Mittwoch, 23. Januar 2013

Filme von A bis Z: M wie Make them die slowly

Der Buchstabe "M" im Film-ABC führt uns zu einem Film, der vor allem für eines bekannt ist: Seine extrem grausamen Tötungsszenen. Dass dieser Film daher nicht jugendfrei ist, dürfte klar sein, also liebe Kinder: Schaut euch lieber die Schlümpfe an. Außerdem ist "Make them die slowly" bekannter unter seinem eigentlichen Titel: "Cannibal Ferox". Ich habe ihn damals aber unter "Make them die slowly" kennen gelernt, deshalb kommt er hier unter "M".

Drei Freunde begeben sich in den Dschungel des Amazonas, um dort zu widerlegen, dass es unter den lokalen Stämmen Kannibalismus gibt. Dort angekommen treffen sie auf zwei zwielichtige Gestalten, die, weil sie wissen wollten, wo diese die bei ihnen gefundenen Smaragde her haben, zuvor ein junges Mädchen eines Eingeborenenstammes zu Tode folterten. Diese sind nun auf Rache aus und sie machen in ihrer Brutalität keinen Unterschied zwischen den drei Anthropologen und den beiden Verbrechern.

Make them die slowly aka Cannibal Ferox

Das Genre des Kannibalenfilms machte in den 70er und 80er Jahren einiges an Furore. Berüchtigt war es vor allem für seine explizite Gewaltdarstellung, die auch die reale Tötung von Tieren mit einschloss. Natürlich wurden diese Szenen eingesetzt, um damit werben zu können, wie hart und kontrovers der jeweilige Film doch ist. Die ausgewalzten Tötungsszenen sind meist so gedreht, dass man zwei Tiere aufeinander gehetzt hat, um dann zu filmen, wie eines das andere tötet. Es gibt allerdings auch Szenen in denen einer der Charaktere ein Tier tötet. Ich musste schon ein wenig lächeln, als ich zum ersten Mal hörte, dass Schauspieler Giovanni Lombardo Radice sich schlicht weigerte, das Schwein zu töten. Als Regisseur Umberto Lenzi ihn mit dem Satz "De Niro (der Radices gorßes Vorbild war) würde es tun!" überzeugen wollte, antwortete Radice mit "De Niro würde deinen Arsch bis nach Rom zurücktreten". Schließlich musste man ein Double finden, um die Szene zu drehen (ist ja schon erschreckend genug, dass sie tatsächlich eines gefunden haben). Die Tiertötungsszenen sind (mit den ganzen anderen Splattereffekten) eigentlich nur dazu da, den Film den Ruf zu verleihen, den er bis heute hat (Der Film wirbt immer noch mit dem Spruch "Banned in 31 countries", obwohl einige Länder das Verbot wieder aufgehoben haben). Ansonsten sind sie völlig unnötig und man stellt sich die Frage, ob es überhaupt nötig ist, für einen Film wirklich ein Tier umzubringen. Klar könnte man einwenden, dass man in jeder Tierdokumentation ähnliche Szenen zu sehen bekommt. Aber dort geschieht es nicht zum Gaudium des Publikums, dass die Tiere noch dazu möglichst langsam um die Ecke gebracht werden. Es ist mir schon klar, dass es in diesem Genre vor allem darum geht, dem Zuschauer immer extremere Szenen zu bieten, aber wenn man deswegen gleich ein paar Tiere tötet, ist für mich die Grenze zum Unerträglichen schon nur noch im Rückspiegel zu sehen.

Die Schauspieler und Effekte in Make them die slowly

Eines muss ich "Make them die slowly" zugestehen: Die Schauspielerinnen und Schauspieler gehen mir gar nicht so sehr auf die Nerven, wie es in manchen der hier rezensierten Filme sonst der Fall ist. Klar, Oscarmaterial wird man hier keines finden und gegen Giovanni Radice ist selbst Stephen Seagal ein echter Charaktermime, aber ich habe wirklich schon schlechteres gesehen (vielleicht habe ich auch einfach zu viele schlechte Filme konsumiert, das kann natürlich auch sein).
Die Effekte sind wirkich gut gemacht und lassen den Zuschauer mehr als einmal zusammenzucken. Ich werde hier keine der Szenen beschreiben, sondern nur soviel sagen: Was Brutalität und Sadismus angeht, ist der Film wirklich nichts für schwache Nerven, der zensierte Trailer sollte davon zumindest einen kleinen Eindruck vermitteln:


Die Inszenierung von "Make them die slowly" ist - für dieses Genre - gar nicht so schlecht. Klar gewinnt Umberto Lenzi nicht gerade einen Innovationspreis, aber das ist alles handwerklich routiniert gemacht. Die Musik unterstützt das Unbehagen, das sich hier langsam breit macht, dezent und erfüllt damit die an sie gestellten Ansprüche. Man könnte dem Film vielleicht vorwerfen, dass es etwas dauert, bis er endlich in die Gänge kommt und dass die Rahmenhandlung wirklich nur dazu dient, von einer Splatterszene zur nächsten zu führen. Aber ersteres hält sich meiner Meinung nach in Grenzen und wenn man zweiteres nicht sehen möchte, greift man ohnehin nicht zu "Make them die slowly".

Fazit zu Make them die slowly

Der Film lässt mich zwiegespalten zurück. Die Tiertötungen sind unnötig hoch drei. Dafür finde ich den Rest des Filmes - wenn man in Betracht zieht, was Umberto Lenzi machen wollte - gar nicht so schlecht.


Kommentare:

  1. "Drei Freunde begeben sich in den Dschungel des Amazonas, um dort zu widerlegen, dass es unter den lokalen Stämmen Kannibalismus gibt."
    Oh, die Ironie!

    "Natürlich wurden diese Szenen eingesetzt, um damit werben zu können, wie hart und kontrovers der jeweilige Film nicht wäre."
    An dem Satz stimmt irgendwas nicht.

    "Schließlich musste man ein Double finden, um die Szene zu drehen ist ja schon erschreckend genug, dass sie tatsächlich eines gefunden haben"
    Na komm, der durchschnittliche Bauer würde das ohne mit der Wimper zu zucken machen. Verweichlichter Hippie, du. Ausserdem: Zeichensetzung!

    "Klar könnte man einwenden, dass man in jeder Tierdokumentation ähnliche Szenen zu sehen bekommt. Aber dort geschieht es nicht zum Gaudium des Publikums, dass die Tiere noch dazu möglichst langsam um die Ecke gebracht werden."
    Wenn so ein Löwe ein Zebra reisst, finde ich das jeweils durchaus ein bisschen geil.

    "Oskarmaterial"
    Der Typ heisst immer noch Oscar.

    "und gegen Giovanni Radice ist selbst Stephen Seagal ein echter Charaktermime"
    Das möchte ich doch heftig bestreiten. Radice ist sicher kein Schauspielgenie, aber er kann durchaus was. Guck mal "Asphaltkannibalen".

    Ansonsten: Ganz aktzeptabel eigentlich, das Review. Aber du hast "Cannibal Ferox" unter "M" eingeordnet. 0/10

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    1. Alles korrigiert, bis auf den Satz, an dem irgendwas nicht stimmen soll (was ist daran denn nicht klar?), danke!

      Vielleich revidiere ich mein Urteil über Radice, wenn ich "Asphaltkannibalen" denn endlich mal sehe.

      Ich habe den Film einfach unter "Make them die slowly" kennen gelernt und die Blood Edition DVD (die ich hier habe) heißt auch so. Und da ich die DVDs für mein Film-ABC immer noch blind ziehe, nehme ich einfach, was da so kommt. ;-)

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    2. Ich glaube, Gregor meinte den Teil: "... wie hart ... der Film nicht wäre." Das klingt auch ein wenig unrund - kann das sein, dass das Dialekt ist, Kerl? Vor allem das "nicht"? Hochdeutsch würde ich den Satz so schreiben: "Natürlich wurden diese Szenen eingesetzt, um damit werben zu können, wie hart und kontrovers der jeweilige Film doch ist."
      Ist jetzt aber nur meine Vermutung. ;-)

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    3. Oh, ok. Stimmt, ist korrigiert. Danke!

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