Samstag, 20. Oktober 2012

Filme von A bis Z: J wie Jud Süß

Mit dem Buchstaben J kommen wir so ziemlich zur schlimmsten und gefährlichsten Sorte von Film, die jemals auf Filmmaterial gebannt wurde. Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Film hier überhaupt besprechen soll. Dann habe ich mir gedacht, dass es nichts bringt, wenn man nicht darüber redet, wieso dieser Film auch heute noch gefährlich ist.

Jud Süß nach einer Novelle von Wilhelm Hauff

Der jüdische Finanzbeamte Süß Oppenheimer (Ferdinand Marian) erlangt im 18. Jahrhundert durch Zuwendungen die Gunst des Herzogs von Württemberg (Heinrich George). Süß überredet den Herzog zu immer mehr Untreue gegenüber dem Volk zu Gunsten seines eigenen luxuriösen Hofstaates. Zur Rückzahlung der angehäuften Schulden erhält Süß das Recht, Straßenzoll einzuheben, was ohne Zustimmung der Stände geschieht. Die Opposition gegen den Herzog konzentriert sich deshalb auf Süß Oppenheimer. Ihm werden Verfassungsbruch und persönliche Bereicherung im Amt vorgeworfen. Süß wiederum treibt den Herzog immer weiter an, den Ständen Widerstand zu leisten. Er rät dem Herzog schlussendlich zur gewaltsamen Niederschlagung einer drohenden Revolution.
Süß versucht außerdem immer wieder, sich an Dorothea (Kristina Söderbaum), die Tochter des Landschaftskonsulenten Sturm, heranzumachen. Er bittet Sturm mehrmals um ihre Hand. Als dieser ablehnt und seine Tochter stattddessen ihren Bräutigam Faber (Malte Jaeger), der ebenfalls auf der Seite der Stände steht, heiraten lässt, sorgt Süß dafür, dass Sturm verhaftet wird. Als Reaktion darauf und weil der Herzog gegen sie vorgehen will, entschließen sich die Stände zum Aufstand. Auch Faber wird verhaftet und gefoltert, als er geheime Nachrichten für die Aufständischen überbringen will. Dorothea geht zu Süß, um Fabers Freilassung zu erbitten. Süß zwingt sie ins Bett und vergewaltigt sie. Sie ertränkt sich im Fluss, Faber wird parallel dazu freigelassen. Er birgt Dorotheas Leichnam und der Aufstand beginnt. Die Bürger zerstören im Zorn Oppenheimers Palais. Dieser befindet sich beim Herzog in Ludwigsburg, wohin auch die Aufständischen ziehen, um dem Herzog ihre Forderungen zu präsentieren. Als sie dies tun, erleidet der Herzog einen Herzanfall und stirbt. Da nach dem Tod des Herzogs die Stände bis zur Wahl eines neuen Herzogs die Macht übernehmen, wird Süß sofort verhaftet. Am Ende des Films wird er aufgrund seiner Verbrechen, einer der Anklagepunkte lautet auf "Geschlechtsverkehr mit einer Christin", gehängt.

Politische Pornographie

Der deutsche Filmwissenschaftler Michael Töteberg bezeichnete "Jud Süß" in dem Buch "Film-Klassiker. 120 Filme (Auswahl aus dem Metzler Film Lexikon)" als "politische Pornographie". Diese Aussage bringt in zwei Worten die Wirkung dieses Films wunderbar auf den Punkt. Wenn man den Film aus heutiger Sicht betrachtet, kommt man einfach nicht umhin, festzustellen, wieso "Jud Süß" als Propagandafilm für die Nazis so großartig funktioniert hat. Das liegt nämlich nicht daran, dass Regisseur Veit Harlan und Co pflichtschuldigst alle antisemitischen Ressentiments eingebaut haben, die ihnen eingefallen sind. Der Hauptgrund ist einfach, dass "Jud Süß" neben seiner menschenverachtenden Propaganda auch als "normaler" Unterhaltungsfilm hervorragend funktioniert. Geschickt schafft Harlan es immer, die Spannung in den dramaturgisch genau richtigen Momenten zu erhöhen, bis es schließlich zum Höhepunkt kommt.
Da der Film durch seine spannende Geschichte ein gutes Fundament hat, kommt dann auch die menschenverachtende Propaganda bestens zum Tragen. Hier unterscheidet sich "Jud Süß" gravierend von zum Beispiel "Hitlerjunge Quex", den man heute leicht als unfreiwillig komisch verlachen kann.

Verschiedene Ebenen der Propaganda in Jud Süß

Bei "Jud Süß" ist es so, dass er seine Propaganda gleich auf drei Ebenen unters Volk bringt. Die erste Ebene ist die visuelle. Die Juden sind von Anfang an klar zu erkennen, mit ihren schwarzen Gewändern, ihren langen Bärten und ihrer auch recht auffälligen Gestik (beobachtet mal, wie oft zum Beispiel Marian mit seinen Händen herumwedelt, sich an seine Gesprächspartner regelrecht heranschmeißt, oder wie Werner Krauß als Rabbi mit dem Gehstock fuchtelt). Noch weitere schöne, wenn auch schwerer zu erkennende Beispiele für die visuelle Propaganda, sind der Galgen, an dem Süß am Ende aufgehängt wird und dass sich Süß und sein Sekretär einmal hinter einer Teufelsfratze verstecken, um den Herzog und die Stände zu belauschen (das Böse hört mit, oder was?). Das Gerüst des Galgens sieht wohl auch nicht von ungefähr aus wie ein stilisierter Davidstern.
Die zweite Ebene betrifft die Gespräche zwischen den Filmfiguren. Konsequent werden alle antisemitischen Äußerungen nur von den positiv konnotierten Charakteren ausgesprochen. Harlan und die Drehbuchautoren machen auch das sehr geschickt. Zwar werden anfangs auch immer wieder Sprüche gebracht, bei denen es einem heutzutage den Magen umdrehen sollte ("Hier gibt es keine Judenherbergen"), allerdigs kommen die wirklich schlimmen Sachen erst ab einem Zeitpunkt, zu dem bereits klar ist, dass Süß das absolut Böse darstellen soll. Ein großartiges Beispiel dafür ist die Szene, in der die Stände ihrem Herzog sagen, dass selbst Martin Luther gesagt habe, welche Heldentat es wäre, jüdische Synagogen anzuzünden (der Film präsentiert antisemitische Hetztiraden übrigens sehr gerne als historische Zitate).
Ebene Nummer 3 ist die sexuelle. Damit meine ich nicht nur die Vergwaltigung von Dorothea. Immer wieder wird von den "Helden" darauf hingewiesen, dass die Juden ja Unzucht mit den christlichen Frauen treiben könnten. Sturm antwortet Süß auf dessen Bitte, Sturms Tochter Dorothea heiraten zu dürfen, sinngemäß mit den Worten: "Meine Tochter bringt keine Judenkinder zur Welt!" Süß Oppenheimer selbst wirkt mit seinem Handgewedel, der Art wie er geht (kein Scheiß, ich meine das ernst!) und der Art und Weise, wie er in den persönlichen Bereich seiner Gesprächspartner eindringt und mit ihnen immer wieder auf Tuchfühlung geht, wie eine Prostituierte, die sich dem Meistbietenden hingibt. Deshab finde ich auch Tötebergs Phrase von der "politischen Pornographie" so passend: Harlan macht den Zuschauer in diesen Szenen regelrecht zum notgeilen Voyeur.

Die Schauspieler in Jud Süß

Propagandaminister Joseph Goebbels setzte damals alles daran, für den Film ein richtiges Starensemble zusammen zu stellen. Nachdem bereits mehrere Schauspieler (unter ihnen Emil Jannings, der erste deutsche Oskarpreisträger) die Rolle des Jud Süß abgelehnt hatten, trug er diese schließlich an Ferdinand Marian heran. In seinem Tagebuch vermerkt Goebbels dazu: "Mit Marian über den Jud-Süss-Stoff gesprochen. Er will nicht recht heran, den Juden zu spielen. Aber ich bringe ihn mit einigem Nachhelfen doch dazu." Einige Quellen besagen, dass "Nachhelfen" bei Goebbels meinte, dass er Marian klar gemacht habe, dass dessen halbjüdischer Stiefsohn eine Ablehnung dieser Rolle nicht überleben würde.
Auch die anderen Schauspieler haben sich teilweise (erfolglos) gegen das Filmengagement gewehrt (zumindest behaupten sie das, anderes konnte man später natürlich nicht mehr beweisen). Kristina Söderbaum wollte sich angeblich mit der kurz zuvor erfolgten Geburt ihres Kindes herausreden (sie bekam von Goebbels eine Amme und hatte damit keine Ausrede mehr). Werner Krauß hat für sich eine Doppelrolle eingefordert, angeblich weil er so eine Ablehnung seiner Person provozieren wollte (er durfte dann gleich fast alle Juden spielen. Außerdem glaubt man eine solche Aussage einem offenen Antisemiten wie Krauß nur sehr schwer). Marian selbst habe auch noch einmal versucht, aus der Rolle herauszukommen, indem er zumindest teilweise bei den Aufnahmen seine Rolle sehr einnehmend zu spielen versuchte.
Egal, ob sie sich herausreden und gegen ihre Besetzung wehren wollten oder nicht: Die SchauspielerInnen liefern in "Jud Süß" allesamt hervorragende Leistungen ab. Ferdinand Marian würde ich, wenn ich eine Traumbesetzung für Goethes Faust zusammenstellen dürfte, jederzeit als Mephisto besetzen. Die Söderbaum könnte dann gleich das Gretchen spielen, so perfekt wie sie die reine Unschuld verkörpert. Wenn man Heinrich George so ansieht, erkennt man ebenfalls gleich, wo sein Sohn Götz sein Talent geerbt hat. Auch Malte Jaeger als Faber, der als junger Mann wohl so etwas wie die Hitlerjugend repräsentieren soll, liefert eine gute Leistung ab.
Meine persönliche Nemesis in diesem Film bleibt aber Werner Krauß. Warum dieser Mann einfach ungestraft weitermachen durfte, während der 1946 bei einem Autounfall verstorbene Marian Berufsverbot erhielt (und das, obwohl man - wie oben erwähnt - das Leben seines Stiefsohns bedroht hatte, wenn er die Rolle ablehnt), wird mir auf ewig ein Rätsel bleiben. ich habe noch nie jemanden erlebt, der ,mit voller Absicht, in seinen mehreren Rollen so viele antisemitische und schlichtweg beleidigende Klischees mit dieser Inbrunst dargestellt hat. Ich persölich glaube ihm seine faule Ausrede von den Doppelrollen und der provozierten Entlassung überhaupt nicht. Aber Hauptsache, man hat ihm nach dem Krieg noch den Iffland-Ring, das große Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich, das große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland und den Ehrenring der Stadt Wien hinterher geschmissen hat. Ist doch toll, wie der Herr nach dem Krieg für seine Mitwirkung am Naziregime (er war seit 1934 aktiv dabei) "bestraft" wurde, oder? Der österreichische Schauspieler und Regisseur Fritz Kortner bringt den Charakter von Krauß auf den Punkt: "Ein Nazi und ein Schweinehund - aber ein großer Schauspieler."

Jud Süß - In Deutschland ein "Vorbehaltsfilm"

In Deutschland ist "Jud Süß" ein so genannter "Vorbehaltsfilm". Das bedeutet, dass er nur bei speziellen Aufführungen und nur mit einen begleitenden Kommentar gezeigt werden darf. In Österreich und der Schweiz ist der Film frei zugänglich (DVD gibt es hierzulande keine).
Ich muss sagen, dass mir die deusche Variante hier ausnahmsweise besser gefällt, als die österreichische. So kann man den Film zwar sehen, durch die begleitenden Kommentare wird er aber für Nazis, die ihn eventuell zu Propagandazwecken einsetzen möchten, unbrauchbar. Als solche würde er nämlich bis heute noch teuflisch gut funktionieren. Wenn ihr mir nicht glaubt, dann lest euch mal folgende Internetkommentare zu dem Film durch (und nein, ich werde nicht sagen, woch die her habe. Rechtschreibfehler habe ich nicht korrigiert. Es sollen ruhig alle sehen, dass ausgerechnet für die ach so tollen Arier die deutsche Sprache oft genug ein unüberwindliches Hindernis darstellt):

HerrHybris:
"Dieser Film zeigt Graumann, Friedmann und Co recht passabel. Und wo kennen denn Künstler heute ihre Verantwortung??? Sie dienen den heutigen Machthabern und produzieren, was selbige sehen wollen. Also hören Sie auf mit Ihrer verlogenen demokratistischen Moralsoße. Vielleicht bekommen IHRE heutigen Künstker ebenfalls ihren gerechten Lohn????"

Der Panzerbaer:
"Genau. Heute werden ja auch keinerlei Filme mehr gedreht die ein ganzes Volk dämonisieren und kriminalisieren, die genüßlich das Abschlachten von Deutschen regelrecht feiern, bei deren Premiere der BRD-Promipöbel dümmlich grinsend auf dem roten Teppich begeistert dieses Machwerk hochleben läßt. Ein System das "Inglorious Basterds" feiert hat jedes Recht verloren dieses Meisterwerk und seine Schöpfer zu kritisieren."

carinhall1:
"Da die heutigen Herrscher sich in diesem Film erkennen,ist er verboten.Pech nur das die Zensur nicht mehr klappt."

DaneCookHater:
"A great movie. As relevant today as it was then. All the people of the world will throw off the yoke of jewish oppression."

Ninnghizida:
"Dieser Film sollte eher um 20:15 im TV auf allen sendern gezeigt werden um den Menschen wenigstens einen einblick darin zu geben wie Zionisten handeln und denken und ehrlich gesagt finde ich das der Jude/Zionist in diesem Film noch recht gut wegkommt , hier wurde die Wahrheit meiner meiunung nach nur durch die Blume gezeigt."

Derselbe nochmal:
"Juden sind noch größere Rassisten als Nazis und weitaus gefährlicher als Moslems andersgläubigen gegenüber , jeder der den Talmud kennt wird das bestätigen können , vorallem gegen Zionisten muss man an allen fronten mit ALLEN! mitteln vorgehen."



Erschreckend? Ich finde schon.

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