des Kristalls
Herzlich willkommen zum zweiten Teil des brüllenden Wahnsinns, der den Namen "Lords of Space" trägt! Auch heute dürfen Sie Peter Wenke als Lord Cryptor dabei zuhören, wie er es schafft, die nach oben offene Overacting-Skala in den Orbit schießen zu lassen. Allerdings steht er diesmal nicht alleine da, denn Karin Zerdik, welche die Velvet Queen verkörpert, bewirbt sich ebenfalls sehr eindrucksvoll um den "Jeremy-Irons-Gedächtnisaward". (Und das ein paar Jahre vor Dungeons & Dragons. Ich bin beeindruckt.)
Natürlich ist auch der nervende Fluxxor wieder dabei, dessen Sprecher (leider konnte ich nirgendwo eine Sprecherliste finden) sich alle Mühe gibt, wie ein Hund zu klingen, dem ein Sumo-Ringer auf den Schwanz gestiegen ist. Lutz Nicolai klingt als Chris Austin wie ein He-Man für Arme, nur Dorothea Mundas hat als Lady Nova nicht sehr viel zu tun. Bei ihr war man sich wohl nicht sicher, welche Charaktereigenschaften man ihr verleihen soll, deshalb hat man ihr vorsichtshalber gar keine mitgegeben (allerdings empfiehlt sie sich mit Aussagen wie "Lorna Scott gibt es nicht mehr, ich bin jetzt nur noch Lady Nova" dringend für eine Psychotherapie).

Durchgeknallter gehts immer
Wer geglaubt hat, dass die Handlung von Teil 1 schon idiotisch ist, der sollte die Fortsetzung am besten meiden (oder sich erst recht auf sie stürzen, wenn man mal wieder lachen will). Das beginnt mit so Kleinigkeiten wie den Adelstiteln (was zum Beispiel soll "Elasthor, der Doppelschwere von Elasthan" bedeuten? Frisst der Gute doppelt so viel wie seine Freunde auf Elasthan, oder was?) oder den "Kerkern" für Lysias Gefangene (wie soll ich mir einen "Gedankenkristall" vorstellen?) und setzt sich mit Episoden wie der Einladung der Velvet Queen fort. Die überbringt diese nämlich so, dass sie in die Gehirne von Heros und Fluxxor eindringt und ihnen einredet, ihr Schiff stünde unter schwerem Beschuss. Dann sagt sie sowas wie "War doch nur ein Scherz, Jungs!" und erklärt, dass sie ihre Einladungen immer so überbringen würde (wenn das stimmt, hat Cryptor bestimmt auch herzlich gelacht).Großartig ist auch die Party bei der Velvet Queen in ihrem Wolkenschloss. Dort sitzen Cryptor und Heros, die aufgrund der ihnen von den Lord-Beobachtern verliehenen "relativen Unsterblichkeit" (das heißt, sie können keines natürlichen Todes mehr sterben, sondern nur noch im Kampf den Löffel abgeben) nun eine violette Hautfarbe (!) haben und reden mit der Velvet Queen, die sie irgendwann durch das Schloss führt und ihnen - aus welchem Grund auch immer - die Kristalle mit den Gefangenen präsentiert. Dann will sie Cryptor und Heros auch gleich wegsperren (ohne sie vorher wirklich ernsthaft nach der Quelle der Unsterblichkeit gefragt zu haben - Sinn ergibt das Ganze an dieser Stelle schon lange keinen mehr). Allerdings rettet Nova den Tag, indem sie das Wolkenschloss der Velvet Queen mit einer Art Gedankensturm einstürzen lässt (dass das auch für die Helden tödlich enden könnte fällt ihr wohl nicht ein). Natürlich rettet der noble Heros dem bösen Cryptor dabei das Leben, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden, ob man ihn oder die Velvet Queen irgendwie gefangen nehmen sollte. Am Ende fragen Chris und Lorna sich, ob sie Cryptor nun endlich endgültig besiegt hätten. Tja, das hätten sie vielleicht sogar, wenn sie ihn nicht einfach hätten laufen lassen, aber so... (Außerdem ist das in meinen Augen ein ziemlich blödes Ende, wenn man bedenkt, dass es sich hier gerade einmal um die zweite Folge der Reihe handelt. Wer soll denn in den restlichen Episoden den Bösewicht geben, hm?)
Rätselhaft bleibt auch die Rolle der Lord-Beobachter. Diese haben im ersten Teil bestimmt, wer wohl auf welcher Seite kämpfen wird (es gibt einen für die Helden und einen für die Bösen). Nun agieren sie eher im Hintergrund, beantworten den handelnden Personen aber immer ihre Fragen und helfen ihnen. Das tun sie allerdings nur, wenn es gerade in die Handlung passt. So wusste Tyros bereits zuvor, dass die Velvet Queen sich wahrscheinlich der dunklen Lordschaft anschließen würde, aber Heros zu stecken, dass die Braut ein falscher Fuffziger ist, war wohl zu viel verlangt. (Andererseits hat jemand, der auf eine Einladung wie die obige mit einem "Jau, lass uns dort hinfliegen!" reagiert, es auch verdient, einen grausamen Tod zu sterben.) Und wer nun dieser ominöse "Vector Omega" sein soll, der noch einmal über allen anderen steht und uns vorrangig mit überflüssigen Kommentaren nervt, ist sowieso völlig unklar.
Die technische Umsetzung der Chose ist auch nicht gerade beeindruckend. Irgendwie hört sich alles so an, als wäre alles im Wohnzimmer von Produzent und Autor Rudolf Leubner aufgenommen worden. Besonders toll ist die Musik von Alexander Cherdron, die so klingt, als hätte man eine Kindergartengruppe mit einem Dutzend Synthesizern spielen lassen.

Fazit zu Lords of Space Folge 2 - Gefangene des Kristalls
Folge 2 ist genauso durchgeknallt und trashig wie Teil 1. Jeder der gerne einmal über ein unfreiwillig komisches Hörspiel lacht, kann hier bedenkenlos reinhören.

Donnerstag, 11. Juli 2013

Lords of Space Folge 1 - Planet der 1000 Abenteuer

Der Computerspezialist Chris Austin von der Erde nach PTA (Kurzform für: Planet des 1000 Abenteuer) gebracht. Dort muss er mehrere Prüfungen bestehen, die ihm vom Zentralcomputer Vektor Omega gestellt werden. Der Grund dafür ist, dass neue "Lords of Space" gesucht werden, die den seit Anbeginn der Zeit statt findenden Kampf zwischen Gut und Böse wieder aufnehmen sollen. Diese Lords of Space setzen sich aus der Elite der Sternenvölker zusammen. Ihr Hauptsitz ist PTA, der im Zentrum des Universums liegt und in eine Zone für die Guten (hell & freundlich) und die Bösen (dunkel & lebensfeindlich) eingeteilt ist. Je nachdem, wie sie die ihnen auferlegten Prüfungen bestehen, werden Chris und sein Rivale Caine Covic der guten oder der bösen Seite zugeteilt. Aufgurnd der Tatsache, dass Caine einen Mordbefehl des Zentralcomputers ohne zu fragen ausführen will und Chris den Befehl aus moralischen Gründen verweigert, wir Caine zum Anführer der dunklen Seite, während Chris zu den Guten kommt. Damit beginnt der wahre Kampf aber erst...

Lords of Space - Planet der tausend Abenteuer
"Lords of Space Folge 1: Planet der 1000 Abenteuer" von Rudolf Leubner ist eines jener Hörspiele, das so schräg ist, dass man darüber einfach ein Review schreiben muss. Von der ersten Minute an wird der Zuhörer mit durchgeknallten Ideen regelrecht überschüttet und das Overacting der Sprecherinnen und Sprecher (allen voran Peter Wenke) treibt einem die Tränen in die Augen. Was die Charakterisierung angeht, hat man wohl den Baukasten für durchgeknallte Bösewichte geplündert, denn bei Covic fragt man sich nach spätestens zwei Minuten, ob sie den aus einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher herausteleportiert haben, so schnell wie der in den "Ich werde alle UMBRINGEN!!! MUAHAHAHA!!"-Modus schaltet. Nur: Wenn ich an das Wesen, welches er töten sollte, den Sidon-Doppler (keine Ahnung, was das sein soll) Fluxxor, denke, verstehe ich ihn voll und ganz.So eine Nervensäge hält doch niemand länger als fünf Minuten aus, ohne Mordfantasien zu entwickeln. Hoffentlich stirbt Fluxxor irgendwann in einem Feuer, ich befürchte aber, dass das in den weiteren Folgen eher nicht passieren wird.

Die Story ist völlig gaga
Inhaltlich gibt man auch von Anfang an Vollgas: Da wird der Protagonist mit der Hilfe eines Science Fiction Videos (wie das genau funktioniert wird gar nicht erst erklärt) auf einen für ihn fremden Planeten gebeamt und muss dort innerhalb von Minuten im Kampf gegen einen Dinosaurier bestehen, während eine Computerstimme ihm erklärt, dass er dazu auserkoren wurde, von jetzt an im elementaren Kampf von Gut gegen Böse eine entscheidende Rolle zu spielen. Dass das ein wenig plötzlich kommt, wird mit keinem Wort thematisiert, Chris stürzt sich sofort mit Begeisterung in den Kampf mit dem T-Rex und hat nur eine Waffe dabei, deren Bedienung er erst drei Sekunden vorher kapiert hat. Und so geht es unentwegt weiter. Chris hetzt von einer Prüfung zur nächsten, während Vektor Omega als Erzähler fungiert und dabei ununterbrochen Blödsinn von sich gibt, der wohl schwer philosophisch klingen soll. Dabei schwafelt Vektor Omega pausenlos etwas von Ying und Yang und erklärt, dass Chris hinten liegen würde, weil er sich erdreistet, zu viele Fragen zu stellen. Ist ja auch wirklich dreist, dass der Kerl wissen will, wieso er nun nicht mehr in seinem Wohnzimmer hockt und in einem Kampf auf Leben und Tod gegen einen T-Rex steckt. Eine Antwort bekommt er sowieso nicht, das wäre ja noch schöner! Dabei wird jede Aktion unseres Helden von einem theatralischen Tusch begleitet, ganz so, als ob es etwas ganz besonders Tolles ist, wenn Chris herausfindet, wo aus einer Kanone die Laserstrahlen rauskommen (ohne Scheiß, der Soundtrack tut so, als das etwas besonders Heldenhaftes wäre. Gott sei Dank hat er sich das Ding dabei nicht vors Gesicht gehalten).

Synthesizer rules!
Wenn jemand keine Synthesizer-Musik mag, sollte er um dieses Hörspiel besser einen Bogen machen, denn die gab es im Laden um die Ecke offenbar im Dutzend billiger. Echte Instrumente hat man gar nicht erst angeschaut. Das war für die Mitte der 80er  (in denen das Hörspiel produziert wurde) aber ohnehin typisch.

Fazit zu Lords of Space Folge 1 - Planet der 1000 Abenteuer
Dieses Hörspiel ist so schlecht, dass es schon wieder gut ist. Jeder Trashfan kann damit seinen Spaß haben, deshalb gibt es von mir eine Empfehlung (*hust*es ist übrigens komplett auf YouTube zu finden*hust*)!