Mittwoch, 3. Februar 2016

The Hateful Eight von Quentin Tarantino

The Hateful Eight (USA 2016) von Quentin Tarantino
Der Kopfgeldjäger John Ruth (Kurt Russell) möchte mit der Kutsche die von ihm zu überführende Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh) nach Red Rock an den Galgen bringen. Zu seinem Leidwesen zwingt ein heftiger Schneesturm seine Kutsche zu einem Zwischenstopp. Als wäre das noch nicht genug, muss er auch noch zwei von ihm nicht eingeplante Fahrgäste (Samuel L. Jackson und Walton Goggins) mitnehmen, die zufällig dasselbe Ziel haben wie er. Als die unfreiwillige Fahrgemeinschaft bei "Minnies Miederwarenladen" ankommt, um dort Schutz vor dem Sturm zu suchen, merken Ruth und die anderen schnell, dass etwas nicht stimmt. Erstens sind weder Minnie noch ihr Mann Sweet Dave anwesend und zweitens verhalten sich alle anderen Anwesenden äußerst seltsam. Für Ruth ist schnell klar: Mindestens einer von ihnen spielt falsch. Nun gilt es, Daisy Domergues Verbündeten möglichst schnell zu finden, da dieser nur auf eine Gelegenheit wartet, um alle anderen auszuschalten...


Eines gleich vorweg: "The Hateful Eight" ist ein Musterbeispiel für alle Stärken und Schwächen von Quentin Tarantino. Praktischerweise lassen diese sich in eine schwächere erste und stärkere zweite Hälfte des Filmes einteilen.
Die Einführung der Charakter in der ersten Stunde dauert. Und dauert. Und.....ach Herrgott noch einmal, sind die immer noch nicht in der Hütte angekommen?? Ja, ich weiß, dass man sich einen Tarantino-Film auch deshalb ansieht, weil seine Dialoge nicht nur dazu da sind, die Handlung voranzutreiben, sondern weil sie auch einen gewissen Coolness-Faktor haben und das ist auch gut so. Aber Kurt Russell dabei zuzuhören, wie er zweimal dasselbe 30-minütige Gespräch mit zwei verschiedenen Typen führt ("Lass mich in die Kutsche!" - "Nein, ich mag dich nicht!" - "Aber es ist kalt im Schneesturm!" - "Okay, na gut!" und das halt auf eine halbe Stunde ausgedehnt) ist schon ein wenig zu viel des guten, das hätte man locker kürzen können. Zwar kann man sich die Zeit mit der hübsch abgefilmten Landschaft vertreiben, aber ich war im Kino, um einen Western zu sehen und nicht das ORF-Wetterpanorama.
Interessant wird die Geschichte mit dem Eintreffen der Fahrgemeinschaft bei ihrem Unterschlupf und dem ersten Auftritt der restlichen Charaktere. Ab dem Moment, in dem klar wird, dass der Verdacht, dass einer dieser Männer falsch spielt, berechtigt ist, fesselt "The Hateful Eight" die Zuschauer an ihre Stühle. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Szene, in der es Domergues Verbündetem (natürlich von den Zusehern unerkannt) gelingt, unbemerkt den Kaffee zu vergiften. Ich habe selten einen so stillen Kinosaal gesehen, das ganze Publikum war darauf konzentriert, zu sehen, wer sich eine Tasse Kaffee nimmt, wer letzten Endes auch daraus trinkt und wer sich scheinbar gar nicht für das Getränk interessiert. Wer bei der obigen Inhaltsangabe an Tarantinos "Reservoir Dogs" denkt, muss nicht befürchten, hier nur eine Neuauflage derselben Handlung in einem anderen Setting vorgesetzt zu bekommen. Tarantino schafft es, die Ausgangslage und den Fortlauf der Handlung so abzuwandeln, dass sich die Ähnlichkeiten in Grenzen halten.
Eine absolute Klasse für sich sind die schauspielerischen Leistungen. Jennifer Jason Leigh wurde völlig zurecht für den Oscar nominiert. Tim Roth, Kurt Russell, Walton Goggins, Samuel L. Jackson, Michael Madsen, Bruce Dern - sie alle haben die Möglichkeit in zumindest einer Szene zu glänzen, ohne dabei die Handlung allzu sehr auszubremsen. So wie es in einem guten Ensemblefilm sein soll.
Wie oben bereits angesprochen, spielt die Kameraarbeit von Robert Richardson wie immer in einer eigenen Liga. Das gilt auch für den Score von Ennio Morricone, der hier zum ersten Mal seit 40 Jahren die Musik für einen Western komponierte. "The Hateful Eight" ist außerdem der erste Film, für den Tarantino zum größten Teil einen originalen Soundtrack verwendet hat und nicht auf bereits existierende Stücke zurückgriff. Zu guter Letzt mochte ich die Idee, dass der Film so getan hat, als wäre die Handlung in der Überlängen-Pause im Kino weiter gelaufen (es wurde nach der Pause eine kurze "Das ist in den 15 Minuten passiert, in denen ihr auf dem Klo wart"-Zusammenfassung präsentiert).

Fazit zu "The Hateful Eight"
Tarantinos neuester Streich ist ein Western, der anfangs viel zu langsam in die Gänge kommt, in der zweiten Hälfte die Kurve kriegt, sodass ich zu einem positiven Gesamturteil komme. Schaut euch den Film auf der großen Leinwand an.

Kommentare:

  1. Danke! Allein Morricone ist ein guter Grund ins Kino zu gehen.

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  2. Danke! Allein Morricone ist ein guter Grund ins Kino zu gehen.

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    1. Gerne. Ist auch völlig zurecht für den Oscar nominiert.

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