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Donnerstag, 2. Januar 2014

übernacht von Johanna Steiner

übernacht von Johanna Steiner
In Berlin wird gerade Silvester gefeiert. Jan (Tom Schilling) startet gerade mit seiner Boyband durch und hat nun zum ersten Mal seit Monaten ein paar Tage frei, um seine Gedanken zu sortieren und darüber nachzudenken, dass sein Leben nun nach dem Durchbruch in anderen Bahnen verlaufen wird als davor. Seine ehemalige Schulkollegin Nele (Fritzi Haberlandt) bringt ihn dazu, mit ihr auf eine Party zu gehen. Die junge Audrey (Julia Hummer) will die Nacht ihres noch jungen Lebens verbringen. Dabei verläuft aber einiges nicht so wie geplant, bis sie an einem Kiosk Serdar (Ismail Deniz) trifft. Ella (Vera Teltz) kehrt für eine Nacht aus Amerika zurück. Sie möchte ihrem Freund (Sascha Rotermund) sagen, dass sie schwanger ist und die Weichen für ihre Zukunft stellen. Die Schicksale von diesen Menschen berühren sich in dieser einen Nacht...


Übernacht von Johanna Steiner
Eigentlich hätte ja "übernacht" aus dem Jahr 2011 von Oliver Rohrbecks Lauscherlounge mein Silvesterreview sein sollen (der Text ist aber nicht rechtzeitig fertig geworden), da es thematisch besser gepasst hätte. Dafür kommt es jetzt mit ein paar Tagen Verspätung.

Weggabelungen
Hier geht es um drei Menschen, die in ihren Leben an einem Wendepunkt angekommen sind und nun zur Jahreswende wird sich auch entscheiden, wie es mit ihnen weitergeht. Jeder kennt dieses Gefühl, dass er in seinem Leben an einer Kreuzung steht und sich fragt, welchen Weg er denn jetzt nehmen soll (vielleicht gefällt mir das Hörspiel auch deshalb so gut, weil ich dieses Gefühl sehr genau kenne). Die große Stärke von "übernacht" ist es, dass diese drei Geschichten absolut authentisch erzählt werden. Das Skript von Johanna Steiner driftet zu keinem Zeitpunkt in Melodramatik oder Kitsch ab und die Dialoge klingen wie direkt aus dem Leben gegriffen. "übernacht" schafft hier etwas, was viele Hörspiele nicht können: Meist wird in diesen etwas mehr geredet und vor allem beschrieben als notwendig, damit die Zuhörer sich die jeweilige Szene besser vorstellen können. Steiner und die Sprecherinnen und Sprecher schaffen es, dass die Gespräche völlig natürlich klingen und man sich nie dabei ertappt, zu denken, dass niemand so reden und zum Beispiel den Raum, in dem er sich gerade befindet, so detailgetreu beschreiben würde (hoffe, es ist halbwegs klar, was ich meine).
Die hier erzählten Episoden sind nicht wirklich miteinander verbunden, es gibt maximal ein paar sehr lockere Berührungspunkte. Das stört aber nicht weiter, da die Übergänge sehr fließend gemacht sind und man sich zu jedem Zeitpunkt auskennt, in welcher Geschichte man sich gerade befindet (was - wenn ich an Filme wie "Das Werwolfspiel" denke - keine Selbstverständlichkeit ist).
Sämtliche Rollen sind großartig besetzt. Tom Schilling, Fritzi Haberlandt, Vera Teltz (Pavor), Julia Hummer, Ismail Deniz und Co. machen einen großartigen Job und füllen ihre Rollen phänomenal aus.

übernacht - Das Fazit
"übernacht" finde ich faszinierend. Das Hörspiel lässt sich in absolut keine Schublade stecken und fesselt den Hörer von der ersten Minute an mit tollen Performances und einer guten Geschichte. Hier gibts noch ein paar Making ofs dazu:


Und hier das Titellied:


Freitag, 25. Mai 2012

Pavor - Eine Nacht voller Angst

Titel: Pavor

Veröffentlichung: 2010 bei der Lauscherlounge

Autor: Florian Bald

Regie: Oliver Rohrbeck

Musik: Dirk Wilhelm

Sounddesign: Tommi Schneefuß

Mit: Oliver Rohrbeck, Margit Bendokat, Jürgen Thormann, Tanja Fornaro, Simon Jäger, u.a.

Länge: ca. 69 Minuten

Pavor - Angst

Als Alexanders Onkel Iwan im ukrainischen Dorf Pavor (dessen Name auch das lateinische Wort für "Angst" ist) stirbt, muss dieser zum ersten Mal seit langem zurück in seine Heimat, da natürlich die Beerdigung ansteht. Begeistert ist er nicht gerade davon, da ihm einige seiner Verwandten seine Auswanderung nach Deutschland noch immer übel nehmen. Er möchte am liebsten auch gleich wieder auf dem Absatz kehrt machen, als er erfährt, dass seine Mutter gar kein Bett für ihn hat und er in Onkel Iwans altem Haus übernachten muss. Das allein wäre ja kein Problem, aber die Tatsache, dass Onkel Iwan immer noch im Schlafzimmer liegt, weil die Sargträger sich geweigert hatten, ihn über die Schwelle zu tragen, lässt ihm doch ziemlich mulmig im Magen werden. Das ist aber noch nichts im Vergleich zu der bevorstehenden Nacht, die Alexander bis zu einem tragischen Ereignis in seiner Kindheit führt und für Alexander endlich klärt, warum ihm beim Gedanken an seine Heimat immer zuerst ein Beet von Stiefmütterchen einfällt...
(Die Hörprobe dauert nur fünf Minuten obwohl acht Minuten angezeigt werden.)



Atmosphärisches Hörspiel

"Pavor" ist ein Hörspiel, das unter anderem von seiner großartig eingefangenen Atmosphäre lebt. Die melancholische "Schwere", die auf Alexander lastet, ist die ganze Zeit über greifbar. Warum das so ist, begreift man allerdings erst mit der Zeit, die einzelnen Ebenen zeigen sich erst nach und nach. Es ist echt faszinierend, wie geschickt hier mit der Frage "Was ist real und was nicht?" gespielt wird. Die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit verschwimmen immer mehr. Passiert das alles gerade wirklich? Oder entspringen die Vorgänge Alexanders Geist, weil der mit der Situation nicht fertig wird? Vielleicht leidet er an Pavor nocturnus, einer Krankheit, die sich wohl nicht zufällig ihren Namen mit dem Hörspiel teilt? "Pavor" lässt hier durachus Raum für Interpretationen.

Großartige Soundkulisse und SprecherInnen

Besonders gut gelungen ist die sehr subtile Soundkulisse, die die Geschichte hervorragend unterstützt und für echte Gänsehaut sorgt, auch die Musik steht dem in nichts nach. So richtig klasse wird "Pavor" aber erst durch seine Sprecherinnen und Sprecher. Oliver Rohrbeck (der ohnehin einer meiner Lieblingssprecher ist) agiert in absoluter Höchstform und Margit Bendokat ist als seine Mutter ziemlich witzig. Bei Rohrbeck ist außerdem bemerkenswert, dass er es schafft, dass man beim Hören keine Sekunde lang an seine Paraderollen als Justus Jonas aus den drei Fragezeichen und als Synchronsprecher von Ben Stiller denkt.

Schöne Schauergeschichte

"Pavor" ist eine schön gemachte Schauergeschichte, die zwar nicht das allerhöchste Erzähltempo an den Tag legt, aber gerade dadurch, dass sich das Unbehagen erst langsam zum blanken Horror steigert, zieht Pavor die Hörer erst so richtig in die Geschichte hinein. Einzig die Einleitung ist vielleicht ein wenig zu lange, man hätte das Hörspiel hier vielleicht ein wenig straffen können. Sonst ist Pavor wirklich einen Blick wert. Ich weiß, dass das ein eher kurzes Review war, aber an dem Hörspiel gibts nichts auszusetzen. ;-)