Montag, 17. Oktober 2011

Schlachtfeld von Luca Bloom - Der Kampf ums Überleben in der Schule

Titel: "Schlachtfeld"

Autor: Luca Bloom

Erscheinungsdatum: 30. Jänner 2010 im Ueberreuter Verlag

128 Seiten

Inhalt von Luca Blooms Schlachtfeld

Der 15-jährige Johannes ist ein eher unscheinbarer Schüler, der mit seinen Klassenkameraden keine Probleme haben möchte und sich daher sehr gut unsichtbar machen kann, wenn es einmal brenzlig wird. Die Schule, die Johannes besucht, ist eigentlich wie jede andere. Es gibt dort die Außenseiter, die Normalos und die "coolen Kids". Es gibt aber auch David Mickner, seines Zeichens der heimliche Herrscher der Schule, der von allen, die ihre Zähne gerne behalten wollen, nur Mick genannt wird. Anfangs sind die Sticheleien zwischen Mick und seinem Lehrer Zinn, einem echten Ekelpaket von einem desillusioniertem Pädagogen, auch eher harmlos. Zinn ist ein Mensch, der es - zumindest seit er von seiner Frau verlassen wurde - offensichtlich nötig hat, sich selbst größer zu machen, indem er seine Schüler mit blöden Sprüchen im Unterricht fertig macht. Nur mit Mick hat er sich dafür den falschen Jungen ausgesucht, denn der sieht seine Position als Platzhirsch der Klasse angegriffen und holt zum Gegenangriff aus. Johannes bewundert und fürchtet Mick gleichermaßen dafür, dass er sich von Zinn nichts sagen lässt. Dann aber überschreitet Mick bei seiner nächsten Aktion definitiv die Grenze zwischen harmlosem Schülerstreich und persönlich tiefer gehenden Angriff. Daraus erwächst auch für Johannes ein großes Problem, denn er ist zur falschen Zeit am falschen Ort und beobachtet Mick dabei, wie er das Wort "Kinderficker" an Zinns Haustür schmiert. Als Mick bemerkt, dass Johannes ein Zeuge ist, zieht er diesen erst recht in die Sache hinein und bringt ihn dazu, für ihn zu lügen. Die folgende Klassenkonferenz trägt nicht nur nichts zur Beruhigung der Situation bei, sondern bereitet vielmehr den Boden für weitere Eskalationen. Johannes, der Junge, der am liebsten immer knapp unter dem Radar von Leuten wie Mick durchflog, ist plötzlich sichtbarer als ihm lieb ist, denn nur er könnte das Ungeheuerliche vielleicht noch verhindern. Oder hat er schon zu lange tatenlos geschwiegen?

Schlachtfeld von Luca Bloom - Ein tolles Buch

Ich habe mir dieses Buch gekauft, weil ich es beim Thalia gefunden habe und mir dachte, dass ich es vielleicht mit meiner vierten Klasse in Deutsch lesen könnte. Ein aktuelles Thema, das noch dazu so geschrieben wurde, dass man das Gefühl hat, beim Lesen die ganze Zeit neben den Protagonisten zu stehen und sie unweigerlich vor dem eigenen geistigen Auge agieren sieht? Das kann ja nur ein tolles Buch sein, oder nicht?
Ist es auch. Luca Blooms "Schlachtfeld" löst das verheißungsvolle Versprechen, das es den LeserInnen schon auf den ersten Seiten gibt, locker ein. Luca Bloom versteht es, die LeserInnen mit "Schlachtfeld" von der ersten Seite an zu fesseln, man fiebert dem Ende regelrecht entgegen.
Das liegt auch an der authentischen Sprache, die eben nicht nur dadurch echt wirkt, dass hier mit Kraftausdrücken nur so um sich geschmissen wird, sondern vor allem dadurch gut rüberkommt, dass Bloom den LeserInnen ohne viel Mühe das Gefühl vermitteln kann, dass er sich hier nicht nur an die Jugendlichen anbiedern will, sondern das seine Charaktere einfach so reden, weil ihnen der Schnabel so gewachsen ist (dass ich nun vor der Frage stehe, ob ich mit meiner Klasse dieses Buch, in dem Wörter wie "Fotze" oder "Schlampe" öfter vorkommen als das Wort "Frau", nun lesen kann oder nicht, steht auf einem anderen Blatt. Ganz zu schweigen davon, dass solche Kraftausdrücke früher in einem Buch, das ab 14 Jahren empfohlen wird, undenkbar gewesen wären. So ändern sich wohl die Zeiten).
Bemerkenswert ist, dass hier keiner der Protagonisten wirklich gut wegkommt. Johannes ist ein Mitläufer, der offen zugibt, dass er mitmacht, wenn andere gemobbt werden, schließlich lautet sein Motto "Besser die als ich". Mit Mick hat man zwar anfangs Mitleid, weil die Sprüche von Zinn wirklich beleidigend sind, aber mit seinen Aktionen überschreitet er alle Grenzen, die man - auch wenn einem sein Gegenüber noch so verhasst ist - schlicht und ergreifend nicht antasten darf. Zinn wiederum ist einfach ein Arschloch, das sich seinen SchülerInnen gegenüber unmögliche Sachen herausnimmt und ihnen "lustige Sprüche" an den Kopf wirft, die dermaßen beleidigend sind, dass ich mir mehr als einmal gedacht habe, ich springe jetzt ins Buch und haue ihm eine rein. So etwas wie einen strahlenden Helden sucht man hier vergeblich, vielmehr haben hier alle mehr oder weniger Dreck am Stecken.

Fazit zu Luca Blooms Schlachtfeld

 "Schlachtfeld" von Luca Bloom ist ein Buch, das nicht nur von Jugendlichen gelesen werden sollte.

1 Kommentar:

  1. Luca Bloom (ja, tatsächlich!) bedankt sich ganz herzlich für diese Rezension. Besonders gut fand ich die Stelle "ich springe jetzt ins Buch und haue ihm eine rein"- so ging es mir auch manchmal beim Schreiben.
    Kleiner Tipp: In der Taschenbuchausgabe, die bei Beltz erschienen ist, haben wir (Lektorat und ich) ein paar "Kraftausdrücke" rausgeworfen. Jetzt ist es, denke ich, gut als Klassenlektüre geeignet.
    Übrigens: Autoren lesen ihre Bücher sehr gerne vor und komme dazu besonders gerne in Schulen;-)
    Einfach an den Verlag wenden (Beltz oder Ueberreuter).
    Schöne Grüße aus Hannover!

    AntwortenLöschen